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Baugeschichte Dänemarks / 1
Über die dänische Architektur ist mir wenig bekannt. Auch kenne ich
das
Land kaum. Die Kurzaufenthalte in Dänemark liessen mir keine Zeit, mir
dänische Architektur bewußter zu machen. Es bleibt zunächst nur
der Weg,
Literatur auszuwerten.
Tobias Faber beginnt seine baugeschichtliche Darstellung (1) in
vorgeschichtlicher Zeit, schreibt von ausgedehnten Kiefernwäldern, die
das Land bedeckten hätten. Die Bevölkerung lebte vor 8.000 Jahren
noch
primitiv und die Landschaft war sehr verschieden von der heutigen.
Bei Jörg-Peter Findeisen fand ich eine Karte, welche die Umrisse des
Landschaftsraumes von vor 8.000 Jahren wiedergibt, die wir heute in etwa
als Dänemark kennen. Er schreibt zur Karte:
"Der Kleine Belt ist nur ein Fluß, der Große Belt eine Art
Fjord der
Ostsee." (2)
Wo sich heute Meer befindet, hob sich das Land wesentlich ausgedehnter
aus den Fluten und eine Landbrücke nach >>Schweden<<
existierte. Er
bezeichnet >>Dänemark<<, erdgeschichtlich gesehen, als
"ein sehr junges
Land". (3) Es war "besonders die letzte Eisperiode, die
Dänemarks
Äußeres gestaltete". (4) Zwei frühe Steinzeitkulturen
fanden sich in
dieser Landschaft:
"die sogenannte Gudenaa- und die Maglemose Kultur." (5)
Der älteste Nachweis menschlichen Aufenthaltes liegt wohl 250.000 Jahre
zurück. Es fanden sich Feuersteinwerkzeuge in einem
südjütländischen
Flußtal. (6) Auch sehr alt sind Hinweise auf Großwildjäger in
Mitteljütland. Es handelt sich um Fundstücke mit einem Alter von
80.000
Jahren. (7) Auf Mittelseeland fanden Archäologen bei Bromme eine feste
Wohnstätte von Jägern und Sammlern, die gut 11.500 Jahre alt ist. (8)
Ein Fruchtbarkeitssymbol, das auf einen Knochen eines Auerochsens
geritzt ist und drei schwangere Frauen zeigt, muß vor ca. 9.000
gefertigt worden sein und ist für Mittelseeland belegt. (9) Zu dieser
Zeit breitete sich Urwald über das Landschaftsgebiet aus. Aus dieser
Zeit kennen wir "Spuren der ältesten Hütten" von
Waldmenschen auf
Seeland:
"Sie waren bis zu sieben Meter lang und vier Meter breit, mit einem
>>Teppichboden<< aus Birken- und Kiefernrinde, in die Erde
gerammten
Seitenwänden aus einem Gemisch von Ästen, Rohr und Schilf". (10)
Die Archäologen unterscheiden zwei Perioden der "Waldzeit" und
fanden
Überreste menschlicher Kultur, die sie
>>Ertebölle-Kultur<< nannten. Es
sind größere Siedlungsplätze an der Küste, die neben
riesigen Mengen
Küchenabfällen ergraben wurden. Die Abfallhaufen aus Muscheln,
Tierknochen, usw. sind erkennbare Hügel von gewaltigen Ausmaßen, zum
Teil 150 m lang, 30 m breit und oft 2 m dick. Sie erhoben sich neben
Siedlungen, die jahrhundertelang existiert haben müssen. Vor etwa 3.500
Jahren endete in >>Dänemark<< die Altsteinzeit. Es begann auch
hier die
"neolithische Revolution der Jungsteinzeit". (12) Waldrodungen
setzten
ein, und erste Anfänge des Ackerbaus lassen sich nachweisen.
Altsteinzeitler lebten neben Jungsteinzeitler, die untereinander ihre
Ökonomien ergänzten. Jäger und Fischer gab es neben Bauern und
Hirten.
