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Re: Architekturbüro der nächsten Jahre?

Re: Architekturbüro der nächsten Jahre?

Tom Berger
2003-07-08 23:00:35

"Tobias" schrieb:

>nach dem Mauerwerksmaß ein Stundensatz
>von 36,7, 37,5 oder 38,5 Euro mindestens
>angesetzt werden müß (ich nehme meine
>Stundensätze grundsätzlich nach dem Mauerwerks-
>maß gestaffelt :-) )

... unter "krisenfest" verstehe ich, daß Du auch für kältere Zeiten
vorsorgen solltest. Ich würde zum Mauerwerksmaß deshalb noch etwas
Dämmung aufschlagen.

T:-)m Berger

--
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Re: Architekturbüro der nächsten Jahre?

"Tobias"
2003-07-09 00:41:24

Hi Tom,

> ... unter "krisenfest" verstehe ich, daß Du auch für kältere Zeiten
> vorsorgen solltest. Ich würde zum Mauerwerksmaß deshalb noch etwas
> Dämmung aufschlagen.

Dafür hab ich ja meine Rente, die bald 300 Euro/Monat
ab 65 beträgt :-)

O.k., die reicht zwar nichtmal für die Miete, aber ich erwarte
eh nicht, daß die jemals ausgezahlt wird :-) Vorher ist diese
Rentengans (kapitalbildende Kammerversicherungen) längst
von der BfA geschlachtet und bis auf die Knochen (unver-
käuflicher Immobilienbestand wie Architekentennisplatz)
abgenagt :-)

Bei dem Rentengejammer, das im Moment schon herrscht,
brauch ich wenig Vorstellungskraft, um mir das Hörspiel
dann vorzustellen: "Tut uns sehr Leid, leider ist niemand mehr
da, der ihre Rente zahlen könnte. Dafür hätten wir noch
100.000 Euro ungedeckte Schulden auf ihren Kopf, die
sie bitte schön bis zum 99. Lebensjahr abzuarbeiten gedenken
sollten".

Realistischen Renten- und
realöffentlichen "Vorsorge"(Schulden)-Grußes

Tobias


Re: Architekturbüro der nächsten Jahre?

Uwe Hercksen
2003-07-09 10:35:06

Tobias schrieb:
>
> Bei dem Rentengejammer, das im Moment schon herrscht,
> brauch ich wenig Vorstellungskraft, um mir das Hörspiel
> dann vorzustellen: "Tut uns sehr Leid, leider ist niemand mehr
> da, der ihre Rente zahlen könnte. Dafür hätten wir noch
> 100.000 Euro ungedeckte Schulden auf ihren Kopf, die
> sie bitte schön bis zum 99. Lebensjahr abzuarbeiten gedenken
> sollten".

Hallo,

oder es kommt folgende Lösung: die Rente besteht nur noch aus dem
Sterbegeld. Also eine einmalige Zahlung nach dem Ableben. ;-)

Bye


Re: Architekturbüro der nächsten Jahre?

Tom Berger
2003-07-09 11:01:33

"Tobias" schrieb:

>Realistischen Renten- und
>realöffentlichen "Vorsorge"(Schulden)-Grußes

Hallo Tobias,

also, ich mache mir eigentlich recht wenig Sorgen um meine Rente. Im
Prinzip gehe ich wie Du davon aus, daß ich nichts kriegen werde, und
ob ich mit meinem Billig-Mietshaus genügend Mieteinnahmen
erwirtschaften kann, um dann davon zu leben, steht auch in den
Sternen.

Aber die ganze aktuelle Rentendiskussion halte ich aus
volkswirtschaftlicher Sicht für ziemlichen Blödsinn. Es ist keineswegs
so, wie manche populistischen Politiker behaupten, daß wir mit der
Schuldenmacherei den nächsten Generationen die Butter vom Brot essen.
Alles, was die Rentner heute verzehren, wird auch heute produziert.
Wenn der Staat dafür Schulden machen muß, dann nur, weil die
Verteilung heute nicht angemessen klappt. Den Nachteil haben
automatisach diejenigen, die Sparguthaben anhäufen, das in Form von
Krediten dem Staat zur Verfügung gestellt wird. Der Staat pflegt seine
Schulden per Inflation zu tilgen, und nicht aus den Einnahmen der
nächsten Generationen.

