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Pfusch am Bau? Bitte einen Rat

Pfusch am Bau? Bitte einen Rat

wolfgang petersen -spam-@compuserv.de (Wolfgang Petersen)
2003-09-29 06:06:54

Hallo allerseits,
wir haben ein Problem und hoffen, daß jemand von Euch
mit etwas Fachkenntnis etwas dazu sagen kann:

Bei einem 2-geschossigen Mehrfamilienhaus wurde wegen
der aufwendigen Wartung auf das vorhandene Flachdach
ein Walmdach aufgesetzt. Dabei ist unserer Meinung nach
in einem Punkt extrem gepfuscht worden:
Die Abluft-Zuege aus Bad und Kueche wurden ehemals
getrennt auf das Dach gefuehrt und dort hatte jedes der
Rohre (~120) freien Zugang zur Außenluft. Darueber befand
sich der uebliche Regenschutz.

Dem Bauunternehmer, der die Arbeit ausgefuehrt hat, sind
diese "merkwuerdigen" Rohre wohl erst ganz zum Schluß
aufgefallen und er hat dann jeweils 4 Rohre (je 2 EG und 1.OG)
zusammengefuehrt und so - aus 4 mach 1- ein etwa 4 m langes
einzelnes Rohr nach oben zu dem neuen Auslaß gefuehrt.

Seit dem die Arbeiten beendet sind, haben wir uns in unregel-
mäßigen Abständen über einen ekligen Geruch im Badezimmer
geärgert (riecht wie Jauche) und in der Wohnung roch es oft
stark nach Essen, obwohl wir nicht gekocht hatten.
Geärgert, geärgert, geärgert..
Dann bin ich mal auf den neuen "Dachboden" geklettert und habe
die Bescherung gesehn.

Ein Bekannter, der im Heizungs-/Lüftungsbereich tätig ist, sagte,
so etwas sei nicht zulässig laut irgendwelcher Bauvorschriften
und er sagte, kein Handwerker dürfe so etwas abliefern.
Zu dem Geruch im Bad sagte er, daß es durch den verengten
Querschnitt und bei bestimmten Druckverhältnissen dazu kommen
kann, daß die Syphons im Waschbecken oder der Badewanne
leergesaugt werden koennen, wenn z.B. durch den kurzzeitigen
aber starken Unterdruck bei Betätigen der WC-Spülung im Abwasser-
system sich der entsprechende Unterdruck aufbauen kann.

Der Bauunternehmer wiegelt ab und sagt, eine Nachbesserung
komme aus Kostengründen nicht in Frage und damit könne man
leben.
Jaja, der lebt ja auch nicht mit dem Gestank :-(

Kann jemand von Euch einmal Stellung nehmen, wie da die
(bau-)rechtliche Lage ist?

Leider werden die Schächte nicht fuer eine Feuerung benutzt,
sonst haetten wir den Bezirksschornsteinfeger auf unserer Seite...

Schon mal Entschuldigung fuer so eine profane Frage, ioch hoffe,
Ihr fuehlt Euch nicht auf den Schlips getreten

Wolfgang und Annika


Pfusch am Bau? Bitte einen Rat

"Peter Hellinger"
2003-09-29 09:12:12

"Wolfgang Petersen" schrieb:

> Dem Bauunternehmer, der die Arbeit ausgefuehrt hat, sind
> diese "merkwuerdigen" Rohre wohl erst ganz zum Schluß
> aufgefallen und er hat dann jeweils 4 Rohre (je 2 EG und 1.OG)
> zusammengefuehrt und so - aus 4 mach 1- ein etwa 4 m langes
> einzelnes Rohr nach oben zu dem neuen Auslaß gefuehrt.

Grundsätzlich kann man das so machen, wenn...

> Seit dem die Arbeiten beendet sind, haben wir uns in unregel-
> mäßigen Abständen über einen ekligen Geruch im Badezimmer
> geärgert (riecht wie Jauche) und in der Wohnung roch es oft
> stark nach Essen, obwohl wir nicht gekocht hatten.

Das deutet ganz darauf hin, das hier ZWEI verschiedene Systeme mit einander
gekoppelt wurden, die nicht gekoppelt werden dürfen. Zum Einen die Abwasser
Be- und Entlüftungsleitung und zum Zweiten die Raum-Abluft, aus mindestens
einer Küche. Dazu müsste man aber den Aufbau besser kennen.

