K.L.Diehl, Ackerstr. 4, 53179 Bonn - Seaman Ave, New York
algenbefallene Bauwerksflaechen / 1
Ich erhielt einen Forschungsbericht zugesandt, der sich mit
algenbefallenen Bauwerksflaechen beschaeftigt.
Es kursierten Geruechte, wonach thermisch sanierte Fassaden zur
Algenbesiedlung neigen, und zwar auf der Nordseite. Um dem auf den Grund
zu gehen, wurde eine Forschung in Gang gesetzt.
Auch haelt sich das Geruecht, eine solche Algenbesiedlung komme auf
aeusseren Bauwerksflaechen nur in bestimmten Regionen vor und sei
folglich nur dort ein Problem. Auf dieses Geruecht konnte nicht
eingegangen werden. Es lief zunaechst nur eine Untersuchung in
Mecklenburg-Vorpommern, dann aber doch in Schleswig-Holstein und
Brandenburg an. Es wird aber inzwischen vermutet, dass in der gesamten
BRD auf solchen Thermofassaden aehnliche Probleme heranwachsen.
Es wurden 706 Bauwerke (alle Fassaden) untersucht, die zwischen 1991 und
2000 eine Waermedaemmung und Fassadenhuelle darueber erhielten. 84%
dieser Bauwerke erhielten Kunstharz- oder Mineralputz als Oberflaeche.
Die restlichen 16% der Bauten hat Riemchen-Klinker, Faser-Zementplatten,
metallische oder Kunststoffelemente als aeusserste Huelle bekommen.
Algenbesiedlungen sind in allen Bauwerksorientierungen zu finden. Auch
die Suedseite des Gebaeudes ist betroffen. Wo geringe Besonnung der
Fassaden vorliegt, nimmt der Algenbefall schneller zu, wenn dort
Schlagregen, Regen und Wind auf die Fassade einwirken koennen.
Es gibt einen Zusammenhang zwischen Thermofassade, Modernisierungsalter
und Zunahme des Algenbefalls. Diese Zunahme steigert sich mit dem Alter
der Fassade linear. Schwankungen der Zunahme haengen mit dem
Klimaverlauf eines Jahres zusammen.
Von den untersuchten Bauwerken mit Fassaden aus Kunstharzputz-WDVS sind
96% mit Algen besiedelt. Je weiter die Sanierung zurueckliegt, desto
dichter ist die Algenbesiedlung.
Von den Bauwerken mit Fassaden aus Mineralputz-WDVS sind 71% mit Algen
besiedelt.
Von den Bauwerken mit anderen Thermofassadentypen sind 65% mit Algen
besiedelt.
Riemchen-Klinkerfassaden vor Waermedaemmung und Faser-Zement-Platten vor
Waermedaemmung schnitten besser ab als Putzbauten. Die Metallfassade war
mit Algen befallen, ist aber nicht repraesentativ, da nur ein Gebaeude
dieses Typs angetroffen wurde.
Wieso sich gerade auf Thermofassaden dieser Algenbefall so heftig
einstellt, wird in der Untersuchung nicht erklaert. Es wird lediglich
der Befund dargestellt, und zwar mit der Schlussfolgerung, im ganzen
Bundesgebiet werde es sich wohl genauso verhalten.
Karl-Ludwig Diehl
Anmerkungen: (liegen beim Autor)
--
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Architektur
algenbefallene Bauwerksflaechen / 1
algenbefallene Bauwerksflaechen / 1
Hi Karl,
imo hängt das "Problem" hauptsächlich mit der
Oberflächentemperatur der Wand zusammen.
Ist diese niedrig, bleibt sie länger feucht und die
Algen fassen Fuß.
Ein weiterer Aspekt ist die Luftreinheit. Es gab
mal eine Untersuchung in Spanien zum Wachstum
von Flechten. Je sauberer die Luft, desto größer
wurden diese. Analog gilt das wahrscheinlich auch
für Moose und Algen.
Ich persönlich finde sowas einfach schön :-) :
http://www.ichbaueselbst.de/france/wandbewuchs.jpg
Eine Wand vollständig im Schatten mit Moosen
und verschiedenen Pflanzen. Die gefiederten
blühen violett, die kleinen blühen weiß. Nicht
auf dem Bild sind kleine Farne, die an einer
anderen Wand wachsen.
In diesem Fall ist durch die Fugen in der Wand
mehr halt für größere Wandbewohner.
Im Grunde ein vernachlässigter Bereich der
Bauwerksbegrünung :-) Aus der "Not" kann
sich eine sehr ansehliche Tugend entwickeln :-)
Gruß
Tobias
algenbefallene Bauwerksflaechen / 1
nachtrag:
http://www.ichbaueselbst.de/france/farn.jpg
hab noch ein Bild gefunden. Diese wachsen
an einer freistehenden Trennwand hinter meinem
Haus zur Nachbarin. Leider ist mir der Name
diese kleinen Farne unbekannt.
