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Lehmputz imprägnieren?

Lehmputz imprägnieren?

Jan Selmer
2005-10-05 17:47:00

tobias.knittel schrieb:

> Hi Harald,

>> Vielleicht eine dünne Schicht Kaliwasserglas?

> Ja, hab mal etwas im Internet geschaut. Scheint die beste
> Lösung zu sein, besser als Natronwasserglas oder Acryl.

Auf Wasserglas würde ich eher ganz allgemein verzichten,
zumindest für Putze + Farben etc., einen Teil der evtl.
auftauchenden Probleme hast Du ja bereits in einer anderen Mail
genannt.
Und wozu traditionell mit Lehmputzen rummachen, wenn dann
letztlich doch alles mit Zutaten aus der Chemieküche à la PCI-
Giftoplast versaubeutelt werden soll? Weils besser zu den
Tropenholzfenstern paßt? Naja, lassen wir das...

> Eventuel könnte man sogar mit einem Pigment noch etwas
> tönen.

> Da keiner damit Erfahrungen gemacht zu haben scheint,
> werd ich mal selber etwas probieren :-)

Habe das halbe Haus innen mit Lehm verputzt und dabei auch
unterschiedliche Lehme benutzt.
Mach Dir eine Kalktünche aus Sumpfkalk, Marmormehl und Magerquark
+ evtl. kalkfesten Pigmenten wenn Farbigkeit gewünscht ist.
Dreimal aufstreichen, trocknen lassen und nix sandet niemals
mehr. Sieht außerdem klasse aus, fühlt sich gut an und ist ggf.
hervorragend auszubessern.
War übrigens letztens in F auf einer Kalktagung (Mitveranstalter
war die Association des Maisons Paysannes der France) wobei u.a.
eine gute Bezugsquelle für allerhand Kalkprodukte im Straßburger
Raum abgefallen ist (Kalkbrennerfamilie in der x-ten Generation,
sehr breite Produktpalette, auch an Zutaten).
Statt zu versuchen das Rad neu zu erfinden, würde ich auch einen
Verein wie den o.g. kontaktieren. Die arbeiten regelmäßig mit
Lehm etc.
Weitere Infos bei Bedarf...

Jan.

--
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Lehmputz imprägnieren?

"tobias.knittel"
2005-10-05 18:49:53

Hi Jan,


> Mach Dir eine Kalktünche aus Sumpfkalk, Marmormehl und Magerquark
> + evtl. kalkfesten Pigmenten wenn Farbigkeit gewünscht ist.

Klingt auch gut,

das Kaliwasserglas ist aber auch keine "böse Chemie" :-)

> Dreimal aufstreichen, trocknen lassen und nix sandet niemals
> mehr. Sieht außerdem klasse aus, fühlt sich gut an und ist ggf.
> hervorragend auszubessern.
> War übrigens letztens in F auf einer Kalktagung (Mitveranstalter
> war die Association des Maisons Paysannes der France) wobei u.a.
> eine gute Bezugsquelle für allerhand Kalkprodukte im Straßburger
> Raum abgefallen ist (Kalkbrennerfamilie in der x-ten Generation,
> sehr breite Produktpalette, auch an Zutaten).
> Statt zu versuchen das Rad neu zu erfinden, würde ich auch einen
> Verein wie den o.g. kontaktieren. Die arbeiten regelmäßig mit
> Lehm etc.
> Weitere Infos bei Bedarf...

die Adresse hätte ich natürlich gerne, zumal in der Nähe :-)

Gruß

Tobias


Lehmputz imprägnieren?

Jan Selmer
2005-10-06 09:03:00

tobias.knittel schrieb:

> das Kaliwasserglas ist aber auch keine "böse Chemie" :-)

http://www.osemziz.ch/Restorer/Lectures/Content Restaurierungsprobleme Mineralfarbmalerei.htm

"Nebenbei sei vermerkt, dass mit Kaliwasserglas gefestigte
Fresken, Kalkmalereien und Sandsteine im nachhinein, bei vielen
Beispielen negative Erscheinungen zeigen. Es entstanden vergraute
Krusten- und Schalenbildungen und daraus resultierende
Fehlstellen, aber auch Salzausblühungen durch die im
Kaliwasserglas enthaltende Alkalien."

>> Bezugsquelle für allerhand Kalkprodukte im Straßburger
>> Raum abgefallen ist (Kalkbrennerfamilie in der x-ten Generation,
>> sehr breite Produktpalette, auch an Zutaten).

