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Die traditionelle Bauweise mit Soden in Island

Die traditionelle Bauweise mit Soden in Island

Karl-Ludwig Diehl
2004-11-13 13:21:21

Karl-Ludwig Diehl, Ackerstr.4, 53179 Bonn - Seaman Ave, New York

Die traditionelle Bauweise mit Soden in Island

Von Hördur Agustsson gibt es einen Aufsatz, der in die isländische
Bauweise, aus Soden und Steinen Häuser zu errichten, einführt. (1)
Die Ursache für solche Bauten lag an den speziellen Bedingungen in
Island. Es gibt dort nur wenige Wälder, und das Gestein soll nicht sehr
angenehm zu bearbeiten sein, um Werksteine herzustellen. Seit der
Landnahme Islands wurde mit Soden gebaut.

Soden gibt es zweierlei, erfahren wir:
- Moorsoden
- Grassoden.
Moorsoden eignen sich besser zum Bauen. Diese bestehen aus verfilzten
und leicht vermoderten Pflanzenwurzeln.
Grassoden eignen sich in Island deshalb auch zum Bauen, weil in kalten
Ländern die Grasmatten zäh und dicht sind. Wäre das nicht der Fall,
zerfallen sie.

Zur Gewinnung von Soden nutzt man hauptsächlich das Frühjahr, seltener
den Herbst. Im Frühjahr sprießen die Gräser der Soden.
Wenn man den Soden entnimmt, ist er zu trocknen. Dazu wird er neben der
Entnahmestelle ausgebreitet. Ist er getrocknet, wird er gestapelt,
später dahin geschafft, wo er verbaut werden soll.

Zur Gewinnung der Soden werden spezielle Sensen oder Spaten genommen.
Abbildungen solcher Geräte finden sich im Aufsatz von Agustsson.

Es gibt verschiedene Formen der Soden, wenn sie gestochen werden:
1) Streifensoden (strengur)
Der Streifen hat eine Länge von 90-120cm und ist etwa 5 cm dick und 30cm
breit. Man nimmt Streifensoden für Wände.
2) Soden (hnaus)
Von den Hnaus gibt es zwei Arten:
- Pferchsoden (kviahnaus)
- Klampsoden (klömbruhnaus) oder Nackenklumpen genannt.
Der Pferchsoden ist rechteckig, etwa 60cm lang, 30cm breit, 20cm dick.
Er wird für minderwertige Wände genutzt, z.B. für Pferchwände.
Klampsoden haben eine Keilform, die Abschrägungen hat. Das dickere Ende
heißt Nacken, das dünnere Ende hat man Fischschwanz genannt. Der
Zuschnitt dieser Soden erlaubt den Bau sehr haltbarer Wände.
3) Der Brocken (snidda) ist 60cm lang, 30cm breit und etwa 20cm dick. Er
sieht mehr wie eine Raute aus und gilt als minderwertiges Baumaterial.

Die Steine, die zum Bauen verwendet werden, sind unbearbeitet.
Blaubasalt, Graubasalt, anderes Lavagestein und Sandstein finden sich
auf Island. Man sucht sich die Steine im Herbst zusammen, wirft sie auf
einen Haufen und fährt sie im Winter auf Schlitten zur vorgesehenen
Baustelle.

Beim Bau eines Sodenwandhauses wird ein Fundamentstreifen frosttief
ausgehoben und ein Steinfundament gemauert, auf dem die Streifensoden
geschichtet werden. Man baut eine innere und äußere Schale aus Soden und
verfüllt den Hohlraum mit Erde oder Sodenabfällen. Mit Füßen wird die
Verfüllung festgetreten. Manchmal werden zwischen innerer und äußerer
Sodenschale Streifensoden als Binder quer gelegt, um eine bessere
Haltbarkeit der Wand zu erzielen. An den Ecken der Sodenwände ist
Pferchsoden zu verlegen, kein Streifensoden.

Wenn Soden verlegt werden, müssen sie an der Sichtseite der Wand gerade
geschnitten werden.

Streifensodenwände, Pferchsodenwände, Brockensoden- und Klampsodenwände
haben ein unterschiedliches Aussehen. Brocken bilden Rautenmuster,
Pferchsoden ein Rechteckmuster, Streifensoden ein Bandmuster, und
Klampsoden ein Fischgrätmuster heraus.

Wenn Steine vermauert werden, ist das Ergebnis eine Erdwand mit
Steinverkleidung.

Für das Steinplattendach werden Balken zum Dachstuhl gefügt, Latten
darauf befestigt, darauf werden die Steinplatten gelegt und mit
Grassoden abgedichtet. Darauf kommt Erde und als Abschlußlage eine
Grassodenschicht.

Beim Reisigdach besteht die erste Schicht über Balken und Lattenlage aus
Reisigbündeln, auf die man Soden legt. Darüber kommt wieder Erde und als
Abschluß eine Sodenschicht. Diese Dachabdeckung ist nur in trockeneren
Gebieten Islands in Gebrauch.

Agustsson erwähnt, daß in Island "die Tradition bis zum heutigen Tag
lebendig geblieben" ist, mit Grassoden Häuser zu bauen, und es immer
noch alte Leute gibt, "die dieses Handwerk beherrschen" (2), wogegen sie
in anderen Erdgebieten untergegangen sei. Solche traditionellen Häuser
werden vermutlich eher selten gebaut. Für Archäologen und die
Bauforschung ist der Erhalt dieses Handwerks wichtig, nicht nur um die
Bautechnik vor Augen haben zu können, um sie beswser zu verstehen, auch
deshalb, weil historische Bauten ab und an erneuert werden müssen.
Karl-Ludwig Diehl

Anmerkungen:

(1) Hördur Agustsson: Bauten aus Soden und Steinen. S.391-402 in: Claus
Ahrens: Frühe Holzkirchen im nördlichen Europa. Hamburg, 1992 (aus Anlaß
einer Ausstellung gedruckt)
(2) H.Agustsson, S.402
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