Die Abwasserleitungen kann er koppeln, wenn er sich an die DIN EN 12056 und
die DIN 1986-100 hält.

Die Abluftleitungen darf er koppeln, wenn er duch Klappen sicherstellt, das
ein Raum nicht seine Luft in den anderen Raum abgeben kann (DIN 1946).

Was er keinesfalls koppeln darf ist die Abluftleitung und die
Abwasserleitung! Das ist ein schwerer Fehler, entgegen jeder Vorschrift, und
den muss er auf alle Fälle korrigieren.

> Zu dem Geruch im Bad sagte er, daß es durch den verengten
> Querschnitt und bei bestimmten Druckverhältnissen dazu kommen
> kann, daß die Syphons im Waschbecken oder der Badewanne
> leergesaugt werden koennen, wenn z.B. durch den kurzzeitigen
> aber starken Unterdruck bei Betätigen der WC-Spülung im Abwasser-
> system sich der entsprechende Unterdruck aufbauen kann.

Damit Wasser ablaufen kann, muss Luft nachströmen können. Die DIN sagt,
mindeststen eine Dimension grösser als das grösste Rohr das
zusammengeschlossen wird. 2x DN 100 ergibt also mindestens DN 125. wenn es
mehr Rohre sind gibts ne Formel dazu. Wenn nun Wasser abläuft muss Luft
nachströmen, damit der Unterdruck im Rohr, der die Sifons leersaugen kann,
erst gar nicht entseht.

Wenn nicht genügend Luft durch das Be- und Entlüftungsrohr nachströmt, wird
sie eben woanders angesaugt, entweder aus einem Sifon (vorzugsweise
Badewanne, weil dort die Wasservorlage am geringsten ist) dann stinkts nach
Kanalgasen oder eben aus einem Abluftrohr der Küchenabluft, dann riechts
nach Essen...

> Der Bauunternehmer wiegelt ab und sagt, eine Nachbesserung
> komme aus Kostengründen nicht in Frage und damit könne man
> leben.

Das ist ja wohl die dümmste Ausrede: Kostengründe. Er hat gepfuscht und Ihr
hab das Recht auf eine saubere Arbeit. Wieviel Kosten IHM entstehen - ihr
müsst das ja nicht zahlen - kann euch egal sein, ER hat den Fehler gemacht.

> Kann jemand von Euch einmal Stellung nehmen, wie da die
> (bau-)rechtliche Lage ist?

Wurde ein Sicherheitseinbehalt von der Schlussrechnung gemacht (üblich wären
5%), oder habt ihr eine Gewähleisstungsbürgschaft, wenn 100% ausbezahlt
wurde? Dann hast du ihn schon mal bei den Eiern, weil du ihn damit
hervorragend unter Druck setzten kannst.

Such dir ein ortsansässiges Ingenieurbüro für Haustechnik und lass dir ein
Gutachten erstellen. Das kostet ein paar Euro (die verrechnen bei sowas
entweder eine Pauschale oder den tatsächlichen Aufwand für Ortsbesichtigung
und Schreibarbeiten), und damit gehst du zum Bauunternehmer und setzt ihm
die Pistole auf die Brust: Entweder behebt er das DIN-Gerecht auf seine
Kosten (eventuell den Ingenieur nochmal zur Abnahme bitten) oder du
beauftragst eine andere Firma und bezahlst die aus dem (hoffentlich
vorhandenen) Sicherheitseinbehalt/Bürgschaft. Wenn kein Einbehalt/Bürgschaft
dann drohst du ihm mit dem Kadi, dann zahlt er zusätzlich zu den Arbeiten
auch noch Gutachter, Anwalt und Gericht.
Die Kosten für das Gutachten des IBs kannst du übrigens auch vom
Sicherheitseinbehalt abziehen.

Helli


Pfusch am Bau? Bitte einen Rat

wolfgang petersen -spam-@compuserv.de (Wolfgang Petersen)
2003-09-29 09:26:08

Hallo Helli!

Danke schon vorab fuer Deine schnelle und umfassende Antwort.

On Mon, 29 Sep 2003 09:12:12 +0200, "Peter Hellinger" wrote:

>Das deutet ganz darauf hin, das hier ZWEI verschiedene Systeme mit einander
>gekoppelt wurden, die nicht gekoppelt werden dürfen. Zum Einen die Abwasser
>Be- und Entlüftungsleitung und zum Zweiten die Raum-Abluft, aus mindestens
>einer Küche. Dazu müsste man aber den Aufbau besser kennen.

