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Ziegelmauerwerk verfugen - historisch

Ziegelmauerwerk verfugen - historisch

Thomas Haedrich
2005-01-03 14:19:55

Hallo,

mir geht es um einen Gründerzeitbau mit Sichtmauerwerk. Vielleicht kennt
sich jemand mit der schon etwas älteren Bautechnik aus.
Gemauert wurde mit Kalkmörtel. Womit wurde ausgefugt? Kalkmörtel mit
feinerer Sieblinie? Der Kalkmörtel ist ja sehr hell - waren die Fugen
historisch so hell? Oder wurde gefärbt?

Wenn man sich dieses (und andere Gebäude) anschaut, findet man in den
Fugen schwarzes weiches Material. Das kann verwitterter und verdreckter
Kalkmörtel sein. An manchen Häusern ist dieses Material aber auch sehr
fest, wahrscheinlich zementhaltig. Aber auch sehr dunkel. Es könnte
hier, zur Bauzeit oder auch später, mit dunkel gefärbtem Zementmörtel
ausgefugt worden sein.

Was sollte man heute tun beim Ausfugen? Bei reichlich Zement habe ich
etwas Bedenken, da die Ziegel sehr weich sind.

Grüße, Thomas


Ziegelmauerwerk verfugen - historisch

Werner Jakobi
2005-01-03 21:40:25

Thomas Haedrich posted:

>Gemauert wurde mit Kalkmörtel. Womit wurde ausgefugt? Kalkmörtel mit
>feinerer Sieblinie? Der Kalkmörtel ist ja sehr hell - waren die Fugen
>historisch so hell? Oder wurde gefärbt?

Kalkmörtel ist nicht wasserbeständig. Deshalb wurde vor Aufkommen von
Zement mit Traßmörtel verfugt.

In der Gründerzeit war je nach Verfügbarkeit beides noch üblich.
Farblich läßt sich das nicht unterscheiden.

Wenn du nachverfugen willst würde ich dir auf jeden Fall einen reinen
Traßmörtek empfehlen.


Gruss, Werner
--
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Ziegelmauerwerk verfugen - historisch

"R@lph-Dieter Klein"
2005-01-04 07:10:26

"Werner Jakobi" schrieb im Newsbeitrag
news:crceev.3gs.1@jakobi-28216.user.uni-berlin.de...
> Kalkmörtel ist nicht wasserbeständig.

Das kommt aber sehr auf den Kalkmörtel an

> Wenn du nachverfugen willst würde ich dir auf jeden Fall einen reinen
> Traßmörtek empfehlen.

Traßkalkmörtel ist natürlich gut geeignet. Du solltest nur wenn du es
richtig machen willst, den vorhandenen Mörtel auf schädliche Inhaltsstoffe
prüfen lassen. Durch die Einlagerung von Salzen und Gips kann es sonst zu
unangenehmen Folgeerscheinungen wie Ausblühungen kommen. Heute bieten die
Firmen vielfach Saniermörtel und Putze an die in solchen Fällen besser
geeignet sein können. (http://www.tubag.de/img/tubag-sanplus.pdf) Im Norden
der Republik setzt man auch häufig den Muschelkalk ein. Den habe ich bei der
Verfugung einiger Ziegelkirchen verwenden lassen und bin bislang sehr
zufrieden. Natürlich sollte auch die Mörtelfestigkeit auf den vorhandenen
Stein abgestimmt werden. Bei den meisten Ziegeln kann jedoch bis zur
Mörtelgruppe IIa gefugt werden. Da deine Ziegel aber offensichtlich keine
hohe Festigkeit aufweisen, solltest du diese Frage vorab mit den
Mörtelherstellern besprechen.

Gruß Ralph


Ziegelmauerwerk verfugen - historisch

"J. Selmer"
2005-01-04 08:42:00

Thomas Haedrich schrieb:

> Gemauert wurde mit Kalkmörtel. Womit wurde ausgefugt? Kalkmörtel mit
> feinerer Sieblinie? Der Kalkmörtel ist ja sehr hell - waren die Fugen
> historisch so hell? Oder wurde gefärbt?

Die Farbe des Kalkmörtels hängt stark vom verwendeten Sand ab.

