Bei Spon und Focus u.a. war ja schon zu lesen, dass Experten vom
Wiederaufbau der Stadt abraten.
Wie ist die Fachmeinung?
M.E. dürfte auch die Standsicherheit der Hochhäuser gefährdet
sein, da
das Wasser wohl noch Monate stehen bleiben und den Boden, der eh schon
immer schwammig war, dadurch ziemlich aufweichen wird.
Zudem werden Hausschwamm und Konsorten Schlaraffenlandzeiten
vorhergesagt.
Was die Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung angeht, bin ich
ziemlich
erschüttert :-(.
Gruß Thilo
--
Solingen, Bilder von Symphyse bei Buchen,
Bambusattacke, Mammutstoßzahn
http://home.wtal.de/Th Herrmann/index.html
Architektur
New Orleans
New Orleans
Hallo, Thilo Herrmann
> Bei Spon und Focus u.a. war ja schon zu lesen, dass Experten vom
> Wiederaufbau der Stadt abraten.
>
> Wie ist die Fachmeinung?
Keine. Die Stadt woanders aufbauen geht nicht.
An Ort und Stelle wieder aufbauen geht etwas besser, aber eigentlich
auch nicht.
So weit sinngemäß die Aussage eines Stadtplaners bei NTV.
Naja. Da hätte man auch ohne Studium drauf kommen können...
> M.E. dürfte auch die Standsicherheit der Hochhäuser
gefährdet sein, da
> das Wasser wohl noch Monate stehen bleiben und den Boden, der eh schon
> immer schwammig war, dadurch ziemlich aufweichen wird.
Da kann man nur vage hoffen, daß sich der Kram möglichst
gleichmäßig setzt.
Ich sehe eher die Gefahr der Unterspülung der Fundamente durch die enorme
Wucht der Wellen.
> Zudem werden Hausschwamm und Konsorten Schlaraffenlandzeiten
> vorhergesagt.
Haben wir beim Augusthochwasser auch zunächst gedacht. Ganz so schlimm
war es im Endeffekt dann doch nicht. Selbst Häuser, von denen nun noch der
First aus dem "Wasser" ragte, waren ein paar Monate später
wieder bewohnt.
Entegen aller Therorie ging es irgendwie.
> Was die Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung angeht, bin ich
ziemlich
> erschüttert :-(.
Ja. Vor allem, daß die Obrigkeit bei solchen Dingen immer erst mal ein
paar
Tage braucht, um überhaupt zu reagieren.
Ist mir schon klar, daß man sowas nicht aus dem Stand wuppen kann.
Ich habe selbst damals bei der Flutschadensbeseitigung mitgemacht. Im Grunde
genommen ist dabei in den ersten Tagen sachlich nicht viel dabei
herumgekommen.
Allerdings gab die sofortige Hilfe den Menschen zumindest moralische
Unterstützung
und Zuversicht, überhaupt weiterzumachen. Wer das nicht miterlebt hat,
kann das
wahrscheinlich nicht hoch genug einschätzen.
Deswegen finde ich es entsetzlich, wie dieser Bush sich verhält. Der
hätte sofort
den Arsch hochkriegen müssen und auch mal denen die Hand geben
müssen, die
richtig in der Scheiße sitzen. Statt dessen verpennt er erst alles auf
seiner Ranch
und kurvt dann auch noch sinnlos mit seinem Flugzeug herum.
Auch die Sache mit den kampferprobten Soldaten, die auf die eigenen Leute
schießen sollen, finde ich ziemlich behämmert.
Ob die Leute sich nun im Supermarkt ihr Essen so rausholen oder ob es da
drin
vergammelt, ist doch völlig egal.
Allerdings spiegeln sich in der chaotischen Lage auch lange verschleppte
soziale
Mißstände in der Bevölkerung wieder. Wie sich manche Leute dort
aufführen, ist
mir unbegreiflich.
--
Jürgen
New Orleans
Thilo Herrmann posted:
>M.E. dürfte auch die Standsicherheit der Hochhäuser
gefährdet sein, da
>das Wasser wohl noch Monate stehen bleiben und den Boden, der eh schon
>immer schwammig war, dadurch ziemlich aufweichen wird.
>Zudem werden Hausschwamm und Konsorten Schlaraffenlandzeiten
>vorhergesagt.
Bei den Hochhäusern gehe ich davon aus, daß die auf Pfählen
stehen, bzw.
der Baugrund bei den mittelhohen Gebäuden von Sohlplatten hinreichend
geschützt ist.
Die Holzhäuser kann man aber vergessen. Da wird wohl nichts zu retten
sein.
> Was die Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung angeht, bin ich
ziemlich
> erschüttert :-(.
