Architektur

www.architektur-forum.info
« zurück zur Hauptseite

Eigenheimzulage, der Tragödie 2. Teil

Eigenheimzulage, der Tragödie 2. Teil

"tobias"
2003-09-10 10:07:46

Hi,

fällt sie nun, oder nicht?

Wie dem auch sei - inzwischen trudeln die ersten
Bauherren ein, die sich die Eigenheimzulage sichern
wollen (wieder zum Jahresende) .

Ich denke es wird sich in Grenzen halten, d.h.
nicht mehr die Menge an Aufträgen bringen, wie
Ende 2002 geschehen, wo die politische Entscheidung
recht kurzfristig fiel. Einige, in der Tendenz sehr
junge Familien (unter 30), haben sich noch ein
Bauplätzchen gekauft (und finanziert bekommen) -
und sichern ihren zukünftigen Bauwunsch etwas ab,
d.h. ihre Lebensplanung

Man könnte sagen, die Nachzügler die es zum
letzten Termin nicht geschafft hatten, sei es, es gab
kurzfristig keinen Bauplatz mehr - oder sie hatten
keine Finanzierung bekommen - oder waren mit der
Idee nicht mehr so weit gediehen.

Damit wäre dann, sofern die Eigenheimförderung
wirklich fallen sollte, das Potential der Bauwilligen
(besser gesagt derer, die es sich irgendwie leisten
können - oder denken, es irgendwann zu schaffen
und sich ein Grundstück kauften) für die nächsten
ca. 5 Jahre abgeschöpft.

Was bedeutet das wohl?

Ähnlich wie bei einem Kredit lebt der Einfamilien-
und Eigentumswohnungsbaumarkt momentan auf
Kosten der nächsten ca.5 Jahre -
und das trotzdem auf niedrigem Niveau.

Der Markt wird - Prognose - damit Ende 2003,
(fällt die Eigenheimzulage) dramatisch einbrechen.

Was dann?

Industriebau ist im Moment nicht viel los, hier zumindest.

Im öffentlichen Sektor (wo ich eh nicht berücksichtigt
werde :-) ), schmilzt das Geld schon länger weg.
Die moderne Methode vieler Gemeinden, Gebäude
nur noch zu leasen, d.h. andere für sie bauen zu
lassen, wird sich allsbald auf Grund der Belastungen
(laufenden) zusätzlich rächen (Potential für die
Zukunft "verbaut"). Hohe laufende Kosten ohne
Eigentum, bzw. alternativ "die teuerste Methode zu
bauen" über Leasingmiete mit langen Vertragsbindungen.

Und dann bricht noch der Einfamilienwohnhaussektor
zusammen ...

Kurzum:

im Neubaubereich sieht es potentiel düsterer aus, als je zuvor,
sollte nicht ein wirtschaftlicher Aufschwung kommen
(der aber auch erst zeitversetzt neues Potential bringt).

Nachdem sich die Förderungen eh die letzten Jahre
laufend verschlechtert haben, ist mit dem Fall
der Eigenheimzulage der vorläufige "Herzstillstand"
am Bau eingeläutet.

Der einzige Sektor, der noch relativ konstant weiterlaufen
wird, sind Altbausanierungen.

Fazit: Ändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
nicht, rechne ich für 2004 mit dem eigentlichen Beginn
einer flächenübergreifenden Krise am Bau. Man sollte
schon mal für schlechte Zeiten vorsorgen. Weniger in
Hinsicht darauf, daß man was zur Seite legen könnte, eher
in Hinsicht darauf, die laufenden Kosten des Bürobetriebes
dergestalt zu reduzieren, daß man die Posten mal
durchgeht - und nach und nach um alle überflüssigen
Positionen (oder diejenigen, die einfach zu verkraften
sind) bereinigt.

Mag sein, ich liege falsch. Aber beim laufenden Auftrags-
schwund der letzten Jahre hatte eben gerade die laufenden
Kosten viele Büros in den Ruin getrieben. Sie reagierten
zu spät, oder konnten nicht schnell genug aus Verträgen
aussteigen (Gift für jedes Büro: Leasing, Leasing, Leasing).

So, jetzt werde ich das "Wort zum Tage" abschließen,
und mich wieder dem Gelderwerb widmen :-)

Mag sein, ich sehe schwarz - aber besser auf schwarze
Zeiten vorbereitet - und sich hinterher gefreut, daß es nicht
so dicke kam - als ohne Vorbereitung in die Kriese
stürzen.



