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Der deutsche Einfluß auf die Gestaltung des Central Park in New York / 4

Der deutsche Einfluß auf die Gestaltung des Central Park in New York / 4

Karl-Ludwig Diehl
2004-12-20 12:53:49

Karl-Ludwig Diehl, Ackerstr.4, 53179 Bonn - Seaman Ave, New York


Der deutsche Einfluß auf die Gestaltung des Central Park in New York / 4

Ein anderer deutscher Theoretiker und Praktiker der Gartenkunst, der für
die amerikanischen Landschaftsgestalter von Bedeutung wurde, war Hermann
Fürst von Pückler-Muskau, der seit 1815 auf dem Gebiet seiner Herrschaft
Landschaftsparks anlegte, sie aber für die Öffentlichkeit schuf, damit
sich jeder in ihnen aufhalten und sich daran erbauen konnte.

Seine Schrift "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei verbunden mit der
Beschreibung ihrer praktischen Anwendung in Muskau", 1834 herausgegeben,
faßt seine langjährigen gestalterischen Ideen zusammen und breitet ein
Panorama seiner Arbeitsprinzipien vor dem Leser aus. Olmsted und Vaux,
die Gestalter des Central Park, hatten sich intensiv mit Pückler
beschäftigt. (1)

Ein Vertrauter von Olmsted, der Landschaftsgärtner Samuel Parson Jr.,
hatte an der Verbreitung der Ideen Pücklers großen Anteil. Bernhard
Sickert übersetzte die wichtige gartentheoretische Schrift aus dem
Deutschen ins Englische, und Samuel Parson Jr. gab sie als übersetzte
Fassung mit seinem Vorwort heraus. Dadurch bekam das Werk Pücklers
großen Einfluß in den Vereinigten Staaten. (2)

Olmsted und Vaux richteten sich bei der Anlage des Central Park
weitgehend nach der anregenden Schrift Pücklers. So wie Pückler eine
"Bildergalerie" als Sequenz von Landschaftsausschnitten gestaltet hatte,
wollten sie eine "gallery of mental pictures" im Central Park realisiert
sehen. (3)

Schon OImsteds Vorgänger, Egbert Viele, der an der Idee des Central Park
arbeitete, schwärmte von den deutschen Landschaftsgärten, denen er einen
"high degree of perfection" zuschrieb, der vor allem auf "energy and
genius of Pückler-Muskau" zurückginge, wie Franziska Kirchner
herausfand. (4)

Pücklers wichtige Schrift war in vielen Bibliotheken der Vereinigten
Staaten vorhanden und wurde von der Fachwelt ausgewertet. Bevor sie in
englischer Sprache herausgegeben wurde, lag schon die handschriftliche
Übersetzung in der Public Library in Boston vor, die Olmsted kannte. (5)

Der Grund, warum Pückler in den Vereinigten Staaten so bekannt wurde,
ist herausgefunden worden. Adolph Strauch, der 1851 nach Amerika
auswanderte, erhielt in Cincinnati als Landschaftsgärtner den Auftrag
den Spring Grove Cemetery zu gestalten. (6) Es gelang ihm ein
ungewöhnlicher Landschaftspark als Friedhof, der die Amerikaner magisch
anzog. Wie viele, schwärmte auch Olmsted von diesem Stück gestalteter
Landschaft und nannte sie "the best exemple in the world, probably, of
landscape gardening applied to a burial place". (7)

Strauch war bei Pückler gewesen, hatte sich selbst ein Bild gemacht und
sich in dessen Arbeit vertiefen wollen. Pückler schenkte dem
Überglücklichen ein Exemplar seiner Schrift, und dieser lehnte seine
Arbeit eng an die Ideen Pücklers an, womit er schließlich nach seiner
Auswanderung in Cincinnati großen Erfolg hatte. Strauch hielt Zeit
seines Lebens Briefkontakt mit Pückler, ein produktiver Ideenaustausch,
der für die Landschaftsarchitektur der Vereinigten Staaten von großer
Bedeutung wurde. (8)

Zum Spring Grove Cemetery, der von Strauch nach Ideen Pücklers
entwickelt worden war, pilgerten also aus gutem Grund sehr viele.
Darunter war der Österreicher Ignaz Anton Pilat, der ein Mitarbeiter von
Olmsted war. Er machte Fotos und schenkte diese "Photographic Views of
Spring Grove Cemetery, Cincinnati" während der Bauphase des Central Park
der New Yorker Parkverwaltung.
Strauch und Pilat kannten sich schon von Wien, wo sie zu gleicher Zeit
eine gärtnerische Ausbildung erhielten. (9)