Auf jeden Fall sind vom EG und OG alle vorhandenen 4 Rohre verkoppelt.
Zur Erlaeuterung:
Einlass in der Kueche ca 200 mm unter UK Decke
Einlass in dem Bad ca 100 mm unter " "
Von dort aus geschaetzt Deckenhoehe ?250mm + Ueberstand Rohrenden ?300mm
(Fuer das EG jeweils die ?2,80m normale Raumhoehe dazu.)
An den Rohrenden hat er dann mit drei Y-Stuecken den Uebergang zu dem
ca 3..4 m langen Rohr zum Dach gebaut.
Kuechenwand = Badezimmerwand, im Bad ist die Wand ~30cm vorversetzt,
darin wohl die Rohre.
Ob es eine Abwasserbe-/entlueftung gibt, kann ich nicht beurteilen, ich
dachte immer, im Bad waere nur ein normaler Kamin nach oben. Oder ist
so eine Lueftung Stand der Technik?

Rueckschlagklappen wurden in den Wohnungen (an den Einlaessen) definitiv
nicht angebracht und auch bei dem Schlangennest oben sieht es mir nicht
danach aus.


>Wenn nicht genügend Luft durch das Be- und Entlüftungsrohr nachströmt, wird
>sie eben woanders angesaugt, entweder aus einem Sifon (vorzugsweise
>Badewanne, weil dort die Wasservorlage am geringsten ist) dann stinkts nach
>Kanalgasen oder eben aus einem Abluftrohr der Küchenabluft, dann riechts
>nach Essen...
Da wuerden aber auch Rueckschlagklappen in den Kanaelen nicht helfen, oder?
Der Bekannte aus der H+L-Btranche sagte, es gibt fuer Syphons Einbauteile,
die das Leerlaufen verhindern sollen. Kannst Du oder jemand anderer etwas
dazu sagen, ob so etwas ordentlich funktioniert?

Stimmt uebrigens, manchmal riecht es auch im Bad nach Essen. Ist aber nicht
so stoerend wie die beiden anderen Punkte, deswegen hatte ich vergessen,
es zu schreiben.


>Das ist ja wohl die dümmste Ausrede: Kostengründe. Er hat gepfuscht und Ihr
>hab das Recht auf eine saubere Arbeit. Wieviel Kosten IHM entstehen - ihr
>müsst das ja nicht zahlen - kann euch egal sein, ER hat den Fehler gemacht.

Hier faengt das Problem an:
Folgende Vermutungen von mir:
- einen Architekten oder Bauleiter im fachlichen Sinne gab es nicht
- ausreichende Planung auch nicht, wär ja auch nicht so schlimm,
wenn sie es denn jedenfalls "operativ" korrekt geloest haetten

Die Erschwernis ist folgendes:
Es handelt sich um Eigentumswohnungen und darum gibt es einen Haus-
verwalter. Den habe ich sehr im Verdacht, dass er mit mehreren in
seiner Gemeinde ansaessigen Unternehmen aus der Baubranche ein kleines
"Natzwerk" aufbaut. Naja, man hilft sich eben, bedenkt sich gegenseitig
mit Auftraegen usw.. Eine Hand waescht die andere sagt der Volksmund.
Da tut man sich vielleicht nicht gern weh. Das deutete sich schon an,
als er den Firmen bei der Terminueberschreitung nicht Beine machte.


>[Sicherheitseinbehalt]
Ueber den Verwalter sind die Zahlungen gelaufen. Ich glaube nicht,
dass Geld zurueckgehalten wurde. Er wird uns wahrscheinlich alles
andere als unterstuetzen, argwoehne ich...

Nebenbei gesagt: Irgendwas kam mir an anderer Stelle schon merk-
wuerdig vor. Die Arbeiten zogen sich ueber Wochen ohne Aktion hin.
Montags bis Freitags 14Uhr Ruhe am Bau. 14Uhr kamen 2 bis 4 Mann bis
17Uhr. Am Samstag Vormittag troepfelten auch mal welche herein.
Ich komm einfach nicht drauf, mir liegt ein Wort auf der Zunge...
Schwarzbrot? Nein, aber wohl so aehnlich.


