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Filmarchitektur: Panzerkreuzer Potemkin / 1

Filmarchitektur: Panzerkreuzer Potemkin / 1

Karl-Ludwig Diehl
2004-03-02 18:32:03

K.L.Diehl, Ackerstr. 4, 53179 Bonn - Seaman Ave, New York

Filmarchitektur: Panzerkreuzer Potemkin / 1

Bei den Filmaufnahmen zu Panzerkreuzer Potemkin hielt sich das Filmteam
zu Aufnahmen in Odessa auf. Es begab sich, dass wegen starken Nebels
nicht gedreht werden konnte. Eisenstein, sein Filmassistent und sein
Kameramann machten, um nicht untaetig zu sein, eine Bootsfahrt.
Ab und zu wurden Szenen am Ufer abgefilmt. Als sie vor dem ehemaligen
Palast des Gouverneurs von Odessa vorbeifuhren, sahen sie drei steinerne
Loewen, die der Bildhauer in unterschiedlichen Koerperhaltungen in Stein
geschlagen hatte. Einer schlief, einer wachte gerade auf, der dritte
erhob sich und blickte um sich. Das brachte das Filmteam auf eine Idee.
Sie filmten zuerst den schlafenden Loewen, danach den aufwachenden und
zum Schluss den sich erhebenden Loewen. Durch Schnitt wurden die
Filmszenen so montiert, dass zum Schluss bei Ablauf des Film der
Eindruck einer Bewegungsillusion entstand. (1) Es wurde, als der Film
aufgefuehrt wurde, hinterfragt, warum Eisenstein dieses Sprachmittel
eingesetzt habe: "die ganze Welt war davon ueberzeugt, eine Metapher zu
sehen, deren Deutung jeweils verschieden ausfiel." (2)
Bulgakowa schreibt dazu:
"Das erste Sprachspiel mit Bewegungsillusion (die Loewen aus dem
Panzerkreuzer) sorgte bereits fuer Verunsicherung: War das nun Ausdruck
des Zorns der Revolutionaere oder die Empoerung der Reaktion?" (3)
Laut Bulgakowa meinte Eisenstein dazu im Jahre 1945:
"es sei die Realisierung des idiomatischen Ausdrucks "Die Steine
bruellten". (4)
Im Film "Oktober" hat sich Eisenstein sehr dieses Prinzips angenommen,
wie er selbst schreibt. (5) Er setzte diese Moeglichkeit da ein, wo
Objekte sich nicht bewegen koennen. Die Skulpturen am Bau in Odessa
waren also der Ausloeser fuer eine ganze Serie dieser Erzeugung von
Bewegungsillusionen. Statuen des Kerenski wurden in Petersburg so
gefilmt, dass der Eindruck entsteht, Kerenski steige eine Treppe hinauf.
Die Zuschauer des Films waren begeistert.
Karl-Ludwig Diehl

Anmerkungen: (auf Nachfrage)
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