So wie Pückler, der Naturmalerei betrieb, indem er Gärten aufbaute und
dazu sagte:
"denn ein Garten im großen Stil ist eben auch nur eine Bildergalerie"
(10),
so umschrieb auch Olmsted seine Arbeit:
"on this foundation I have now to build: this canvas I have to paint,
/./ this rude brown & grey slopes, poles and sticks, to nurse and tend
and train and direct toward that ideal for which & for which alone they
have been shaped and planted in these three years". (11)

Die "Naturmalerei" war also auch für Olmsted und Vaux die gestalterische
Maxime für den Central Park. Einen wichtigen Anstoß zu deren Arbeit
waren die Ideen des verehrten Hermann Ludwig Heinrich Fürst von
Pückler-Muskau.
Karl-Ludwig Diehl

Anmerkungen: (liegen beim Autor)
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Der deutsche Einfluß auf die Gestaltung des Central Park in New York / 4

"Harald Maedl"
2004-12-20 21:53:52

Karl-Ludwig Diehl wrote:
>
> Der deutsche Einfluß auf die Gestaltung des Central Park in New York

Interessant, deine kurze Abhandlung.
Ich halte den heutigen Einfluß deutscher Gestalter für eher
vernachlässigbar. Im Gegenteil, für Protzbauten holt man sich dann
Engländer, Amerikaner, Wiener, Frankfurter, Regensburger, Pfälzer...
huch, jetz bin irgendwie in die Würstchenecke geraten. Kein Wunder,
werden deutsche Architekten im internationalen Vergleich wohl auch als
solche betrachtet.
Woran liegt es? An der Ausbildung, bei der Kreativität zu kurz kommt?
Am Amtsschimmel, der Kreativen kaum Chancen läßt oder daran, dass
insbesondere in Deutschland der Prophet im eigenen Lande nichts zählt?

Grüße
Harald

--
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Der deutsche Einfluß auf die Gestaltung des Central Park in New York / 4

Karl-Ludwig Diehl
2004-12-20 22:07:31

Hi großer Meister,
Harald Maedl schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> > Der deutsche Einfluß auf die Gestaltung des Central Park in New York
> Interessant, deine kurze Abhandlung.

Danke. Lob steck ich locker weg. :-)))

> Ich halte den heutigen Einfluß deutscher Gestalter für eher
> vernachlässigbar.

Eigentlich kaum noch erträglich dieser Zustand.
Es müßte etwas passieren.

Im Gegenteil, für Protzbauten holt man sich dann
> Engländer, Amerikaner, Wiener, Frankfurter, Regensburger, Pfälzer...
> huch, jetz bin irgendwie in die Würstchenecke geraten. Kein Wunder,
> werden deutsche Architekten im internationalen Vergleich wohl auch als
> solche betrachtet.

Du meinst: als Rechtwinkler. Architekten gibt es ja kaum welche.
Vermutlich sind alle mit der DIN
erschlagen worden. Die Überlebenden haben sich in einer Gegengruppe
formiert, kommen aber nicht so recht voran.

> Woran liegt es? An der Ausbildung, bei der Kreativität zu kurz kommt?
> Am Amtsschimmel, der Kreativen kaum Chancen läßt oder daran, dass
> insbesondere in Deutschland der Prophet im eigenen Lande nichts zählt?

Ich hatte zunächst den Eindruck, es liegt nur an dir, doch dann hatte
sich meine Meinung radikal geändert, und Du bist nun von aller Schuld
gereinigt. :-)))

Es fehlt an Wagemut in architektonischen Aussagen. Es gibt keine
Architekturtheoretiker, die den lahmen Entwurfsbetrieb in D auf den Kopf
stellen und keine Avantgarde, die damit loslegt.
Dabei gibts gute Themen.

K.L.
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Der deutsche Einfluß auf die Gestaltung des Central Park in New York / 4

Werner Jakobi
2004-12-21 16:57:05

"Harald Maedl" posted:

>Ich halte den heutigen Einfluß deutscher Gestalter für eher
>vernachlässigbar. Im Gegenteil, für Protzbauten holt man sich dann
>Engländer, Amerikaner, Wiener, Frankfurter, Regensburger, Pfälzer...

Für den Entwurf macht man normalerweise einen Wettbewerb. Wenn das
Projekt nennenswerten Profit verspricht, machen dabei natürlich auch
ausländische Architekten mit, die einen erheblichen Anteil ihrer
Einkünfte in Wettbewerbsarchitektur stecken. Die Ausführungsplanung und
die Projektsteuerung bleiben allemal bei deutschen Büros hängen (die mit
der gegenwärtigen HOAI natürlich benachteiligt sind).


Gruss, Werner
--
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Der deutsche Einfluß auf die Gestaltung des Central Park in New York / 4

Karl-Ludwig Diehl
2004-12-21 19:19:52

Hi allerseits,
Werner Jakobi schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
Die Ausführungsplanung und
> die Projektsteuerung bleiben allemal bei deutschen Büros hängen

Was dann nur noch ein guter Witz ist.
Haha.

K.L.
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