Architektur

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Re: Trulli

Karl-Ludwig Diehl
2004-06-16 18:28:22

Hallo,
Thorwald Brandwein schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> > Multifunktional. Sowohl Ställe, andere Hirtenhäuschen, usw.
> Eher nicht. Hirten wird man am Standort ganz sicher nicht benötigt
> haben - der Steinreichtum hat dazu geführt, dass sehr viele Parzellen
>mit
> Mauern umgeben sind. Größere Herden sind dort ganz sicher nicht
>gehalten
> worden.

Mehr wie zwei Ziegen passen nicht rein.

> > Das Alter dürfte unbekannt sein. Jedenfalls weiss man es von
> > süditalienischen Bauten nicht genau. Die Geschichte endet sicher in
> > Legenden von Heimatforschern.
> Man kennt diese Bauformen aus mehreren Bereichen des Mittelmeerraumes
>und
> in etwas variierten Ausführungen. Neben Boris und Trulli wären u.a auch
> noch die sardischen Nuragen (allerdings andere Dachkonstruktion) zu
>nennen.

Das stimmt, aber die Trulli-Herkunft läßt sich z.B. nicht absichern. Mit
der Geschichte der Bories konnte ich mich bisher nicht beschäftigen.
Zu den Nuraghen besteht bautechnisch wenig Beziehung, ausser dass es
auch Steinbauten sind.

> Am französischen Standort Gordes darf man jedenfalls davon ausgehen,
> dass die Bories nicht nennenswert älter als 300 Jahre sind. Für andere
> Trockensteinhäuser allgemein ein höheres Alter (bis >3500 Jahre)
> angegeben.

Naja. Wenn es da ein Museum gibt, wird die Forschung einiges zum Thema
herausgebracht haben.

> Was in Gordes irgendwen veranlasst hat, ausschließlich mit dem einzigen
> reichlich vor Ort vorhandenen Baumaterial zu arbeiten, weiß ich nicht.
> Irgendwie "Aussätzig" (nicht integriert) werden die Erbauer/Nutzer
> wohl gewesen sein. Allerdings ist der lokale Bereich, in dem sich Boris
> finden, doch etwas größer, als es vermutlich der Fall wäre, wenn eine
> eingeschworene Gemeinschaft (Sekte o.ä.) sie errichtet hätte.
>Vermutlich
> waren sie wohl vorrangig eine aus Armut entstandene Notlösung.

Hört sich alles sehr unabgesichert an. Von wo kommt die Idee mit den
"Aussätzigen"? Dass es einfache Verhältnisse waren, liegt zumindest
nahe. Aber wo ging es nicht einfach zu?

> > Als Nutzraum dienen sie sicherlich weiter.
> Allgemein nicht. Die Bewirtschaftung der Bories und des angrenzenden
> Landes ist fast überall aufgegeben worden. Sieht man von der
>touristisch
> genutzten Anhäufung ab, befindet sich die Mehrzahl mehr oder weniger
> abseits von Wegen (die Zufahrt zum "Village des Bories" ist auch
> weitgehend nur ein unbefestigter einspuriger Weg) und je weiter sie von
> solchen entfernt sind (also je weniger Touristen drum rum trampeln)
> desto mehr sind sie eingewuchert und dem Verfall preisgegeben.

Na gut. Wir sind in Frankreich. Hier wären sie herausgeputzt.

> Nur ganz wenige Bories (meist die Rechteckform) finden sich dicht an
> aktuell bewohnten Häusern. Es scheint, dass die Boriebewohner wohl
> keine Eigentumsrechte an den bebauten Parzellen hatten - vielleicht
> war (ist?) es Gemeindeland (Allmende).

Das wird als Ursprungslegende der Trulli erzählt. Sie waren so zu bauen,
dass sie jederzeit abgerissen werden konnten.

> > Solche Bauten, wenn zu Wohnzwecken genutzt, und dunkel, dienen dann
>mehr
> > dem Unterstellen, Nächtigen.
> Nein. Dazu waren sie in Gordes zu stark funktional gegliedert. Da
>hausten
> garantiert Gruppe (Familien) ständig drin.

Also doch. Gut.