Die Staatsverschuldung, die aus den Kosten des Sozialsystems erwächst,
ist demnach ein wichtiges Instrument der Sozialpolitik. Staatsschulden
sind lediglich eine *heute* stattfindende soziale Umverteilung des
Reichtums.

Ich sehe für unsere Generation nur zwei Alternativen für die Rente:
entweder läßt man uns in unseren Pappcontainern unter den Brücken
verhungern, oder man wechselt auf eine steuerfinanzierte Grundrente.
Da wir, wenn wir alt sind, die Mehrheit der Bevölkerung stellen
werden, bestimmen wir auch ganz demokratisch, wie das gehandhabt
werden wird. Oder wir bekommen eine Diktatur.

Gruß
Tom Berger

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Re: Architekturbüro der nächsten Jahre?

Olaf Deters
2003-07-09 12:03:39

Am Tue, 8 Jul 2003 22:46:25 +0200, "Tobias"
schrieb

>Std. in der produktiven Arbeitszeit, so daß
>nach dem Mauerwerksmaß ein Stundensatz
>von 36,7, 37,5 oder 38,5 Euro mindestens


>Was meint ihr?
>

Hallo,

also damit langst Du m.E. bei weitem nicht hin. Sicherlich,
bei voller Auslastung wäre das theoretisch drin, aber selbst
dann würdest Du Dich permanent nach unten bewegen. Es ist
kein Spielraum für Rücklagen und Investitionen. Nein, die
Kalkulation passt hinten und vorne nicht.


Re: Architekturbüro der nächsten Jahre?

"Tobias"
2003-07-09 12:34:40

Hi Tom,


> Aber die ganze aktuelle Rentendiskussion halte ich aus
> volkswirtschaftlicher Sicht für ziemlichen Blödsinn. Es ist keineswegs
> so, wie manche populistischen Politiker behaupten, daß wir mit der
> Schuldenmacherei den nächsten Generationen die Butter vom Brot essen.
> Alles, was die Rentner heute verzehren, wird auch heute produziert.
> Wenn der Staat dafür Schulden machen muß, dann nur, weil die
> Verteilung heute nicht angemessen klappt. Den Nachteil haben
> automatisach diejenigen, die Sparguthaben anhäufen, das in Form von
> Krediten dem Staat zur Verfügung gestellt wird. Der Staat pflegt seine
> Schulden per Inflation zu tilgen, und nicht aus den Einnahmen der
> nächsten Generationen.

Deine Argumente sind sicher richtig, aber wenn ich meinen Laden
mit dem dreifachen Jahresumsatz konsumptiv (hauptsächlich)
verschuldet hätte, sähe ich wahrlich alt aus. Ich betrachte es lieber etwas
von der einfachen Seite :-)

> Ich sehe für unsere Generation nur zwei Alternativen für die Rente:
> entweder läßt man uns in unseren Pappcontainern unter den Brücken
> verhungern, oder man wechselt auf eine steuerfinanzierte Grundrente.
> Da wir, wenn wir alt sind, die Mehrheit der Bevölkerung stellen
> werden, bestimmen wir auch ganz demokratisch, wie das gehandhabt
> werden wird. Oder wir bekommen eine Diktatur.

Entweder es kommt bis dahin ein technologischer Durchbruch, der die
Probleme eh löst (künstliche Intelligenz, Robotronik ---> weitgehende
Automatisierung von Arbeit, auch in der Entwicklung etc.) mit einem
gänzlich anderen Verteilungssystem (Mitgliedschaft an der Gemein-
schaft berechtigt zum Bezug der automatisch hergestellten Güter,
Dienstleistungen (Roboterarchitekt :-) ),
sozusagen ein Grundgehalt ohne Arbeit) ... oder der Durchbruch kommt
(der irgendwann sicher kommt) nicht rechtzeitig für uns.

Das Problem wäre dann aber auch weitgehend eines der persönlichen
Einstellung. Vielleicht ist ein Leben mit weniger Kosum auch keine
Tragödie (die Menschen lebten ja auch früher).

Gruß

Tobias


Re: Architekturbüro der nächsten Jahre?

Tom Berger
2003-07-09 15:54:13

"Adrian Herrmann" schrieb:

>also mit Verlaub, populistisch ist das was Du hier von Dir gibst.

Mit Verlaub, das weise ich aufs Schärfste zurück.

