Architektur

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Etwas zum schmunzeln...

Etwas zum schmunzeln...

Sven Schelhorn
2003-07-11 14:19:12

AGENDA 2010

Es ist Montag, der 3. Juni 2010, 5 Uhr morgens. Der Radiowecker reißt
Günther S. (46) aus dem Schlaf. Der Oldie-Sender spielt Modern Talking.
Herr S. quält sich aus dem Bett. Gestern ist es etwas später geworden.
Bei der Arbeit. Dienst am Pfingstsonntag - mal wieder. Früher konnte er
danach wenigstens ausschlafen. "Ja, ja, der Pfingstmontag", murmelt
Herr S., "ist das wirklich schon sieben Jahre her?"

Es hat sich wirklich einiges getan seit damals. Nur nicht in seinem
Haus.

Als 2005 die Eigenheimzulage plötzlich doch gestrichen wurde, mussten
sie eben Abstriche machen. Und inzwischen hat sich Familie S. daran
gewöhnt. An die frei liegenden Leitungen und den Betonfußboden.

Gut, denkt Herr S., dass damals die Garage noch nicht fertig war. Denn
der Wagen ist längst verkauft. Zu teuer, seit es keine
Kilometerpauschale mehr gibt. Und mit Bus und Bahn dauert es in die City
ja auch nur zwei Stunden. Und was man dabei für nette Leute trifft. Zum
Beispiel die Blondine, die Herrn S. immer so reizend anlächelt.
Zurücklächeln mag er nicht. Wegen seiner Zähne. Aber was will man
machen?

3000 Euro für zwei Kronen sind viel Geld. Und schon die Brille musste er
selbst bezahlen. Hat dabei aber 15 Euro gespart. Weil er nicht gleich
zum Augen-, sondern erst zum Hausarzt gegangen ist. Wegen der
Überweisung.

Trotzdem: Der Urlaub fällt flach. "Das könnte Ärger geben zu Hause",
stöhnt Herr S. vor sich hin. Traurig erinnert er sich an letzte
Weihnachten. Als es nichts gab.

2009 wurde nämlich auch in der freien Wirtschaft das Weihnachtsgeld
gestrichen. Im öffentlichen Dienst ist das ja schon länger her. "Und bis
wann gab es eigentlich Urlaubsgeld?", fragt sich Herr S. - er kommt
nicht drauf.

Damals hatte man jedenfalls noch genügend Urlaub, um das Urlaubsgeld
auszugeben. Heute sind es ja gerade mal 19 Tage im Jahr. Pfingstmontag?
1. Mai? Geschichte. Das stand nicht auf der Agenda 2010 - so hieß sie
doch, oder? Aber man soll nicht meckern. Die da oben, weiß Herr S.,
müssen noch viel mehr ackern.

Darum kann Günther S. mit der 45-Stunden-Woche auch ganz gut leben. Er
hat auch keine Wahl. Seit der Kündigungsschutz auch in großen Betrieben
gelockert wurde, mag man es sich mit den Bossen nicht mehr verscherzen.
Wer will sich schon einreihen in das Heer von sechs Millionen
Arbeitslosen? Aber den Feiertagszuschlag für den Dienst an Pfingsten
vermisst er schon.

Was soll`s, in 23 Jahren hat Herr S. es hinter sich. So üppig wird die
Rente zwar nicht ausfallen, wenn das mit den Nullrunden so weitergeht.
Doch wer weiß: Vielleicht bringt ihn das Rauchen vorher um. Obwohl er
weniger qualmt, seit die Schachtel neun Euro kostet. Aber heute, auf
den letzten Metern zum Büro, steckt Günther S. sich trotzdem eine an.


Etwas zum schmunzeln...

"Stefan Blümel"
2003-07-11 16:35:37

> AGENDA 2010

bist Du selbständig oder Angestellter?
Denn auf den Blickwinkel kommt es an ;-)

Stefan Blümel


Etwas zum schmunzeln...

