Architektur

www.architektur-forum.info
« zurück zur Hauptseite

Die Gefahr der Erregung der Gemüter

Die Gefahr der Erregung der Gemüter

Karl-Ludwig Diehl
2004-11-17 14:04:04

Die Gefahr der Erregung der Gemüter

Als die englischen Kolonien in Amerika sich von England in einem langen
Prozeß des Unabhängigkeitsstrebens losgelöst hatten, waren die 13
Provinzen, die sich zu den Vereinigten Staaten von Amerika
zusammengeschlossen hatten, mit einem Umbauauftrag ihrer Staatswesen
konfrontiert.

Virginia der größte Staat der USA, aus dem später sieben Bundesstaaten
geformt wurden, geriet in die Hände der Großgrundbesitzer, die in der
gesetzgebenden Versammlung weder an einem allgemeinen Wahlrecht, noch an
einer Religionsfreiheit oder einem ordentlichen Bildungssystem
interessiert waren, und auch nicht daran dachten, die Sklaverei
abzuschaffen.

Thomas Jefferson, der im Kongreß der USA wichtige Aufgaben hatte,
entschloß sich, in die Provinz zurückzukehren, um wichtige Veränderungen
in Virginia zu erreichen. An der Aufrechterhaltung der alten
Feudalstrukturen war er nicht interessiert, sie mußten zerstört werden,
ein Prozeß, der sich über eine Dekade hinzog.

1779 war Jefferson Gouverneur von Virginia geworden, was ihm Reformen
erleichterte. Jedoch war der Druck der Gegenseite ungebrochen. Das
zeigte sich auch bei dem Antrag zum Aufbau einer großen zentralen
Bibliothek in der Hauptstadt Virginias auf Staatskosten. Außerdem wollte
er öffentliche zentrale Bibliotheken in allen Counties Virginias
schaffen.

Jedoch war der Mehrheit der Delegierten in der gesetzgebenden
Versammlung von Virginia dieser Vorschlag zu gefährlich und sie lehnte
ihn ab. Denn man sah in den Bibliotheken die große Gefahr zur "Erregung
der Gemüter", wie es damals so schön genannt wurde. Es hätte dazu
beitragen können, in Virginia eine bessere Gesellschaftsordnung
schneller einführen zu können. Jedoch die "Erregung der Gemüter", die ja
in diese Richtung drängen würde, sollte unbedingt vermieden werden.

Jefferson bleib beharrlich. Der Durchsetzungsprozeß seines
Bildungsprogramms und damit auch der Schaffung öffentlicher Bibliotheken
zog sich jahrelang hin, gelangte dann endlich zum Erfolg.

Das erinnert mich irgendwie an den konservativen Flügel in d.s.a., der
sich zum Ausgrenzerblock formiert hat und freie Kommunikation unbedingt
verhindern will und sich somit notwendigem Fortschritt entgegenstellt.
Es wird also Jahre brauchen, bis hier Veränderungen eintreten. :-)))
Glücklicherweise ist d.s.a. eine sehr unbedeutende Veranstaltung und
fällt innerhalb des gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses in D kaum
ins Gewicht, sodaß der Schaden, den das Ausgrenzergrüppchen anrichtet,
sich in Grenzen hält.

K.L.
--
Immer auf dem aktuellen Stand mit den Newsgroups von freenet.de:
http://newsgroups.freenet.de