Was hast du erwartet? USA hat 3.-Welt-Niveau. Bloß haben die das noch
nicht begriffen.
Gruss, Werner
--
Morver, der Rollstuhl fuer kranke Windows-Newsreader und fuer OE.
Aktuelle Version 1.0.305: http://www.morver.de/
New Orleans
Thilo Herrmann wrote:
>
> Was die Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung angeht, bin ich
ziemlich
> erschüttert :-(.
Aber wundern tut es mich nicht. Es ist doch für die weißen
Südstaatler
eine gute Gelegenheit, es ihren ehemaligen Sklaven heimzuzahlen...
Grüße
Harald, sich über nichts mehr wundernd
New Orleans
Hallo, Alice Müller
> Klar, die Grundstücke gehören schließlich irgendjemanden.
Da kann man
> nicht einfach so daneben eine neue Stadt aufbauen.
>
> Wie wärs mit einer Stadt auf Pfählen? So wie Venedig?
Dass würde nicht wirklich was nützen. Die Fundamente werden schon
irgendwie halten. Der Mensch braucht aber nicht nur standsichere Fundamente,
sondern vielmehr eine funktionierende Wasserver- und entsorgung.
In zweiter Linie dann die weitere Infrastruktur.
Ich gehe aber trotz allem davon aus, daß die Stadt wieder mehr oder
weniger aufgebaut wird. Etwas anderes ist doch objektiv nicht vorstellbar.
Immerhin dürften Wassergrundstücke dann günstig zu haben sein.
> Andererseits ist in den USA ja alles dezentralisiert und alle selbst
> für sich verantwortlich. Da wartet man erst, bis auf lokaler oder
> regionaler Ebene sich etwas tut, bevor übergeordnete Stellen aktiv
> werden.
Wenn wir so weitermachen und unser Gesundheitssystem, unsere
Strom- und Wasserversorgung weiter privatisieren wird uns bald
ähnliches passieren können.
> Was erwartet man denn von einem Land, wo alle bis auf die Zähne
> bewaffnet sind?
Extrem abgelegene Gebiete mal ausgenommen, habe ich noch nie
begriffen, was das soll.
> Wo die Kriminalität Ausmaße hat, die bei uns
> unverständlich sind. Wo es kaum soziale Netze gibt. Wo jeder auf sich
> selbst angewiesen ist. Wo der Einzelne auch so erzogen wird, daß er
> sich nur um seinen eigenen Kram zu kümmern hat.
Wenn jeder immer nur an sich denkt, ist an alle gedacht :-)
> Der einzige Anker in dieser Gesellschaft ist die Stars and Stripes
> Fahne. Wenn die nicht alle paar Minuten geschwenkt wird zerfällt
> dieses Gebilde doch. Ebenso zerfällt dieses Gebilde, wenn es ihnen
> nicht mehr so gut geht.
Ich war damals beim Augusthochwasser dabei und kann mich in die
deprimierende Lage der Menschen hineinversetzen. Im Krieg schießen
die auch mal daneben, da gibt es [manchmal] noch gewisse Rückzugs-
möglichkeiten. Das Wasser aber deckt kompromißlos alles
buchstäblich
mit Scheiße zu. Nach ein paar Tagen drehen da selbst gefestigte
Persönlichkeiten am Rad
Allerdings habe ich damals eine nie gekannte Solidarität zwischen
völlig
fremden Menschen gesehen. Alle Wertsachen der ganzen Stadt lagen
völlig ungeschützt da und es war auch keine Polizei da, die die
Menschen
vor sich selbst schützen mußte.
Mir ist nicht bekannt, daß dort jemand beklaut oder gar vergewaltigt
worden
wäre. Ich entsinne mich aber, daß ein Qualitätsmensch bei einem
OBI
Baumarkt in der Nähe den Arsch in der Hose hatte, innerhalb von Stunden
einen
Sattelschlepper voll mit Stiefeln, Mineralwasser, Pumpen etc. auf den
Marktplatz
geschickt hatte. Jeder konnte sich dort umsonst abholen, was er brauchte.
Solche Leute, die nicht erst ewig rumzaudern, sondern sofort handeln und
dafür
persönlich die Birne hinhalten, scheint es wohl in der Bush Admin nicht
zu geben.
Wenn die noch ein paar Tage rumeiern, wird keiner mehr da sein, dem sie
helfen müßten...
--
Jürgen
New Orleans
On 2 Sep 2005 21:38:50 GMT, Werner Jakobi
wrote:
>Bei den Hochhäusern gehe ich davon aus, daß die auf Pfählen
stehen, bzw.