Sven Schelhorn
2003-07-11 16:44:47

"Stefan Blümel" schrieb:
>
> > AGENDA 2010
>
> bist Du selbständig oder Angestellter?
> Denn auf den Blickwinkel kommt es an ;-)

Ich knechte für mich selbst, kenn aber beide Seiten ;-)

--
Ciao, SVEN


Etwas zum schmunzeln...

Dieter Schubert
2003-07-12 14:54:25

Hallo Stefan, hallo Sven,

habe soeben meine Lektüre des Buches von Heribert Illig "Wer hat an der
Uhr gedreht?" unterbrochen. Nach sehr gründlichen Untersuchungen
vertritt Illig die These, daß es die Zeit von 614 - 911 nach Christi nie
gegeben hat, sondern von Gregor III. das Jahr 1000 willkürlich
festgelegt wurde.
Danach würden wir jetzt im Jahr 1706 leben! Da ist bis zur Agenda 2010
noch lange Zeit und ob es dann Grün-Rot noch gibt?

Gruß Dieter,
der sich auch nur für sich und seine Familie "schindet".

Sven Schelhorn schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> "Stefan Blümel" schrieb:
> >
> > > AGENDA 2010
> >
> > bist Du selbständig oder Angestellter?
> > Denn auf den Blickwinkel kommt es an ;-)
>
> Ich knechte für mich selbst, kenn aber beide Seiten ;-)
>
> --
> Ciao, SVEN
>
>
--
Immer auf dem aktuellen Stand mit den Newsgroups von freenet.de:
http://newsgroups.freenet.de


Etwas zum schmunzeln...

Sven Schelhorn
2003-07-12 15:01:40

Dieter Schubert schrieb:
>
> Hallo Stefan, hallo Sven,

Hallo!

> habe soeben meine Lektüre des Buches von Heribert Illig "Wer hat an der
> Uhr gedreht?" unterbrochen. Nach sehr gründlichen Untersuchungen
> vertritt Illig die These, daß es die Zeit von 614 - 911 nach Christi nie
> gegeben hat, sondern von Gregor III. das Jahr 1000 willkürlich
> festgelegt wurde.
> Danach würden wir jetzt im Jahr 1706 leben! Da ist bis zur Agenda 2010
> noch lange Zeit und ob es dann Grün-Rot noch gibt?

Ob es uns bis dahin noch gibt???

Oder Agenda 1713 *lol*

--
Ciao, SVEN


Etwas zum schmunzeln...

"Tobias"
2003-07-12 23:23:18

Oder so:

> Es ist Montag, der 3. Juni 2010, 5 Uhr morgens. Der Radiowecker reißt
> Günther S. (46) aus dem Schlaf. Im Radio die Nachrichten..
> Herr S. liegt schweißgebadet im Bett.. Dienst am Pfingstsonntag ?
> Da stimmt doch was nicht. Langsam wird er wach - ein Alptraum.
> Erleichtertes aufatmen. Das Radio hatte er doch schon vor Jahren auf den
> Müll geworfen.

> Es hat sich wirklich einiges getan seit damals. Nicht nur in seinem
> Haus.

> Als 2005 die Eigenheimzulage plötzlich doch gestrichen wurde, entschloß
> er sich nicht zu bauen, dafür aber mit dem schon ersparten Eigenkapital
> ein kleines schmuckes Häuschen in Griechenland mit etwas Land zu kaufen.
> Und inzwischen lebt er da mit der Familie S.
> An die frei liegenden Leitungen hat er sich gewöhnt, war ja schließlich
> Eigenleistung, und sein ganzer Stolz.

> Eine Garage hat er nie gebraucht. Wozu ist der Wagen auch wetterfest
> lackiert. Den Wagen würde er nie verkaufen, denn ab und an muß er
> ja zum Einkaufen, oder ans Meer zum Baden und Angeln.

> Und in die die City ja auch nur zwei Stunden.
> Und was man dabei für nette Leute trifft. Zum
> Beispiel die Blondine, die Herrn S. immer so reizend anlächelt.
> Zurücklächeln tut er gerne, wegen seiner Zähne.