>Alleine
>schon was die Inflation angeht ist das durch den Euro nicht mehr auf die BRD
>zu begrenzen und es ergeben sich sehr wohl Schieflagen aus der
>Überschuldung.

Genau so hättest Du ja zu DM-Zeiten innerhalb der BRD für einzelne
Bundesstaaten argumentieren können, und Du kannst dabei auf beliebig
kleinräumliche Teilungen herabsteigen. Je größer und heterogener die
dem Währungsverbund zugrunde liegenden Teilorganisationen sind, desto
stabiler ist dieses System.

Die EU-Währung baut auf diverse Übereinkommen. Die Nettoverschuldung
insgesamt soll 3% des Sozialprodukts nicht übersteigen, die
Inflationsrate soll möglichst bei 2% gehalten werden. Zwischen diesen
beiden Werten gibt es grundsätzliche Abhängigkeiten.

Um das erste Ziel der 3% Neuverschuldung nicht zu übersteigen, sind
die Einzelstaaten angehalten, selbst diese 3% nicht zu übersteigen.
Daß das nicht immer eingehalten werden kann, ist derzeit ja
überdeutlich. Letzztlich wirkt sich dies innergemeinschaftlich so aus,
als ob das Wirtschaftswachstum der Staaten mit hoher Verschuldung
(also v.a. FR und DE) höher wäre als tatsächlich, und als ob das
Wachstum der Staaten mit niedriger Verschuldung niedriger wäre als
tatsächlich.

Neben der politisch immer ziemlich heiklen direkten
Ausgleichszahlungen stellt dies ein sehr viel wirksameres
Steuerungsmittel dar, das von der Politik auch tatsächlich als solches
genutzt werden sollte.

Du hast also Recht: es entstehen Schieflagen. Aber diese sind erstens
gewollt und sind zweitens nichts Neues - es gibt sie schon solange,
wie es Währungen gibt. Und die Schieflagen sind um so extremer, je
kleiner das System ist. Vielleicht sollte ich Dich an die Zeiten vor
der ECU erinenrn, zu denen die Inflation in den heutigen EU Staaten
zwischen 1% und 20% schwankte und die Neuverschuldung von Staaten wie
Italien manchmal 50% des Bruttosozialprodukts ausmachte.

>Zum zweiten erzeugen solche Kosten erst mal einen gewaltigen
>Overhead, der irgendwo abgedeckt werden muß. Mit anderen Worten wird man
>gegenüber Ländern, die diese Kosten in der Art und Höhe nicht haben
>Wettbewerbsnachteile haben.

Nein. Wettbewerbsnachteile wird man nur dann haben, wenn

a) die Staatsverschuldung in fremder Währung erfolgt. Das ist bei uns
tatsächlich nicht der Fall (im gegensatz z.B. zu den USA), im
Gegenteil wachsen unsere Devisenreserven in einen Bereich hinein, der
eigentlich gar nicht mehr zu verantworten ist. Dieser Abhängigkeit von
fremden Wähnrungssystemen könne wir nur durch erhöhte Binnenachfrage
entgehen, was wiederum gleichbedeutend ist mit erhöhter
Staatsverschuldung.

b) die Unternehmen weiterhin einen guten Teil (idR die Hälfte) der
Kosten des Sozialsystems tragen müssen. Dies ist IMO tatsächlich ein
Systemfehler, der zur Zeit der Schaffung unseres Sozialsystems
natürlich massiv zum Ausgleich der Kapital- und Arbeitsinteressen
beigetragen hat und sehr viel Sinn machte, heute jedoch zu einem
untragbaren Kostenfaktor für den Faktor Arbeit wurde. Jede Reform des
Sozialsystems, die diesen Kernpunkt nicht angreift, ist von vornherein
nur Makulatur.

>Wir leben nun mal nicht vom Innlandsgeschäft
>alleine, die Folge ist ein Teufelskreis von Rückläufiger Nachfrage mit
>zunehmenden Kosten im Bereich der sozialen Absicherung.