Gruß

Tobias


Eigenheimzulage, der Tragödie 2. Teil

"StefanMatt"
2003-09-10 11:27:39

hi tobias,

ich denke mal, dass deine ängste unbegründet sind.
der wegfall der eigenheimzulage scheint allerdings ziemlich sicher zu sein.

wer ein haus baut, nur um die läppischen 20000 euro eigenheimzulage
einzusacken ist eh schief gewickelt. es ist allerhöchsten eine kleine
entscheidungshilfe. wer ohne die 20000 euro nicht bauen kann, wird es auch
mit den 20000 euro nicht können. sooo viel geld ist das denn nun auch wieder
nicht.

hoffnungsvolle grüße stefan


Eigenheimzulage, der Tragödie 2. Teil

Olaf Deters
2003-09-10 11:32:54

"StefanMatt" schrieb

>entscheidungshilfe. wer ohne die 20000 euro nicht bauen kann, wird es auch
>mit den 20000 euro nicht können. sooo viel geld ist das denn nun auch wieder
>nicht.

eben und wer nur knapp mit der Förderung bauen kann, wird es
nur auf niedrigstem Niveau mit irgendwelchen Bauträgern
können. Jeder Planer und Handwerker, der an solchen
Bauvorhaben mitmischt, wird sich eh die Finger verbrennen.

Ich habe sogar die Hoffnung, dass durch einen Wegfall der
Förderung etliche Preisdumper aufgeben müssen weil denen das
Klientel fehlt.


Gruß
Olaf
--
Aquaristik: Mattenfilter, Statik, Diskussionsforum,
Bodengrund, Berechnungstools
<http://www.deters-ing.de>;


Eigenheimzulage, der Trag&ouml;die 2. Teil

"Alfons Oebbeke"
2003-09-10 12:52:53

...

Als das Baugeld noch viel teurer war - teurer
als die Eigenhimezulage es gegenüber heutigem
Zinsstand würde ausgleichen können - ist auch
gebaut worden. Es wird ganz bestimmt gewisse
Vorzieheffekte geben, aber nach dem 1.1.2004
wird auch noch gebaut werden.

---
Alfons Oebbeke - www.baulinks.de


Eigenheimzulage, der Trag&ouml;die 2. Teil

"Adrian Herrmann"
2003-09-10 13:06:24

Hallo Tobias,

irgendwie neigst Du zu Schwarzmalerei. Das einzige was zu erwarten steht ist
das die jetzt massivere Nachfrage durch folgende Zeiten geringerer
Nachfragen kompensieren wird. Gebaut wird regelmäßig aufgrund eines Bedarfs
und nicht aus einer Laune. Ich kann mir nicht vorstellen, daß jemand bei
Muttern wohnen bleibt nur weil jetzt keine Förderung mehr gezahlt wird.

Die Familien, die hier in den letzten Jahren gebaut haben habe sehr deutlich
belegt, daß lediglich das Bauen dem vorhandenen Budget angepaßt wird und
nicht entfällt. Zwar war es hier meist umgekehrt, will heißen Geld war z.B.
aus Erbschaften vorhanden und trotzdem hat man sich Oberkante Unterlippe mit
Krediten zugeknallt. Nicht weil es erforderlich gewesen wäre, sondern weil
es erreichbar war.

Die Eigenheimförderung ist um den Bau zu fördern ungeeignet. Natürlich wird
Dir jeder Bauwillige erst mal sagen, daß er sie braucht und einige werden
ihren Schritt nicht zu bauen genau damit begründen, es ist dann auch
einfach. Nur glauben will ichs nicht. Die Neubautätigkeit wird sich in den
nächsten Jahren reduzieren, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Das dürfte allerdings hauptsächlich mit unserer Bevölkerungsentwicklung zu
tun haben und nicht mit dem Wegfall irgendwelcher Fördermittel. D.h. aber
auch daß sich heute jeder der sich ein Haus hinstellt bewußt sein muß, daß
er Wertsteigerungen wie das nach dem Krieg bis in die 90er Jahre der Fall
war nicht mehr voraussetzen darf. Es könnte zum Überangebot kommen.

