Hi,
am Wochenende bin ich mal zur Abwechslung
zurück durch die Vogesen gefahren.
Dabei hatte ich mich etwas verfahren, und
zuletzt ging es nur noch über einen unbeschilderten
Feldweg durch ein Tal weiter (wenn man halt ne
brauchbare Straßenkarte hätt :-) ).
Irgendwo unterwegs sah ich ein lustiges Türmchen,
aus großen Flußkieseln gemauert. Das war so
kitschig, dass es sogar mir gefallen hat :-)
Das brachte mich auf die Idee einmal einen Trulli
zu bauen.
Über einen quadratischen oder rechteckigen Grundriß
wird dabei eine Kuppel gefertigt, alles mörtellos als
Trockenmauerwerk.
Die Kuppel besteht aus Natursteinplatten, die in einem
Gefälle nach außen gesetzt werden, quasi analog
zu Schuppen, die das Regenwasser immer wieder
aus der Konstruktion an die Oberfläche führen.
In unseren Breiten dürfte die Belastung durch Regen-
wasser das Problem sein.
Kennt wer Beispiele von Trullibauten nördlich der
Alpen? Ich hab hin und her überlegt. Im Grunde
müßt so etwas auch hie funktionieren?
Gruß
Tobias
Architektur
Trulli
Trulli
Hallo,
tobias knittel schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> am Wochenende bin ich mal zur Abwechslung
> zurück durch die Vogesen gefahren.
Schön.
> Dabei hatte ich mich etwas verfahren
Das ist dort normal.
> Irgendwo unterwegs sah ich ein lustiges Türmchen
Sicher zur Orientierung aufgestellt.
> Das brachte mich auf die Idee einmal einen Trulli
> zu bauen.
Wie manchmal Ideen entstehen, ist immer wieder interessant.
> Über einen quadratischen oder rechteckigen Grundriß
> wird dabei eine Kuppel gefertigt, alles mörtellos als
> Trockenmauerwerk.
Hm, ja.
> Die Kuppel besteht aus Natursteinplatten, die in einem
> Gefälle nach außen gesetzt werden, quasi analog
> zu Schuppen, die das Regenwasser immer wieder
> aus der Konstruktion an die Oberfläche führen.
Das ist nur die äussere Lage. Innen bilden andere geschichtete
Steinplatten das Tragwerk. Darüber ist eine "Erd"schicht
unterschiedlich
dick gelegt, damit es nicht so zugig ist, oder so ähnlich. Auf dieser
Packung baut sich die "Dach"deckung auf. Auch lustig gemauert.
> In unseren Breiten dürfte die Belastung durch Regen-
> wasser das Problem sein.
Kunstvolles Mauern wirkt Wunder.
> Kennt wer Beispiele von Trullibauten nördlich der
> Alpen?
Ja. Weinberge. Es liegt nahe, in Schiefergebirgen danach zu suchen. Die
herumliegende Materialmenge reizt unmittelbar zum Bauen an.
K.L.
--
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Trulli
Hi Karl,
> Das ist nur die äussere Lage. Innen bilden andere geschichtete
> Steinplatten das Tragwerk. Darüber ist eine "Erd"schicht
unterschiedlich
> dick gelegt, damit es nicht so zugig ist, oder so ähnlich. Auf dieser
> Packung baut sich die "Dach"deckung auf. Auch lustig gemauert.
hast du einen genauen Schichtenaufbau in deinem
Kuppelbautenarchiv?
Ich könnte mir so ein Trullo recht nett auf meiner
Scheune vorstellen, dazwischen Flachdach zum
Bestand. Ein Trullo hätte den Vorteil, dass man außer
Steinen und Zeit wenig Geld braucht. Außerdem erscheint
mir so ein Trullo weniger störend als jede sonstige Dachform.
Von der Dachterrasse einen Eingang, analog der traditionellen
Trulli - vielleicht auch über Kreuz vier gewölbte Öffnungen.
Eine Dachdeckung mit Natursteinplatten hätte ich ja noch
versprochen bekommen. Müsste für die äußere Deckung
fast schon reichen.
