Architektur

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New Orleans

Juergen Klein
2005-09-03 22:21:38

Hallo, tobias.knittel

> Ein großer Teil der "Plünderer" scheinen ja Menschen zu sein, die
> nichts zu essen, und kein Wasser, haben (den Berichten nach),
> und dann in geschlossene Lebensmittelgeschäfte einbrechen, um sich zu
> versorgen ... wohl eher ein Notfall, denn ein Grund "von der
> Waffe Gebrauch zu machen". Ich weiß es nicht, die Berichte erscheinen
> da auch teilweise ... etwas seltsam. Politik?

Das haben die Bullen dort mittlerweile auch begriffen. Wer nur Lebensmittel
für seinen eigenen Bedarf aus den Läden mopst, wird nicht mehr dran
gehindert.

> Sollten sie stimmen, diese Berichte (ich lasse es mal offen ...), stimmt
> es zumindest nachdenklich. The American (alp)dream?

Die haben es immer noch nicht gepeilt.

Plünderei ist doch, wenn Du aus Deinem Haus flüchten mußt und nach der
Rückkehr haben sie Dich auch noch beklaut.

Ich hätte an deren Stelle zwar ander Sorgen als mir einen Plasmafernseher
aus dem Mediamarkt zu klauen, aber andererseits ist die ganze Stadt hinüber.
Was die Plünderer nicht holen, wird vergammeln oder beim Abbruch mit
zusammengeschoben. Der ganze Krempel ist so oder so verloren.

Jedenfalls sehe ich keinen Grund, auf die eigenen Landsleute zu schießen.

Vergewaltiger etc. mal ausgenommen. Die würde ich aber auch ohne Flut
abknallen.

--
Jürgen


New Orleans

Juergen Klein
2005-09-03 22:31:32

Hallo, Thilo Herrmann

> Was ist mit den historischen Steinbauten (alte Kirchen etc.)? Die
> dürften so etwas doch nicht haben.
> Der Baugrund wird entsprechend aufweichen.

Die werden das wohl nicht überstehen.

> Gemäß den aktuellen Berichten wird das Abpumpen des Wassers bis zu 80
> Tagen dauern und bis die ersten Pumpen laufen und der Deich
> geschlossen ist, vergeht wahrscheinlich noch einmal mindestens 1
> Woche.

Tsss. Die reden sich das Leben schön. Im Endeffekt wird das ganz erheblich
länger dauern, schätze ich mal. Die haben lediglich die Pumpen, die schon
immer die Stadt trocken gepumpt haben. Deren Leistung haben die ins Ver-
hältnis zur ungefähren Wassermenge gesetzt.

Diese Pumpen dürften aber erst mal im Eimer sein, Ersatzteile liegen
vermutlich
bei solchen Kalibern auch nicht auf Lager. Wenn die Dinger dann erst mal
in Gang
sind, heißt das noch lange nicht, daß auch die Energie dafür da ist.
Dazu müßte
man erstmal die Kraftwerke leerpumpen und in Gang bringen.

Ach ja, der Deich muß auch vorher wieder zugemacht werden.

Und die Finanzierung muß geklärt werden.

Ganz schönes Pensum für 80 Tage.

> Nach N-TV gibt es ja inzwischen auch schon Stimmen in den USA, die
> sich gegen einen Wiederaufbau der Stadt aussprechen.

Das halte ich für unrealistisch. Leute, die es sich leisten können,
gehen natürlich
weg. Der Rest wird versuchen, irgendwie mit der Scheiße klarzukommen. Die
werden nicht ein Gebiet so groß wie England einfach wie eine Geisterstadt
verrotten lassen. Ganz abgesehen davon, was dann so abgeht in dieser Mad Max
Kulisse...

--
Jürgen


New Orleans

Werner Jakobi
2005-09-03 20:55:16

Thilo Herrmann posted:

>Was ist mit den historischen Steinbauten (alte Kirchen etc.)? Die
>dürften so etwas doch nicht haben.

Die haben aber auch die ganzen Setzungen der letzten 300 Jahre
mitgemacht. Die werden auch ein bisschen Überschwemmung ertragen.

>>Was hast du erwartet? USA hat 3.-Welt-Niveau. Bloß haben die das noch
>>nicht begriffen.
>
>Naja, würde ich anders formulieren:
>3 Klassen Gesellschaft.
>1. Viele reiche Weiße und ganz wenige Farbige,
>2. Mittelstand (Weiße und wenige Farbige),
>3. Underdogs (fast nur Farbige).

So kann ich das nicht sehen.
1. Dekadente Wasps
2. Religiöse Fanatiker
3. Die mittellose Masse

Dazwischen schwimmen noch einige vernünftige Leute, die sich überwiegend
mit dem Gedanken tragen, nach Kanada auszuwandern.

>Nach N-TV gibt es ja inzwischen auch schon Stimmen in den USA, die
>sich gegen einen Wiederaufbau der Stadt aussprechen.