Die Tätigkeit der Planer wird sich verändern, es wird sicher mehr saniert
oder umgebaut, aber es wird nicht wegfallen. Ich kenne nicht die Zahlen der
Neueinsteiger in der Architektur, im Bauingenieurwesen gelingt das momentan
nur sehr wenigen. Mit der Folge, daß uns absehbar der Nachwuchs fehlt. Der
Andrang an den Universitäten dürfte sich gelegt haben und nicht mehr das
Niveau haben als wir kurz nach der Öffnung hatten. Mir begegnen tatsächlich
immer weniger junge Einsteiger. Die Entwicklung ist alles andere als gut,
damit entstehen zwangsläufig Wissensdefizite, das hatten wir Anfangs der
Neunziger auch. Ich hatte in einem Büro gearbeitet das mit seinen 70
Ingenieuren kaum mehr als eine handvoll Leute hatte, die wenigstens 5 Jahre
Berufserfahrung mitbrachten. D.h. jeder dieser Jungingenieure mußte sein Rad
wieder selbst erfinden, es gab ja keinen der es hätte zeigen können.
Effektiv ist das nicht.

Im Moment bin ich selbst im Begriff zu bauen. Obwohl es mein Job ist (nicht
die Planung) fällt mir die Sache nicht leicht, das liegt nicht etwa an den
Preisen, sondern daran daß Du aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre
kaum noch zuverlässige Firmen findest mit denen ein Grundmaß an Qualität
einzuhalten wäre. Für Planer gilt übrigens dasselbe, alleine wenn ich die
Ausschreibungen sehe die ich hier so Tag für Tag bearbeite haben die einen
Level erreicht wo man Detailkenntnis beim Aufsteller einfach nicht mehr
voraussetzen kann, das Bild projeziert sich selbstredend auf andere
Tätigkeitsbereiche auch, man merkt sehr schnell wo Kompetenz vorhanden ist
und wo nur heiße Luft. Das Problem der Einfamilienhäuslebauer ist das, das
sie das erst nach erbrachter Leistung wissen. Ich denke diese Hemmschwelle
wird ein Laie noch viel schlimmer empfinden und ist sehr viel Gewichtiger
als eine wegallende Förderung.

Gruß
Adrian Herrmann


Eigenheimzulage, der Trag&ouml;die 2. Teil

"tobias"
2003-09-10 13:29:31

Hi Adrian,

> irgendwie neigst Du zu Schwarzmalerei.

:-)

> Die Eigenheimförderung ist um den Bau zu fördern ungeeignet.

Man wird sehen, wie es ohne ausschaut.

> Die Neubautätigkeit wird sich in den
> nächsten Jahren reduzieren, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Sieht so aus - und ich sehe es auch so. Allerdings wurde das auch schon in
den
80ern prognostiziert, mit dem folgenden Boom Ende 80er/ Anfang 90er.
Während des Booms in Anfang 90er wurde dann ein Boom bis über
die Jahrtausendwende prognostiziert. Im Endeffekt gehen die Prognosen
also meist davon aus, daß sich der Zustand verschlechtert (ist er gerade so)
oder so bleibt (ist er gut) :-)

Meist kommt es eh anders :-)

> Das dürfte allerdings hauptsächlich mit unserer Bevölkerungsentwicklung zu
> tun haben und nicht mit dem Wegfall irgendwelcher Fördermittel. D.h. aber
> auch daß sich heute jeder der sich ein Haus hinstellt bewußt sein muß, daß
> er Wertsteigerungen wie das nach dem Krieg bis in die 90er Jahre der Fall
> war nicht mehr voraussetzen darf. Es könnte zum Überangebot kommen.

Die Bevölkerungsentwicklung hängt wohl regional wesentlich mit der
Wirtschaftsentwicklung zusammen. Wie der Bau auch. Mehr Wohlstand
schafft mehr Wohnflächenkonsum/ Einwohner und Zuzug.

Die EU- Erweiterung birgt Potential für Zuzug in florierenden Regionen.
Der Zuzug äußert sich zeitversetzt in mehr Bautätigkeit.


