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Buehnenbild: Oskar Schlemmer / 1
Walter Gropius begann 1919 in Weimar mit der Einrichtung des Bauhauses.
Spaeter zog es nach Dessau um. Ziel am Bauhaus war "die
Wiedervereinigung aller werkkuenstlerischen Disziplin zu einer neuen
Baukunst als deren unabloesliche Bestandteile". Verfolgt wurde genauso
die Idee, "die Trennung zwischen Kunst und Handwerk" aufzuheben,
andererseits setzte man sich mit den neuen Theorien auseinander, die in
der Bildenden Kunst entstanden waren, und arbeitete an "dem
Theoretisch-Wissenschaftlichen der neuen Kunststroemungen" mit. (1)
Die "bildnerischen Untersuchungen der Gesetzlichkeit von Farbe und
Form"
wurden sehr ernsthaft betrieben, und es gelang, das Bauhaus "als
universale Anlage" so weitgehend zu strukturieren, dass selbst die
Gruendung einer Bauhaus-Buehne erfolgen konnte. Zu ihrer Einrichtung
berief man Lothar Schreyer und Oskar Schlemmer. Schlemmer war
zusaetzlich fuer die Werkstatt fuer Plastik zustaendig.
Schreyer hatte Erfahrungen mit dem Theater an der "Sturm-Buehne" in
Berlin und an der "Kampfbuehne" in Hamburg gesammelt. Schlemmers
Beduerfnis war "die rein experimentelle Erforschung des
Gestaltungsprozesses der Buehne". (2) Schreyer wiederum lag daran,
"Buehnenkunst aus den reinen Mitteln, den Grundformen, den Grundfarben
und Grundtoenen" (3) zu gestalten. "An dem blossen Rhythmus und Klang
von Wortverbindungen" wollte er "den hoechsten Ausdruck an seelischer
Leidenschaft" (4) erreichen.
Schlemmer kam aus Stuttgart ans Bauhaus. Einen sehr grossen Einfluss
hatten Ideen "eines tiefreligioesen Mystikers" auf ihn ausgeuebt.
Meyer-Amden, den er verehrte, sah "in den Zahlen und geometrischen
Figuren der Natur mystische Zeichen und transzendentale
Ausdruckstraeger". (5) Schlemmer, der in der Malerei beheimatet war, war
fasziniert von "dem Thema des menschlichen Koerpers in seinem
Verhaeltnis zum Raum". (6) "Mensch im Raum" blieb auch am
Bauhaus ein
wichtiges Thema fuer ihn. "Geborgenheit und Verlorenheit des einzelnen
im Raum", "das Spannungsverhaeltnis des einzelnen zur
Gemeinschaft",
aber genauso "der Mensch in seinen verschiedenen raeumlichen
Verhaltensformen: Sitzen, Stehen, Liegen, Schreiten" bearbeitete er als
Themenstellungen in seiner Kunst. Dieses grundlegende Interesse ruehrte
von Oskar Schlemmers Zeit als Ballettaenzer her, und dem Theater war er
leidenschaftlich verbunden. Die Gestik und Bewegung, mit der sich der
Taenzer dem Raum einschreibt, brachte "das Spannungsverhaeltnis von
Mensch zum Raum" am besten zum Ausdruck. Die Arbeit am Bauhaus kam ihm
deshalb sehr gelegen.
Er ging sogleich daran, eine "Grammatik der Buehnenelemente" zu
erarbeiten. Buehne, Darstellungsmittel und der Mensch wurden in einem
Aufsatz behandelt, in dem er seine Bauhaus-Buehnenarbeit erlaeutert und
vorstrukturiert. Es ging ihm zunaechst um die reine Schaubuehne, die er
von der Sprech- und Tonbuehne unterschied. Im ersten Schritt wollte er
also die Bauhaus-Buehne zum optischen Geschehen machen, um erst einmal
damit Erfahrungen zu sammeln. Worum ging es ihm?
Er formulierte es so:
"In dem durch die Abstraktion gewonnenen absoluten Raum werden die
elementaren Mittel kuenstlerischer Gestaltung, Form, Farbe und Licht,
mit Hilfe mechanischer Bewegung zur Anschauung gebracht." (7)
Durch mechanische Bewegung sollte sich das Geschehen auf der Buehne
staendig wandeln. Der Zuschauer sollte durch "geheimnisvolle und
ueberraschende Wirkungen" (8), welche mechanisch erzeugt sind,
angesprochen und in Bann gezogen werden.
"Es sind also Spiele zu denken", schrieb Schlemmer, "deren
Geschehen
lediglich in der Bewegung von Formen, Farben und Licht bestehen." (9)
1922 wurde Schlemmers "Figurales Kabinett" auf der Bauhaus-Buehne
aufgefuehrt. Es bestand aus "zwei kombinierbaren Kulissenteilen mit
beweglichen Formen", dazu "Figuren", ausserdem einem "20
Meter langem
Rouleauband" und der "Geraeuschmusik". Ergaenzend kamen "18
buntfarbige
Scheibenfiguren" zum Einsatz und das Ganze wurde vor schwarzer Buehne in
Bewegung gesetzt. (10) Dieses groteske Spiel war als Ulk, Satire und
Parodie gedacht und fuer den Schauspieler war innerhalb der "rein
mechanisch-abstrakten Farb- und Formbuehne" kein Platz vorgesehen. Er
war lediglich der Maschinist, der alles in Bewegung setzte und in
Bewegung hielt.
Erst danach beschaeftigte sich Schlemmer mit den anderen
Darstellungsmoeglichkeiten fuer die Bauhaus-Buehne, dem mimischen
Ausdruck des Menschen und der Bewegungsform der Schauspieler. Er tat
dies mit seinen Schuelern auf sehr grundsaetzliche und elementare Weise.
Sie fuehrten ihre Arbeiten in stummen Kurzdarstellungen vor und loteten
aus, was durch Gestik und Mimik und Bewegung des Koerpers zur
Darstellung gebracht werden kann.
Karl-Ludwig Diehl
Anmerkungen: (liegen beim Autor)
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Buehnenbild: Oskar Schlemmer / 1
2004-04-16 00:44:52