Ein Nachbar sagte mir, dass fuer den Bau ein Mitarbeiter des Bauamtes zu-
staendig war.
Meinst Du, dass es helfen koennte, den mal auf das Thema anzusprechen?
Es geht doch auch hierbei um Bauvorschriften. Einen Gutachter aus eigener
Tasche zu bezahlen, faellt mir nicht ganz leicht, weil ich nicht weiss,
ob ich wegen des Verwalters schliesslich darauf sitzen bleibe, bzw. der mir
dann die Kosten irgendwie hintenherum aufdrueckt.


Ist denkbar, dass mal Faulgase in genuegend hoher Konzentration in den
Kuechenkanal stroemen und es eine Verpuffung gibt, wenn jemand seine ausge-
leierte Dunstabzugshaube einschaltet?
Vor ein paar Wochen dachte ich schon, dass mal sowas passiert waere. Hatte
mich aufs Ohr gelegt, wurde wach: beissender Qualm im Raum. Ich bekam kaum
Luft, mir traenten die Augen, habe sofort alle Fenster aufgerissen. Es hat
wohl zum Glueck nur die alte Omi in der Wohnung unter uns etwas ganz schwer
anbrennen lassen. Habe ihr nichts gesagt. Sie ist nett und ich will sie mit
ihren >80 Jahren nicht beunruhigen.


Mir ist auch nicht wohl bei dem Gedanken, dass die Feuchtigkeit aus dem
Bad viel schwerer abzieht als frueher. Vor dem Umbau war nach dem Duschen
alles viel frueher trocken als jetzt. Geht der ganze Sumpf nun in die
Wohnung?
Ich weiss nicht, ob es damit zusammenhaengt, kann ja auch Zufall sein.
Der Bau war letztes Jahr im Spaetherbst abgeschlossen (Dauer >3 Monate statt
angesagten 4 bis 6 Wochen)
Im Winter hat sich innen an einem Fenster in dem neben dem Bad liegenden
Zimmer seitlich zwischen Rahmen und Zarge Eis gebildet und zwar ganz massiv,
etwa 2 cm dick. Das Fenster hat zwar noch nie besonders toll geschlossen,
aber sowas gab es all die Jahre vorher noch nicht. Die Tapete daneben ist
nun schimmelig. Habe noch nichts gemacht, es kommt evtl. ein neues Fenster.



Herzliche Gruesse und vielen Dank, man steht ja immer ziemlich dumm da,
wenn man zwar weiss, dass etwas nicht ok ist, aber eben nicht fachlich
argumentieren kann.

Wolfgang


Nachtrag:
Gehoeren Art und Montage der Rohre und der "Auslasshutzen" (wie ist der
Fachausdruck dafuer?) auf dem Dach nicht in die Bauzeichnung?

Was macht es dem Bauunternehmer so teuer, dass er sich so auf
die Hinterbeine stellt? Die 5 Auslasshutzen, die (5*4*4) Meter
Rohr, oder dass er eventuell einen Kran braucht?

Hoffe, mit dem Vielschrieb nicht genervt zu haben, aber mein Friseur hoert
zwar zu, hat jedoch selber keine Ahnung :-))


Pfusch am Bau? Bitte einen Rat

"Peter Hellinger"
2003-09-29 12:39:40

"Wolfgang Petersen" schrieb:

> Auf jeden Fall sind vom EG und OG alle vorhandenen 4 Rohre verkoppelt.
> Zur Erlaeuterung:

Ohne Klappen dazwischen ist das meines Erachtens ein Fehler, der auch gegen
jede Brandschutzvorschrift verstösst (Rauchübertragung zwischen den
Wohnungen). Ist denn oben drauf ein zentraler Abluftventilator montiert,
oder hat jede Wohnung einen eigenen Ventilator (hört man im Bad, wenn man
das Licht einschaltet)?

> Ob es eine Abwasserbe-/entlueftung gibt, kann ich nicht beurteilen, ich
> dachte immer, im Bad waere nur ein normaler Kamin nach oben. Oder ist
> so eine Lueftung Stand der Technik?

Da es vorher funktionierte, gabs eine richtige Entlüftung. Wenn jedoch nur
eine der Abwasserleitungen an die Abluft angeschlossen ist, dann verbreitet
sich warme Kanalgase die aus dem Abwassersystem in der Strasse aufsteigen,
unter Umständen stark Methanhaltig, und deshalb auch Probleme mit
Explosionsschutz, wenn die Konzentration stimmt.

> Da wuerden aber auch Rueckschlagklappen in den Kanaelen nicht helfen,
oder?

