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Re: Lob der Spanplatte, was: T-Traeger aus Holz

Re: Lob der Spanplatte, was: T-Traeger aus Holz

"Thorwald Brandwein"
2003-07-10 02:02:12

Werner Reimann schrieb
> Thorwald Brandwein schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:

> > ...Spanplatte ist in meinen Augen nichts
> > anderes als ein "wirrer" und damit
> > minderwertiger Verbundwerkstoff.
> > OSB ist ein wenig besser, ...

>ja sicher ist das nix dolles im Sinne von HiTech. Man braucht aber auch
> fast nie so sagenhafte Eigenschaften auf dem Bau.

Ich denke eben nicht nur "baumäßig", sondern gerne in Richtung aktuell
außergewöhnliche Anforderungen.
Ich habe mich eben mal (in meiner Jugend) bevorzugt mit "innovativen
Werkstoffen" etwas befasst und sehe eigentlich
immer wieder und auf allen Gebieten einen gewissen Bedarf an optimierten
Lösungen - natürlich nicht für die wirklich bewährten Standardlösungen.
Aber sobald ein Material neue Möglichkeiten erschließt, steigen i.d.R. die
Anforderugen - siehe z.B. Roboterarme (immer gelenkiger, länger, schneller,
tragfähiger und zuverlässiger....)

Aber auch hinsichtlich Holz - hier vor allem Möbel (ein bischen Tischlern
hab ich auch mal gelernt) - bin ich anscheindend nicht der Einzige, der
einen gewisssen Verbessserungsbedarf sieht. Vgl. hierzu mal beispielhaft:
http://www.netzwerkholz.ch/resources/00092.pdf

> Da ist ein Material, das aus Abfall gefertigt werden kann und sich
> hinterher problemlos verbrennen läßt, sehr gut im Rennen: billig, (fast)
> CO2-neutral, inzwischen ohne nennenswerte Raumluftbelastung und
> umweltfreundlich.

Bestreitet ja auch keiner ;-)

> > Bei Optimierung tragender Holzprofile könnte man sicherlich
> > noch drüber nachdenken, ob sich das Endprodukt nicht noch
> > durch Einbringung konstruktiv sinnvoll geordneter (natürlicher
> > {Kokos, Hanf] oder künstlicher Fasern) bezahlbar verbessern ließe.

> ich glaube nicht, daß die reißfester sind als Holz, und bei den dünnen
> Querschnitten ist fehlerfreies, zB keilgezinktes, Holz kein Problem.

Da irrst du. Die meisten gewachsenen Hölzer liegen bei einer
Zugfestigkeit im Bereich zwischen 80 N/mm² und 150 mm².
Esche bringt es auf 165 N/mm² und Bongossi teiweise auf über
200 N/mm². Druckfestigkeiten kann man gleich ganz vergessen ;-)
Bei den 200 N/mm² (Extemwert für Holz) fangen die zugfesteren
Naturfasern aber erst an - Kokos, Ramie, Abaca, Jute und Sisal
bringen Zugfestigkeiten von 200 bis hin zu 750 N/mm² je nach
Art, Qualität und Aufbereitung. Die kurzfasrige Kokos ist davon
die schwächste mit maximal etwa 700 N/mm² - ein Wert den
ein "Feld-, Wald- und Wiesenstahl" nie und nimmer erreicht....
Kunstfasern übertreffen die vorgenannten nochmals um erheblich
(Faktor 2 bis >4). Natürlich können diese Werte in der Praxis
eines Verbundes nicht ausgeschöpft werden, aber eine sehr
erhebliche Verbesserung von Holz in statischer Hinsicht, und
erst recht irgendwelchen kurzfasrigen Holzwerkstoffen dürfte
kein "Akt" sein - vermutlich auch kein allzu teurer.


> > Das könnte dann wiederum auch
> > mit minderwertigsten Holzbaustoffen kombiniert
> > werden....

noch minderwertiger als Spanplattenrohmaterial geht wohl nicht :-)

Doch: Luft, Stroh, Schaumabfälle usw....!
Du musst doch wohl zugeben, dass die Formstabilität von
Spanplatte (z.B. hinsichtlich Biegung) sehr bescheiden ist -
Bei etwas größeren Auflagerabständen hängt das "Zeug"
doch nach spätestens 10 Jahren schon unbelastet unter
dem erheblichen Eigengewicht kräftig durch ;-)

> > Nur ist dabei das Holz wohl der billigste (und
> > anfälligste)

> die Lebensdauer von Holzkonstruktionen muß man erst mal
> übertreffen.

