Architektur

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Ruine kaufen?

"tobias"
2003-09-14 23:16:20

Hi ihr Baukundigen,

bei einem Spaziergang ist mir eine Ruine
aufgefallen (in "meinem" Dorf in France),
mit verwunschenem alten Obstgarten. Das
Grundstück liegt an einem Westhang über
dem Dorf - und grenzt direkt an den
Gemeindewald, der mit einer Allee riesiger
Lärchen an das Grundstück grenzt.

http://www.ichbaueselbst.de/ruine.jpg

Der Einfirsthof ist wohl schwierig zu renovieren,
wenn auch teilweise noch mit Dach - und alter
Steinplatteneindeckung. Teilweise wachsen
ein paar recht große Tannen aus dem
Gemäuer, was darauf schließen läßt, daß seit
anno tubak ohne Bewohner.

Vielleicht könnte ich das Teil preisgünstig er-
werben, da der letzte Käufer die Ruine nur
als Steinbruch nutzt ... und auch sonst sich
etwas verkalkulierte ...

meine Idee wäre den Einfirsthof in drei
Ferienhäuschen umzubauen.

Ich rechne mit ca. 10 Jahren Arbeit, alles
alleine gemacht ... was meint ihr?

"Ne Nummer zu groß?"

Gruß

Tobias


Ruine kaufen?

"Thorwald Brandwein"
2003-09-15 01:41:50

"tobias" schrieb

> Ich rechne mit ca. 10 Jahren Arbeit, alles
> alleine gemacht ... was meint ihr?

> "Ne Nummer zu groß?"

Da Glaube bekanntlich Berge versetzt, glaube ich kaum, dass man so eine
Idee grundsätzlich nur aufgrund der anfallenden Menge Arbeit als Utopie
oder Traum ansehen muss..... Andere Leute bauten alleine Kathedralen - oder
versuchten es wenigstens.....
Konkreteres kann ich dir leider nicht schreiben - schon garnicht eine
Empfehlung. Mich würde derartiges auf meine alten Tage durchaus reizen -
ich bin aber (noch lange) nicht abkömmlich genug für so etwas.
Angst hätte ich davor keine, solange ich über regelmäßige Einkünfte
verfügen würde, aus denen sich die Kosten so bestreiten ließen, dass
kontinuierliches Arbeiten möglich ist.
Apropos....
Jedes Jahr komme ich an einem alten Bauwerk einer Straßenmeisterei vorbei,
das an einer berühmten landschaftlich interessanten Strecke liegt. Es gibt
dort Wasser und ein paar Stellplätze, so dass sich dort praktisch ein sehr
beliebter Aussichtspunkt befindet. Das Gebäude ist vermutlich längst nicht
so "faul" wie deine Entdeckung - das Dach ist intakt und offenbar ist es
noch nicht aufgegeben, denn man hat vor eingen Jahren alle Öffnungen
vermauert, statt es abzureißen. Ich bin sicher, es innerhalb einiger
Wochen/Monate in einen benutzbaren Zustand bringen zu können ... Es wäre
ideal, um Touristen "abzuzocken" indem man sie füttert oder ihnen irgendwas
andreht (Lavendeleis, Hamburger aus der Mikrowelle, Pizza mit Honig,
Fossilien usw. - ich schrecke da vor nichts zurück ;-)))
Aber man müsste die Hütte nicht nur gelegentlich nutzen sondern auch
hüten.....

Ansonsten: Die Immobilienpreise in der dortigen Gegend klettern und
klettern und die Ruinen erwachen Stück für Stück zu neuem Leben - selbst
jene, die unsereins schon vor 20 Jahren als termitenbefallen und damit zu
schwierig/teuer erkannt hat.....
Eine interessante Feststellung ergibt sich, wenn man Erkundigungen über
Objekte einzieht, die zu versteigern sind. Die Mindestgebote für innerort
gelegene Häuser ohne angrenzendes Grundstück und ohne Garage (oder
wenigstens Stellplatz) sind vor allem auf dem Land erstaunlich niedrig.
Hier kann man auch heute noch sowas wie ein Schnäppchen machen und ich
ärgere ich heute noch, nicht vor einigen Jahren für ein Objekt
(zweigeschossig + ausbaufähigs tauenversch*** Dachgeschoss, Grundfläche ca.
90 qm) geboten zu haben. Mindestgebot war 30.000 FF, es gab etwa 10
Interessenten, die zum Besichtoigungsterin kamen und wegggangen ist es m.W.
für 55.000 FF. Inzwischen ist es eher oberflächlich saniert und dürfte
dennoch ein Mehrfaches des Kaufpreises wert sein.

