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Filmarchitektur: Jurassic Park / 1

Filmarchitektur: Jurassic Park / 1

Karl-Ludwig Diehl
2004-04-10 15:54:02

K.L.Diehl, Ackerstr. 4, 53179 Bonn - Seaman Ave, New York

Filmarchitektur: Jurassic Park / 1

Im Jahre 1993 lief der MCA-Universal-Spielfilm von Steven Spielberg
namens "Jurassic Park" an. Er hatte in den USA nach neun Tagen bereits
21,7 Millionen Zuschauer, in Deutschland nach vier Monaten 9 Millionen
Zuschauer. Er loeste ein Dinofieber aus. (1) War der Film 65 Millionen
teuer gewesen, spielte er andererseits ueber 900 Millionen Dollar ein
und sanierte die gerade erst von Matsushita erworbene MCA-Universal
schlagartig. Zugleich mit der Filmpraesentation wurden Spielzeuge,
Souvenirs und viele andere Merchandising-Produkte zum Filmthema
vertrieben, welche die Einnahmen aus der Vorfuehrung des Films erheblich
steigerten. (2)

Die Handlung des Films ist ueberaus einfach:
Auf der Insel Nublar, 100km westlich von Costa Rica, kommt es beim
Abladen eines Containers zu einem Unfall im Jurassic Park, bei dem ein
Arbeiter von einem Tier im Container ganz ploetzlich verschlungen wird.
Der toetliche Unfall zwingt die Investoren des Jurassic Parks einige
Experten aufzuspueren, die ein positives Gutachten zu ihrem Park
schreiben sollen, da ein Gericht sich mit dem Todesfall des Arbeiters
beschaeftigt und dadurch der Park gefaehrdet ist.

Der britische Millardaer John Hammond, der zu den Betreibern des
Jurassic Parks gehoert, kann zwei Saurier-Experten, die er mit dem
Hubschrauber an einem Ausgrabungsplatz eines Saurierskelettes aufspuert,
fuer das Gutachten gewinnen. Die beiden Wissenschaftler Alan Grant und
Ellie Sattler fliegen mit dem Mathematiker Malcolm den Jurassic Park auf
der Insel an. Bei ihnen ist Gennaro, ein Vertreter des skeptischen
Fluegels der Jurassic Park-Investoren. Bald haben sie die erste
Begegnung mit den Sauriern und sind beeindruckt. Im Gebaeude des
Parkzentrums erfahren die Besucher durch einen Film die Entstehung des
Parks und wie es zur Neuzuechtung der Saurier kam. Im Bernstein
eingeschlossene Moskitos, die Saurierblut gesaugt hatten, wurden seziert
und aus dem Blut die DNS der Saurier gewonnen, und anschliesend hat man
sie dadurch nachzuechten koennen. Die Saurier wurden dann im eigens
geschaffenen Landschaftspark auf der Insel ausgesetzt.

Neben der Erzaehlung von den Besuchern, die ein Gutachten zu dem Park
erstellen sollen, gibt es noch einen anderen Erzaehlstrang, bei dem es
darum geht, Sauriereier aus dem Park zu schmuggeln. Dies wird
ausgerechnet der Sicherheitsbeauftragte des Parks, der
Computerspezialist Dennis Nedry tun, der dazu die Elektrozaeune des
Parks durch einen Stromausfall ungefaehrlich machen muss, sodass die
Sauriereier unbemerkt aus dem Park geschmuggelt werden koennen. Der
Stromausfall bringt jedoch zugleich die Gutachtergruppe in Gefahr, weil
die Elektrocars der Besucher liegen bleiben, und es ausserdem zu einem
Angriff der Saurier kommen kann. Ein Saurier schleudert ein Fahrzeug der
Gruppe in einen Baum, doch gelingt die Flucht auf abenteuerlichen Wegen.
Unterschiedliche Gefahren sind zu bestehen. Das Projekt, Sauriereier aus
dem Park zu schmuggeln, scheitert andererseits an einem Sturm, der dem
Schmuggler der Eier auf dem Weg zum Schiff zum Verhaengnis wird. (3)

Der "modernste Vergnuegungspark der Welt" entpupt sich als
Widerspiegelung einer Zeit, in der durch Genmanipulation alles machbar
erschien. Diese Hybris wird im Film durch einige ironische Saetze
deutlich zum Ausdruck gebracht.
Der Mathematiker Malcolm sagt in knappen Worten: "Gott erschafft die
Dinosaurier. Gott vernichtet Dinosaurier. Adam vernichtet Gott. Adam
erschafft Dinosaurier". (4) Darauf antwortet die Gutachterin Sattler:
"Die Dinosaurier fressen Adam, und Eva besitzt die Erde". (5)

Das Drehbuch fuer den Film beruht auf dem Bestseller "Jurassic Parc" von
Michel Crichton. "Das zentrale Thema des Films", schreibt J.Herrmann,
"ist das menschliche Naturverhaeltnis, in religioeser Sprache: das
Verhaeltnis zur Schoepfung." (6) Durch die Gentechnologie waren neue
Problemstellungen in den gesamtgesellschaftlichen Diskurs geraten. Der
Film griff einige Problemfelder auf und brachte sie als
Unterhaltungsfilm einem breiten Publikum nahe.
Andererseits wurde Naturlandschaft und Tierwelt inszeniert, welche die
Erhabenheit der Natur zum Ausdruck brachte. Der Betrachter des Films
soll staunen, ueber die Schoenheit der Insel, ueber die Grossartigkeit
der Saurier.

Zur Umsetzung der Idee des Films war ein "Zusammenspiel von
Computeranimation und herkoemmlicher Tricktechnik" noetig. Dabei
demonstrierte der Film, dass "mit Hilfe des Computers glaubwuerdige
Realitaetsillusionen" erzeugt werden koennen. Diese Computeranimationen
wurden "nahtlos mit den herkoemmlich hergestellten Bildern" verbunden,
und sie demonstrieren, laut Ulrich von Thüna, einen weiteren Schritt auf
dem Weg "der Befreiung des Films von den Grenzen der Kamera". (7)

Profitgier und Sensationslust der Menschen werden im Film kritisiert,
die zur Anlage des Jurassic Park gefuehrt hatten. Dieses Stueck
problembehafteter Landschaftsarchitektur geraet durch kriminelles
Handeln in eine Katastrophe, der die Parkbesucher entkommen muessen. Am
Ende des Films wird dem Zuschauer beim Blick aus dem Hubschrauber, mit
dem die Wissenschaftler die Insel wieder verlassen, noch einmal das
Naturschoene vor Augen gefuehrt. Die Frage, was mit dem Park geschehen
wird, bleibt offen. Aber als Zuschauer weiss man, dass es ja nur ein
Film ist. Das relativiert das merkwuerdige Problem, das im Film
inszeniert wurde.
Karl-Ludwig Diehl

Anmerkungen: (liegen beim Autor)
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