(13) Der Aufbau großer Dörfer setzte ein. Auf Jütland konnte
eine solche
Siedlung der Jungsteinzeit freigelegt werden:
"längs einer steingepflasterten Dorfstraße zwei fast 100 Meter
lange und
sieben Meter breite Langhäuser" (14)
Darin:
"Insgesamt 52 Wohnräume mit eigenen Eingängen", die
"offenbar Wohnraum
für jeweils eine Bauernfamilie" abgaben. (15)
Die berühmten >>Hünengräber<<, von denen sich etwa
2.000 fanden, stammen
aus dieser Zeit. Man rechnet, daß diese Funde etwa ein Drittel aller
Hünengräber ausmachen, die es gegeben haben wird. (16)
Große Felsblöcke waren von den schmelzenden Gletschermassen
zurückgelassen worden, die während der letzten Eiszeit die
Hälfte
>>Dänemarks<< bedeckten. Tobias Faber erwähnt zwei
Bauweisen, die Dolmen
und die Ganggräber (Hünengräber). Er erklärt:
"Dolmen sind Steinsetzungen um eine oder mehrere Grabkammern herum. In
den Runddolmen sind die Steinsetzungen zirkulär um einzelne Kammern
herumgeführt, in den Langdolmen sind sie rechteckig und haben um zwei
oder drei Kammern herum abgerundete kurze Seiten." (17)
Dagegen:
"Die Ganggräber sind größere Grabkammern, jede 2 - 3 m
breit und 4 - 6 m
lang, abgedeckt von mehreren mächtigen Steinen mit flacher Unterseite.
Die Wände neigen sich zur Mitte hin leicht nach innen und bestehen aus
sehr hohen, dicht nebeneinander gestellten Steinen oder kleineren
Findlingen, die aufeinander gestapelt und mit kleineren Steinen
abgedichtet sind. Die Ganggräber sind ganz mit Erde bedeckt, weswegen
sie nach aussen wie Grabhügel wirken." (18)
Erdbedeckt waren auch die >>Dyssengräber<<, die Faber Dolmen
nennt, die
aber genauso erdbedeckte Grabhügel darstellten wie die Ganggräber,
die
als Bauepoche auf die
>>Dyssengräber<< folgten. Es wird angenommen, daß
ähnlich den Pyramiden
>Ägyptens diese Hügelgräber den Waldbauern dazu dienten, den
Verstorbenen
>"das Weiterleben" zu ermöglichen. Archäologen
schließen das aus den
>vielen Grabbeigaben.
Damals setzte bereits Bergbau ein. Man grub nach Feuersteinen für Beile,
Äxte und Sicheln, für die es Produktionszentren gab. (19)
Als vor etwa 4.000 Jahren ein Reitervolk in dieses Bauernland vordrang,
das in mehreren Wellen mit "ochsengezogenen Wagenkolonnen"
eingetroffen
sein soll, bildete sich als Überrest dieser Zeit in den
jütländischen
Heideregionen eine neue Kulturschicht dieser "Streitaxtleute" heraus.
Deutliche Kennzeichen dieser Streitaxtkultur sind Einzelgräber, d.h.
Bestattungen in "schmalen Steinkisten" herrschen nun vor. Es folgte
der
Übergang zur Metallzeit (20), aus der kunstvoll gearbeitete Dolche aus
Feuerstein vorliegen, die so aussehen sollten wie die Bronzedolche, die
aus südlicheren Gebieten mit Händlern in den Norden gelangten und
nachgemacht wurden, ohne die Bronzebearbeitung zu kennen. Doch auch
dieses Wissen der Metallverarbeitung gelangte nun in den
>>dänischen<<
Raum. (21)
Karl-Ludwig Diehl
Anmerkungen: (liegen beim Autor)
--
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Baugeschichte Dänemarks / 1
2004-06-23 23:04:26