Da dürfen auch keine sein. Deshalb sind beide Systeme auch zu trennen.

> Der Bekannte aus der H+L-Btranche sagte, es gibt fuer Syphons Einbauteile,
> die das Leerlaufen verhindern sollen. Kannst Du oder jemand anderer etwas
> dazu sagen, ob so etwas ordentlich funktioniert?

Nicht das ich wüsste. Sifon sollen ja Wasser durchlassen. Was es gibt sind
sogenannte Belüftungsventile (Fabr. Durgo) die direkt auf das Abwasserrohr
aufgesetzt werden. Die öffnen bei Unterdruck und lassen Luft in das System
einströmen. Wenn die aber die beiden Systeme gekoppelt haben, was ich
vermute, dann hilft das überhaupt nichts.

> - einen Architekten oder Bauleiter im fachlichen Sinne gab es nicht
> - ausreichende Planung auch nicht, wär ja auch nicht so schlimm,
> wenn sie es denn jedenfalls "operativ" korrekt geloest haetten

> Da tut man sich vielleicht nicht gern weh. Das deutete sich schon an,
> als er den Firmen bei der Terminueberschreitung nicht Beine machte.

Tja, wie man immer wieder feststellt, wird an der falschen Stelle gespart,
kein Architekt, kein Haustechniker. Wir haben in letzter Zeit viele Fälle
wo uns (Mittelständisches IB) Hausbesitzer oder Eigentümergemeinschaften
wegen Pfusch kontaktieren, Tendenz steigend. Auf dem Baumarkt ist eben ein
gewaltiger Preisdruck und durch die schlechte Auftragslage wird eben oft auf
echte Fachleute verzichtet bei den Firmen.


> Ueber den Verwalter sind die Zahlungen gelaufen. Ich glaube nicht,
> dass Geld zurueckgehalten wurde. Er wird uns wahrscheinlich alles
> andere als unterstuetzen, argwoehne ich...

Die Eigentümergemeinschaft kann ihn doch feuern, geschädigt seid ihr ja
alle, nicht nur du.

> Schwarzbrot? Nein, aber wohl so aehnlich.

Letzte Woche hatte wir Besuch von Freunden aus USA, wir waren etwas bummeln
am Samstag, und sind in einer netten Bar versumpft. Als wir die drei gegen
zwei Uhr Morgens zum Hotel zurückbrachten, kamen wir einen Laden vorbei in
dem doch tatsächlich bei voller Beleuchtung die Maler am Werkeln waren...
Dieses Wort mit "Schwarz" am Anfang fiel mir auch spontan ein...

> Meinst Du, dass es helfen koennte, den mal auf das Thema anzusprechen?
> Es geht doch auch hierbei um Bauvorschriften.

Den wird die Haustechnik nicht besonders interessieren.

> Einen Gutachter aus eigener Tasche zu bezahlen, faellt mir nicht ganz
leicht,
> weil ich nicht weiss, ob ich wegen des Verwalters schliesslich darauf
sitzen bleibe,
> bzw. der mir dann die Kosten irgendwie hintenherum aufdrueckt.

Naja, ich denke mit 200 bis 300 Euro müsstest du schon einen Ingenieur
finden, der seinen fachlichen Senf dazugibt. Der kann zumindest die
Geschichte besser beurteilen als ich vom Schreibtisch aus.

> Ist denkbar, dass mal Faulgase in genuegend hoher Konzentration in den
> Kuechenkanal stroemen und es eine Verpuffung gibt, wenn jemand seine
ausge-
> leierte Dunstabzugshaube einschaltet?

Möglich, aber unwahrscheinlich. Trotzdem werden elektrische Einbauteile für
Abwasseranlagen mit Fäkalienhaltigen Wässern gewöhnlich mit Explosionsschutz
ausgestattet.

> Vor ein paar Wochen dachte ich schon, dass mal sowas passiert waere. Hatte
> mich aufs Ohr gelegt, wurde wach: beissender Qualm im Raum. Ich bekam kaum
> Luft, mir traenten die Augen, habe sofort alle Fenster aufgerissen. Es hat
> wohl zum Glueck nur die alte Omi in der Wohnung unter uns etwas ganz
schwer
> anbrennen lassen. Habe ihr nichts gesagt. Sie ist nett und ich will sie
mit
> ihren >80 Jahren nicht beunruhigen.

Auch wieder ein Hinweis, das hier ein katastrophaler Fehler vorliegt. Die
Leitungen dürfen einfach nicht gekoppelt werden!!!