Da sag ich jetzt mal ganz dreist: Nichts leichter als das ;-))

An der alten Transall z.B haben sich Propeller aus Zedernholz
in jeder Hinsicht technisch sehr gut verhalten - besser als
alle Metalle. Nur: Richtig nass durften sie nicht allzu oft werden ;-)
Z.B. jedes freibewitterte Holz im Außenbereich halte ich persönlich
für "Kokolores", es wächst oft langsamer nach, als es selbst
kesseldruckimprägniert und giftgesättigt vor sich hingammelt.

Das sagt natürlich nichts darüber, ob ein Ersatz jeweils sinnvoll ist.

> > ...wird man solchen Aufwand wohl eher für
> > deutlich höherwertige Hohlprofile oder Fachwerk-
> > und Sandwichkonstruktionen treiben.

> nicht im Baubereich, denn da sind keine ausreichenden Stückzahlen zu
> erwarten, die Entwicklung + Prüfung refinanzieren würden.

Das ist m.E nicht die Ursache. Ich erzähl (wieder) mal nur die Geschichte
von "Polystal" einem Produkt der Bayer AG.
Die Älteren werden sich erinnern, dass es etwa Anfang der 80er Jahre
immenses Medienspektakel um den Zustand von Brücken (in D natürlich vor
allem die Autobahnbrücken) gab. Es ging um Korrosionsprobleme vorrangig an
Spannbeton.
Bayer entwickelte ein Glasfaserprofil das die gleiche Zugfestigkeit, aber
einen deutlich geringeren E-Modul wie/als die
üblicherweise verbauten Stähle aufwies und in Kooperation mit der StraBAG
und Hochschulen wurden auch erfolgversprechende Versuche gemacht. Die
Markteinführung scheiterte keineswegs am geld, auch nicht an Prüfzeugnissen
usw. sondern schlichtweg an Vorbehalten - insbesondere der Bauings. Für die
wurden dann tolle Vorführungen gemacht, z.B. ein Unimog (etwa 4,5 t), der
an einem 7,75 mm Stäbchen hing mit einem Kran angehoben und stundenlang
hängen gelassen.... (War eher lächerlich, denn für die Zeit hätte das
Stäbchen auch an die 6 Tonnen getragen und natürlich gabs das Material
auch erheblich dicker). Selbst als Bayer die Profile optisch den Stählen
anglich, änderte sich daran nichts.... Es gibt also ein paar
Versuchsbauten, und das wars. Bayer hat die Entwicklung aber auch so nicht
bereut - jährlich werden tausende km vor allem von der Elektroindustrie
verarbeitet.
Kurz: Wo ein Wille wäre, wäre auch ein Weg. Wenn irgendwer anfängt,
Holzträger zu optimieren, dann frage ich mich, zuerst unter welchem Aspekt
er ein Optimum anstrebt. Geringes Gewicht sehe ich in fast jedem Fall als
vorteilhaft an (mal vom Schallschutz abgesehen) - andere achten vielleicht
mehr auf den Preis. Nur - wenn ich schon mal dabei bin, dann prüfe ich doch
gerne, was erreichbar ist und reduziere dann ggf. auf aktuelle
Marktbedürfnisse. Wieso soll ich mir von vornherein Grenzen setzen, wenn
ich ohnehin gerade eine Grenze überschreiten möchte?

> Die meisten netten Sachen gehen auch aus Holz + Leim.

Natürlich. Aber ob uns diese Einstellung wirklich weiter bringt? Also ich
bin ganz froh, dass z.B. in meinem Auto viel Alu verbaut ist und ich eine
vollverzinkte Karosserie habe... (Mit >1700 kg ist es mir trotzdem noch
gute 500 kg zu schwer...)
Es ist jetzt 14 Jahre alt und kann sich gegenüber vielen deutlich jüngeren
noch durchaus blicken lassen. Als die Technik der Vollverzinkung rauskam,
meinten auch viele, dass es auch ohne ginge.... (Stimmt natürlich, aber
unverzinkt wäre mein Auto zwischenzeitlich schon mindestens einmal
eingeschmolzen worden...)