Gruß
Tobias
Trulli
tobias knittel wrote:
>> Das ist nur die äussere Lage. Innen bilden andere geschichtete
>> Steinplatten das Tragwerk. Darüber ist eine
"Erd"schicht
>> unterschiedlich dick gelegt, damit es nicht so zugig ist, oder so
>> ähnlich. Auf dieser Packung baut sich die "Dach"deckung
auf. Auch
>> lustig gemauert.
> hast du einen genauen Schichtenaufbau in deinem
> Kuppelbautenarchiv?
Ich stelle mir das nicht so einfach vor. Die Steine müssen imho recht
genau bearbeitet werden, da sie ja eine Keilwirkung besitzen müssen.
Als Alternative könnte ich mir ein Kegeldach vorstellen mit
zimmermannsmäßigem Dachstuhl. Als Dachdeckung gibt es dann spezielle
Dachziegel. Sicherlich nicht das, was ein Trullo ausmacht, aber
zumindestens ähnlich.
Die Zimmermannskonstruktion für Kegeldächer ist übrigens auch
nicht
einfach. Ich habe gerade mal "Im Zimmermann" von Adolf Opderbecke
geblättert und mir einige historische Dachstühle von Kegel- und
Turmdächern angeschaut.
BTW, das Buch eine wahre Schatzgrube für Freunde des historischen
Holzbaues (Dachgestühle, Fachwerk etc). Zum Trullo selbst habe ich
nichts im Bücherregal.
> Ich könnte mir so ein Trullo recht nett auf meiner
> Scheune vorstellen, dazwischen Flachdach zum
> Bestand. Ein Trullo hätte den Vorteil, dass man außer
> Steinen und Zeit wenig Geld braucht. Außerdem erscheint
> mir so ein Trullo weniger störend als jede sonstige Dachform.
Soso, du willst dein Trullo als Weltkulturerbe bei der Unesco anmelden
;-)
Ja, sie sehen schnuckelig aus, aber imho steckt viel Arbeit dahinter.
Die Steinplatten müßten behauen werden, was selbst mit
Kalkspaltplatten
eine anstrengende und mühselige Arbeit ist. Blasen und blaue Finger
sind vorprogrammiert. Na denn, gut klopf!
Grüße
Harald
Trulli
"tobias knittel" schrieb:
> Die Kuppel besteht aus Natursteinplatten, die in einem
> Gefälle nach außen gesetzt werden, quasi analog
> zu Schuppen, die das Regenwasser immer wieder
> aus der Konstruktion an die Oberfläche führen.
> In unseren Breiten dürfte die Belastung durch Regen-
> wasser das Problem sein.
> Kennt wer Beispiele von Trullibauten nördlich der
> Alpen? Ich hab hin und her überlegt. Im Grunde
> müßt so etwas auch hie funktionieren?
Warum nicht ? Die Bories von Gordes haben schließlich auch irgendwie
funktioniert und wenn ich das richtig sehe, sind sie aus vergleichbarem
Kalkgestein errichtet, wie es bei dir herumliegt.
Ein paar Fotos findest du z.B. unter
http://www.lacassouliere.com/borie.htm. So richtig toll sind
die
alllerdings nicht - der Rundbau ist eigentlich eher weniger typisch und
diente wohl nicht Wohnzwecken. Allerdings kommt er in verschiedene
Varianten bei den meisten Bauwerksgruppen.("Höfen") vor - i.d.R.
etwas
abseits.
Offenbar ware die Wohnbauten. rechtwinklig angelegt - teilweise mit
einerVielzahl von direkten Anbauten. Das Zentrum, d.h. die
Konzentrationszone besser erhaltener (hergerichteter) Bories wird
inzwischen kommerziell vermarktet, der Eintritt ist inzwischen heftig
(jedenfalls war er mir letztes Jahr bei Temperaturen > 35° C und mit
icht
wirklich interessierter Begleitung zu hoch....).
Ich habe noch irgendwo Fotos aus früherer Zeit, als der Besuch noch
preiswert war. Bei Bedarf kann ich sie suchen... Ein Tip: Wer solche
Bauwerke ansehen will, findet frei zugängliche Einzelexeplare in gutem bis
ruinösen Zustand entlang der Zufahrt zum eintrittspflichtigen
Gelände.
Gordes (Provence) liegt westlich der Alpen ca. 30 km östlich von Avignon.