> Die Tätigkeit der Planer wird sich verändern, es wird sicher mehr saniert
> oder umgebaut, aber es wird nicht wegfallen. Ich kenne nicht die Zahlen
der
> Neueinsteiger in der Architektur,

ich auch nicht :-)

>im Bauingenieurwesen gelingt das momentan
> nur sehr wenigen. Mit der Folge, daß uns absehbar der Nachwuchs fehlt. Der
> Andrang an den Universitäten dürfte sich gelegt haben und nicht mehr das
> Niveau haben als wir kurz nach der Öffnung hatten. Mir begegnen
tatsächlich
> immer weniger junge Einsteiger. Die Entwicklung ist alles andere als gut,
> damit entstehen zwangsläufig Wissensdefizite, das hatten wir Anfangs der
> Neunziger auch. Ich hatte in einem Büro gearbeitet das mit seinen 70
> Ingenieuren kaum mehr als eine handvoll Leute hatte, die wenigstens 5
Jahre
> Berufserfahrung mitbrachten. D.h. jeder dieser Jungingenieure mußte sein
Rad
> wieder selbst erfinden, es gab ja keinen der es hätte zeigen können.
> Effektiv ist das nicht.

Stimmt.

> Im Moment bin ich selbst im Begriff zu bauen. Obwohl es mein Job ist
(nicht
> die Planung) fällt mir die Sache nicht leicht, das liegt nicht etwa an den
> Preisen, sondern daran daß Du aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre
> kaum noch zuverlässige Firmen findest mit denen ein Grundmaß an Qualität
> einzuhalten wäre.

Halte ich für übertrieben. Ich weiß nicht, was Deine Erwartungen in
Hinsicht "Qualität" sind - aber damit gibt es eigentlich weniger Probleme
mit regional tätigen Firmen.

>Für Planer gilt übrigens dasselbe, alleine wenn ich die
> Ausschreibungen sehe die ich hier so Tag für Tag bearbeite haben die einen
> Level erreicht wo man Detailkenntnis beim Aufsteller einfach nicht mehr
> voraussetzen kann, das Bild projeziert sich selbstredend auf andere
> Tätigkeitsbereiche auch, man merkt sehr schnell wo Kompetenz vorhanden ist
> und wo nur heiße Luft. Das Problem der Einfamilienhäuslebauer ist das, das
> sie das erst nach erbrachter Leistung wissen. Ich denke diese Hemmschwelle
> wird ein Laie noch viel schlimmer empfinden und ist sehr viel Gewichtiger
> als eine wegallende Förderung.

Ein Teil der Qulitätskritik ist sicherlich berechtigt,
aber es wird auch oft (bei den Bauherrn) vergessen, daß es
meist handwerklich hergestellte Produkte sind, also keine
Industrieproduktion. Da sind die Toleranzen für Unregel-
mäßigkeiten einfach höher, vergleichsweise mit dem
Automobilbau.

Man begeget natürlich auch echtem Pfusch, aber oft handelt
es sich einfach auch um übertriebene Erwartungen.

In diesem Spannungsfeld wird man mit beiden Extremen
konfrontiert, abgesehen davon, daß es preiswert sein muß.

Was nun? Stört einem Bauherr, daß ein Sparrenkopf sich nach
einigen Monaten z.B. etwas schiefstellt (beim genaueren Hingucken),
hätte man natürlich z.B. eine andere Holzqualität ausschreiben können,
mit der Folge von Mehrkosten. Wie weit darf nun das Bauholz
noch "arbeiten". Meist sind die Reklamationen ja schon da,
wenn es noch um zulässige Biegungen geht (z.B. Dachüberstand
l/ 100). Also der dürfte sich bei 1 m Kragweite 1 cm absenken.

In diesem Feld zwischen "möglichst preiswert" (was für viele der
billigste Bieter bedeutet) und "Perfektion als Anspruch" bewegt
sich doch das meiste Alltagsgeschäft.

Natürlich könnte man mit Olaf argumentieren. Wer kein Geld hat,
solls bleiben lassen, bzw. die Schwelle halt weit oben festzulegen.

Leider sind solche Kunden eine absolute Ausnahme.

Wer hat die schon?? Ich nicht :-)

Gruß

Tobias


Eigenheimzulage, der Trag&ouml;die 2. Teil

"Adrian Herrmann"
2003-09-10 16:25:37

Hallo Tobias,

>
> Meist kommt es eh anders :-)

Kommt drauf an wer die Prognose auf welcher Grundlage gemacht hat.
Bankprognonsen sind bei mir nie zutreffend gewesen, in der Politik hängt es
davon ab wie weit das von der Wahl weg ist und ganz wesentlich ob der Termin
in der Zukunft oder Vergangenheit liegt.