> die Adresse hätte ich natürlich gerne, zumal in der Nähe :-)

Chaux Michel Boehm et Cie
Lusine à chaux
67310 DAHLENHEIM
France
Phone : +33 3 88 38 11 60
Fax : +33 3 88 38 85 71

Jan.

--
Für Mail bitte "news" durch "selmer" ersetzen.


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"tobias.knittel"
2005-10-06 09:21:22

Hi Jan,


> http://www.osemziz.ch/Restorer/Lectures/Content Restaurierungsprobleme Mineralfarbmalerei.htm

interessanter Link

>> die Adresse hätte ich natürlich gerne, zumal in der Nähe :-)
>
> Chaux Michel Boehm et Cie
> Lusine à chaux
> 67310 DAHLENHEIM
> France
> Phone : +33 3 88 38 11 60
> Fax : +33 3 88 38 85 71

vielen Dank. Ist nicht zu weit weg, ca. 70 km, und werde mal
dort vorbeischauen :-)

Gruß

Tobias


Lehmputz imprägnieren?

"tobias.knittel"
2005-10-09 20:11:04

Hi,

nun habe ich es mal mit schwach hydraulischem Weißkalk
probiert, da der gerade auf Lager des Baustoffhändlers war,
Eine reine Kalklasur als Voranstrich, über
Nacht angetrocknet, dann eine Lehm-Klakschlemme
darüber, alles zusammen naß abgefilzt ... er trocknet
gerade an, ist abriebfest und durch das Abfilzen Farbvarianten
und Steinchenstruktur ... sieht aus als wäre er 500 Jahre
alt :-)

Aber der eingesumpfte Lehm hat doch einen rechten
Geruch entwickelt, so Richtung Ammoniak. Wohl hatten
die seinerzeit den mit Pferdeurin angemacht, oder
sowas (daher kommt wohl auch die sähmige Konsistenz :-) )

Gruß

Tobias


Lehmputz imprägnieren?

"Hubert Bigerl"
2005-10-09 21:14:52

Hallo Tobias

Im Beitrag dibmg3$691$00$1@news.t-online.com
hast du auch geschrieben:

> Aber der eingesumpfte Lehm hat doch einen rechten
> Geruch entwickelt, so Richtung Ammoniak. Wohl hatten
> die seinerzeit den mit Pferdeurin angemacht, oder
> sowas (daher kommt wohl auch die sähmige Konsistenz :-) )

Igittigitt Tobias, stinkt jetzt deine ganze Hütte nach Pferdepisse?
Ja, das ist wohl der Preis für richtig sämig eingesumpften Lehm (so
ökomässig betrachtet).
Vielleicht haben die das damals gemacht, um die Fliegen umzubringen. Sagt
man da in Frankreich nicht: "es ´at eine´ gout", oder so ähnlich?
:-))))))))))
(Mach dir nichts draus, Schaden und Spott liegen einfach dicht zusammen...)
Hältst du uns auf dem Laufenden, was passiert, wenn da eine Weile die Sonne
draufgeschienen hat?

Im Übrigen kann ich dich meines Mitgefühls versichern.
Gruss Hubert


Lehmputz imprägnieren?

"tobias.knittel"
2005-10-09 21:32:20

Hi Hubert,


> Im Übrigen kann ich dich meines Mitgefühls versichern.

:-)

Der Lehm riecht nur, wenn er länger nass ist. Trocken ist
er "geruchslos". Ich hoffe zumindest, dass er den Geruch nicht
beibehält :-) - und wieder so wird, wie er war ?:-)

Ansonsten müßte ich den Putz noch mit Lavendelöl
bestäuben :-)

Riecht seltsamerweise erst länger in Wasser intensiver, wohl
bildet sich dann das Ammoniak ... nun ja ...

ich werde berichten.

Gruß

Tobias


Lehmputz imprägnieren?

"tobias.knittel"
2005-10-09 21:43:43

hab nochmal gegoogelt, wohl tatsächlich Pferdeurin.
Den hat man früher unter den Lehm gemischt, um ihn
geschmeidiger zu machen, alternativ Mist. Die Abmagerung mit 2/3
Sand aus 1/ 3 Lehm scheint auch anderen Erfahrungen zu entsprechen.

Jedenfalls ist er fachgerecht, nach damaliger Norm, angesetzt
worden :-)

Gruß

Tobias