Architektur

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Sakralbauten

Mathias Mildenberger
2005-03-02 20:36:06

J. Selmer schrieb:

> Interessante These. Allerdings richten sich zumindest einige
> Kirchen im Bereich des ehemaligen röm. Reichs nach an der
> gleichen Stelle gelegenen und von der Kirche überbauten römischen
> Gebäuden aus. Eine zufällige Übereinstimmung mit der nach der
> o.g. Methode erzielten Ausrichtung scheint mir da doch recht
> unwahrscheinlich.

Da die allermeisten Kirchen mit der Achse des Hauptschiffes doch recht
genau Richtung Osten zeigen - mit einer gewissen Streuung zwischen
Nordost und Südost - vermute ich mal, daß dies meistens um die
kirchlichen Feiertage im Frühjahr herum festgelegt wurde. Jeweils zum
Frühlings- und Herbstanfang am 21.03. und 21.09. geht die Sonne exakt im
Osten auf und im Westen unter und beschreibt im Tageslauf einen Bogen
von genau 180°. Im Winter sind das eher 90°, im Sommer fast 270° [1]

Zumindest für die Katholiken ist die Ostung wichtig. Mir fällt spontan
keine katholische Kirche ein, bei der das nicht so ist. Bei den
Protestanten scheint es zwar auch wichtig zu sein, aber in begründeten
Ausnahmefällen scheint man auch davon abweichen zu können. Da habe ich
auch ein Beispiel dafür: Die St.-Stephanus-Kirche von Alvar Aalto in
Wolfsburg-Detmerode. Bei der steht der Altar im Norden und bekommt
jeweils zum Patrozinium des Heiligen am 26.12. ein besonderes
Lichtschauspiel ab. Die Kirche hab ich mal in Architekturtheorie
seziert... [2]

Grüße,

Mathias


[1] Schönes Diagramm hier: S. I-67 in Wolfram Pistohl, "Handbuch der
Gebäudetechnik", 3. Aufl., Werner, Düsseldorf 2000
[2] Ergebnisse teilweise hier zu finden: Dörte Kuhlmann (Hrsg.), "Mensch
& Natur - Alvar Aalto in Deutschland", Universitätsverlag der
Bauhaus-Uni Weimar, 1999


Sakralbauten

Werner Jakobi
2005-03-02 19:56:01

"J. Selmer" posted:

>Interessante These. Allerdings richten sich zumindest einige
>Kirchen im Bereich des ehemaligen röm. Reichs nach an der
>gleichen Stelle gelegenen und von der Kirche überbauten römischen
>Gebäuden aus.

St. Zeno in Reichenhall (erbaut ab 1230) ist weder geostet noch zeigt die
Langschiffsachse in eine bestimmte Richtung (ca. NNO), bzw. liegt
annähernd parallel zum Verlauf des Saalachtals in diesem Bereich.

Es muß da also auch Abweichungen von dieser Regel gegeben haben.


Gruss, Werner
--
Morver, der Rollstuhl fuer kranke Windows-Newsreader und fuer OE.
Aktuelle Version 1.0.305: http://www.morver.de/


Sakralbauten

Frank Faulstich
2005-03-03 11:32:38

On Wed, 02 Mar 2005 20:36:06 +0100, Mathias Mildenberger
wrote:

[...]
> Zumindest für die Katholiken ist die Ostung wichtig. Mir fällt spontan
> keine katholische Kirche ein, bei der das nicht so ist. Bei den

Die Katholische Kirche in Eisenach ist etwa in Nord-Süd-Rcihtung
ausgerichtet. Es handelt sich dabei um ein neugothisches Bauwerk.
Wahrscheinlich war es damals wichtiger, dass das Portal nahe an der
vorbeiführenden Straße lag.

Viele Grüße

Frank
--
http://www.FamilieFaulstich.de/fahrradseite


Sakralbauten

Frank Faulstich
2005-03-03 11:22:40

On Wed, 2 Mar 2005 19:29:31 +0100, "tobias.knittel"
wrote:

> Hi,
>
>> Seit wann vorhanden?
>
> ca. 2000 Jahre
>

Aber in China, nicht bei uns.

Viele Grüße

Frank
--
http://www.FamilieFaulstich.de/fahrradseite


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Karl-Ludwig Diehl
2005-03-03 12:09:07

Hm,
Frank Faulstich schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> > Zumindest für die Katholiken ist die Ostung wichtig. Mir fällt
>spontan
> > keine katholische Kirche ein, bei der das nicht so ist. /./
> Die Katholische Kirche in Eisenach ist etwa in Nord-Süd-Rcihtung
> ausgerichtet. Es handelt sich dabei um ein neugothisches Bauwerk.

