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Baugeschichte der Architektur der Vereinigten Staaten / 10

Baugeschichte der Architektur der Vereinigten Staaten / 10

Karl-Ludwig Diehl
2004-11-15 13:54:39

Karl-Ludwig Diehl, Ackerstr.4, 53179 Bonn - Seaman Ave, New York

Baugeschichte der Architektur der Vereinigten Staaten / 10

Die Southern Colonial Architektur, die sich im 17.Jh. in Virginia
entwickelte, bestand überwiegend aus Fachwerkhäusern. Jedoch sind diese
Bauten ohne Ausnahme untergegangen. Die wenigen Häuser dieser Zeit, die
überdauerten, wurden aus Backsteinen errichtet. Es wird darauf
verwiesen, daß die erhaltenen einfachen Holzhäuser der Kolonialzeit des
18.Jh. so ähnlich aussahen wie die verloren gegangenen Holzbauten des
Jahrhunderts zuvor. Als Beispiel wird das Kitchen of Market Square
Tavern in Williamsburg erwähnt. Ein weiteres Holzhaus der einfachen Art
ist das Orr House in Williamsburg. (1)

Mit Holz zu bauen bot sich an, denn Wald gab es reichlich, und
Baumarten, die sich zum Hausbau eignen, waren schnell zu finden. Die
Verbretterung der Fachwerkbauten wurde in New England Clapboards
genannt, im Alten Süden, in Virginia, hatte man dafür den Begriff
Weatherboards. Er war wohl schon in England gebräuchlich. (2)

Sägemühlen kamen in Virginia sehr früh auf. Der älteste Beleg geht auf
das Jahr 1625 zurück. (3) Eine Abbildung einer solchen Sägemühle in
Virginia fand sich in einem Buch, das 1650 in London herauskam. (4)

Die Fachwerkhäuser hatten eine Lehmausfachung. Der Lehm war mit Stroh
oder dem zähen Gras der Salzmarschen vermischt worden, bevor er verbaut
wurde. Als Alternative gab es in Virginia bereits Backsteinausmauerungen
der Gefache. In einem solchen Fall war sowohl das Mauerwerk wie das
Fachwerk sichtbar belassen worden. Bei lehmgefüllten Gefachen wurde
lieber außen eine Verbretterung angebracht, um die Wand vor Regen zu
schützen. Es wird darüber spekuliert, ob in Virginia die mit Backsteinen
ausgemauerten Gefache früher wie in England aufkamen. (5)

Eine Besonderheit der Farmhäuser in Virginia waren die Kamine, die
außerhalb des Hauses an den beiden Giebelwänden und hoch über den First
hinaus mittig aufgemauert wurden. Auffällig am oberen Teil des Kamins
ist die Tatsache, daß er vom Giebel abgerückt war und frei stand. Diese
Vorkehrung wurde getroffen, um die Brandgefahr zu mindern. (6)

Das Dach, wie bei den erhaltenen Bauten erkennbar, ist ein einfaches
Satteldach und wurde mit Schindeln eingedeckt. Waren die Räumlichkeiten
im Dachgeschoß zu Wohnzwecken genutzt, wurden in das Dach Gauben
eingebaut. (7)

Da alle Fachwerkbauten des 17.Jh. verloren gingen, bleiben nur die
einfachen Bauten des 18.Jh. zur Betrachtung übrig. Es haben sich
Küchenhäuser, kleine Bürohäuser oder Außengebäude an größeren Wohnsitzen
in der einfachen Bauausführung der Kolonialhäuser des 18.Jh. erhalten.
Die Stadt Williamsburg hat mehrere Bauten dieser Bauart schützen können.

Bereits 1611 wurden im Alten Süden Backsteine gebrannt. Nachweislich
erstmals in Henrico, einer Ansiedlung nahe Jamestown. Tonigen Lehm und
das Brandgut Holz zum Ziegelbrennen gab es reichlich. Kalk für Mörtel
ließ sich aus Meeresmuscheln gewinnen. Um den Standard der Bauten
anzuheben, wurde schon früh durch die Verwaltung in Virginia dafür
geworben, Backsteinhäuser zu errichten. (8) In einer Verordnung von 1637
wurde jeder Mann, der über ein großes Landstück verfügte, dazu
aufgefordert, ein Backsteinhaus zu bauen, das 24 feet lang und 16 feet
breit sein sollte. Das Haus sollte eine Unterkellerung haben. Doch
empfand man diese Verordnung als zu anmaßend und wies sie zurück. (9)

Immerhin baute der Sekretär Richard Kemp für sich ein Haus ganz aus
Backsteinen in Jamestown.