> Von Gordes aus gesehen östlich gibt es noch einzelne andere Standorte -
> (u.a. bei Apt und Vence). Die sind aber schon wieder etwas anders
> geformt. Die kenne sie nur vom Vorbeifahren und weiß nichts über ihr
> Alter usw..

Ja, es gibt etliche Regionen ähnlicher Bauten.
Auf Dokumentationen war ich mal einige Zeit aus.

K.L.
--
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Re: Trulli

"Thorwald Brandwein"
2004-06-16 22:50:10

"Karl-Ludwig Diehl" schrieb:


> Das stimmt, aber die Trulli-Herkunft läßt sich z.B. nicht absichern. Mit
> der Geschichte der Bories konnte ich mich bisher nicht beschäftigen.
> Zu den Nuraghen besteht bautechnisch wenig Beziehung, ausser dass es
> auch Steinbauten sind.

Richtig - ist auch eine (geograhisch/-logisch bedingt) ganz andere Form
der Schichtung.

> Naja. Wenn es da ein Museum gibt, wird die Forschung einiges zum Thema
> herausgebracht haben.

Ich weiß nicht.... Im Museum gab es seinerzeit (noch?) nicht allzuviel Info
und
dann natürlich nur auf französisch.

> >Vermutlich
> > waren sie wohl vorrangig eine aus Armut entstandene Notlösung.

> Hört sich alles sehr unabgesichert an. Von wo kommt die Idee mit den
> "Aussätzigen"? Dass es einfache Verhältnisse waren, liegt zumindest
> nahe. Aber wo ging es nicht einfach zu?

Na ja - einen gewissen Unterschied zum 2 km Luftlinie entfernten
Schloss kann man schon erkennen - es ging also auch in direkter
Nähe nicht überall so einfach zu...

> Das wird als Ursprungslegende der Trulli erzählt. Sie waren so zu bauen,
> dass sie jederzeit abgerissen werden konnten.

Würde doch passen .....

Grüße
Thorwald Brandwein

--
www.biotekt.de


Re: Trulli

Karl-Ludwig Diehl
2004-06-17 11:41:08

Hallo,
Thorwald Brandwein schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> > Naja. Wenn es da ein Museum gibt, wird die Forschung einiges zum
>Thema
> > herausgebracht haben.
> Ich weiß nicht.... Im Museum gab es seinerzeit (noch?) nicht allzuviel
>Info
> und
> dann natürlich nur auf französisch.

Die Sprache wäre nicht das Problem. Es ist natürlich so, dass, wenn es
an wirklichen Belegen mangelt zur Geschichte dieser Bauten, auch die
Literatur keinen Aufschluss gibt.
Man muss das wohl abwarten.

> > >Vermutlich
> > > waren sie wohl vorrangig eine aus Armut entstandene Notlösung.
> > Hört sich alles sehr unabgesichert an. Von wo kommt die Idee mit den
> > "Aussätzigen"? Dass es einfache Verhältnisse waren, liegt zumindest
> > nahe. Aber wo ging es nicht einfach zu?
> Na ja - einen gewissen Unterschied zum 2 km Luftlinie entfernten
> Schloss kann man schon erkennen - es ging also auch in direkter
> Nähe nicht überall so einfach zu...

Feudalherr in Saus und Braus erlaubt Armut ein provisorisches Haus....

> > Das wird als Ursprungslegende der Trulli erzählt. Sie waren so zu
>bauen,
> > dass sie jederzeit abgerissen werden konnten.
> Würde doch passen .....

Passen kann immer alles nur Mögliche. Führt aber nicht wirklich weiter.

K.L.
--
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Re: Trulli

"Thorwald Brandwein"
2004-06-17 14:49:38

"Karl-Ludwig Diehl" schrieb:

> Es ist natürlich so, dass, wenn es an wirklichen Belegen mangelt
> zur Geschichte dieser Bauten, auch die Literatur keinen
> Aufschluss gibt. Man muss das wohl abwarten.