Die sozialen Kosten sind wirtschaftspolitisch eigentlich irrelevant.
Ob ein Staat seinen Militärapparat über Kredite finanziert oder sein
Sozialsystem, ist prinzipiell erst mal egal. Real ist aus
wirtschaftspolitischer Sicht in unserer Situation eine Finanzierung
des Sozialsystems sinnvoller, weil diese Mittel im Binnenmarkt bleiben
und somit konjunkturbelebend wirken, während wir einen Großteil der
Rüstungsgüter importieren müßten, was zu einem Konjunkturprogramm für
die US-Wirtschaft ausarten würde.

>Ein weiterer nicht
>zu unterschätzender Aspekt ist die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte.

Dies ist nicht durch unser Sozialsystem verursacht, sondern durch die
Arbeitslosigkeit. Bei der aktuellen Struktur unseres Sozialsystems
(siehe oben Punkt b)) wandern tatsächlich inzwischen schon
Arbeitskräfte ab. Im Moment ist dies noch zu vernachlässigen, aber man
sollte sich Gedanken darüber machen. Die meisten hochqualifizierten
Leute wandern übrigens nicht deshalb ab, weil sie hierzulande keine
Arbeit finden würden, sondern weil v.a. unsere Unis praktisch keine
Möglichkeiten haben, qualifizierten Leuten angemessene Bedingungen zu
verschaffen.

>Stellt man solche Systeme nicht in Frage und fordert deren Effiktivität
>werden die darauf gegründeten Systeme nicht überleben.

Nun, das System stelle ich sehr wohl in Frage und ich biete auch
Lösungsvorschläge, aber meine Lösungsvorschläge gehen in eine
grundsätzlich andere Richtung als Deine. Für mich macht soziale
Sicherheit einen beträchtlichen Teil der Lebensqualität in Europa aus.
Ich möchte hierzulande fast um jeden Preis US-amerikansiche
Verhältnisse vermeiden.

>Genau die
>Einstellung, was macht das schon, ist diejenige die das Ganze in Frage
>stellt. Dieses nicht für sich selbst zuständig sein, macht die Probleme.

Jein. Der einzelne ist nicht verantwortlich für
Massenarbeitslosigkeit. Man kann keine Arbeitsplätze schaffen, indem
man die Arbeitslosenhilfe abschafft. Vielmehr wird man durch die
dadurch erfolgende rapide Verschlechterung der sozialen Sicherheit und
Planbarkeit des eigenen Lebens den Konsum noch sehr viel weiter
drosseln, denn die Leute müssen ja jetzt für diese schlechten Zeiten
selbst privat vorsorgen. Um hier ein wenig ontopic zu werden: wie soll
denn zukünftig ein abhängig Beschäftigter noch ein Hypothekendarlehen
erhalten, wenn nach einem Jahr Arbeitslosigkeit dieser Kredit zwingend
platzt und die Zwangsversteigerung ansteht?

Unser Sozialsystem könnte allerdings sehr wohl deutlich mehr
Eigenverantwortung vertragen - mit Eigenverantwortung meine ich aber
was anders als populistische Politiker. Ich meine damit eigene
Verantwortung des Einzelnen für das Sozialsystem, und nicht die
Abschaffung des Sozialsystems.

Ein Anfang wäre schon gemacht, wenn dem Einzelnen die Kosten und der
Nutzen transparent gemacht würde. Er sollte auch alle
Arbeitgeberbeiträge in seinem Bruttogehalt ausgewiesen bekommen, udn
er muß dann natürlich auch die vollen Kosten abgezogen bekommen. Beim
Arzt muß er eine nachvollziehbarte Rechnung erhalten, die ihm die KV
dann erstattet. In einem nächsten Schritt können unterschiedliche
Absicherungen angeboten werden. Ein Single mit abbezahlter
Eigentumswohnung wird sehr viel weniger Arbeitslosengeld benötigen,
als ein Familienvater in einer Mietwohnung. Für weniger Geld weniger
Beiträge, und jeder sollte sich seine Absicherung aussuchen können.
Eine Mindestabsicherung sollte steuerfinanziert sein, zu der die
gesamte Gesellschaft Beitrag leisten muß - im Gegensatz zum jetzigen
System, wo gerade die Leistungsträger aus der Solidargemeinschaft
entlassen werden (und diese so ad absurdum führen).