Doch trotz der Widerstände waren in Virginia die Backsteinhäuser bald in
größerer Zahl vorhanden als in New England. Man bringt das damit in
Zusammenhang, daß die englischen Einwanderer nach Virginia aus Gebieten
in England ausgewandert waren, wo Backsteinbauten eher verbreitet waren
als anderswo im alten England. Im Gegensatz zu England sollen zudem in
Virginia die Backsteinhäuser wesentlich erschwinglicher gewesen sein,
und somit war die Entscheidung, statt eines Fachwerkhauses ein solideres
Backsteinhaus zu bauen, eine leichtere Entscheidung als in England. (10)

Der Mauerwerksverband der Backsteinbauten sei im 17.Jh. in Virginia als
englischer Verband gemauert worden. Im 18.Jh. habe man den flämischen
Verband bevorzugt, wird gelegentlich behauptet. Diese Aufeinanderfolge
der Mauerwerksverbände in so reiner Form sicher zu stellen, ist jedoch
unmöglich. Zuviele Backsteinbauten gingen verloren. Zudem gibt es bei
einem Backsteinhaus des 17.Jh. ein Mischmauerwerk aus englischem und
flämischem Mauerwerksverband. (11)

Das Adam Thorough House im Princess Anne County, etwa 1636-40 gebaut;
das Warburton House im James City County, ca.1680 gebaut; das Mansion
Greenspring im James City County, ca.1646 gebaut; das Bacons Castle im
Surrey County, ca.1655 gebaut; das Fosters Castle im New Kent County,
etwa 1685-90 gebaut; und das Fairfield oder Lewis Burwell House im
Gloucester County, 1692 oder etwas später gebaut, sind Beispiele für
Backsteinbauten des 17.Jh. in Virginia. Außerdem erhielten sich einige
Kirchen aus der Kolonialzeit des Alten Südens, ebenfalls aus dem 17.Jh.
(12)

Die Grundrisse der Häuser des 17.Jh. in Virginia sind denkbar einfach.

Das "House on Isaac Watsons Land" in Jamestown war ein Einraumhaus. Der
Grundriß ist fast quadratisch. Eine Seite des Raumes nahm der große
offene Kamin ein. Zum Dachboden darüber führte wahrscheinlich eine
Leiter. Hinweise auf eine Treppe fanden sich nicht.

Das "Wishart House" in Norfolk war ein Zweiraumhaus. Die beiden Räume
waren durch eine Zwischenwand getrennt, in die eine Türöffnung
eingelassen war. Vom einen Zimmer ging eine gewendelte Treppe nach oben
ins Dachgeschoß. Die offenen Kamine der beiden Räume im Erdgeschoß waren
außen an die Giebelwände angemauert und hatten lediglich ihre
Kaminöffnungen in der Außenwand, damit sie beheizt werden konnten und
Wärme in den Raum abgaben.

Das Zweiraumhaus gab es als Variante. Zwischen den beiden Räumen lag ein
schmaler Flur, der quer durch das Haus ging. In ihm lag eine schmale
Treppe, die nach oben führte.

Diesen Zweiraumtypus gab es als weiter ausgebaute Ausführung. Die Treppe
wurde als Wendeltreppe an das Ende des Flures gelegt und in einem
kleinen Treppenhaus untergebracht, das an die rückwärtige Breitseite des
Hauses angebaut war. An die Breitseite vor das Haus wurde ein Windfang
als kleiner Raum vor dem Flur angebaut. Dadurch entstand ein
kreuzförmiger Grundriß des Wohnhauses. Einen solchen Grundriß weist das
Bacons Castle im Surrey County auf.

Eine einfachere Variante dieses Grundrisses hat das Fosters Castle, das
zwar über einen Eingangsvorraum vor der vorderen Breitseite des Hauses
verfügt, über den der Flur zugänglich ist, aber kein angebautes
Treppenhaus an der Rückseite des Hauses hat. Die Treppe liegt wie ehedem
im schmalen Flur, der quer durch das Haus läuft. Die Kreuzform des
Grundrisses ist also hier nicht vollständig entwickelt worden.
(13)

In den anderen Kolonialgebieten des Alten Südens, also in Maryland und
in den Carolinas, verlief die Entwicklung der Bauformen ähnlich wie in
Virginia ab. Es sind nur wenige Unterschiede erkennbar.

Karl-Ludwig Diehl

Anmerkungen: (liegen beim Autor)
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