Zusammen mit dem Fugenbild und den Moosen
aber ein schöner Anblick, finde ich. Aber ich
hab eh einen etwas kitschigen Geschmack :-)
Gruß
Tobias
algenbefallene Bauwerksflaechen / 1
Hallo,
tobias knittel schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> http://www.ichbaueselbst.de/france/farn.jpg
> Zusammen mit dem Fugenbild und den Moosen
> aber ein schöner Anblick, finde ich.
Bewuchs auf Fassaden mag ich auch. Es gibt aber Leute, die daran leiden.
Die leiden auch daran, wenn Klinkerfassaden ploetzlich in allen Farben
schillern, weil der Zement mit der Klinkeroberflaeche reagiert und
Farben schillern laesst (blau, gruen). Dann rennen sie zum Rechtsanwalt
und klagen, klagen, klagen, und klagen immer noch.
Was tun? (Lenin)
Am besten: cool bleiben und der Natur respekt zollen. :-))) Am Ende
sich gar daran freuen!
Deine Steinfassade hat natuerlich was ganz speziell Feines.
K.L.
--
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algenbefallene Bauwerksflaechen / 1
Hi Karl,
> Bewuchs auf Fassaden mag ich auch. Es gibt aber Leute, die daran leiden.
> Die leiden auch daran, wenn Klinkerfassaden ploetzlich in allen Farben
> schillern, weil der Zement mit der Klinkeroberflaeche reagiert und
> Farben schillern laesst (blau, gruen). Dann rennen sie zum Rechtsanwalt
> und klagen, klagen, klagen, und klagen immer noch.
nun ja, dann eher helle Ausblühungen.
Aber die Leute leiden nur darunter, da ihnen eigeredet wird,
es sei etwas "schlechtes", "schlimmes",
"besorgniserregendes".
Stell dir mal vor, plötzlich hängt ein Nachbar vor seine
Vollwärme-
schutzfassade die Nino-Pflanzschale (tm) (ein Element mit vielen Miniatur-
Erdlöchern) und plötzlich wuchert es an der Fassade, dann fängt
alles
an zu blühen - und womöglich kommt es noch in der Zeitung.
Dann denkt sich manch einer: nie mehr streichen, regeneriert sich
von selbst (wenn standortgerechte Bepflanzung), keine Pflege
nötig (da kleine Pflänzchen).
Ich bin mir sicher daraus läßt sich was machen, mehr noch als die
Dachbegrünung. Man müsste mal die Mauergewächse klassifizieren
und auf ihre Tauglichkeit prüfen. Sicher sind das an einer Südfassade
andere als an der Nordfassade. Die kleinen Farne kriegen z.B.
etwas Sonne ab Mittag, andere scheinen das weniger zu mögen.
Abgesehen von all den möglichen Züchtungen :-)
Gruß
Tobias
algenbefallene Bauwerksflaechen / 1
Hi,
tobias knittel schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> > Bewuchs auf Fassaden mag ich auch. Es gibt aber Leute, die daran
>leiden.
> > Die leiden auch daran, wenn Klinkerfassaden ploetzlich in allen
>Farben
> > schillern, weil der Zement mit der Klinkeroberflaeche reagiert und
> > Farben schillern laesst (blau, gruen). Dann rennen sie zum
>Rechtsanwalt
> > und klagen, klagen, klagen, und klagen immer noch.
> nun ja, dann eher helle Ausblühungen.
Das ist dann wohl "gottgewollt" und wird gerade noch hingenommen.
> Aber die Leute leiden nur darunter, da ihnen eigeredet wird,
> es sei etwas "schlechtes", "schlimmes",
"besorgniserregendes".
Ich glaube eher, die wollen Kostensenkung erreichen und suchen jedes
Mittel auszunutzen.
Reinhaltung der Fassade ist wie rechtwinliges Fenster: "billiger"!
> Stell dir mal vor, plötzlich hängt ein Nachbar vor seine
Vollwärme-
> schutzfassade die Nino-Pflanzschale (tm) (ein Element mit vielen
>Miniatur-
> Erdlöchern) und plötzlich wuchert es an der Fassade, dann
fängt alles
> an zu blühen - und womöglich kommt es noch in der Zeitung.
Klingt nach "Alpentraum" und "viel Freiraum"!
:-)))
> Dann denkt sich manch einer: nie mehr streichen, regeneriert sich
> von selbst (wenn standortgerechte Bepflanzung), keine Pflege
> nötig (da kleine Pflänzchen).
Ich glaube eher an die Paniuk, eine Spinne bricht sich Bahn, versetzt
die gesamte Menschheit in Wahn.
> Ich bin mir sicher daraus läßt sich was machen, mehr noch als
die
> Dachbegrünung.
Soviel Optimismus in so schlechten Zeiten muss sicherlich sein.
Man müsste mal die Mauergewächse klassifizieren
> und auf ihre Tauglichkeit prüfen.
TÜV fuer Fassadenbewachser.
Sicher sind das an einer Südfassade
> andere als an der Nordfassade.
Hoffentlich. Abwechslung ist immer gut.