Die Aufgabe der Unternehmen in einer globalisierten Welt ist, Gewinne
zu erwirtschaften. Der Nutzen für die Gesellschaft besteht darin, daß
dabei Arbeitsplätze geschaffen werden. Es macht somit keinen Sinn
mehr, Unternehmen zu besteuern, denn die wandern mitsamt den
Arbeitsplätzen dann einfach woanders hin. Steuern sollten nur noch
anfallen, wenn natürliche Personen Einnahmen erzielen. Dabei sollten
wir uns ein Beispiel an den USA nehmen, wo jeder Staatsbürger Steuern
bezahlen muß, auch wenn er im Ausland lebt, oder wenn er seine
Einnahmen im Ausland erwirtschaftet (Doppelbesteuerungsabkommen
ausgenommen).

Ein zusätzlicher Vorteil eines solchen Systems: der Staat wird wieder
das, als was er gedacht war: ein Zusammenschluß der Bürger, und nicht
ein Zusammenschluß der Unternehmen.

Ich könnte da noch einige Zeit weiter darüber referieren, aber das
wird jetzt wirklich sehr weit OT. Den Vorwurf des Populismus lasse ich
jedenfalls nicht auf mir sitzen.

Tom Berger

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Re: Architekturbüro der nächsten Jahre?

"Adrian Herrmann"
2003-07-10 14:34:57

Hallo Tom,

viele Deiner Ansichten decken sich mit den meinen, nur komme ich nicht zu
dem Schluß.

> >also mit Verlaub, populistisch ist das was Du hier von Dir gibst.
>
> Mit Verlaub, das weise ich aufs Schärfste zurück.

ich halte es für angebracht, daß man auch andere Meinungen zuläßt, ohne sie
von vorneherein zu denunzieren. Ich sehe Du hast Dir Deine Gedanken gemacht.
Vertreter anderer Meinung tun das auch und das ist keineswegs populistisch.

> >Alleine
> >schon was die Inflation angeht ist das durch den Euro nicht mehr auf die
BRD
> >zu begrenzen und es ergeben sich sehr wohl Schieflagen aus der
> >Überschuldung.
>
> Genau so hättest Du ja zu DM-Zeiten innerhalb der BRD für einzelne
> Bundesstaaten argumentieren können, und Du kannst dabei auf beliebig
> kleinräumliche Teilungen herabsteigen. Je größer und heterogener die
> dem Währungsverbund zugrunde liegenden Teilorganisationen sind, desto
> stabiler ist dieses System.

Die Grundlagen in den einzelnen Bundesländern waren immerhin gleich, Du hast
bundesweit die gleichen Abgabe- und Steuersätze. Innerhalb der EU ist das
nicht mehr so. In Deutschland gilt in der Hauptsache Billig und man zieht
billige Produkte vor. Solche Produkte kommen nun mal nicht mit deutschen
Lohnsätzen zustande. Öffnet sich die EU in Richtung Osten ist es überhaupt
nicht zu verhindern, daß Lohnkosten sich im Faktor 10 und mehr
unterscheiden. Das ist mit den früheren oder heutigen Verhältnissen in der
BRD nicht vergleichbar.

>
> Du hast also Recht: es entstehen Schieflagen. Aber diese sind erstens
> gewollt und sind zweitens nichts Neues - es gibt sie schon solange,
> wie es Währungen gibt. Und die Schieflagen sind um so extremer, je
> kleiner das System ist. Vielleicht sollte ich Dich an die Zeiten vor
> der ECU erinenrn, zu denen die Inflation in den heutigen EU Staaten
> zwischen 1% und 20% schwankte und die Neuverschuldung von Staaten wie
> Italien manchmal 50% des Bruttosozialprodukts ausmachte.

Das ist Richtig, damals hatten die Regierungen durch diese Inflation
Vorteile was Schulden betrifft. Das galt auch für die Häuslebauer, in
früheren Generationen hieß es das Haus wird von der Inflation bezahlt. Heute
gilt das so nicht mehr im Gegenteil man muß heute damit rechnen, daß eine
Immobilie an Wert verliert.

> >Zum zweiten erzeugen solche Kosten erst mal einen gewaltigen
> >Overhead, der irgendwo abgedeckt werden muß. Mit anderen Worten wird man
> >gegenüber Ländern, die diese Kosten in der Art und Höhe nicht haben
> >Wettbewerbsnachteile haben.
>
> Nein. Wettbewerbsnachteile wird man nur dann haben, wenn
>
> a) die Staatsverschuldung in fremder Währung erfolgt. Das ist bei uns
> tatsächlich nicht der Fall (im gegensatz z.B. zu den USA), im
> Gegenteil wachsen unsere Devisenreserven in einen Bereich hinein, der
> eigentlich gar nicht mehr zu verantworten ist. Dieser Abhängigkeit von
> fremden Wähnrungssystemen könne wir nur durch erhöhte Binnenachfrage
> entgehen, was wiederum gleichbedeutend ist mit erhöhter
> Staatsverschuldung.