Kurz:
Kein Rat - das musst du selber wissen......
Wenn du es nicht machst - egal aus welchen und wie vielen vernünftigen
Gründen - wirst du das jedesmal irgendwie bedauern, wenn du in der Nähe
bist - mitunter auch zu anderen Anlässen...

Apropos: Hast du schon einen Erben für dein jetziges Haus? Nein - ich
bewerbe mich nicht dafür ;-), aber auch dieser Aspekt sollte bedacht sein.
Soweit ich weiß, bist du ledig und es muss ja nicht sein, dass aufgrund
fehlender Vorsorge eventuellen deutschen Erben - insbesondere entfernteren
Verwandten -Schwierigkeiten durch das französische Erbrecht entstehen.

Grüße
Thorwald Brandwein

--
www.biotekt.de


Ruine kaufen?

"tobias"
2003-09-15 08:38:07

Hi Thorwald,


>... Es wäre
> ideal, um Touristen "abzuzocken" indem man sie füttert oder ihnen
irgendwas
> andreht (Lavendeleis, Hamburger aus der Mikrowelle, Pizza mit Honig,
> Fossilien usw. - ich schrecke da vor nichts zurück ;-)))
> Aber man müsste die Hütte nicht nur gelegentlich nutzen sondern auch
> hüten.....

:-)

> Ansonsten: Die Immobilienpreise in der dortigen Gegend klettern und
> klettern und die Ruinen erwachen Stück für Stück zu neuem Leben - selbst
> jene, die unsereins schon vor 20 Jahren als termitenbefallen und damit zu
> schwierig/teuer erkannt hat.....

diese Tedenz gibt es in Frankreich seit letztem Jahr stärker, da die
Landflucht vorbei ist (in der Tendenz sind sogar mehr Menschen
auf das Land zurückgezogen).

Verstärkt kaufen jetzt nun die Städter in F selber was auf dem
Lande ... auch auf den Lande kaufen einige wieder "auf Vorrat"
zurück. Bei uns ist so das Dorf, bis auf einen Ladenhüter,
ausverkauft ... das ist die ehemalige Kneipe mit
Laden ... ungünstige Lage und großer Schuppen ... sollte zuletzt
15.000 Euronen kosten ... aber daran kann man sich zu Tode
renovieren.

> Eine interessante Feststellung ergibt sich, wenn man Erkundigungen über
> Objekte einzieht, die zu versteigern sind. Die Mindestgebote für innerort
> gelegene Häuser ohne angrenzendes Grundstück und ohne Garage (oder
> wenigstens Stellplatz) sind vor allem auf dem Land erstaunlich niedrig.
> Hier kann man auch heute noch sowas wie ein Schnäppchen machen und ich
> ärgere ich heute noch, nicht vor einigen Jahren für ein Objekt
> (zweigeschossig + ausbaufähigs tauenversch*** Dachgeschoss, Grundfläche
ca.
> 90 qm) geboten zu haben. Mindestgebot war 30.000 FF, es gab etwa 10
> Interessenten, die zum Besichtoigungsterin kamen und wegggangen ist es
m.W.
> für 55.000 FF. Inzwischen ist es eher oberflächlich saniert und dürfte
> dennoch ein Mehrfaches des Kaufpreises wert sein.