> Was sollte man heute tun beim Ausfugen? Bei reichlich Zement habe ich
> etwas Bedenken, da die Ziegel sehr weich sind.

Zurecht. Vgl. z.B.:
http://www.konrad-fischer-info.de/11erhins.htm
http://www.konrad-fischer-info.de/2kalk.htm

Jan.

--
Für Mail bitte "news" durch "selmer" ersetzen.


Ziegelmauerwerk verfugen - historisch

Thomas Haedrich
2005-01-04 11:29:58

J. Selmer schrieb:

> Thomas Haedrich schrieb:
>
>
>>Gemauert wurde mit Kalkmörtel. Womit wurde ausgefugt? Kalkmörtel mit
>>feinerer Sieblinie? Der Kalkmörtel ist ja sehr hell - waren die Fugen
>>historisch so hell? Oder wurde gefärbt?
>
>
> Die Farbe des Kalkmörtels hängt stark vom verwendeten Sand ab.

Ja schon. Er wird aber nie so dunkel (oder doch mit schwarzem Sand?),
wie z.Z. der Bestand ist. Ich weiß aber nicht, wie hell die Fugen vor
vierzig Jahren Braunkohlendreck waren.


>>Was sollte man heute tun beim Ausfugen? Bei reichlich Zement habe ich
>>etwas Bedenken, da die Ziegel sehr weich sind.
>
>
> Zurecht. Vgl. z.B.:
> http://www.konrad-fischer-info.de/11erhins.htm
> http://www.konrad-fischer-info.de/2kalk.htm

Jan, die Kalk-Seiten von Konrad Fischer kannte ich schon. Die andere
habe ich jetzt überflogen.
Reinen Kalkmörtel zu verwenden habe ich wenig Bedenken. Ein paar zum
Testen gefüllte Fugen im Sockelbereich sind nach fünf Jahren noch i.O.
Und - es ist mein Haus.

Grüße, Thomas


Ziegelmauerwerk verfugen - historisch

Thomas Haedrich
2005-01-04 11:41:03

R@lph-Dieter Klein schrieb:

> Du solltest nur wenn du es
> richtig machen willst, den vorhandenen Mörtel auf schädliche Inhaltsstoffe
> prüfen lassen. Durch die Einlagerung von Salzen und Gips kann es sonst zu
> unangenehmen Folgeerscheinungen wie Ausblühungen kommen.

Verstehe ich nicht ganz. Der vorhandene Mörtel blüht z.Z. nicht aus. Es
sollte also nichts "schädliches" enthalten sein. Wenn es dann nach der
Sanierung blüht, wird die Ursache doch im Saniermörtel zu suchen sein?

Oder beide sind unverträglich und damit wäre es falsche Wahl des neuen
Mörtels.


> Im Norden
> der Republik setzt man auch häufig den Muschelkalk ein. Den habe ich bei der
> Verfugung einiger Ziegelkirchen verwenden lassen und bin bislang sehr
> zufrieden.

Mörtel aus Muschelkalk?

Grüße, Thomas


Ziegelmauerwerk verfugen - historisch

"Steffen Stein"
2005-01-04 02:41:20

Thomas Haedrich wrote:
> ...
>
> M


Ziegelmauerwerk verfugen - historisch

Thomas Haedrich
2005-01-04 12:00:15

Steffen Stein schrieb:

> Thomas Haedrich wrote:
>
>>...
>>
>>Mörtel aus Muschelkalk?
>
>
> das ist Kalk der aus Kalkstein gewonnen wird welcher sich am Grund von
> Meeren aus den Scahlen toter Muscheln, Schnecken etc. vor Millionen
> Jahren gebildet hat (irgendwann im Trias oder was weiss ich) chemisch
> gesehen dürfte das bei den heutigen Baukalken keine Rolle mehr
> spielen, früher waren die Kalke die verschiedenen Regionen gewonnen
> wurden sicher mit unterschiedlichen Begleitstoffen - und damit
> Eigenschaften - versehen.

Eben. Ich hatte mich schon gewundert, daß im heutigen Weißkalkhydrat
noch spürbar ist, woher der Kalk stammt.
Doch, gibt es wirklich noch Hersteller von "Kalkmörtel aus Muschelkalk"?

Grüße, Thomas