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Europäische Expansion: dänische Bauten / 10

Europäische Expansion: dänische Bauten / 10

Karl-Ludwig Diehl
2004-05-27 15:47:49

K.L.Diehl, Ackerstr. 4, 53179 Bonn - Seaman Ave, New York

Europäische Expansion: dänische Bauten / 10

Von 1774 gibt es eine farbige Zeichnung auf Canvas von 47cm Höhe und 6
Meter und 8 Zentimeter Breite, die von einem unbekannten indischen
Künstler verfertigt wurde. Sie zeigt die Flußansicht der Stadt Patna.
(1) Spuren der Befestigung auf einem Rahmen o.ä. sind noch erkennbar.

Die Stadt liegt erhöht über dem felsigen Ufer des Ganges. Der Name Patna
leitet sich von Pattana ab, was in Hindi "Die Stadt" bedeutet. (2) Das
antike Griechenland kannte diese Stadt unter der Bezeichnung Palibothra,
bzw. Pataliputra. (3)
Europäer gründeten 1620 erstmals in Patna eine Handelsniederlassung. (4)

Den Dänen gelang es durch Kapitän Ackmutty, der 6.000 Rupien für ein
Grundstück am Ganges hinlegte, eine dänische Handelsniederlassung der
Dänisch-Asiatischen Kompagnie in Patna einzurichten. Sie bestand ab
1773, sodaß neben der East India Compagny und der niederländischen VOC
auch die Dänen präsent waren. (5)

Der Handelsfaktor Joergen Berner agierte für die Dänen 1773 bis 1782 von
Patna aus und kam nach Unterbrechung 1790 erneut zum Einsatz. 1828 wurde
die dänische Faktorei an die Engländer verkauft. (6)

Wenn man die Zeichnung genauer betrachtet, entdeckt man Einzelheiten des
Ufers:
"einige befestigte, mittels Treppen zu erreichende Anlegestellen und
Häfen gewähren Zugang zum Fluß" (7)
Auf der Anhöhe über dem Ufer
"tritt dem Betrachter die von Bäumen und Palmen durchbrochene Silhouette
aus Palästen, Häusern und Hütten entgegen." (8)
Die europäischen Gebäude heben sich deutlich ab:
"Innerhalb der wiedergegebenen Gebäude ragen die in überwiegend
klassizistischen Architekturformen errichteten, flaggenbewehrten
europäischen Faktoreien heraus." (9)

Es wird angenommen, daß dieses riesige Bild als Fries die Wand eines
kostbar ausgestalteten Raumes in der Faktorei der Asiatischen Kompagnie
der Dänen schmückte. (10)

Die Darstellung des dänischen Faktoreigebäudes auf der Zeichnung ist so
beschrieben:
"Das seine Umgebung beherrschende Faktoreigebäude wird lediglich von dem
an einem hohen Fahnenmast wehenden Danebrog überragt.
In dem von Bäumen umgebenen Gebäude verschmelzen indische und
klassizistische Architekturelemente.
Die dem Fluß zugewandte Fassade wird durch ein großes Eingangsportal mit
je drei von Säulen eingefaßten großen Fenster an jeder Seite gegliedert.
Eine vom Portal zum Fluß führende Treppe wird auf halbem Wege von einer
hölzernen Palisade abgeschirmt, da die mittels massiven roten
Sandsteinquadern zu erbauende Hafenanlage erst zu einem geringen Teil
vollendet ist." (11)

Wir haben also wieder eine befestigte Anlage vor uns. Diesmal wird eine
hölzerne Palisade genannt. Zum Fluß hin also an dem Gebäude ein großes
zentrales Eingangsportal, von dem aus eine repräsentative Treppe zum
Fluß führt.
Den Bauschmuck des großen Gebäudes bilden indische und klassizistische
Elemente.
Es war also ein recht stattliches Gebäude.

Von Patna aus wurde Salpeter nach Europa transportiert. Und zwar in
beachtlichen Mengen. Beim Vergleich der Salpetermenge der
niederländischen VOC (23.000 maunds), der Franzosen (18.000 maunds) und
der Dänen (16.000 maunds) wird deutlich, daß die Handelsposition der
Dänen beachtlich war. (12) Die Engländer mußten aufgrund der Nachfrage
die Ausfuhrmengen in ihrem eigenen Interesse begrenzen. Die Dänen holten
sich den restlichen Salpeter, den sie für ihr Land brauchten, aus Island.
Karl-Ludwig Diehl
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