Architektur

www.architektur-forum.info

Abrisskosten

"Tilo Faul"
2003-08-08 10:50:22

Hallo,

kann mir jemand sagen wie ich Abrißkosten kalkulieren muß?
es handelt sich um ein EFH gemauert und betoniert 1 Stockwerk,
Satteldach (Ziegel), Keller und zwei Garagen. Wohnfläche ca. 110qm.

Außer dem Welleternit auf den Garagen ist mir nichts besonderes
an entsorgungstechnischen Schwierigkeiten aufgefallen.
Das Gelände ist von zwei Seiten zum Abriß zugänglich.

Bei dem Haus ist entweder ein Abriß oder eine Totalsanierung
erforderlich. Für die Wertermittlung (also das was ich bereit bin
zu zahlen) wollte ich nun den Grundstückswert minus Abrißkosten
ansetzen.

Mein Ziel ist allerdings die Sanierung in Eigenarbeit,
zumindest größtenteils.

--
Tschau
Tilo


Abrisskosten

"Adrian Herrmann"
2003-08-08 11:50:42

Hallo,

ganz grob als erste Schätzung 15 Euro/m3 umbaute Raum. Die Eternitplatten
etwa 12 Euro/m2. Das ganze zzgl der Umsatzsteuer.

Abbruchunternehmer kalkulieren sogut wie nie und geben ihre Preise meist auf
Grundlage einer Ortsbesichtigung ab. Die Preise können gewaltig divergieren
und sind nur dann präzise wenn Angebote vorliegen.

Falls das Haus noch zu sanieren ist, wird das mit Sicherheit auch vom
Verkäufer erkannt. I.d.R. ist es sogar so, daß die Verkäufer noch eine
Sanierung sehen wenn wirklich gar nichts mehr zu machen ist. Wenn Du schon
rechnen mußt ob Du sanierst oder abreißt, dann reiß ab, das wird immer
günstiger und vor allem werthaltiger.

Gruß
Adrian Herrmann


Abrisskosten

"Tilo Faul"
2003-08-08 12:16:46

Adrian Herrmann wrote:

Hallo Adrian,

> ganz grob als erste Schätzung 15 Euro/m3 umbaute Raum. Die
> Eternitplatten etwa 12 Euro/m2. Das ganze zzgl der Umsatzsteuer.

Das hilft mir schon mal weiter.

> Falls das Haus noch zu sanieren ist, wird das mit Sicherheit auch vom
> Verkäufer erkannt. I.d.R. ist es sogar so, daß die Verkäufer noch eine
> Sanierung sehen wenn wirklich gar nichts mehr zu machen ist. Wenn Du
> schon rechnen mußt ob Du sanierst oder abreißt, dann reiß ab, das
> wird immer günstiger und vor allem werthaltiger.

Der Abriss und ein Neubau ist sicher günstiger wie eine komplette
Sanierung.
Zumindest wenn man alles machen lässt.

Aber bei der Sanierung würde ich eben viel selber machen können und
dadurch
dürfte eine Sanierung günstiger kommen. Vor allem da man eingeschränkt
schon
mal darin wohnen kann.

--
Tschau
Tilo


Abrisskosten

"Adrian Herrmann"
2003-08-08 14:30:11

> Aber bei der Sanierung würde ich eben viel selber machen können und
> dadurch
> dürfte eine Sanierung günstiger kommen. Vor allem da man eingeschränkt
> schon
> mal darin wohnen kann.

Äh, ja und Deine Frau ist damit einverstanden ? :))

Ich habe genau das vor etwa 10 Jahren auch gemacht. Ob es billiger wird?
Dazu mußt Du auf dem Gebiet schon Profi sein, also einem Handwerker könnte
das vielleicht gelingen, wenn nicht aaaber.

Das Aber:

Du kannst bei der Neuerstellung eines Gebäudes so grob 3000 Mannstunden
rechnen. Bei einer Sanierung die mit dem Abriß verglichen werden muß kannst
Du locker nochmal 1000 Stunden drauflegen, bis das Objekt soweit ist, daß Du
im Schrittweisen Rückbau Deiner Altlasten annähernd Rohbauzustand erreichst.
Die Tatsache, daß Du fortan im Bestand arbeitest wirkt ebenfalls hemmend.

