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Europäische Expansion: dänische Bauten / 24
Der Däne H.C.Monrad hielt sich von 1805 bis 1809 in den dänischen
Besitzungen in Guinea, Afrika, auf. Dadurch steht uns ein authentischer
Bericht zur Verfügung. Er definiert:
"Wenn ich von Afrika rede, so beschränke ich mich meistentheils auf
den
Landstrich, der sich von dem Flusse Sacuma (Anmerkung bei ihm: "wird
auch das Akkara-Revier genannt"), der ungefähr eine Dänische
Meile
oberhalb unseres Hauptforts, Christiansburg, läuft, bis gegen 12 Meilen
unterhalb des Flusses Rio=Volta (Anmerkung von ihm: "der springende
Fluß"), oder östlich von demselben erstreckt, an welchem Orte,
das
letzte Dänische Fort, Prinzenstein, liegt. Dieses Küstenland
erstreckt
sich von Westen nach Osten nicht über 40 Meilen". (1)
An diesem Küstenstrich lagen die dänischen Festungen:
"Die Dänischen Forts, Friedrichsburg, Königsstein, welches auf
einer
Insel im Rio=Volta liegt, Prinzenstein, das jüngste Fort, die Redoute
Probierstein, dicht bei Christiansburg, und Augustaburg, 2 Meilen
östlich davon, bei der Negerei Thessen, sind alle von Dänen selbst
gebaut." (2)
Er weist darauf hin, daß sich in "Römers Beschreibung von
Guinea" einige
"ziemlich richtige Abbildungen der beiden Dänischen Forts
Christiansburg
und Friedensburg" befinden. (3)
Zu Christiansburg erhalten wir einige Hinweise, die recht interessant
sind. Danach soll diese Festung von den Portugiesen an die Schweden und
von denen in die Hände der Dänen gelangt sein:
"Die Schweden haben gegenwärtig /./ keine Besitzungen in Afrika.
Vormals
sollen sie Christiansburg besessen haben, welches doch zuerst von den
Portugiesen erbaut worden ist. diesen haben die Dänen es wohl
abgekauft." (4)
Die gesamte Kette der Forts entlang der Küste Guineas beschreibt er so:
"Die Entfernung von einem Fort zum anderen rechnet man ungefähr auf
10
Dänische Meilen längs der Küste. So liegen die Dänischen
Forts in einer
Linie von 30 bis 40 Meilen von Westen nach Osten." (5)
Wir erhalten, wenn wir seinen Text weiter bearbeiten, deutlichere
Einzelheiten:
"So weit ich die Forts in Guinea kenne, so liegen sie von Westen nach
Osten in folgender Ordnung:
Axim und St.George della Mina (Englische), Berku (Holländisch), St.James
(Englisch),
Creve ïeur (Holländisch), Christiansburg, der Probierstein,
Augustaburg (Dänische), Prampam (Englisch), Friedensburg,
Königsstein,
Prinzenstein (Dänische), Williamsïrt (Englisch)" (6)
Das ergibt eine bunte Mischung von Bauanlagen, die in Besitz sehr
unterschiedlicher Nationen sind, die sich an der Küste Guineas entlang
ziehen, und es fragt sich bei jedem Fort, wer eigentlich der Erbauer
war, und was die jeweilige Nation selbst zum Bauwerk beigetragen hat.
Immerhin haben wir die Aussage Monrads, Friedrichsburg, Königsstein,
Prinzenstein, die Redoute Probierstein und die Festung Augustaburg seien
echte dänische Bauten.
Wir erhalten außerdem von Monrad eine genauere Beschreibung der
Festungen der europäischen Nationen entlang dem Küstenstrich Afrikas,
die sich sehr geglichen haben müssen:
"Man kann sich einen ziemlich richtigen Begriff von einem Afrikanischen
Fort machen, wenn man sich einen mit Kalk getünchten Glockenthurm ohne
Spitze denkt, so bedeutend erweitert, daß es nach einer Mittelzahl 50
Schritte auf jeder Seite bekommt; doch bildet es nicht immer ein
vollkommenes Quadrat." (7)
Der turmähnliche Bau beherrscht also die Anlage. Diese ist wesentlich
größer:
"Auswendig sind die Forts in einiger Entfernung gemeiniglich von einer 6
bis 7 Ellen hohen Mauer umgeben. (8)
Der Kernbau gilt laut Monrad als das eigentliche Fort, um den ein Areal
angelegt und ummauert ist, das als Zuflucht dienen kann. Wem dieses
Areal zum Schutze dient, erfahren wir auch:
"Die Mauer und der auf solche Weise beschützte Platz wird das Vorwerk
genannt, und ist eigentlich dazu bestimmt, in Kriegszeiten die
verbündeten Neger aufzunehmen, wenn sie von ihren Feinden gedrängt
werden." (9)
Meistens liegen solche Festungen auf Anhöhen. (10)
Die Mauern der Forts werden als sehr dick beschrieben und haben oben
Brustwehre, die damals in der Übersetzung des Textes von Monrad ins
Deutsche "Brustwerk" genannt worden sind. Sie enthielten
"Schießlöcher",
aus denen die Kanonen herausragten.
Kanonen gab es viele. Die schweren Kanonen waren immer zur Seeseite hin
ausgerichtet. Höchstens vierzig Kanonen gab es in den ganz großen
Festungen. In der Regel waren es weniger. (11)
Wie sah es im Innern der Festungen aus? Dazu Monrad:
"Im Hofe des Forts sind gemeiniglich die Packhäuser, die Cisternen
und
die eingeschlossenen Orte für die Sclaven." (12)
Zu den Wohnräumen der Europäer erfahren wir:
"Die meisten Europäer haben luftige Zimmer in den flachen
Gebäuden auf
den Batterien selbst, besonders zeichnet sich der Gouvernementssaal
durch seine Größe und zuweilen durch seine Pracht aus." (13)
Der Vergleich der dänischen und englischen Forts fällt bei Monrad so
aus:
"Obgleich die Dänischen Forts, hinsichtlich der Befestigung und
Besatzung derselben, eine Vergleichung mit dem Englischen nicht
aushalten können, so muß ich doch gestehen, daß der Zustand
derselben,
in Rücksicht auf die Umstände, im Ganzen gut war." (14)
Die dänischen Forts waren also wesentlich einfacher als die der
Engländer. Monrad, als Däne, war aber trotzdem zufrieden, denn die
Zustände hätten schlechtere sein können. Ein solches
dänisches Fort in
sehr schlechtem Zustand wird dann schließlich von ihm erwähnt:
"Das Fort Königsstein war das schlechteste." (15)
So haben wir damit schon eine erste Idee von den dänischen Besitzungen
in Afrika. Wir wissen aber noch nicht, was von den Dänen sonst noch
errichtet wurde, und, was es im einzelnen an dänischen Bauten in ihren
Gebieten in Afrika gab.
Karl-Ludwig Diehl
Anmerkungen: (liegen beim Autor)
--
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Europäische Expansion: dänische Bauten / 24
2004-06-16 23:55:42