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Re: Wie Landschaftsarchitektur betreiben? / 5

Re: Wie Landschaftsarchitektur betreiben? / 5

Karl-Ludwig Diehl
2003-07-14 13:19:50

Hallo,

Tobias schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> wie Kant schon sagt, (hab seine genaue Wortwahl nicht mehr im Kopf,
> insbesondere seine etwas verwirrenden Begriffe):
> es gibt keine Vorstellung ohne die damit verbundene (primäre)
>Anschauung
> von Raum und Zeit - d.h. "Landschaft" (Raum (und Zeit)) bedingt sich
> vor dem "Inhalt".

Das Apriori im Idealismus von Kant hat schon viele verwirrt. Die
Alt-Inder haben sich den Urlaut "Aum" geschaffen. Dadurch wird das
Apriori einfacher. Alles entfaltet sich aus diesem Urlaut.
Das Apriori bei Kant ist problematisch. Es empfiehlt sich Husserl und
andere Phaenomenologen zu lesen. Danach lichtet sich der Dschungel von
Kant erheblich.

> Sind wir nicht also Opfer der Landschaft (primär)- mehr also, als deren
> Gestalter?

Opfer?! Landschaft ist Wildnis, wenn eine menschliche "Opfer"haltung
dominiert. Durch Kulturleistung integriert sich der Mensch in die
Wildnis und schafft sich eine geordnete "Natur".
Das, was der Mensch sich bewusst macht, haengt also davon ab, wie er
etwas ansehen will. Arbeitet er aus der "Opfer"haltung heraus, ist Natur
Wildnis. Sieht er sie als seinen geordneten Raum an, denkt er ueber
Kulturschichtungen in der natuerlichen Landschaft nach. Ueberlaesst er
die Natur der Wildnis, gibt er Kulturraum preis. Ein "Zurueck zur Natur"
ist das nicht, sondern er opfert geordnete Natur dem "Chaos".

> Bedingt nicht die Unmöglichkeit des Denkens ohne Landschaft (primär)
> eine Unmöglichkeit über sie hinaus zu wirken?

Landschaft (primaer) ist immer menschlicher Lebensraum. Schon der
Prozess des Anschauens von Naturraum wandelt ihn um in menschlichen
Lebensraum. Darin steckt bereits der Erfindungsprozess von Landschaft
fuer den Menschen. Diese "invention" ist es ja gerade, was staendig zur
"Beherrschung" der Natur fuehrt.

> Bildest Du Dir nicht nur ein, Dich über die primäre Grundlage Deines
>Denkens
> erheben zu können?

Nein. Der Bewusstseinsstrom, der staendig fliesst, den wir beobachten
und mit dem wir arbeiten, ist die stete und primaere Grundlage aller
unserer Aktivitaeten in und mit Landschaft. Das Kantsche Apriori taugt
wenig, um den stetigen Arbeitsprozess mit dem Bewusstseinsstrom zu
verstehen. Phaenomenologie zu studieren, hilft hier wesentlich weiter,
um die grundlegenden Denkprozesse zu verstehen.

> Landschaft, Natur, Biosphäre - alles nur Schlagworte für das, was
>niemand
> begreift noch versteht. Was bildest Du Dir ein, Dich über das zu
>erheben
> zu können, aus dem Du hevorgegangen bist - und ohne das Du nicht sein
> könntest?

Die Sache verhaelt sich wesentlich einfacher und sinnvoller als wie Du
sie vortraegst.

> Wie weit, denkst Du, reicht die Macht des Menschen?
> Dies nur, um auch zur Verwirrung beitragen zu dürfen :-)

Deine Verwirrung ist nicht meine... ;-)

Ich war gerade auf einer schoenen Reise durch Frankreich, Italien und
die Schweiz. Seit einigen Tagen habe ich eine kleine Wohnung in New
York. Das erforderte etwas Zeitaufwand. Deshalb erst jetzt die Antwort.

Gruesse
K.L.Diehl

Gruesse
--
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Re: Wie Landschaftsarchitektur betreiben? / 5

"Tobias"
2003-07-14 14:51:57

Hi Karl-Ludwig,


> Deine Verwirrung ist nicht meine... ;-)

Das kann ich so stehen lassen :-)


>Ich war gerade auf einer schoenen Reise durch Frankreich, Italien und
>die Schweiz.

Tja, das kann nie schaden :-)

>Seit einigen Tagen habe ich eine kleine Wohnung in New
>York. Das erforderte etwas Zeitaufwand. Deshalb erst jetzt die Antwort.

Na, dann berichte mal, was du dort so treibst.
Würde mich wirklich interessieren ...

Gruß

Tobias