Nun - ich nehme einfach mal an, dass diese Trockensteinhausbauerei
- insbesondere die jüngere - nicht wirklich ernst genommen wurde.
Es war wohl eine lokal geduldete Bauweise armer Leute ohne
Belang - woanders wurden vielleicht Zelte oder Laubhütten errichtet.
Abwarten wird wohl nichts bringen - man wird die Dinger wohl
einfach als Raritäten mit nicht ganz geklärter Entwicklungsgeschichte
akzeptieren müssen.
Wer so etwas - wozu auch immer - nachbauen will, ist wohl gut
beraten, sich solche Dinger an einem der Standorte, wo sie
gehäuft errichtet wurden, original und im Detail anzuschauen
und ganz einfach die angewandten Tricks zu kopieren... Wie die
Dinger gebaut wurden, erzählen sie schon - warum ist angesichts
der relativ belanglosen Menge wohl nicht gerade von herausragender
Bedeutung.

> Feudalherr in Saus und Braus erlaubt Armut ein provisorisches Haus....

Nun - dafür waren u.a. die Herren von Les Baux bekannt...

> Passen kann immer alles nur Mögliche. Führt aber nicht wirklich weiter.

Hier führt wohl nichts weiter.... Die Trulli, Bories usw. sind nun mal
irgendwann von irgendwem gebaut worden und die Beschäftigung mit
ihnen ist eine Liebhaberei am Rande ohne irgendwelchen Belang...
Andere widmen ihre Zeit der Technik "wasserkraftgetriebener" Uhren,
aber dabei planen sie auch ihre Zeit nach der digitalen Funkuhr, die
heute den Zeittakt gibt ;-)

Grüße
Thorwald Brandwein

--
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Re: Trulli

Karl-Ludwig Diehl
2004-06-17 15:37:39

Hallo,
Thorwald Brandwein schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> Nun - ich nehme einfach mal an, dass diese Trockensteinhausbauerei
> - insbesondere die jüngere - nicht wirklich ernst genommen wurde.

Hohe Baukunst war es nicht. Entsprechend wenig gewürdigt in der
Literatur. Alberobello, weil geschlossene Siedlung, ragt da heraus.

> Es war wohl eine lokal geduldete Bauweise armer Leute ohne
> Belang - woanders wurden vielleicht Zelte oder Laubhütten errichtet.

Anfänge sind sicher einfachste Zufluchtsorte für Hirten, so in
"Jugoslawien".

> Abwarten wird wohl nichts bringen - man wird die Dinger wohl
> einfach als Raritäten mit nicht ganz geklärter Entwicklungsgeschichte
> akzeptieren müssen.

Nun. Wenn die Bories nur 300 Jahre alt sind, sollte sich doch etwas im
nahegelegenen Schloss an Notizen auffinden lassen. Oder anderswo.

K.L.
--
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Re: Trulli

"tobias knittel"
2004-06-17 15:44:50

Hi Karl,

> Nun. Wenn die Bories nur 300 Jahre alt sind, sollte sich doch etwas im
> nahegelegenen Schloss an Notizen auffinden lassen. Oder anderswo.

ich vermute mal, wenn die von ihrem Leibherrn so kurz gehalten
wurden, ganz ohne Bauholz, dass es im nahegelegenen Schloß
so um 1789 ziemlich heiß geworden sein dürfte, d.h. alles
verbrannt :-)

Gruß

Tobias


Re: Trulli

Karl-Ludwig Diehl
2004-06-17 20:01:35

Hallo,
tobias knittel schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> > Bories nur 300 Jahre alt /./
> ich vermute mal, wenn die von ihrem Leibherrn so kurz gehalten
> wurden, ganz ohne Bauholz, dass es im nahegelegenen Schloß
> so um 1789 ziemlich heiß geworden sein dürfte, d.h. alles
> verbrannt :-)

Eher sind die für diese Wohltat auf andere Ideen gekommen. Alerdings
kann sich die Lage nach fast 100 Jahren, also ab 1789 etwas geändert
haben, da kannst Du recht haben. Lässt sich aber auch aufspüren, was
gerade in der Boriesgegend los war.

K.L.
--
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Re: Trulli

"tobias knittel"
2004-06-17 20:04:12

Hi Karl.


> Eher sind die für diese Wohltat auf andere Ideen gekommen. Alerdings
> kann sich die Lage nach fast 100 Jahren, also ab 1789 etwas geändert
> haben, da kannst Du recht haben. Lässt sich aber auch aufspüren, was
> gerade in der Boriesgegend los war.

ich vermute mal die Französische Revolution :-)

Gruß

Tobias


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