Das heißt Du setzt voraus, daß das Geld von innländischen Anlegern kommt.
Jede Verschuldung zieht die Verpflichtung nach sich diese Schulden zu tilgen
und Zinsen dafür zu zahlen. Wenn Du die Leute also nicht enteignen willst
und wie wir gesehen haben, daß die Inflation kaum noch behilflich ist, ist
es eine einfache Rechnung den Tag auszumachen, wann wir auf Geld aus dem
Ausland benötigen würden. Würde eine Inflation einsetzen und die Zinsgewinne
zunichte machen, besteht die Gefahr, daß zumindest die Großanleger sich
Länder suchen in denen das Verhältnis zwischen Wertverlust des Geldes und
Zinsen wesentlich günstiger ist. Du kannst ohnehin niemanden zwingen sein
Geld dorthin zu verleihen und freiwillig wird das keiner machen, der
aufgrund der Konstellation zu dem Ergebnis kommt, daß er es gar nicht
zurückbekommen kann.

Das Werkzeug der Neuverschuldung kann nur sehr zeitlich begrenzt eingesetzt
werden und es ist unabdingbar die Systeme die man zunächst damit stützt auf
dauer überlebensfähig zu machen.

> b) die Unternehmen weiterhin einen guten Teil (idR die Hälfte) der
> Kosten des Sozialsystems tragen müssen. Dies ist IMO tatsächlich ein
> Systemfehler, der zur Zeit der Schaffung unseres Sozialsystems
> natürlich massiv zum Ausgleich der Kapital- und Arbeitsinteressen
> beigetragen hat und sehr viel Sinn machte, heute jedoch zu einem
> untragbaren Kostenfaktor für den Faktor Arbeit wurde. Jede Reform des
> Sozialsystems, die diesen Kernpunkt nicht angreift, ist von vornherein
> nur Makulatur.

Das sehe ich genau so, allerdings macht das nur Sinn, wenn Du dem der die
Abgaben zu leisten hat auch die Möglichkeit gibst einen für sich günstigeren
Weg zu funden. Den Hintergrund der Vorsorge, den die Einführung der
Rentenabgabe einmal hatte gibt es doch gar nicht mehr. Ich kann mich noch
sehr gut an eine Unterrichtstunde, damals Berufsschule, erinnern, in der
ausgeführt wurde, daß diese Versicherung eingeführt wurde, weil nicht jeder
das Einsehen hat eine solche Vorsorge für sein Alter zu treffen und z.B.
Selbständige das nicht tun müssen, weil man dort eine höhere
Eigenverantwortung unterstellt.

Schön, oder? Nur glauben tut das heute keiner mehr. M.E. ist es unabdingbar
die Rentenversicherung attratkiv zu machen. D.h. das was jemand einzahlt muß
ihm mit Rendite auch wieder zugute kommen. Die sich ergebenden Differenzen
sollten alternativ, d.h. z.B. mit Steuergeldern bezahlt werden.
Letztenendlich muß die Zeche eh gezahlt werden, egal wie das Kind heißt. Nur
bauen höhere Rentenzahlungen zusätzliche Rentenansprüche auf und es zahlen
auch nicht alle dafür (mich eingeschlossen). Es hat so auch keiner die
Kontrolle darüber ob das System effektiv ist. Ich bezweifle, daß sich dieses
System tragen würde, wenn die Bevölkerungsstruktur gleich bleiben würde.
Solche Strukturen sind oberfaul und müssen nicht Reformiert sondern
Revolotioniert werden. Man muß dahin kommen, daß selbst der einfachste
Zeitgeist einen Vorteil in der Rentenversicherung sieht.