Meistens ist es so, daß man die Zeit die man normalerweise für den Rohbau
benötigt braucht um alles unbrauchbare zurückzubauen und mit Eimern aus dem
Haus zu schaffen, Wände dort wegzunehmen wo man sie nicht haben will und
dort einzurichten wo sie unerläßlich sind. Kabelstränge sind plötzlich
durchtrennt, wenn hier überhaupt noch etwas zu gebrauchen wäre. Alte Wasser-
und Heizleitungen müssen raus. Wie sieht die Treppe aus. Wie die Böden, alte
Böden ohne entsprechende Trittschalldämmung nerven mit der Zeit gewaltig.
Wärmedämmung dürfte fehlen und ohne kannst Du in den nächsten Jahren mit
stark zunehmenden Nebenkosten rechnen. Das Dach wird runter und neu gemacht
werden müssen. Ziegel die Du anfaßt sind zum Großteil unbrauchbar und ob Du
nach den Jahren noch Ersatz bekommst ist fraglich. und und und

Ein normaler Angestellter arbeitet in Deutschland rund 1750 h/Jahr. Dabei
darf er nicht krank werden. Wenn Du keine handwerkliche Qualifikationen hast
darfst Du auf das was da oben steht noch gut was drauflegen. Eine
Eigenleistung von mehr als 20000 Euro Gegenwert inkl. Material ist kaum zu
leisten. Daneben kannst Du vielleicht nochmal 20000 liegen lassen und später
machen, weil es nicht gleich gebraucht wird. Die großen Brocken werden
ohnehin von Anfang an benötigt. Der Ausbau selbst eines ganzen Geschoßes ist
was das Geld angeht so dramatisch nicht.

Ein weiterer Aspekt ist, daß Du für jede Schraube zum Baumarkt mußt und dort
zu Listenpreisen einkaufst. Ein Heizungsmonteur kommt mit seinem
Werkstattwagen in dem er auf die benötigte Kleinteile einfach rausenehmen
kann und das zur nächsten Baustelle mitnimmt was er nicht braucht. Für Dich
heißt das entweder einige Fehlkäufe hinzunehmen oder öfter mal zum Baumarkt
zu fahren. Es gibt Baustoffe die für Firmen im Einkauf soviel günstiger
sind, daß sie Dir der Unternehmer zum gleichen Geld inkl. Einbau anbieten
kann. Kosten für Umbauten sicher zu fassen sind selbst für Profis kein
triviales Handwerk, in sehr vielen Fällen laufen die während der Bauphase
aus dem Ruder und es muß kräftig nachfinanziert werden.

Wie gesagt, wir reden hier von einem Objekt über das man nachdenkt
abzureisen, keine Gebrauchtimmobilie von 10 Jahren. Ich selbst bin Liebhaber
alter Gemäuer und nahm das auf mich weil das heute nicht mehr herzustellen
wäre. Ich habe ein ganzes Jahr inkl. Job jeden Tag rund 16 Stunden
gearbeitet, jeden Tag inkl. Samstag und Sonntag. Danach ist Dir ziemlich
alles egal, d.h. man ist zwar noch lange nicht fertig aber die Toleranz
gegenüber halbfertigen Arbeiten steigt ins unermessliche. Dazu kommt auch
noch, daß man um so ein Vorhaben zu stemmen Raten auf sich nimmt die viel
Spielraum für große Anschaffungen nicht mehr zulassen und Arbeiten alleine
schon wegen fehlender finanzieller Mittel geschoben werden müssen.

Ich will es niemanden ausreden, nur dieser Last ist sich vorher keiner
bewußt und hat man den ersten Schritt getan gibt es keinen Weg zurück.


Abrisskosten

"Tilo Faul"
2003-08-11 10:03:56

Adrian Herrmann wrote:

[Auflistung der ganzen Nachteile von Altbausanierung]

> Ich will es niemanden ausreden, nur dieser Last ist sich vorher keiner
> bewußt und hat man den ersten Schritt getan gibt es keinen Weg zurück.

Hallo Adrian,

erstmal vielen Dank für die vielen Tipps und Gedankenanstöße.

Vom ersten Eindruck des Hauses, "das kann man doch sanieren".
Bin ich nach abwägen von den Pro und Kontras über das Wochenende zu dem
Schluß gekommen das die Sanierung mit viel Aufwand wohl geht
aber das ganze ist selbst dann immer noch nicht optimal.

Ich werde also mal einen Abrissunternehmer fragen was der Abriss kostet.
Vermute aber das es wohl günstiger wird einen freien Bauplatz zu kaufen,
oder eben einen besser erhalten Altbau.

Nochmals Danke für Deine Tipps.
--
Tschau
Tilo