Kleine Geschichte der Backsteinfliese
Die Backsteinfliese ist mehrere tausend Jahre alt. Sie entstand in den
alten Kulturen des Nahen Ostens und bedeckte Fußböden und
Wände.
Nördlich der Alpen wurde sie nach der Römerzeit eingeführt,
hatte aber
im frühen Mittelalter nur sehr geringe Bedeutung. Sie ersetzte
zunächst
den Bodenbelag aus Naturstein. Es wurden mit Backsteinfliesen meist
Schmuckfußböden aus Marmor nachgeahmt.
Als im 12.Jh. die serienmäßige Fertigung der Backsteinfliesen durch
Modeln eingeführt wurde, verbilligte sich die Herstellung dieses
Fußbodenbelags, und selbst in Dorfkirchen wurden sie zu
Schmuckfußböden
verlegt. (1)
Ein frühes Beispiel für einen Schmuckfußböden aus
Backsteinfliesen fand
sich im Dom von Gnesen, wo er vermutlich im 11.Jh. verlegt wurde, und in
der Martinikirche in Siegen, der um 1100 zur Ausführung kam. (2)
In der Benediktinerkirche zu Helmstedt liegt ein alter Bodenbelag aus
diesem Material, der auf die Zeit um 1150 zurückgehen soll. (3)
Als Folge der Kreuzzüge fand ein reger Kulturaustausch zwischen Orient
und Okzident statt, wodurch Schmuckfußböden aus Backsteinfliesen im
Abendland zunehmend an Bedeutung gewannen. Mit der Verlegungsart der
Backsteinfliesen wurden nun auch die lebhaften Muster der Orientteppiche
nachgeahmt und man wertete mit solchen Schmuckfußböden Sakral- und
Profanbauten auf. (4)
Ein gutes Beispiel für die Verlegung in einem Sakralbau ist der
Schmuckfußboden in der Schloßkapelle in Marburg. (5) Was im
Kirchenbau
eingeführt wurde, fand Nachahmung in Profanbauten. In der Gerichtslaube
im historischen Rathaus von Lüneburg hat sich ein Schmuckfußboden
aus
dem 16.Jh. erhalten. (6)
Den Zisterziensern und anderen christlichen Orden kam bei der
Verbreitung der Backsteinfliese im Abendland eine wichtige Rolle zu.
Eine Produktionsstätte für Backsteinfliesen war das Kloster Hude
zwischen Oldenburg und Bremen. Die Mönche der Zisterzienser gingen hier
den verschiedensten Handwerken nach, dazu gehörte auch der Betrieb einer
Ziegelei, in der nicht nur sehr schöne Formziegel, sondern auch kostbare
Backsteinfliesen gebrannt wurden. Die selbstgebrannten Backsteine,
Dachziegel und Backsteinfliesen wurden zum Bau des eigenen Klosters
benutzt, jedoch sind auch Auftragsarbeiten für Bauten in anderen
Regionen nachweisbar. (7)
Die wenigsten der historischen Fußböden aus Backsteinfliesen liegen
noch
vor Ort. Meist werden nur noch Reste von ihnen in Museen aufbewahrt.
Schmuckstücke unter den Backsteinfliesen waren über Jahrzehnte
Gegenstand privater und musealer Sammelleidenschaft geworden. Meist sind
es jetzt Archäologen, die bei Ausgrabungsarbeiten in Kirchen,
Klöstern
und wertvollen Profanbauten auf Reste alter Schmuckfußböden aus
Backsteinfliesen stoßen, wenn sie mittelalterliche Baureste in Ruinen
oder modernisierten alten Gebäuden freilegen.
Karl-Ludwig Diehl
Anmerkungen: (liegen beim Autor)
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Kleine Geschichte der Backsteinfliese
2004-11-03 20:03:58