Hier sehe ich allerdings harte Fakten, in den 60ern traten die starken
Geburtenrückgänge auf. Diese Generation ist die, die jetzt baut, danach wird
es zwangsläufig dünner. Etwas dürfte sich wie Du schon sagtest über
Zuwanderung kompensieren. Trotzdem fällt erst mal eine ganze Ecke weg. Im
Moment bist Du gut beraten, wenn Deine Zielgruppe etwas älteren Semester
ist, die bilden in den nächsten unsere Mehrheit, vielleicht müssen wir dann
verstärkt auf altengerechtes Bauen setzen.

Der Boom der vergangenen Jahre war im Wesentlichen auf ein
Verbraucherverhalten zurückzuführen und die Tatsache, daß es uns hierzulande
nicht schlecht ging. Das tut es im Moment zwar auch nicht, nur weiß die
Mehrheit das wohl nicht, die Stimmung ist ziemlich mies. M.E. nicht
unbedingt begründet.

> Die Bevölkerungsentwicklung hängt wohl regional wesentlich mit der
> Wirtschaftsentwicklung zusammen. Wie der Bau auch. Mehr Wohlstand
> schafft mehr Wohnflächenkonsum/ Einwohner und Zuzug.

Ja, im Jahr 2030 haben wir dann vielleicht noch eine handvoll Großstädte.
Obwohl sich auch in unserer Arbeitswelt eine Globalisierung abzeichnet und
der Wohnsitz nicht mehr ganz die Bedeutung hat wie das früher so der Fall
war. Ich spekuliere auf die Bahamas :) Vor allem würden mich dei
Verrenkungen interessieren die dann gemacht werden um zu Steuern zu kommen,
die momentan recht stark mit dem Wohnsitzt zu tun haben.

> Die EU- Erweiterung birgt Potential für Zuzug in florierenden Regionen.
> Der Zuzug äußert sich zeitversetzt in mehr Bautätigkeit.

Ob das so ist? Hm, Bautätigkeit ja, aber viel mehr Eigenleistung. Die
Kaufkraft will man sich durch den Umzug ja erst noch verdienen, sie ist noch
nicht da.

> > Im Moment bin ich selbst im Begriff zu bauen. Obwohl es mein Job ist
> (nicht
> > die Planung) fällt mir die Sache nicht leicht, das liegt nicht etwa an
den
> > Preisen, sondern daran daß Du aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre
> > kaum noch zuverlässige Firmen findest mit denen ein Grundmaß an Qualität
> > einzuhalten wäre.
>
> Halte ich für übertrieben. Ich weiß nicht, was Deine Erwartungen in
> Hinsicht "Qualität" sind - aber damit gibt es eigentlich weniger Probleme
> mit regional tätigen Firmen.

Hier baust Du regelmäßig im Wasser. Normalerweise Schichtenwasser, das aber
durch wasserstauende Schichten in der Grube zu Druckwasser wird. Manchmal
verändert sich das schlagartig, wenn irgendwo Baugruben geöffnet sind und
Oberflächenwasser ungehindert versickern kann.

Jeder Bauherr hier ist gut beraten eine druckwasserdichte Konstruktion zu
bauen. Meist ist das eine weiße Wanne. Ich tippe in 80% der gebauten Häuser
funktioniert diese Wanne nicht, das ist auf jedenfall die Zahl an Häusern
bei denen man sicher weiß das dort Wasser einstaut und die eigentlich dafür
konstruierten Keller dem nicht viel entgegensetzen. An den Hütten an denen
nichts passiert hast Du kein Wasser wenn Du aufmachst. Ein Freund hat einen
solchen Keller als weiße Wanne kürzlich bauen lassen, alles schön trocken
bis der Nachbar ein Wasserbecken geleert hatte und versickern ließ. Die
geglättete Bodenplatte hat Holzeinlagerungen, in der weißen Wanne wurden
Holzbretter als Distanzhalter in die Schalung eingebaut.