> Die hat er sich in Indien richten lassen, und für den gesparten Betrag
> noch 4 Wochen am Strand in Trivandrum gelegen - und sich die
> Koskosnüsse am Strandtuch servieren lassen. Eine neue Brille gabs
> auf dem Basar für 2 Euro, incl. Gläser. Tja, in 10 Minuten war das
> Teil fertig. Hat er doch noch glatt die 15 Euro für den Arzt gespart.

> Trotzdem: Den Urlaub hätte er eigentlich nicht gebraucht, da er sich
> inzwischen immer wie im Urlaub fühlt. Freudig erinnert er sich an letzte
> Weihnachten. Da war er seit langem wieder in Deutschland die Eltern
> besuchen. Endlich mal wieder Schnee (sonst kommen sie eigentlich
> immer zu ihm, aber die Rente ist inzwischen zu klein, um zu verreisen,
> und das Heizöl kostet 3 Teuro der Liter).

> Dort mußte er hören:
> 2009 wurde auch in der freien Wirtschaft das Weihnachtsgeld
> gestrichen. Im öffentlichen Dienst ist das ja schon länger her.

> Tja, aller Anfang war schwer. Aber inzwischen betreibt er eine
> kleine Destille für Pflanzenöle, nur absolute Spitzenware. Die hat
> ihren Preis, aber auch ihre Liebhaber. Er kooperiert mit mehreren Bauern
in
> seinem Dorf, denen vor Jahren schon die Subventionen gestrichen
> wurden - und die nach neuen Verdienstmöglichkeiten Ausschau
> gehalten hatten.

> Von seinem 4-Monats/ Jahr-Job kann Günther S. ganz gut leben. Gemüse
> und Obst baut er eh weitgehend im eigenen Garten an. 4 Hühner hat er
> auch, und einen Hahn. Die Milch holt er beim Nachbarn.

> An die rente denkt er eigentlich nicht.
> Was soll`s, 23 Jahre gedenkt er schon noch so weiterzumachen.
> Vielleicht bringt ihn das Rauchen vorher um. Obwohl er
> weniger qualmt, seit er den Tabak selber anbaut (das Kraut räuchert
> zumindest die Fliegen aus).

> Aber heute ist er sein eigener Herr.


Etwas zum schmunzeln...

Alice Fedrizzi
2003-07-12 17:23:56

Aloha Dieter Schubert,

Du hast letztens geschrieben:

> habe soeben meine Lektüre des Buches von Heribert Illig "Wer hat an
> der Uhr gedreht?" unterbrochen. Nach sehr gründlichen Untersuchungen
> vertritt Illig die These, daß es die Zeit von 614 - 911 nach Christi
> nie gegeben hat, sondern von Gregor III. das Jahr 1000 willkürlich
> festgelegt wurde.
> Danach würden wir jetzt im Jahr 1706 leben!

Nein, bitte nicht auch hier diesen Unsinn...


Viele Grüße,
Alice

--
Dieses Feld bitte nicht beschriften oder bestempeln!


Etwas zum schmunzeln...

Sven Schelhorn
2003-07-13 02:18:23

Tobias schrieb:
>
> Oder so:

Wirklich gut. Das will ich auch nochmal probieren...

Es ist Montag, der 3. Juni 2010, 5 Uhr morgens. Ein Autoradio reißt
Günther S. (46) aus dem Schlaf. Im Radio die Nachrichten. Herr S. liegt
zusammengekauert auf einem Stapel Autoreifen. Was Pfingstsonntag?
Da stimmt doch was nicht. War das doch nur ein Alptraunm?Nein, leider
doch nicht.
Es gibt keinen Sonntag mehr, auch kein Freitag. Nur noch den Dienstag
Nr.1 bis Nr.7.

Es hat sich wirklich einiges getan seit damals.
Nicht nur mit seinem Haus.

Als 2005 die Eigenheimzulage plötzlich doch gestrichen wurde, war es
klar, mit den paar Kröten, die er und seine Frau mit vier Jobs verdienen
vermochten, konnten Sie sich nun gar kein Häuschen mehr leisten, nicht
mal, wenn Sie vorher 5 Kinder hätte, die einst Bedingung gewesen wären.

