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DigArch und Macht / 8
Es gibt einen interessanten Text von Saskia Sassen, der sich mit dem
Zusammenhang zwischen digitalen Netzwerken und der Macht beschaeftigt.
Er findet sich in Auszuegen abgedruckt bei
Peter Kemper/Ulrich Sonnenschein. (1) Der Bezug zur Architektur muss
hergestellt werden.
Da steht als achter Satz:
8. Wenn wir im weiteren das allgemeine Thema der Macht der Netzwerke
ansprechen, ist zu beruecksichtigen, dass die meisten Computernetzwerke
privat sind. (2)
Der Satz eroeffnet die Frage, was die allgemeine Macht der Netzwerke
ist. Aus der Tatsache, dass die meisten Computernetzwerke privat sind,
ergeben sich Fragen nach dem Wechselspiel zwischen privatem und
nicht-privatem Computernetzwerk. Die geschichtliche Entwicklung hin zu
diesen heutigen Netzwerken muesste zur Darstellung gebracht werden. Sie
ist dann auch eine Geschichte des Zusammenhangs zwischen digitalen
Netzwerken und der Macht, die ueber sie und auf sie ausgeuebt wird.
Als Einstieg in dieses historische Thema bietet sich ein Abriss von
Elsaesser an. Er schreibt:
"Der Computer wurde fuer militaerische Zwecke entwickelt, um die Codes
der Koordinaten der V-2-Flugbahnen zu knacken, die Nazi-Deutschland
mithilfe seiner >>Enigma<<-Maschinen verschluesselte. (3)
Das verweist deutlich auf einen Entwicklungsgang fuer militaerische
Zwecke.
"Der moderne Bildschirm mit seinem >interaktiven< Potential gehoert
auch
der militaerischen Sphaere an und hat als seinen Vorlaeufer den
Radarschirm, der zunaechst dafuer vorgesehen war, den Himmel abzusuchen
und feindliche Flugzeuge aufzuspueren." (4)
Neben dem Rechner, der entschluesseln soll, wurden bald andere Apparate
gebraucht, die zu kombinieren waren. Auch hier wieder der militaerische
Ursprung.
"Die digitalen Medien haengen darueber hinaus mit dem Militaer ueber die
Vorstufe des Internets zusammen, das wiederum auf dem Telefon und seinem
extensiven und komplizierten Netz eines weltweiten Systems der
Signaluebertragung beruht." (5)
Auch hier also wieder der militaerische Nutzen, der im Vordergrund
steht, sich aber eines weltweit ausgedehnten oeffentlichen Telefonnetzes
bedienen kann.
"Dieses wird von Satelliten unterstuetzt, die die Erde umkreisen; eine
weitere Entwicklung, die auf den >Kalten Krieg< verweist und auf die
Tatsache, dass Fortschritte in den audiovisuellen Technologien in der
Unterhaltungsbranche tendenziell Abfallprodukte der Ruestungsindustrie
oder Wechselbaelge militaerischer Forschungen darstellen." (7)
Wenn also das "allgemeine Thema der Macht der Netzwerke" von Sassen
angesprochen ist, duerfen wir neben den privaten Computernetzwerken, die
inzwischen weltweit geschaffen wurden, die anderen Netzwerke nicht aus
den Augen verlieren, die sie aber noch nicht im Text abhandelt.
Es wird sicher sehr reizvoll sein, die Geschichte des Computers, der
elektronischen Medien und des Aufbaus der Netzwerke der Nutzer dieser
Medien zu verfolgen. Besteht darueber mehr Wissen, das zusammengetragen
wurde, laesst sich auch der Zusammenhang zwischen Architektur und diesen
Netzwerken besser verstehen. Dass es noch eine grosse Unterentwicklung
in weiten Teilen dieser Netzwerke gibt, laesst sich anhand der Newsgroup
de.sci.architektur leicht zur Darstellung bringen. Eine nur sehr kleine
Gruppe agiert hier innerhalb eines sehr schmalen Themenbandes, das die
Mehrheit der Diskussionsteilnehmer nicht aufweiten kann, weil ihr der
Zugang zur Bearbeitung auch anderer Themen fehlt. Zugleich wird darauf
insistiert, nur dieses enge Themenspektrum sei innerhalb der
de.sci.architektur zulaessig, und man wagt sich auch nicht an
wissenschaftliche Arbeitsformen heran, weil sie fuer zu akademisch
gehalten werden und dies alleine schon Unbehagen ausloest. Faehigkeiten
werden also unterdrueckt, die der Diskussion dienen koennten. Das mutet
seltsam an. Macht im Netzwerk wird unzulaessig zur Geltung gebracht, und
zwar so, dass der Diskussion Schaden entsteht.
Sie koennte wesentlich gehaltvoller und solider sein.
Karl-Ludwig Diehl
Anmerkungen: (auf Nachfrage)
--
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DigArch und Macht / 8
2004-02-26 17:42:35