Es funktionieren nur einfachste Arbeiten, alles was etwas mit mehr Sorgfalt
gemacht werden muß geht schief und das zu einem extrem hohen Prozentsatz.
Solche Dinge werden nicht nur von der ausführenden Firma schlecht gemacht
sondern sie werden auch nicht kontrolliert. Die Bauleitung und
Ausführungsplanung wird hier nicht selten als finanzielle Aufwertung der
Entwurfsphase gesehen. Die Aussage eines hier ansässigen Architekturbüros
war ziemlich eindeutig, als wir uns zu Gründerzeiten für die Bauleitung
bewarben. Wir brauchen einen Teil der Phase für die Objektüberwachung um
unsere Planungsphase damit abzudecken, waren die Worte. Möglich daß man
damit den Preis drücken versucht, Fakt ist, daß man diesen Aufgaben nicht
nachkommt und auf den Baustellen jede Menge schiefläuft. Wer will dann noch
jemanden verübeln daß er nur noch bis zur Genehmigungsplanung beauftragt.

> Ein Teil der Qulitätskritik ist sicherlich berechtigt,
> aber es wird auch oft (bei den Bauherrn) vergessen, daß es
> meist handwerklich hergestellte Produkte sind, also keine
> Industrieproduktion. Da sind die Toleranzen für Unregel-
> mäßigkeiten einfach höher, vergleichsweise mit dem
> Automobilbau.
>
> Man begeget natürlich auch echtem Pfusch, aber oft handelt
> es sich einfach auch um übertriebene Erwartungen.
>
> In diesem Spannungsfeld wird man mit beiden Extremen
> konfrontiert, abgesehen davon, daß es preiswert sein muß.

Stimmt, es ist keine Fabrikfertigung, ein Schrank mit makellosem Furnier.
Das Verständnis erwarte ich allerdings gar nicht. Von einem Unternehmen
erwarte ich aber, daß die Arbeiten annähernd die Eigenschaften haben die
zugesichert wurden. Ein Keller der undicht ist ist nun mal nicht zu
gebrauchen, ein Dach auch nicht. Als wir hier unser Büro saniert hatten,
hatte ich eine längere Diskussion darüber, daß Rohre abzudrücken sind und
wie das zu geschen hat. Kein Einsehen, bereits nach einem halben Jahr sind
die ersten Undichtigkeiten aufgetreten. Der Elektriker hatte den Auftrag
alle EDV-Kabel zu prüfen und Protokolle zu erstellen. Der Sache bin ich ein
halbes Jahr hinterhergelaufen. Irgendwann bei Umstellungen im Netz sollten
Kabel in Betrieb genommen werden, die definitiv flasch verdrahtet waren, die
konnten nicht geprüft sein. Nachdem ich mir die Mühe gemacht hatte die
Protokolle bis ins Detail nachzuvollziehen hat sich mein Verdacht nur
bestätigt.

Ich weiß nicht wie andere das nennen, für mich ist das Betrug. Es ist eine
nicht endende Geschichte, auch damals mußte ich aus Zeitgründen die
Bauleitung jemanden übertragen, was sich als Schuß ins Knie herausgestellt
hat. Die teuren EDV-Kabel wurden übrigens in der Decke einbetoniert, nicht
gerade im Sinne des Erfinders. In all diesen Instanzen nicht ein einziges
Fünkchen intelligentes Leben, kein Bauleiter, kein Vorarbeiter, Facharbeiter
oder was auch immer der auch nur einen Hauch von fachlicher Qualifikation
gezeigt hätte.

> In diesem Feld zwischen "möglichst preiswert" (was für viele der
> billigste Bieter bedeutet) und "Perfektion als Anspruch" bewegt
> sich doch das meiste Alltagsgeschäft.

Es geht auch nicht anders. Ohne diesen Druck würden die Dinge völlig
entgleiten. Zu unseren Aufgaben gehört nunmal auch die Wirtschaftlichkeit
und es ist einfach für viel Geld gute Qualität zu bauen. Laß einen
Unternehmer erkennen, daß es Dir nicht auf den Euro ankommt und er läßt die
Kirche nicht im Dorf. Er schlägt keine 5 oder 10% drauf sondern macht 200
draus. Triff nur ein einziges mal die Aussage es kommt Dir auf den Tag nicht
an und Du hast die Garantie, daß Du der letzte bist der bedient wird. Man
bedient eben nur den der am meisten Druck macht.