Es ist der nördlichste mir bekannte Standort solcher Bauten in Europa. Die
jährliche Niederschlagsmenge dürfte dort um 650 mm liegen aber es
kann
dortauch sehr gut "richtig" regnen.....
Grüße
Thorwald Brandwein
--
www.biotekt.de
Trulli
Hi Harald,
> Ich stelle mir das nicht so einfach vor. Die Steine müssen imho recht
> genau bearbeitet werden, da sie ja eine Keilwirkung besitzen müssen.
Glaub ich weniger. sie müssen halt stellenweise satt
sitzen (aber das tun sie zwangsläufig bei Gewölben :-) )
> Als Alternative könnte ich mir ein Kegeldach vorstellen mit
> zimmermannsmäßigem Dachstuhl. Als Dachdeckung gibt es dann
spezielle
> Dachziegel. Sicherlich nicht das, was ein Trullo ausmacht, aber
> zumindestens ähnlich.
Bitumenpappe und die Steine aufkleben als Styropor :-)
> Die Zimmermannskonstruktion für Kegeldächer ist übrigens
auch nicht
> einfach. Ich habe gerade mal "Im Zimmermann" von Adolf
Opderbecke
> geblättert und mir einige historische Dachstühle von Kegel- und
> Turmdächern angeschaut.
> BTW, das Buch eine wahre Schatzgrube für Freunde des historischen
> Holzbaues (Dachgestühle, Fachwerk etc). Zum Trullo selbst habe ich
> nichts im Bücherregal.
Die Indianer hatten das auch hingekrigt. Es reichen ein paar Stangen,
diese oben zusammenbinden :-)
> Soso, du willst dein Trullo als Weltkulturerbe bei der Unesco anmelden
> ;-)
Das fehlt mir noch ... :-)
> Ja, sie sehen schnuckelig aus, aber imho steckt viel Arbeit dahinter.
> Die Steinplatten müßten behauen werden, was selbst mit
Kalkspaltplatten
> eine anstrengende und mühselige Arbeit ist. Blasen und blaue Finger
> sind vorprogrammiert. Na denn, gut klopf!
Im Grunde genommen geht das eigentlich recht flott. Denke
nicht, dass man viel behauen muß.
Aber es verschwinden halt einige Kubikmeter Steine in so
einem Dach.
Gruß
Tobias
Trulli
Hi Thorwald,
> Warum nicht ? Die Bories von Gordes haben schließlich auch
irgendwie
> funktioniert und wenn ich das richtig sehe, sind sie aus vergleichbarem
> Kalkgestein errichtet, wie es bei dir herumliegt.
> Ein paar Fotos findest du z.B. unter
> http://www.lacassouliere.com/borie.htm. So richtig toll sind
die
> alllerdings nicht - der Rundbau ist eigentlich eher weniger typisch und
> diente wohl nicht Wohnzwecken.
Sieht auch sehr nett aus. Regendicht sieht die Kuppel aber weniger
aus :-)
Danke für den Hinweis und Link
Gruß
Tobias
Trulli
"tobias knittel" schrieb
> Sieht auch sehr nett aus. Regendicht sieht die Kuppel aber weniger
> aus :-)
Das weiß ich nicht und vermutlich kommt die Technik/Sorgfalt auch mit dem
Verwendungszweck. Die runden Dinger könnten Ziegenställe gewesen
sein....
Die größeren Rechteckbauten müssten Schlafplätze auf
Zwischenböden
enthalten haben. Ich habe sie als "potenziell regendicht" in
Erinnerung mit
teilweise raffinierter Steinanordnung (Außengefälle). Allerdings hab
ich
vergessen, wie das im Detail aussieht. ist sowieso seltsam dort - die
Dinger sind nicht wirklich alt. In den Ortschaften ringsum wurde längst
"normal" gebaut....
Angeblich (und vom sichtbaren "Gerümpel" her glaubhaft) waren
die
Bories bis Anfang 20. Jh. bewohnt.
Hier noch ein besserer Link:
http://www.frankreich-sued.de/gordes-server/bories.htm
Besser sind meine Fotos auch nicht - Innenaufnahmen, die eher
Aufschluss bezüglich eventueller Dichtigkeit geben würden, habe
ich auch nicht - ist einfach zu dunkel in den Dingern.
Grüße
Thorwald Brandwein
--
www.biotekt.de