>der Baugrund bei den mittelhohen Gebäuden von Sohlplatten hinreichend
>geschützt ist.
Wollen wir mal hoffen, dass es so ist.
Was ist mit den historischen Steinbauten (alte Kirchen etc.)? Die
dürften so etwas doch nicht haben.
Der Baugrund wird entsprechend aufweichen.
Gemäß den aktuellen Berichten wird das Abpumpen des Wassers bis zu
80
Tagen dauern und bis die ersten Pumpen laufen und der Deich
geschlossen ist, vergeht wahrscheinlich noch einmal mindestens 1
Woche.
>Die Holzhäuser kann man aber vergessen. Da wird wohl nichts zu retten
>sein.
Schon klar. Die TV-Bilder sprechen da für sich.
>
>> Was die Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung angeht, bin
ich ziemlich
>> erschüttert :-(.
>
>Was hast du erwartet? USA hat 3.-Welt-Niveau. Bloß haben die das noch
>nicht begriffen.
Naja, würde ich anders formulieren:
3 Klassen Gesellschaft.
1. Viele reiche Weiße und ganz wenige Farbige,
2. Mittelstand (Weiße und wenige Farbige),
3. Underdogs (fast nur Farbige).
Nach N-TV gibt es ja inzwischen auch schon Stimmen in den USA, die
sich gegen einen Wiederaufbau der Stadt aussprechen.
Gruß Thilo
--
Solingen, Bilder von Symphyse bei Buchen,
Bambusattacke, Mammutstoßzahn
http://home.wtal.de/Th Herrmann/index.html
New Orleans
Hi Jürgen,
> Ich war damals beim Augusthochwasser dabei und kann mich in die
> deprimierende Lage der Menschen hineinversetzen. Im Krieg schießen
> die auch mal daneben, da gibt es [manchmal] noch gewisse Rückzugs-
> möglichkeiten. Das Wasser aber deckt kompromißlos alles
buchstäblich
> mit Scheiße zu. Nach ein paar Tagen drehen da selbst gefestigte
> Persönlichkeiten am Rad
>
> Allerdings habe ich damals eine nie gekannte Solidarität zwischen
völlig
> fremden Menschen gesehen. Alle Wertsachen der ganzen Stadt lagen
> völlig ungeschützt da und es war auch keine Polizei da, die die
Menschen
> vor sich selbst schützen mußte.
>
> Mir ist nicht bekannt, daß dort jemand beklaut oder gar vergewaltigt
> worden
> wäre. Ich entsinne mich aber, daß ein Qualitätsmensch bei
einem OBI
> Baumarkt in der Nähe den Arsch in der Hose hatte, innerhalb von
Stunden
> einen
> Sattelschlepper voll mit Stiefeln, Mineralwasser, Pumpen etc. auf den
> Marktplatz
> geschickt hatte. Jeder konnte sich dort umsonst abholen, was er brauchte.
>
> Solche Leute, die nicht erst ewig rumzaudern, sondern sofort handeln und
> dafür
> persönlich die Birne hinhalten, scheint es wohl in der Bush Admin
nicht zu
> geben.
>
> Wenn die noch ein paar Tage rumeiern, wird keiner mehr da sein, dem sie
> helfen müßten...
ja, der Unterschied hat mich doch auch sehr erstaunt, in den
menschlichen Reaktionen, verglichen mit dem Augusthochwasser 02,
oder gar zum Tsunami Ende 04.
Ein großer Teil der "Plünderer" scheinen ja Menschen zu
sein, die
nichts zu essen, und kein Wasser, haben (den Berichten nach),
und dann in geschlossene Lebensmittelgeschäfte einbrechen, um sich zu
versorgen ... wohl eher ein Notfall, denn ein Grund "von der
Waffe Gebrauch zu machen". Ich weiß es nicht, die Berichte
erscheinen
da auch teilweise ... etwas seltsam. Politik?
Sollten sie stimmen, diese Berichte (ich lasse es mal offen ...), stimmt
es zumindest nachdenklich. The American (alp)dream?
Gruß
Tobias
New Orleans
Hi Harald,
> Aber wundern tut es mich nicht. Es ist doch für die weißen
Südstaatler
> eine gute Gelegenheit, es ihren ehemaligen Sklaven heimzuzahlen...
wenn man sich überlegt, dass der Hurrikan letzten Montag war,
inzwischen 40.000 Soldaten um New O. im Krisengebiet stationiert sind, aber
die 25.000 Sturmopfer aus der zentralen Sammelstelle
"Super Dome" noch immer nicht evakuiert sind, oder nicht
ganz, frägt man sich schon, ob man noch von logistischen
Problemen sprechen kann ...
Gruß
Tobias