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Kletterpflanzenwettrennen

Kletterpflanzenwettrennen

Karl-Ludwig Diehl
2004-05-17 17:56:09

Hi,
Thorwald Brandwein schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> Ein Blick auf die Nachrichten aus aller Welt zeigt wann, wo und von
> wem

Das ist Entertainment. Was kannst du machen: nichts. Da musst Du gucken
zu.
Hier ein Spruch:
Oma im Laden
kauft Buch ueber
Osama Sohn des Laden

K.L.
--
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Kletterpflanzenwettrennen

"tobias knittel"
2004-05-17 18:43:56

Hi Karl,

> Schwierige Materie. Der Voelkerbund ist nach dem Ersten Weltkrieg
> entstanden. Im Falle der kriminellen Herrschaftsform des Dritten Reiches
> hat er versagt.Oder andersherum: Welche Spielraeume gibt es eigentlich
> in der Politik? Und welche Handlungsfaehigkeit?

die Fragen sind berechtigt. Aber ich kann sie dir auch nicht
beantworten :-)

> > Bin Laden wird wohl in Pakistan sein, genauer in den
> > freien Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan,
> > vermute ich mal, ohne CIA und FBI :-)

> Ich vermute nichts mehr, nach dem Motto: "Ich werde dafuer nicht
> bezahlt!" Es gibt Probleme, die selbst fuer Regierungen und ihre
> Apparate nicht mehr loesbar sind und nach Verhaengnis aussehen.

Ich weiß nicht ob man Bin Laden als Verhängnis bezeichnen
kann. Fantismus ist meist ein Spiegelbild innerer Verunsicherung,
also eines krampfhaften Festhaltens an etwas, was sonst nicht
mehr hält.

Imo ist die momentane Rückbewegung zum Fundamentalismus
nur ein Zeichen des Weichwerdens von Religion in ihrer
bisherigen Manifestation. Es ist imo ein Zeichen der beginnenden
"Verwestlichung", auch im Sinne der Aufklärung, des Islam.

Diese Diagnose war gratis und positiv, im Sinne der Aufklärung :-)

>Kopfgeld
> klingt dann wie Freibier. Soll nur Laune machen.

Kopfgeld klingt nach Verzweiflung. Normalerweise (?) wurde
das "a discretion" erledigt, und Bin Laden wäre auf seinem Esel
verunglückt. Aber heute kennt sich ja keiner mehr mit Eseln aus :-)

Gruß

Tobias


Kletterpflanzenwettrennen

Karl-Ludwig Diehl
2004-05-17 21:22:27

Hi,
tobias knittel schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> > Oder andersherum: Welche Spielraeume gibt es eigentlich
> > in der Politik? Und welche Handlungsfaehigkeit?
> die Fragen sind berechtigt. Aber ich kann sie dir auch nicht
> beantworten :-)

Das ist das Dilemma. Die armselige Politik kommt nicht voran.
Wortgefechte gegen fundamentale Krise.

> > Es gibt Probleme, die selbst fuer Regierungen und ihre
> > Apparate nicht mehr loesbar sind und nach Verhaengnis aussehen.
> Ich weiß nicht ob man Bin Laden als Verhängnis bezeichnen
> kann.

Bisher ja. Nichts zu machen. Selbst eine Weltmacht kann nichts
ausrichten, da tiefe Krise.

Fantismus ist meist ein Spiegelbild innerer Verunsicherung,
> also eines krampfhaften Festhaltens an etwas, was sonst nicht
> mehr hält.

Um Religion geht es wohl bei diesem Fundamentalismus weniger. Mehr um
machtstrategische Probleme und die Wege, wie Macht fundiert werden kann.

> Imo ist die momentane Rückbewegung zum Fundamentalismus
> nur ein Zeichen des Weichwerdens von Religion in ihrer
> bisherigen Manifestation. Es ist imo ein Zeichen der beginnenden
> "Verwestlichung", auch im Sinne der Aufklärung, des Islam.

Rationalisierungsprozess kann man dazu auch sagen. Ist so was wie unser
drittes Reich. Danach waren wir wieder Weltmeister im "Durchdenken ohne
sich selbst zu beschraenken". Nanu, reimt sich.

> Diese Diagnose war gratis und positiv, im Sinne der Aufklärung :-)

Mit bitterem Beigeschmack. Elend, Verzweiflung, Freibier fuer alle.

> >Kopfgeld
> > klingt dann wie Freibier. Soll nur Laune machen.
> Kopfgeld klingt nach Verzweiflung. Normalerweise (?) wurde
> das "a discretion" erledigt, und Bin Laden wäre auf seinem Esel
> verunglückt. Aber heute kennt sich ja keiner mehr mit Eseln aus :-)

Es gibt ja noch 007. Vermutlich ist er noch auf der Suche nach der zu
seinem Koerper passenden Rankpflanze, um das Thema dezent
weiteraufwaerts klettern zu lassen.
Gruesse
K.L.
--
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Kletterpflanzenwettrennen

"tobias knittel"
2004-05-17 22:44:25

Hi Karl,


> Das ist das Dilemma. Die armselige Politik kommt nicht voran.
> Wortgefechte gegen fundamentale Krise.

> > Ich weiß nicht ob man Bin Laden als Verhängnis bezeichnen
> > kann.

> Bisher ja. Nichts zu machen. Selbst eine Weltmacht kann nichts
> ausrichten, da tiefe Krise.

> Um Religion geht es wohl bei diesem Fundamentalismus weniger. Mehr um
> machtstrategische Probleme und die Wege, wie Macht fundiert werden kann.