> Natürlich könnte man mit Olaf argumentieren. Wer kein Geld hat,
> solls bleiben lassen, bzw. die Schwelle halt weit oben festzulegen.
>
> Leider sind solche Kunden eine absolute Ausnahme.
>
> Wer hat die schon?? Ich nicht :-)

Das weniger, aber eine vernünftige Grundlage, daß das machbar wird braucht
man schon. Ich hielte es auch für ein Unding jemanden finanziell ins
Verderben rennen zu lassen. Als ich vor fast 9 Jahren unser heutiges Haus
gekauft hatte war ich Angestellter, die Finanzierung war ziemlich am
Anschlag. Ich hatte damals auch die dämliche Prognose gestellt die Mieten
werden weiter anziehen, die Immobilien und Zinsen teurer. Ich habe damals
mit 8,5% abgeschlossen (da träumen heute alle Bänker noch von). Die
Immobilien sind um durchschnittlich 30% eingebrochen, die Zinsen liegen bei
unter 5%, die Mieten sind um etwa 20% zurückgegangen. Das was Du nach allen
Abzügen noch in der Tasche hast ist detulich weniger geworden (MWSt,
Solidaritätszuschlag, Pflegeversicherung usw.). Wenn ich nicht einen
Quantensprung gemacht hätte, den ich ebensowenig vorhersehen konnte wäre das
ziemlich übel ausgegangen, einfach weil die Finanzdecke zu dünn war. Man
kann niemandem diesen Schritt verbieten, keiner ist aber gut beraten einen
solchen Schritt zu gehen wenn der von der Eigenheimzulage abhängt. Sowas
nenne ich finanziellen Selbstmord.

Vielleicht wäre es ein Weg, wenn man die Finanzierung von der Zulage neutral
aufstellt. Die Zulage zahlt einen Kreditanteil ab, der exakt mit auslaufen
des Förderzeitraumes beglichen ist.

Es geht mir auch nicht darum, daß ich diese Zulage niemanden gönnen würde,
ich halte sie nur für sehr wenig wirkungsvoll. Die Häuser die dieses Jahr
noch schnell verkauft werden dürften mehr als nur um die Zulage teurer sein
als das was nachkommt.

Gruß
Adrian


Eigenheimzulage, der Trag&ouml;die 2. Teil

"Lueder Hoppe"
2003-09-10 16:50:10

"tobias" schrieb...
> Die Bevölkerungsentwicklung hängt wohl regional wesentlich mit der
> Wirtschaftsentwicklung zusammen. Wie der Bau auch. Mehr Wohlstand
> schafft mehr Wohnflächenkonsum/ Einwohner und Zuzug.

Damit, das die Generation des Pillenknicks mittlerweile voll im
Erwerbsleben steht, wird unmissverständlich klar, was gut informierte
Kreise seit etwa 30 Jahren als Fakt anerkennen:
Die altersmäßige Zusammensetzung der Bevölkerung verschiebt sich
dramatisch.
Sämtliche Versuche mit Kindergeld und Kindergarten haben an der
Geburtenrate
nichts ändern können. Die Resultate werden auch unser Berufsbild ändern.
Auf der einen Seite sind "die Alten" die ihre Wohnraumansprüche Stück
für Stück auf das zurückfahren, was sie selbst bewirtschaften können.
Bei vielen anstehenden Umbauten steht dann barrierefreies und
altersgerechtes
Bauen ganz im Vordergrund.
Auf der anderen Seite ist dann die "Erbengeneration" am Ruder, deren
Bedürfnisse sicherlich sehr individuell und sicherlich nicht selten mit
einer gewissen "Wertigkeit" versehen sein wird.

Klar, die Wohnraummaximierung läuft sich aus, in diesem Jahr wurden
bundesweit
bereits zehntausende Wohnungen "rückgebaut" um den Markt aufrecht zu
halten.
Alles in allem wird der Bevölkerungsschwund (der definitiv nicht
aufzuhalten ist,
solange die Geburtenrate nicht ansteigt) die großflächige Bautätigkeit der
letzten Jahrzehnte nicht fortführen. Aber qualitativ hochwertige
Dienstleistungen
werden sowohl bei den Alten, als auch bei den Erben hoch im Kurs stehen,
denn
die einen können nicht mehr selber, und die anderen wollen es nicht.

Lüder Hoppe