Leider gibt es keine Zusammenstellung, die
es erlaubt, auszusagen, die Ostung kommt in soundsovielen Fällen vor
oder nicht vor.
:-)))
Und auch gibt es keine Zusammenstellung von Bauten, die aussagt, warum
bei denen, wo eine Ostung nicht vorgenommen wurde, dieses so geschah.
:-)))

K.L.
--
Immer auf dem aktuellen Stand mit den Newsgroups von freenet.de:
http://newsgroups.freenet.de


Sakralbauten

"J. Selmer"
2005-03-03 14:08:00

Mathias Mildenberger schrieb:

> Da die allermeisten Kirchen mit der Achse des Hauptschiffes doch recht
> genau Richtung Osten zeigen - mit einer gewissen Streuung zwischen
> Nordost und Südost - vermute ich mal, daß dies meistens um die
> kirchlichen Feiertage im Frühjahr herum festgelegt wurde. Jeweils zum
> Frühlings- und Herbstanfang am 21.03. und 21.09. geht die Sonne exakt im
> Osten auf und im Westen unter und beschreibt im Tageslauf einen Bogen
> von genau 180°. Im Winter sind das eher 90°, im Sommer fast 270° [1]

Eine etwas eingehendere Beschäftigung mit dem Thema bringt doch
zahlreiche Unwägbarkeiten und weitere sich daraus ergebende
Fragestellungen hervor. Innerhalb eines anderen Forums
(Mailingliste) hat Rudolf Koch zum Thema relativ ausführlich
Stellung bezogen und bzgl. der Ostung anhand des Azimuths am
Rande noch auf folgende Webseite hingewiesen:
http://de.geocities.com/studiolo 2000/diverses azimute.htm

Hingewiesen wurde ich außerdem noch auf folgenden Aufsatz:
MARIA G. FIRNEIS, ERNST GÖBEL, CHRISTIAN KÖBERL
ZUR ASTRONOMISCHEN ORIENTIERUNG DER ,VIRGIL"-KAPELLE
Veröffentlichungen der Komm. f. Geschichte d. Mathematik,
Naturwissenschaften und Medizin, Heft 36, S 240ff.
Sonderabdruck aus dem Anzeiger der phil.-hist. Klasse der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 118. Jahrgang 1981,
So. 14.

> Zumindest für die Katholiken ist die Ostung wichtig. Mir fällt spontan
> keine katholische Kirche ein, bei der das nicht so ist. Bei den
> Protestanten scheint es zwar auch wichtig zu sein, aber in begründeten
> Ausnahmefällen scheint man auch davon abweichen zu können.

Offenbar hat man sich nur in vorreformatorischer Zeit bzw. vor
dem Tridentinum (-> Gegenreformation) einigermaßen konsequent an
die Regel gehalten, später, d.h. etwa ab Anfang/Mitte des 17.
Jhs. wurde es auch bei den Katholiken deutlich nachlässiger
gehandhabt.

Jan.

--
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Sakralbauten

Karl-Ludwig Diehl
2005-03-03 14:39:16

Hi,
J. Selmer schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> Offenbar hat man sich nur in vorreformatorischer Zeit bzw. vor
> dem Tridentinum (-> Gegenreformation) einigermaßen konsequent an
> die Regel gehalten, später, d.h. etwa ab Anfang/Mitte des 17.
> Jhs. wurde es auch bei den Katholiken deutlich nachlässiger
> gehandhabt.

Nun gibt es zwei Fragen:
Warum wurde geostet?
Da Ostung in jedem Fall eine mythische Richtung ist, der eine Sinngebung
zugeordnet wurde, stellt sich die Frage, auf was hin alles ge"ostet"
wurde.

K.L.
--
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Sakralbauten

"J. Selmer"
2005-03-03 17:29:00

Walter schrieb:

> Nicht nur Kirchen, sondern auch Gräber, so dass die Seele wenn sie
> sich bei der Auferstehung aufsetzt nach Osten guckt.

Ja, aber wie bei den Kirchen mit der Einschränkung, daß der
Brauch ab dem 17./18. Jh. häufig nicht mehr konsequent umgesetzt
wurde und seit der Einführung der neuzeitlichen
Reihengräberfriedhöfe kaum noch Beachtung findet.
Einige Gräber, darunter öfter auch die von Priestern, wurden
übrigens entgegen der bis ins 16.Jh. üblichen Ausrichtung
"gewestet".

> Recht gute Erklärung von einer Theologie-Homepage:

Wäre nett, wenn Du bei Zitaten die Quelle angibst ;-)

Jan.

--
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