Die ganzen Eindeichungen am Missisipi wieder aufzumachen wäre nicht doof.
Hier bei uns ist man ja auch schon seit einigen Jahren draufgekommen, daß
man Flüssen nicht in ein Bett zwingen kann. Ob das die Amis allerdings
checken?


Gruss, Werner
--
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New Orleans

Werner Jakobi
2005-09-03 20:55:17

Alice Müller posted:

>Wie wärs mit einer Stadt auf Pfählen? So wie Venedig?

Venedig ist nicht vergleichbar.

Wer soll denn das bezahlen? Häuser und Infrastruktur auf 15 m hohen
Pfahlböcken? Das ist doch Irrsinn.


Gruss, Werner
--
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New Orleans

Uwe Hercksen
2005-09-05 10:52:46

Thilo Herrmann schrieb:
>>
> Was ist mit den historischen Steinbauten (alte Kirchen etc.)? Die
> d


New Orleans

Martin Trautmann
2005-09-05 09:43:36

On Sat, 03 Sep 2005 19:55:33 +0200, Thilo Herrmann wrote:
> Was ist mit den historischen Steinbauten (alte Kirchen etc.)? Die
> dürften so etwas doch nicht haben.

Das Problem ist, dass nach amerikanischem Standard historische Bauten
eben oft genug nur Holzbauten sind.

Ansonsten ists das gesamte Stadtbild, dass von einem Typus Holzbauten
gepraegt wird. Ein Neubau koennte womoeglich wieder viel aus Holz sein -
Holzstaenderbauweise ist dort ja gaengig. Heute wuerde Technik und
Aussehen aber wieder gaenzlich anders sein.

Ingesamt scheint New Orleans aber permament abzusacken. Man muesste
also erst mal alles aufstocken und dann erst neu bebauen.

Es fehlt der Schwemmlandeintrag durch regelmaessige Ueberschwemmungen.

> >Was hast du erwartet? USA hat 3.-Welt-Niveau. Bloß haben die das noch
> >nicht begriffen.
>
> Naja, würde ich anders formulieren:
> 3 Klassen Gesellschaft.
> 1. Viele reiche Weiße und ganz wenige Farbige,

Eine duenne Oberschicht gibts auch in vielen 3.-Welt-Laendern

> 2. Mittelstand (Weiße und wenige Farbige),
> 3. Underdogs (fast nur Farbige).

Einer der Unterschiede ist die Art der Infrastruktur: In New Orleans
hattest du die auf desolatem und veraltetem Niveau, aber es hatte doch
zumindest jeder Zugang zu geteerten Strassen, Strom, Frischwasser und
Abwasserentsorgung. Ueber die Qualitaet der medizinischen Versorgung
weiss ich zu wenig.

Ansonsten scheint New Orleans aber auf eine lange Geschichte mit
Sonderstatus zurueckzublicken: Dort hat man sich schon immer irgendwie
durchgeschlagen, durchgesoffen, dagegengehalten. Nichts hat dort
geklappt, wies anderswo passierte.

> Nach N-TV gibt es ja inzwischen auch schon Stimmen in den USA, die
> sich gegen einen Wiederaufbau der Stadt aussprechen.

Aus rein oekonomischen Gruenden ist das vermutlich auch richtig. Dem
gegenueber gibts eine reiche Palette weicher Gruende, warum New Orleans
im Gegenteil wieder aufgebaut werden muss.

Schoenen Gruss
Martin


New Orleans

Werner Jakobi
2005-09-05 18:03:31

Martin Trautmann posted:

>Ein Neubau koennte womoeglich wieder viel aus Holz sein -
>Holzstaenderbauweise ist dort ja gaengig.

Das ist ja nicht mal mehr richtiges Holz. Hobel- und Sägespäne mit viel
Leim zu Platten oder Profilen gepresst. Das Ergebnis ist in der Regel
nicht wasserfest und bröselt auseinander wie Streuselkuchen.

Dieses Mistzeug, das mit Holz so vergleichbar ist, wie McDonalds mit
Essen, kommt ja auch bei uns zunehmend in Mode.


Gruss, Werner
--
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New Orleans

Roland Mayr
2005-09-07 21:34:56

tobias.knittel wrote:

> Hi Harald,
>
>> Aber wundern tut es mich nicht. Es ist doch für die weißen Südstaatler
>> eine gute Gelegenheit, es ihren ehemaligen Sklaven heimzuzahlen...
>
> wenn man sich überlegt, dass der Hurrikan letzten Montag war,
> inzwischen 40.000 Soldaten um New O. im Krisengebiet stationiert sind,
> aber die 25.000 Sturmopfer aus der zentralen Sammelstelle
> "Super Dome" noch immer nicht evakuiert sind, oder nicht
> ganz, frägt man sich schon, ob man noch von logistischen
> Problemen sprechen kann ...

Naja, wenn der Bürgermeister darauf "vergessen" hat, die Busse der Stadt auf
Gebiete über den Meeresspiegel zu bringen, dann kann das schon passieren.

Irgendwie ironisch, wenn der Bürgermeister zuerst seine eigenen Busse
verschludert und dann so tut als würden ihm alle Greyhounds des Landes
zustehen wenn er Busse braucht.