>
> >Wir leben nun mal nicht vom Innlandsgeschäft
> >alleine, die Folge ist ein Teufelskreis von Rückläufiger Nachfrage mit
> >zunehmenden Kosten im Bereich der sozialen Absicherung.
>
> Die sozialen Kosten sind wirtschaftspolitisch eigentlich irrelevant.
> Ob ein Staat seinen Militärapparat über Kredite finanziert oder sein
> Sozialsystem, ist prinzipiell erst mal egal. Real ist aus
> wirtschaftspolitischer Sicht in unserer Situation eine Finanzierung
> des Sozialsystems sinnvoller, weil diese Mittel im Binnenmarkt bleiben
> und somit konjunkturbelebend wirken, während wir einen Großteil der
> Rüstungsgüter importieren müßten, was zu einem Konjunkturprogramm für
> die US-Wirtschaft ausarten würde.

Wie ich bereits erwähnte, als sehr kurzfristiges Mittel bedingt sinnvoll.
Allerdings macht dieses Thema nur einen Bruchteil der Gründe aus, die für
die schlechte Binnennachfrage verantwortlich sind. Die Glauwürdigkeit der
Politik ist nicht sonderlich hoch, da kannst Du nehmen wen immer Du willst.
Anstatt irgend etwas zu lösen behackt man sich lieber, Reformen in dem
Umfang und vor allem in dem Tempo wie sie nötig wären bleiben aus. Jeder
verharrt und wartet dessen was da kommt. Selbst unter weitaus schlechteren
Bedingungen, als die die wir heute haben würde mehr laufen, wenn die Hürden
die zu nehmen sind bekannt und kalkulierbar sind. Das mangelnde Vertrauen in
die Politik kommt schließlich auch nicht von ungefähr und ist für die
Situation kaum förderlich.

Du kannst nehmen wen Du willst, die Vorgängerregierung die einen
Solidaritätszuschlag verordnet hat mit der Zusage, der werde sobald nicht
mehr gebraucht wieder ersatzlos entfallen. Nicht unbedingt
vertrauensförderrnd, wenn dann eine spätere Mehrwertsteuererhöhung mit der
Finanzierbarkeit des Solidaritätszuschlages begründet wird und dieser auch
später wieder eingeführt werden muß. Was ist eigentlich damit? Eine Abgabe
die für einen Aufbau Ost gedacht war, wo fließt das Geld mittlerweile hin?
Große Investitionen kann ich nicht mehr sehen.

Über neuere Regierungen brauche ich nicht zu schimpfen, da gibts Quellen
genug. Nur auch hier die vertrauensbildenden Maßnahmen. Wenn jemand nicht
erkennt in welchem wirtschaftlichen Zustand sich ein Land befindet und die
Fakten derart weit von der Realität liegen stelle ich überhaupt nicht mehr
die Frage ob das Vorsatz war oder nicht. Hier hat jemand seinen Laden nicht
im Griff, nicht gerade das Vertrauen das mich zu Investitionen ermuntert.
Oder die Anhebung der Spekulationsgrenze für vermietete Immobilien kurz nach
Amtsantritt und das auch für bestehende Verhältnisse im Nachhinein gekürt
mit der 15%-Regelung. Es hat nicht einmal etwas damit zu tun, daß man damit
nicht leben könnte, ein Grundmaß an Verläßlichkeit die ich bei einer solchen
Investition einfach brauche tut ausgesprochen not.

> Nun, das System stelle ich sehr wohl in Frage und ich biete auch
> Lösungsvorschläge, aber meine Lösungsvorschläge gehen in eine
> grundsätzlich andere Richtung als Deine. Für mich macht soziale
> Sicherheit einen beträchtlichen Teil der Lebensqualität in Europa aus.
> Ich möchte hierzulande fast um jeden Preis US-amerikansiche
> Verhältnisse vermeiden.

Systeme können nur dann funktionieren, wenn die betroffenen Personen nicht
gegen dieses System arbeiten, was mit einer allzu hoch angesetzten sozialen
Sicherung allerdings passiert. Den Leuten geht es doch nicht um ein
funktionierendes System, sondern ausschließlich um die eigenen Belange.

Wenn jeder nur das Ziel hat möglichst schnell in den Zustand zu kommen,
versorgt zu werden, ohne dabei auch was leisten zu müssen, funktioniert das
ganze nicht mehr. An dem Punkt sind wir.