Mit den paar Kröten, die auf der Bank nun auch nichts mehr bringen,
bleibt nur noch eine Möglichkeit, das Ausland, Mittelmehr, Karibik usw.
Dorthin ließ er sich von einheimischen Schmugglern bringen, nachdem man
im Ausland keine Mittellosen und Mittelständler verköstigen wollte. An
den sozialen Leistungen fehlt es Ihm hier genauso wenig wie in
Deutschland, da das Sozialesystem ja schon vor Jahren zusammen gebrochen
war.

Die Garage war das beste, daß Ihm bis dahin wieder fahren ist. Nicht
jede einheimische Familie ist so nett und läßt einen Ausländer aus
Deutschland gratis übernachten. Da machte es Ihm natürlich auch nichts,
hier und da mal für die Familie einkaufen zu gehen, solange er noch Geld
in der Tasche hatte.
Und die City ist ja auch in nur zwei Stunde zu Fuß zu erreichen. Gut für
den Diabetes. Und was man dabei für Leute trifft, zum Beispiel die
Blondine, die Herrn S. immer so merkwürdig anlächelt. Sie hat es wohl
auf seine letzten Goldkronen abgesehen.

Diese hatte er noch aus besseren Zeiten. Als es noch sowas wie ein
Gesundheitswesen gab. Zum Glück wurden damals die vorderen Schneidezähne
ohne Zuzahlung auch in Keramikausführung bezahlt, sonst hatte man es auf
diese wohl auch noch abgesehen. Mit Schneidezähnen kaut es sich im
übrigen so schlecht. Und die Brille, die er auf der Nase hat, ist ein
gebogener Kleiderbügel mit Aschenbechergläser, denn die letzten 15,- EUR
brauchte er um die Mafia vor Ort zu besänftigen.

Trotzdem: Hier ist es wie im Urlaub, Zuhause hat man ja auch nicht mehr,
im Gegenteil, hier scheint einen wenigsten die Sonne auf den Pelz und
das sogar an Weihnachten, das dieses Jahr auf den 4. Dienstag fällt.

Dennoch würde er gerne mal wieder nach Deutschland fliegen, aber auch
seine Eltern sind nicht mehr so liqiude, seit die Rente abgeschafft
wurde und die Telekom Aktien in den aller tiefsten Keller fielen. Wie
übrigens die ganze Deutsche Wirtschaft, wo man Heute wie in jedem
anderen Land nur auf sich selbst angewiesen ist nur eben bei schlechtem
Wetter.

Das war vermutlich auch der Grund, warum Urlaubsgelder immer seltener
wurden. Schlechtes Wetter, kein Urlaub. Kein urlaub, kein Urlaubsgeld.
Auch wenn die damiligen Politiker das anders sahen, denn die gingen bis
2009 regelmäßig mit der Bundeswehr in den Urlaub, egal wie es
innenpolitisch aussah. In der nächsten Periode muß ja auch noch was zum
tun sein.

Nun wenigsten kann man Herrn S. nicht mehr kündigen und weil er seinen
Pass bereits vor der illegalen Einreise vernichtet hat braucht er sich
auch keine Sorgen darüber zu machen, daß er wieder nach Deutschalnd
abgeschoben werden wird. Hier im Ausland bettelt es sich eben leichter.
Es konnte ja keiner Wissen, daß die Pläne seines Vorhabens nicht
funktionieren. Hätte doch alles so gut werden können.

Doch sein angebautes Gemüse wurde von Ungeziefer geplagt, die Hühner
wurden krank und die Kühe gaben saure Milch. Da war es hin, sein letztes
Kapital, mit dem er sich in Deutschland nicht mal das hätte leisten
können.

An seine Rente denkt er gar nicht, denn der Hunger erlaubt Ihm nur bis
zur nächsten Mahlzeit zu denken oder auch zur nächsten Kippe die es sich
zu erschorren gilt. Vielleicht bringt ihn das Rauchen endlich um. Und
wenn das nicht, dann die Kälte nächts auf der Parkbank.

Und so schenll zerplatzen Träume und man ist Obdachlos.

;-)