Ich suche nach Lage (und Preis) aus. Wichtig ist mir Ortsrand und angrenzend
Natur. Im Winter hatte ich mal ein Angebot "altes Häuschen mit Scheune"
für 20.000 FF. Aber die Lage ist etwas verbaut gewesen. Wenn man viel
Arbeit reinsteckt, sollte die Lage gut (nach meinem Geschmack :-) ) sein.
Auf dem Land ist imo der Bezug zur Natur wichtig, d.h. es sollte Natur
an das Haus grenzen. Der Schuppen hatte zu wenig Garten. Das macht
dann keinen Spaß, auch wenn er an eine Weide mit interessanten
Rindern grenzt. Halt nach Bachseite zu arg verbaut.
Billig ist hier auch nur was, woran seit hundert Jahren nichts gemacht
wurde.
Renoviert ist das alles zu teuer ... teurer als selbst renoviert ...

hab noch alternativ was im Auge. Ein Haus im Wald auf einer kleinen
Felsklippe. (an einer kleinen Straße). Unter dem Haus befindet sich
eine Höhle in der eine
Quelle entspringt - nebst einer kleinen in den Fels gehauenen Kapelle,
wohl romanisch (Einsiedelei aus der Zeit der Christianisierung).
Die Quelle fließt in einen kleinen Teich - und das Tälchen öffnet
sich zu einer Waldwiese. Ich vermute es war ursprünglich ein keltisches
(Lingonen) Quellheiligtum. Der Ort ist gänzlich untouristisch,
einfach vergessen worden - und daher um so verwunschener :-)

Leider zerfällt alles - der Erbe des Anwesens ist verkaufsunwillig,
aber auch lustlos das Anwesen rudimentär zu unterhalten.
Daraus könnte man was arg tolles machen, zumal das Kapellchen
einem Heiligen gewidmet ist, der dort einst hauste (zumindest wird es
behauptet).

Habs mir mal angeschaut - und war hell begeistert. Es hat einen
gewissen mystischen Flair, der sich gut für Esoterik-Seminare
eignen würde, Selbstfindung, Kneip-Kuren, egal ... etwas her-
gerichtet und es ist ein "Schmuckstückchen".

> Wenn du es nicht machst - egal aus welchen und wie vielen vernünftigen
> Gründen - wirst du das jedesmal irgendwie bedauern, wenn du in der Nähe
> bist - mitunter auch zu anderen Anlässen...

Nun ja, wenn ich mich mal dagegen entschieden hätte, wäre das
dann auch auf Dauer o.k. für mich :-)

Ist doch alles auch arg viel Arbeit ... und ein Geldgrab :-)

Gruß

Tobias


Ruine kaufen?

"tobias"
2003-09-15 08:49:53

Hi Tom,

> Ja, ungefähr. Wenn Du jeden Tag dran arbeitest. Und die Wochenenden
> auch ...

nein, nebenher wie bisher. Bei einigen Arbeiten muß halt ein Bagger
her, kostet 40 Euronen die Stunde - und täglich 2 Päckchen
Kippen für den Baggerfahrer, der ein wahrer Virtuose ist :-)

> Also, ich könnte mich da ja schon etwas zurückhalten. Aber so ein
> kleiens Häuschen darfs schon sein. Für mich aber bitte in Italien! Es
> muß auch nicht wirklich intakt sein, aber ein oder zwei bewohnbare
> Räume sollte es schon haben.

Nun ja, Italien soll jetzt ja wieder billiger geworden sein. Was ich
gehört hatte, von jemandem der dort lange suchte, waren so
75.000 Euronen für ein kleines Haus (der hats dann aufgegeben
und in Frankreich was gekauft, riesig, direkt am Wald, 120.000 FF,
renoviert seit 3 Jahren Vollzeit daran). Man darf einfach nicht
unterschätzen, was man sich da aufhalst. Das ist einfach arg viel
Arbeit, d.h. man muß es mögen, sonst wird man nicht glücklich
damit (alternativ vieeeeeel Geld haben :-) ).

Kenn mich selber da aber nicht aus (Italien), wäre mir zu weit zum
Fahren ... für meinen Geschmack sollte man am Wochenende
hinfahren können ... sonst wird es nie fertig :-)

Gruß

Tobias