> Geht der ganze Sumpf nun in die Wohnung?

Da muss wohl ein Bauphysiker was dazu sagen, aber deine Beschreibungen sind
schon höchst bedenklich.

> Gehoeren Art und Montage der Rohre und der "Auslasshutzen" (wie ist der
> Fachausdruck dafuer?) auf dem Dach nicht in die Bauzeichnung?

Bei einer vernünftigen Planung schon.

> Was macht es dem Bauunternehmer so teuer, dass er sich so auf
> die Hinterbeine stellt? Die 5 Auslasshutzen, die (5*4*4) Meter
> Rohr, oder dass er eventuell einen Kran braucht?

Einen Kran braucht er nicht, er braucht einen Installateur, einen
Dachdecker, das Rohr und die Dachdurchdringungen. Alles in allem schätze
ich, sind das nicht mehr als 1000 bis 1500 Euro, die das kosten könnte.

Mein Rat ist immer noch, einen unabhängigen Ingenieur nach einer Beurteilung
zu fragen, einfach nur um den Sachstand klar zu haben.

Helli


Pfusch am Bau? Bitte einen Rat

Sven Schelhorn
2003-09-29 09:23:27

Wolfgang Petersen schrieb:
>
> Schon mal Entschuldigung fuer so eine profane Frage, ioch hoffe,
> Ihr fuehlt Euch nicht auf den Schlips getreten

Iwo, das ist doch eine Sauerei...

Ich sag nur DIN 1985, 1986 und 1990.

Im übrigen wird jeder Fachplaner (Sachverständig!) Dir das schriftlich
geben können, ebenso wie ein Architekt oder Gutachter, wenn es nicht
nach DIN ausgeführt ist.

Denn wenn irgendwo was falsch zu sein scheint, dann wird sich ein
Richter zwangsläufig danach richten müssen.

Also normalerweise habt Ihr Anspruch auf Mängelbeseitigung, wenn noch
nicht alle sbezahlt ist, Geld einbehalten. Wenn doch, erstmal Pech
gehabt.

Geh zum Anwalt und verklage ihn, wenn er sich nicht erweichen läßt und
Du ihn die DIN unter die Nase gerieben hast.

Kurz und schmerzlos erklärst Du ihn, daß dies eine unzumutbare
Belästigung sei und das dies Anhand von Literatur nachvollziehbar ist.
Wenn er nicht einlenkt und die paar Rohre so verzieht, wie sich das
gehört, wird er auch die Prozeß- und Anwaltskosten tragen dürfen oder
gar die Kosten, die entstehen, wenn Du eine zweit Firma zur
"Mängelbeseitigung" beauftragen mußt.

Natürlich machst Du alles schriftlich und weist Ihn draufhin, daß Du
einen guten Rechtsschutz hast...

Vielleicht lenkt er ein.

--
Ciao, SVEN


Pfusch am Bau? Bitte einen Rat

wolfgang petersen -spam-@compuserv.de (Wolfgang Petersen)
2003-09-29 15:38:03

Hallo Helli,

>> Auf jeden Fall sind vom EG und OG alle vorhandenen 4 Rohre verkoppelt.
>Ohne Klappen dazwischen ist das meines Erachtens ein Fehler, der auch gegen
>jede Brandschutzvorschrift verstösst (Rauchübertragung zwischen den

Ist Brandschutz in den DIN 19nn angesprochen?


>Wohnungen). Ist denn oben drauf ein zentraler Abluftventilator montiert,
>oder hat jede Wohnung einen eigenen Ventilator (hört man im Bad, wenn man
>das Licht einschaltet)?

Damals, als ich auf dem Boden nachgesehen habe, war da zu 99,9% nix.
Keine Geraeusche, keine E-Leitungen und per Augenschein zu sehen,
dass nur die Kunsttoffteile ineinandergesteckt und mit Schlauchklemmen
angezogen waren. Und fest eingebaut wohnungsseitig gab es noch nie
etwas. Und auch jetzt istvon der Wohnung aus weder ein dauerlaufender
noch anspringender Luefter zu hoeren. Ich werde noch mal hochklettern.