> Die kleinen Farne kriegen z.B.
> etwas Sonne ab Mittag, andere scheinen das weniger zu mögen.
> Abgesehen von all den möglichen Züchtungen :-)
Tobi-Zuchthaus der bunten Fassadenpartisanen.
Mach voran!
Gruesse
K.L.
--
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algenbefallene Bauwerksflaechen / 1
Hi Karl,
> Das ist dann wohl "gottgewollt" und wird gerade noch
hingenommen.
Nein, Ausblühungen eher nicht. Aber kann man mit Säure entfernen,
sofern man die Fassade vorher und nachher "wässert", also die
Säure wieder entfernt, bzw.daran hindert, dass sie in den Stein
einzieht.
> Ich glaube eher, die wollen Kostensenkung erreichen und suchen jedes
> Mittel auszunutzen.
> Reinhaltung der Fassade ist wie rechtwinliges Fenster:
"billiger"!
Ein rechtwinkliges Fenster ist immer vieeeeel billiger. Eine grüne
Fassade auch.
> Ich glaube eher an die Paniuk, eine Spinne bricht sich Bahn, versetzt
> die gesamte Menschheit in Wahn.
Spinnen sind ein Segen, würden sie nicht so viel weben.
Meine Zitterspinnen kamen gut über den Winter. Schätze
an die hundert Junge im Gästezimmer :-) O.k., manche
Gäste fallen dann flach. Aber die verteilen sich im Frühjahr
wieder über das Haus. Seltsamerweise halten die sich winters
recht bedeckt.
Aber etwas seltsam sind eine Art dicker Hundertfüssler,
die ab und an über die Wand rennen. Sehr groß mit zwei
langen Krallen. Erst warens zwei. Jetzt haben sie wohl
ein Junges.
Spinnen sind eine recht seltsame Spezies. Wochenlang sass
eine winzige Spinne in einem Netz über dem Waschbecken.
Dann hat sie eine Mücke gefangen und ist wohl um das
doppelte gewachsen. Durch nichts war sie zu verschrecken,
wie erstarrt.
> Mach voran!
Ich warte mal auf die Kritik seitens der Fassadenbegrüner
und Dachbepflanzer. Vielleicht gibt es da ja schon Ansätze.
Gruß
Tobias
algenbefallene Bauwerksflaechen / 1
Karl-Ludwig Diehl wrote:
> algenbefallene Bauwerksflaechen / 1
>
> Es wurden 706 Bauwerke (alle Fassaden) untersucht, die zwischen 1991
> und 2000 eine Waermedaemmung und Fassadenhuelle darueber erhielten.
> 84% dieser Bauwerke erhielten Kunstharz- oder Mineralputz als
> Oberflaeche. Die restlichen 16% der Bauten hat Riemchen-Klinker,
> Faser-Zementplatten, metallische oder Kunststoffelemente als
> aeusserste Huelle bekommen.
>
> Algenbesiedlungen sind in allen Bauwerksorientierungen zu finden. Auch
> die Suedseite des Gebaeudes ist betroffen. Wo geringe Besonnung der
> Fassaden vorliegt, nimmt der Algenbefall schneller zu, wenn dort
> Schlagregen, Regen und Wind auf die Fassade einwirken koennen.
Triviale Aussage, die mich nicht verwundert
> Es gibt einen Zusammenhang zwischen Thermofassade,
> Modernisierungsalter und Zunahme des Algenbefalls. Diese Zunahme
> steigert sich mit dem Alter der Fassade linear. Schwankungen der
> Zunahme haengen mit dem Klimaverlauf eines Jahres zusammen.
> Von den untersuchten Bauwerken mit Fassaden aus Kunstharzputz-WDVS
> sind 96% mit Algen besiedelt. Je weiter die Sanierung zurueckliegt,
> desto dichter ist die Algenbesiedlung.
> Von den Bauwerken mit Fassaden aus Mineralputz-WDVS sind 71% mit Algen
> besiedelt.
Hm ja, ich vermute, dass die Unterschiede vom unterschiedlichen pH-Wert
herrühren. Saures Milieu ist den Algen lieben als alkalisches.
> Von den Bauwerken mit anderen Thermofassadentypen sind 65% mit Algen
> besiedelt.
>
> Riemchen-Klinkerfassaden vor Waermedaemmung und Faser-Zement-Platten
> vor Waermedaemmung schnitten besser ab als Putzbauten. Die
> Metallfassade war mit Algen befallen, ist aber nicht repraesentativ,
> da nur ein Gebaeude dieses Typs angetroffen wurde.
> Wieso sich gerade auf Thermofassaden dieser Algenbefall so heftig
> einstellt, wird in der Untersuchung nicht erklaert. Es wird lediglich
> der Befund dargestellt, und zwar mit der Schlussfolgerung, im ganzen
> Bundesgebiet werde es sich wohl genauso verhalten.
Ja, z.B. bei meiner Holzfassade, so dass ich mir ernsthaft überlege,
Algizide einzusetzen
Grüße
Harald