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Der deutsche Einfluß auf die Gestaltung des Central Park in New York / 3

Der deutsche Einfluß auf die Gestaltung des Central Park in New York / 3

Karl-Ludwig Diehl
2004-12-18 14:22:54

Karl-Ludwig Diehl, Ackerstr.4, 53179 Bonn - Seaman Ave, New York


Der deutsche Einfluß auf die Gestaltung des Central Park in New York / 3

Von Charles Eliot, der in Olmsteds Büro in Boston mitarbeitete, gibt es
eine zusammenfassende Darstellung der landschafts- und
gartenarchitekturtheoretischen Schriften,
"which influenced, or recorded, the beginnings of the modern art of
landscape gardening"
in Amerika. (1)
Dadurch läßt sich eine Einschätzung gewinnen, welche Bedeutung der
deutschen Theorie zur Garten- und Landschaftsarchitektur dort zukam.

Daselbe gilt für Henry Sargent Codman, der in der amerikanischen
Fachzeitschrift "Garden and Forest" eine Zusammenstellung der
Gartenliteratur herausgab, die zwischen 1625 und 1890 eine Rolle in
Amerika und Europa spielte. (2)

Ziel vieler Amerikaner, die sich mit Gärten und Parks beruflich
beschäftigten, war die Bibliothek des Britischen Museums in London, wo
sie Studien betrieben, um sich auf den neuesten Stand zu bringen. Auch
Olmsted war dort gewesen. Von den wichtigen Buchtiteln, die bei diesen
Autoren genannt werden, sind 26 deutschsprachig. Von zentraler Bedeutung
waren Bücher von Hirschfeld, Sckell, Pückler, Petzhold und Gustav Meyer.
Diese Bücher befanden sich in den Bibliotheken von Codman, Eliot,
Olmsted, usw. und wurden eifrig studiert. (3)

Es wurde von Charles Sprague Sargent, der Herausgeber des "Garden and
Forest" war, bei der Herausgabe der Literaturliste in seiner Zeitschrift
hervorgehoben, daß es in den Vereinigten Staaten bedauerlicherweise
"keine von einem amerikanischen Autor verfaßte Geschichte der
Gartenkunst gäbe" (4), mit der ein Überblick über die gesamten
Richtungen in der Gartenarchitektur gewonnen werden könne. Von der
deutschen Gartenliteratur war er des Lobes voll und stellte enttäuscht
fest,

"as we have been able to discover, no such works exists in our
language". (5)

Um den Mangel auszugleichen und Anstöße zu geben, wurde in "Garden and
Forest" deutsche Gartenliteratur ausgiebig besprochen. Es kam aber auch
bald zur Übersetzung wichtiger Textauszüge ins Englische, z.B. wurde
Friedrich Ludwig Sckell von Loudon in seine Beiträge für das "Gardeners
Magazine" eingearbeitet (6), erwähnt Franziska Kirchner.

Von geradezu zentraler Bedeutung für die amerikanische Gartenkunst wurde
der Gartentheoretiker Christian Cay Lorenz Hirschfeld, der sich sozial
engagierte, Armenhäuser forderte, die Sklaverei ablehnte und Volksparks
in den deutschen Städten haben wollte. Seine Theorie der Gartenkunst,
1779 bis 1785 veröffentlicht, lieferte ein interessantes
Auseinandersetzungsfeld für die amerikanischen Gartenarchitekten, die
schließlich darauf brannten, solche Gärten und Parks in deutschen Landen
aufzusuchen. Für Hirschfeld war es eine "politische und kulturelle
Aufgabe" Volksparks und Volksgärten anzulegen. Dieser Aufgabe nahm man
sich in den Vereinigten Staaten an. (7)

Die Prämisse von Hirschfeld,

"Volksgärten sind /./ als ein wichtiges Bedürfnis des Stadtbewohners zu
betrachten" (8)

wurde etwa 100 Jahre später von Olmsted fast wörtlich übernommen.
Olmsted erträumte sich mit seinen Volksparks

"die friedliche Zusammenkunft aller sozialen Schichten im Park",

wie es Franziska Kirchner zusammenfaßt (9), einer Begegnung in der
Natur, von der Hirschfeld meinte:

"Alle gelangen hier ungehindert zu ihrem Rechte, sich an der Natur zu
erfreuen." (10)

Von der Stadt sagt Hirschfeld, daß sie über Orte verfügen müsse,

"wo sich das Volk /./ versammeln und sich ausbreiten kann, wo eine freye
und gesunde Luft athmet und die Schönheit des Himmels und der Landschaft
sich wieder zum Genuß eröffnet." (11)

Olmsteds Formulierungen sind in weiten Passagen ähnlich wie die von
Hirschfeld gehalten. Er übernahm sogar Hirschfelds Zielsetzung, daß

"Wege für Fahrende und Reitende von den Pfaden der Fußgänger abgesondert
werden" (12)

ganz direkt für den Central Park. Franziska Kirchner weist darauf hin,
daß diese Trennung der Wege im Central Park in der amerikanischen
Literatur meist als Erfindung Olmsteds herausgehoben würde,
offensichtlich in völliger Unkenntnis des Vorgangs, woher Olmsted diese
Idee bezogen hat. (13)

Als der Central Park in New York gebaut wurde, fand das in Deutschland
großen Widerhall. Gustav Meyer hob in seinem "Lehrbuch der Schönen
Gartenkunst" von 1860 hervor, daß man sich in New York daran gemacht
habe, eine fast 100 Jahre alte Zielsetzung, Fahr- Reit- und Fußwege in
Parkanlagen zu trennen, zu verwirklichen. (14)

Selbst die Mall im Central Park, eine Achse in Form einer prachtvollen
Allee, die auf einen See zuführt, vor dem sich unterhalb einer breiten
geschwungenen Treppe ein Versammlungsplatz befindet, wurde schon von
Hirschfeld als Idee zur Darstellung gebracht. (15)
Hirschfeld sah diese barocke Allee als nützliches Element, das in die
Volksparks übernommen werden solle, weil sie eindrucksvoll zu einem
Versammlungsort im Park hinführen könne. (16)

So wird vielfältig deutlich, wie stark Olmsteds Entwurf für den Central
Park von Hirschfelds Gartentheorie abhängt. Jedoch waren es noch viele
andere deutsche Autoren, auf deren Arbeit Olmsted zurückgriff, als er
den Central Park entwickelte und als er seine Idee für den Wettbewerb
schriftlich begründete.
Karl-Ludwig Diehl

Anmerkungen: (liegen beim Autor)
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