>>[Abwasserbe-/entlueftung]
>Da es vorher funktionierte, gabs eine richtige Entlüftung. Wenn jedoch nur
>eine der Abwasserleitungen an die Abluft angeschlossen ist, dann verbreitet
>sich warme Kanalgase die aus dem Abwassersystem in der Strasse aufsteigen,
>unter Umständen stark Methanhaltig, und deshalb auch Probleme mit
>Explosionsschutz, wenn die Konzentration stimmt.

Aber dass mindestens eine der Abwasserleitungen angeschlossen ist und
in die Rohre nach oben muendet haeltst Du fuer sicher?
Ist wohl eine bloede Frage, aber ich hab mich damit noch nie beschaeftigt.
Jemand in der Egt-versammlung meinte, dass die Abluftkanaele mit dem
Abwasser nichts zu tun haetten


>>[Syphon-Einsaetze]
>
>Nicht das ich wüsste. Sifon sollen ja Wasser durchlassen. Was es gibt sind
>sogenannte Belüftungsventile (Fabr. Durgo) die direkt auf das Abwasserrohr
>aufgesetzt werden. Die öffnen bei Unterdruck und lassen Luft in das System
>einströmen. Wenn die aber die beiden Systeme gekoppelt haben, was ich
>vermute, dann hilft das überhaupt nichts.

Was meinst Du genau mit die beiden Systeme? Das Kuechen- und das Bad-
Entlueftungssystem? Oder das Abwasserrohrsystem fuer unsere Wohnung und
das fuer die untenliegende?


>... Wir haben in letzter Zeit viele Fälle
>wo uns (Mittelständisches IB) Hausbesitzer oder Eigentümergemeinschaften
>wegen Pfusch kontaktieren, Tendenz steigend. Auf dem Baumarkt ist eben ein
>gewaltiger Preisdruck und durch die schlechte Auftragslage wird eben oft auf
>echte Fachleute verzichtet bei den Firmen.

Der Hausverwalter hat fuer die Baubetreuung einige Tausend Euro bekommen,
3000 oder 6000, bin nicht sicher. Er hat es sich wohl zugetraut.

Fuer den Fall der Faelle: Gutachter woher nehmen? Gelbe Seiten?


>> [Verwalter]
>Die Eigentümergemeinschaft kann ihn doch feuern, geschädigt seid ihr ja
>alle, nicht nur du.

Der Zug ist abgefahren. Im Mai ist sein Vertrag um 5 Jahre verlaengert
worden. Ich habe meine Kritik vorgetragen und NichtVerlaengerung gefordert,
aber wir waren nur 5 Stimmen gegen >20. Die anderen haben das, was mich
furchtbar genervt hat (Tatenlosigkeit beim Bau), wohl nicht so schwerwiegend

gesehen oder waren nicht in der Lage, innerhalb von wenigen Minuten gedank-
lich umzusteuern.
Dazu kam, dass die Wiederwahl der erste TOP nach der Entlastung war
(ein Schelm, der Boeses dabei denkt). Und ich muss neidvoll anerkennen,
dass er und seine Frau (Firmeninhaberin) ein wirklich perfektes Moderatoren-
bzw. Verkaeufer-Team sind. Alle Achtung. Die koennten den Leuten in der
Sahara Schlauchboote verkaufen. Haben m.M.n. intensiv Verkaufstraining
gemacht.
Ich bin aber phantasielos und haette lieber einen guten Dienstleister als
einen perfekten Verkaeufer fuer mein Geld. :-(((

Das Thema Lueftung kam erst eine Stunde nach der Wiederwahl dran.
Moeglich hier auch, dass der Effekt nicht in allen Wohnungen so stark auf-
tritt, bzw. die Leute (viele sind nur wenige Wochen im Jahr da) es nicht
bemerkt haben. Zwei oder drei aus anderen, entfernten Wohnungen hatten
aber das gleiche bemerkt. Der Gestank im Bad tritt auch vollkommen un-
vorhersehbar auf. Manchmal ist drei Wochen Ruhe, dann stinkt es wieder
zwei Tage hintereinander ganz eklig. Vielleicht Windrichtung oder Luftdruck
mit im Spiel?


>> [Bauamt]
>Den wird die Haustechnik nicht besonders interessieren.
Aber in diesem Fall steckt in der Haustechnik ja auch ein Sicherheitsaspekt.
Ich werde noch mal in mich gehen.