> Jein. Der einzelne ist nicht verantwortlich für
> Massenarbeitslosigkeit. Man kann keine Arbeitsplätze schaffen, indem
> man die Arbeitslosenhilfe abschafft. Vielmehr wird man durch die
> dadurch erfolgende rapide Verschlechterung der sozialen Sicherheit und
> Planbarkeit des eigenen Lebens den Konsum noch sehr viel weiter
> drosseln, denn die Leute müssen ja jetzt für diese schlechten Zeiten
> selbst privat vorsorgen. Um hier ein wenig ontopic zu werden: wie soll
> denn zukünftig ein abhängig Beschäftigter noch ein Hypothekendarlehen
> erhalten, wenn nach einem Jahr Arbeitslosigkeit dieser Kredit zwingend
> platzt und die Zwangsversteigerung ansteht?

Für eine Massenarbeitslosigkeit kannst Du sicher keinen Einzelnen
verantwortlich machen, das ist korrekt. Für sein eigenes Schicksal aber
schon und das wirst Du auch dann machen müssen, wenn er nicht einmal etwas
für seine Situation kann. Jede Eigeninitiative ist besser als die beste
soziale Absicherung. Es geht auch nicht darum das abzuschaffen sondern es zu
dem zu machen was es sein soll, eine Absicherung für den Fall der Fälle aus
dem jeder daran mitwirkt die Situation wieder zu ändern.

Die Absicherung von Hypothekendarlehen mit Arbeitslosengeld wird Dir kaum
gelingen, wo doch schon in den meisten Fällen das Einkommen in der
Anstellung kaum ausreicht. Hier gibt es ganz eindeutig Mißstände, wenn ich
mir die Anteile an Hauseigentümern in Nachbarländern ansehe. Ein Hausbau
oder Kauf birgt immer Risiken und man muß den Fall der Fälle auch
durchplanen. Wer unter heutigen Umständen und Zinsen von 5% und weniger mit
100-Prozentfinanzierungen bei 1% Tilgung arbeitet handelt grob fahrlässig.
Die Gesellschaft wirst Du dafür nicht verantwortlich machen können und
zahlen wirst Du das auch nicht können. In den Fällen, die mir bekannt
wurden, hat man regelmäßig nicht den Ernst der Situation erkannt und viel zu
spät reagiert.


> Unser Sozialsystem könnte allerdings sehr wohl deutlich mehr
> Eigenverantwortung vertragen - mit Eigenverantwortung meine ich aber
> was anders als populistische Politiker. Ich meine damit eigene
> Verantwortung des Einzelnen für das Sozialsystem, und nicht die
> Abschaffung des Sozialsystems.

Wenn Du jede einzelne Instanz des Sozialsystems nur für das einsetzt wozu es
eingerichtet ist und rational führst, wird der Sinn erkennbar, so wie es
ist, sind wir weit davon entfernt. Wenn Du das Netz das auffangen sollst zu
hoch ansetzt treibt das Blüten.

> Ein zusätzlicher Vorteil eines solchen Systems: der Staat wird wieder
> das, als was er gedacht war: ein Zusammenschluß der Bürger, und nicht
> ein Zusammenschluß der Unternehmen.

Ich verstehe diese Kluft zwischen Arbeitnehmern und Angestellten überhaupt
nicht mehr. Die Zeiten der Ausbeute sind lange dahin, die Großunternehmen
werden heute vornehmlich durch Aktiengesellschaften verkörpert, deren
Kapital aus mittlerweile allen Bevölkerungsschichten stammt. Es ist nur
natürlich, daß Unternehmen nach Maximalgewinnen streben, das bedeutet doch
nicht, daß das Geld dort vernichtet wird, oder nur einem einzigen zugute
kommt. Die Presse berichtet meist nur von besonders gut oder schlecht
gehenden Unternehmen, eben das was sich im Tagesblatt so verkaufen läßt. Die
Mehrheit der Unternehmen hat alle Hände voll zu tun um zu Überleben, von
üppigen Gewinnen kann keine Rede sein. Fast jedes Unternehmen verbindet sich
mit Arbeitsplätzen, deren Existenz im Wesentlichen vom Erfolg des
Unternehmens abhängt.

Ich bin der festen Überzeugung, daß sich der Arbeitsmarkt wie er ist nicht
halten wird und es wird selbstverständlicher werden, in Selbständigkeit zu
Arbeiten. Die Frage der Rente wird danach zu lösen sein.

Gruß
Adrian Herrmann