Ich sehe durchaus sinnvolle Möglichkeiten, auch Holzwerkstoffe zu
optimieren. Noch ein Beispiel aus dem Fahrzeugbereich. Mein Bruder handelt
mit Wohnmobilen. Als es die rasenden Kleintransporter noch nicht in den
aktuellen Ausgaben gab, hatten die Basisfahrzeuge (Transporter) häufig soe
geringe Zuladungen, dass die ganzen Aufbauten und die Ausstattung eines
Womo schon zu Gewichtsproblemen führten. da gab es u.a. ein Mercedesmodell,
das für 4 Personen ausgelegt war, aber (ohne Auflastung, Verstärkung der
Achse) nur noch 175 kg zuladen durfte. Das Fahrzeug hatte eine hölzerne
Bodenplatte (Span- oder Tischlerplatte) eingebaut, an der allein durch
Austausch gegen eine glasfaserverstärkte Sandwichplatte mit beidseitiger
dünner Sperrholzauflage 35 kg Gewicht zu sparen war (Proben von dem Ding
hab ich noch rumliegen...)
Die Anforderungen an Werkstoffe werden i.d.R. von ihren Verarbeitern
festgestellt. Es scheint mir, dass diesbezüglich das Handwerk einfallslos
ist und gerne das macht, was es immer gemacht hat..... Würde das Handwerk
mehr sinnvolle Anforderungen formulieren, dann würden auch mehr innovative
Produkte verfügbar werden - auch wenn ein paar Prüfungen dazu nötig sind.

BTW: Ein "Erfinderkollege", hat ein Implantatgewebe entwickelt. Die
Produktion läuft jetzt, nach > 2-jährigem Behörden- und Gutachterkampf
an... Da musste nicht nur das Produkt alle möglichen Prüfungen bestehen,
sondern auch die Produktionsstätte bis hin zur Datensicherung im Büro....
Eine Allgemeine Bauaufsichtliche Zulassung ist dagegen wohl eher Kinderei
....

Grüße
Thorwald Brandwein

--
www.biotekt.de


Re: Lob der Spanplatte, was: T-Traeger aus Holz

Werner Reimann
2003-07-15 17:57:21

Thorwald Brandwein schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:

> Ich denke eben nicht nur "baumäßig", sondern
> gerne in Richtung aktuell
> außergewöhnliche Anforderungen.

da wir hier bei den "Bauern" gelandet sind, und ich von weitern
Anforderungen auch höchstens allgemein gehört habe, habe ich das
natürlich nicht mit in Betracht gezogen - aber interessant ist es schon.

> Aber sobald ein Material neue Möglichkeiten
> erschließt, steigen i.d.R. die
> Anforderugen

Für 08/15- Dächer und auch -Wände halten die jetzigen I-Profile schon
mehr aus als nötig.
..
> > > {Kokos, Hanf] oder künstlicher Fasern)
> > > bezahlbar verbessern ließe.

> > ich glaube nicht, daß die reißfester sind als
> > Holz, .
>
> ...Hölzer liegen bei einer
> Zugfestigkeit im Bereich zwischen 80 N/mm² und
> 150 mm².
> ...Kokos, Ramie, Abaca, Jute und Sisal
> bringen Zugfestigkeiten von 200 bis hin zu 750
> N/mm² ... ein Wert den
> ein "Feld-, Wald- und Wiesenstahl" nie und
> nimmer erreicht....

Klingt interessant, hätte ich so nicht erwartet.

> noch minderwertiger als Spanplattenrohmaterial
> geht wohl nicht :-)
>
> Doch: Luft, Stroh, Schaumabfälle usw....!

klingt bis auf Stroh nicht gerade tragfähig.

> Du musst doch wohl zugeben, dass die
> Formstabilität von
> Spanplatte (z.B. hinsichtlich Biegung) sehr
> bescheiden ist -

ja. Man muß mit diesen Beschränkungen eben intelligent planend umgehen.


> ... Holz im Außenbereich halte ich persönlich
> für "Kokolores", es wächst oft langsamer nach,
> als es selbst
> kesseldruckimprägniert und giftgesättigt vor
> sich hingammelt.
>
kommt mal wieder drauf an ...

> ...Das ist m.E nicht die Ursache. Ich erzähl
> (wieder) mal nur die Geschichte
> von "Polystal" einem Produkt der Bayer AG....

also noch ein gravierender Nachteil: Verstoß gegen §1 "das haben wir
schon immer so gemacht", das gilt aber auch für die Holzprofile.

viele Grüße
Werner
--
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