>Naja, ich denke mit 200 bis 300 Euro müsstest du schon einen Ingenieur
>finden, der seinen fachlichen Senf dazugibt. Der kann zumindest die
>Geschichte besser beurteilen als ich vom Schreibtisch aus.
Bin selber einer :-) Leider fuer Mess-/Nachr./Regelungstechnik.
Zum Glueck aber mit ordentlicher Mechanik-Lehre und +Bastler :)))))


>> Gehoeren Art und Montage der Rohre und der "Auslasshutzen" (wie ist der
>> Fachausdruck dafuer?) auf dem Dach nicht in die Bauzeichnung?
>
>Bei einer vernünftigen Planung schon.

Ist das nicht Voraussetzung, wenn das Bauamt eingeschaltet wird?
Es wird immer so viel ueber Pingeligkeit geredet/gemeckert.


>Einen Kran braucht er nicht, er braucht einen Installateur, einen
>Dachdecker, das Rohr und die Dachdurchdringungen. Alles in allem schätze
>ich, sind das nicht mehr als 1000 bis 1500 Euro, die das kosten könnte.

Laesst sich die Dachdurchdringung von innen herausnehmen?


Danke fuer die tolle Unterstuetzung und viele Gruesse
Wolfgang


Pfusch am Bau? Bitte einen Rat

wolfgang petersen -spam-@compuserv.de (Wolfgang Petersen)
2003-09-30 06:09:41

Hallo Helli,

On Mon, 29 Sep 2003 20:02:32 +0200, "Peter Hellinger" wrote:
>>[keine Luefter auf dem Dach]
>
>Die Abluftanlage kann so nicht funktionieren. Da Wohnungseitig nur Gitter
>sind und offenbar jede Wohnung ihre eigene Leitung hatte müssten auf dem
>Dach Ventilatoren gewesen sein. Die sind offenbar im Zuge der "Sanierung"
>abgebaut worden.

In dem Punkt ist der Bauunternehmer unschuldig, denn auch im Originalzustand
waren auf dem Dach keine Lüfter vorhanden. Ich bin vor dem Umbau mal oben
gewesen (es hatte nach einem extremen Regen eine Ueberschwemmung auf
dem Dach gegeben und das Wasser schwappte auf allen unmoeglichen Wegen
vom Dach herunter, da musste ich mal nachsehen). Die jeweils vier Lüftungs-
rohre pro "Torten-Scheibe" des Hauses schauten einfach so nach oben.
Darueber nur eine ca 50x50 cm2 grosse Abdeckung gegen direkten Regenein-
fall. Die Lueftungswirkung war durch den normalen Windzug gegeben.
Mag gut sein, dass zusaetzliche Luefter die Wohnungsentlueftung verbessert
haetten, aber da man nichts anderes gewohnt war, fiel auch nichts unangenehm
auf.
Und gegen die Daempfe und Gerueche beim Kochen hat ja jeder eine Dunst-
abzugshaube, die entsprechend nachhilft.

>> Fuer den Fall der Faelle: Gutachter woher nehmen? Gelbe Seiten?
>
>Einfach ein Ingenieurbüro für Haustechnik/Gebäudetechnik aus den Gelben
>Seiten suchen und fragen, was eine Ortsbesichtigung und Fachliche
>Beurteilung der Anlage kosten würde. Wir verrechnen sowas nach Zeitaufwand,
>also etwa 2 bis 3 Stunden mit ca. 100 Euro/Std. Wenn es im
>Mittelfränkischen Bereich ist, stehen wir sicher gerne zur Verfügung.

Angesichts Deiner Hilfsbereitschaft wuerde ich gerne darauf zurueckkommen,
aber wir sind gaaanz weit weg, genau gesagt in Schleswig-Holstein, wenige
hundert Meter von der Ostsee entfernt. Fuer Dich eher eine Chance fuer einen
Segelurlaub, als fuer Arbeit. :-)

>> Laesst sich die Dachdurchdringung von innen herausnehmen?
>
>Das kommt drauf an wie das Dach konstuiert wurde. Bei Zeigel denke ich muss
>man von aussen hin.

Dann laeuft es evtl. also doch auf einen Kran hinaus = viele $$$. Oder sind
Dachdecker so artistisch, dass sie oben auf dem Dach herumhangeln?
Dann brauchen sie ja einen besonders guten Schutzengel.


>Helli (bin jetzt ein paar Tage weg, also nicht über fehlende Kommentare
>wundern)

Du hast mich erst mal auf die richtige Spur gesetzt, ich werde in den
naechsten Tagen mal berichten, was bei der Besprechung herausge-
kommen ist.

Viele Gruesse

Wolfgang