Ich bewege mich mit folgenden Anmerkungen sicherlich auf
sehr spekulativem Terrain :-)

Bin Laden ist imo gerade ein
Beispiel für meine vorangehende Diagnose. Einerseits "west-
lich" gebildet (Bauingenieur), andererseits unter dem strengen puristischen
Islam Saudi Arabiens aufgewachsen. Dann zog er, obwohl sehr
reich, in den afghanischen Befreiungskrieg gegen die sowjetische
Besetzung. Warum wohl?, frage ich mich. Er ist ein Idealist.
Er suchte seine Identität, seinen "Lebenssinn".

Bush ist ihm in gewisser Weise recht ähnlich, dieser fand seinen
Lebenssinn im christlichen Glauben, in der Hingabe an eine
empfundene "Berufung" durch "Gott".

Beide lieferten sich einer höheren Instanz auf, religiöser Natur,
unfähig für sich selbst einen "Sinn" zu finden, eine Befriedigung
jenseits des Konsums (den beide ja durch ihre Herkunft zu
Genüge auskosten konnten).

Sozusagen zwei Identitäten einer postkonsumptiven Sinnfindung,
die neofundamentalistisch endete :-)

Diese neofundamentalistische Sinnfindung strebt bei beiden
sogar zu einer Art "Göttlichkeit", wenn auch nie ganz ausgesprochen,
also einer Sehnsucht nach einer Vereinigung mit "Gott", die
sich in einer Mission für Gott äußert, als "Sprachrohr Gottes".

> Rationalisierungsprozess kann man dazu auch sagen.

Kann man ...

> Ist so was wie unser drittes Reich.

Hitler war ihnen auf seine Weise sehr ähnlich, wobei ich
jetzt einfach mal den Aspekt "Wille zur Macht" ausspare ...

>Danach waren wir wieder Weltmeister im "Durchdenken ohne
> sich selbst zu beschraenken". Nanu, reimt sich.

> > Diese Diagnose war gratis und positiv, im Sinne der Aufklärung :-)

> Mit bitterem Beigeschmack. Elend, Verzweiflung, Freibier fuer alle.

Wieso, eigentlich recht interessant wohin die Psyche in ihrer
Irritation wandelt, bzw. wie sehr sie Wahrnehmung entfremden
muß, um in Ballance zu bleiben.

Das etwas ungünstige an der Situation ist eigentlich nur, dass
sich zwei sehr ähnliche Charakteren gegenüber stehen (und
Macht haben). Da sie sich so ähnlich sind, schaukelt sich
die sache dergesatlt hoch. Der eine liefert dem anderen den
Brennstoff sozusagen.

Nun ja, so ähnlich vielleicht ... oder auch nicht

Gruß

Tobias


Kletterpflanzenwettrennen

Karl-Ludwig Diehl
2004-05-18 16:00:55

Hi,
tobias knittel schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> Ich bewege mich mit folgenden Anmerkungen sicherlich auf
> sehr spekulativem Terrain :-)

Naja. Soviel Geld ist damit nicht zu verdienen!

> Bin Laden ist imo gerade ein
> Beispiel für meine vorangehende Diagnose.

Klingt nach Aufbaustudium Medizin bei Dir.

Einerseits "west-
> lich" gebildet (Bauingenieur), andererseits unter dem strengen
>puristischen
> Islam Saudi Arabiens aufgewachsen. Dann zog er, obwohl sehr
> reich, in den afghanischen Befreiungskrieg gegen die sowjetische
> Besetzung. Warum wohl?, frage ich mich.

Er wollte halt neue Gebiete fuer Kletterpflanzen erschliessen, an denen
man sich bis zum Himmel hangeln kann.

> Er ist ein Idealist.
> Er suchte seine Identität, seinen "Lebenssinn".

Hm. Spekulatius.

> Bush ist ihm in gewisser Weise recht ähnlich, dieser fand seinen
> Lebenssinn im christlichen Glauben, in der Hingabe an eine
> empfundene "Berufung" durch "Gott".

Das klingt wie der "ganz in Weiss-Saenger", von Frauen umschwaermt, aber
einsam. Dann Selbstmord.

> Beide lieferten sich einer höheren Instanz auf, religiöser Natur,
> unfähig für sich selbst einen "Sinn" zu finden, eine Befriedigung
> jenseits des Konsums (den beide ja durch ihre Herkunft zu
> Genüge auskosten konnten).

Ich sehe in beiden eher politische Kletterpflanzen. Immer hoeher hinauf.
Nach dem Motto: "Wer weiss, wo das noch alles endet?"

> Sozusagen zwei Identitäten einer postkonsumptiven Sinnfindung,
> die neofundamentalistisch endete :-)

Kannst Du mir auch so ein Fremdwoerterlexikon zuschicken? Das scheint ja
wirklich gut zu sein.

> Diese neofundamentalistische Sinnfindung strebt bei beiden
> sogar zu einer Art "Göttlichkeit", wenn auch nie ganz ausgesprochen,
> also einer Sehnsucht nach einer Vereinigung mit "Gott", die
> sich in einer Mission für Gott äußert, als "Sprachrohr Gottes".

Volles Rohr Gott. Gottgewolltheit des politischen Handelns. many
problems.

> > Rationalisierungsprozess kann man dazu auch sagen.
> Kann man ...

daccord! :-)))

> Der eine liefert dem anderen den
> Brennstoff sozusagen.

Auf deutsch: "Eine Hand waescht die andere!"

Gruesse
K.L.
--
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