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Was ist Raum? / 1
Der Raeume gibt es gar viele: Naturraum, Zeitraum, Denkraum, mythischer
Raum, architektonischer Raum, usw. Auch wird in sehr vielen
wissenschaftlichen Disziplinen ueber Raum nachgedacht und geschrieben.
Bleiben wir zunaechst bei einer Disziplin: der Soziologie.
Soziologen haben eine Soziologie des Raumes entwickelt. Es gibt
unterschiedliche Denkrichtungen dazu. Den "Containertheorien" (1)
stehen
andere Ansaetze gegenueber, die Begrifflichkeit von Raum zur Darstellung
bringen.
Bei Martina Loew wird Raum zu einer "relationalen (An)Ordnung von
Koerpern, welche unaufhoerlich in Bewegung sind, wodurch sich die
(An)Ordnung selbst staendig veraendert". Sie sagt dazu naeher
erlaeuternd:
"Durch den Begriff der (An)Ordnung mit der hier gewaehlten
Schreibweise wird betont, dass Raeumen sowohl eine Ordnungsdimension,
die auf gesellschaftliche Strukturen verweist, als auch eine
Handlungsdimension, das heisst der Prozess des Anordnens, innewohnt." (2)
Muench hebt darauf ab, dass Raum, so verstanden, "wesentlich als
Ergebnis und Produkt menschlichen Handelns" verstanden werde (3), wobei
die hergestellte Raumstruktur wieder auf das menschliche Handeln
zurueckwirke. Da Loew an die Ansaetze einer Raumsoziologie bei Giddens,
Elias und Simmel anknuepft, wird man bei ihnen nach dem Ursprung ihrer
neuen Begrifflichkeit von Raum suchen muessen.
Andererseits: "Orte machen", so Muench, "- genau so wie
menschliches
Handeln - die Entstehung von Raum erst moeglich." (4) Wie kann das
verstanden werden?
Raum ist "nur als ein prozesshaftes Phaenomen in der Dualitaet von
Struktur und Handelns zu begreifen". (5) Durch diese "Synthese"
von Raum
und das "Spacing" vollzieht sich "Wahrnehmung, Erinnerung und
Vorstellung von Guetern und Menschen", die eine Platzierung erhalten,
also einen Ort. Und Orte machen dadurch die Entstehung von Raum erst
erlebbar. Daraus folgt, dass die "Synthese von Raum" immer
gesellschaftlich vorstrukturiert ist und das "Spacing" darin
"Ergebnis
entsprechender Aushandlungsprozesse" darstellt. (6) Raum ist somit
Ergebnis zwischenmenschlicher Aushandlungsprozesse, die innerhalb von
"Einschraenkung und Ermoeglichung" stattfinden. Deshalb wird gesagt:
"Die Konstitution von Raeumen ist daher nie starr, sondern immer
prozesshaft." (7)
Raum wird also bei solcher Auffassung "nicht als vorgefundenes
natuerliches Ding betrachtet" (8), wie bei Anhaengern der
absolutistischen Raumbegriffe mit ihren "Containertheorien",
"sondern
Raum ist das Ergebnis menschlichen Handelns, welches sich als
relationale (An)Ordnung von Lebewesen und sozialer Gueter an Orten
versteht." (9)
Daraus folgt immer ein Raumverstaendnis, das prozesshaft angelegt ist,
also einen wirklichen soziologischen Raum darstellt.
Karl-Ludwig Diehl
Anmerkungen: (liegen beim Autor)
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Was ist Raum? / 1
2004-04-05 20:03:18