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Aus dem Sueden kommt das Leben / 1
Die "Foederation der indianischen Nationen Sasketchewans" hat sich
eine
Universitaet errichtet. Sie steht in Regina, der wichtigen Stadt der
kanadischen Provinz Sasketchewan, und dient als Universitaet der
indianischen Voelker Kanadas, eine Einrichtung, ueber die die
indianische Bevoelkerung der USA nicht verfuegt. Der Hochschulrektor
sagte bei der Eroeffnung:
"So wie frueher der Bison das Ueberleben der indianischen Voelker
sicherte, so sichert heute die Bildung die Zukunft der First Nations."
(1)
Die Indianer Sasketchuans, so Braune, sind sich bewusst, dass sie in
etwa 30 Jahren ein Drittel der Bevoelkerung der Provinz stellen werden.
Die Ausbildung an der "First Nations University" soll dazu dienen,
Indianer auch auf Regierungsaufgaben in der Provinz vorzubereiten.
Die zentrale Eingangshalle der Universitaet, die man zunaechst betritt,
enthaelt als Mittelpunkt eine riesige Zeltkonstruktion aus Stahl und
Glas in Tipi-Form, in der als Rund eine Sitzbank um die zentrale
Weihestaette verlaeuft. Es handelt sich dabei um einen roten Speckstein,
auf dem etwas Sweetgras, Salbei und andere Kraeuter liegen. Daneben ist
eine Muschelschale und ein Briefumschlag abgelegt, in dem sich eine
Adlerfeder befindet:
"Die Feder hilft, das Feuer anzufachen." (2)
Durch den Rauch, der mit dem Verbrennen der Kraeuter aufsteigt, reinigen
sich die Menschen, das Schlechte verschwindet, und mit dem Rauch steigen
auch die Gebete der Indianer zum Himmel, zum Schoepfer der Welt, auf, so
die religioese Indianerphilosophie.
Um in das Tipi zu gelangen, muss eine rote Eingangstuer, aus uraltem
Zedernholz gefertigt, durchschritten werden. Die Studierenden nutzen den
Raum zur Meditation und Reinigung der Seele. Sie treffen bei
Zeremonialhandlungen, wenn sie stattfinden, auf alte Weise ihres Volkes.
Links und rechts der glaesernen Eingangshalle, mit dem Tipi im
Mittelpunkt, schwingen die beiden Fluegel des Hochschulgebaeudes, aus
Seminarraeumen und anderen Nutzraeumen bestehend, aus und bilden ein
Halbrund zu einer Graslandschaft, auf welche die Fenster ausgerichtet
sind. Die Ausrichtung dieses Halbrunds geht nach Sueden und die
Grundrissform ist symbolisch angelegt.
Denn aus dem Sueden kommt das Leben: "Der Sueden ist der Ort der
Waerme"
(3) und die Gebete der Indianer werden deshalb nach Sueden, zur Sonne,
gerichtet.
Die gesamte Fassade des Baukoerpers ist elegant geschwungen und fliesst
in Rundungen aus, das heisst, das Bauwerk hat keine Ecken und Kanten,
weil das Gebaeude den Eindruck erwecken soll, "als haetten Wind und
Wasser es geformt". Ein sehr schoenes Bauwerk.
Zur Farbgebung im Inneren wird gesagt:
"Gruen fuer die Erde und Wachstum,
Rot fuer Menschen und Tiere,
Blau fuer den Himmel,
Gold fuer den Schoepfer." (4)
Von den 27.000 indianischen Studierenden an kanadischen Universitaeten
studieren derzeit etwa 1.600 an der ersten indianischen Universitaet.
Belegt werden kann
Sozialarbeit, Paedagogik, Psychologie, Linguistik, indianische Sprachen
und Kultur, Psychologie, Wirtschaftswissenschaft, Physik, biologie,
Chemie, Mathematik und Computerwissenschaft. Die Universitaet steht
jedem offen, der eine Befaehigung zum Universitaetsstudium nachweisen
kann.
Karl-Ludwig Diehl
Anmerkungen: (auf Nachfrage)
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Aus dem Sueden kommt das Leben / 1
2004-02-25 14:59:33