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Lehmputz imprägnieren?

Lehmputz imprägnieren?

Jan Selmer
2005-10-10 09:07:00

tobias.knittel schrieb:

> hab nochmal gegoogelt, wohl tatsächlich Pferdeurin.
> Den hat man früher unter den Lehm gemischt, um ihn
> geschmeidiger zu machen, alternativ Mist.

Das nennt man mikrobielles Mauken und wird traditionell z.B. in
Afrika angewandt, wenn man den Ton in Tongruben für die
Weiterverabeitung u.a. zu Töpferwaren aufbereitet. Dazu brauchts
nicht unbedingt ein Pferd oder eine Kuh, die Veredelung kann
man auch selbst vornehmen.

Ammoniak entsteht beim Abbau von Proteinen und Harnstoff im
anaeroben Milieu. Dazu ist aber nicht unbedingt Pisse nötig,
Proteine gibts auch anderweitig zuhauf.

Ich hatte hier erdfeuchten, strohgemagerten Lehm über längere
Zeit im Keller gelagert und dieser entwickelte solche Gerüche
nicht, neigte aber nach 1-2 Jahren dazu, etwas muffig zu werden.
Ewig lagerbar ist trockener, aufbereiteter Lehm als Sackware.

Im Übrigen kann Sumpfkalk u.U. auch einen riechbaren
Schwefelgehalt aufweisen. Und wenn Kasein beigegeben ist,
reduziert sich die Haltbarkeit ohnehin - er fängt dann irgendwann
an, nach Ammoniak zu riechen...

Jan.


Lehmputz imprägnieren?

"tobias.knittel"
2005-10-10 10:29:12

Hi Jan,


> Das nennt man mikrobielles Mauken und wird traditionell z.B. in
> Afrika angewandt, wenn man den Ton in Tongruben für die
> Weiterverabeitung u.a. zu Töpferwaren aufbereitet. Dazu brauchts
> nicht unbedingt ein Pferd oder eine Kuh, die Veredelung kann
> man auch selbst vornehmen.
>
> Ammoniak entsteht beim Abbau von Proteinen und Harnstoff im
> anaeroben Milieu. Dazu ist aber nicht unbedingt Pisse nötig,
> Proteine gibts auch anderweitig zuhauf.
>
> Ich hatte hier erdfeuchten, strohgemagerten Lehm über längere
> Zeit im Keller gelagert und dieser entwickelte solche Gerüche
> nicht, neigte aber nach 1-2 Jahren dazu, etwas muffig zu werden.
> Ewig lagerbar ist trockener, aufbereiteter Lehm als Sackware.
>
> Im Übrigen kann Sumpfkalk u.U. auch einen riechbaren
> Schwefelgehalt aufweisen. Und wenn Kasein beigegeben ist,
> reduziert sich die Haltbarkeit ohnehin - er fängt dann irgendwann
> an, nach Ammoniak zu riechen...

ich hatte jetzt keinen Sumpfkalt sondern "chaux blanc", also einen
französischen Weißkalk als Sackware. Der riecht auch etwas, aber
nicht stark, ob nach Schwefel, hab ich jetzt nicht in Erinnerung.

Erfahrungsgemäß verschwindet der Lehm-Geruch wieder, trocknet
er ab, jedenfalls war es so bei den Versuchen an der Fassade -
und es wird wohl beim Innenputz ähnlich sein.

Das Grundgemäuer ist halt schon sehr alt, und in der Lehmfüllung
hauste im Laufe der Jahrhunderte einiges. Ein relativ neues Mardernest
wurde dabei Opfer, es fanden sich noch eine Hühnerei (leer), der
Schädel eines Siebenschläfers (alt), mehrere Haselnussdepots
- vielleicht hab ich mit dem Lehm auch ein Marderklo
erwischt, bzw. hat die Behausung durch die Tiere wohl
auch noch organisches Material eingetragen, das sich mit
Wasser dann zersetzt. Im Giebel war z.B. noch ein mumnifizierter
Siebenschläfer aufgetaucht.

Nun hatte ich eh noch ein paar Proben auf Holz angesetzt, also
Kalk-Lehmschlämme als Lasuranstrich. Die müßte bis zum
Wochenende trocken sein - dann kann ich auch genau sagen,
ob der Geruch bleibt oder wieder verschwindet (auf organische
Anteile habe ich verzichtet, da im Lehm wohl vorhanden :-) ).

Kasein hatte auch mal Tom empfohlen, aber der Lehm erwies sich
auch ohne Kasein als Fassadenanstrich (außen) recht gut
abriebfest (zumal ich keine starke Bewitterung habe), also
reine Lehmschlämme ohne Zuschläge.

In der Nähe gibt es noch einen roten Lehm im Wald, mit dem
wollte ich ein paar Proben ansetzen, als Kalk-Lehm- Lasuren,
für die OSB-Wände. Der wäre dann eher orangefarben.
Angedacht war mal ein Streichputz aus Lehm (Farbpigment),
Stärke und Sand oder Zelluloseflocken. Irgendeine Mischung in diese
Richtung. Es ist halt wie mit dem Mörtel. Kauft man ihn als Sackware,
ist er recht teuer - mischt man selbst, recht preiswert. So tendiere
ich mehr und mehr zu Eigenmischungen.

So ein Putz oder Anstrich ist dann halt, abgesehen von der Arbeit,
zudem kann man selbst experimentieren.

Die Fenster werden nun wohl teilweise Tanne/ Fichte (Maßanfertigungen),
die Türen doch Tropenholz. Sind zwar nicht der Hammer, aber Chêne hätte
pro Türe ca. 600 Euro gekostet, Tropenholz von Lapeyre eben
ca. 130 Euro ... bei relativ gleichwertig schlechter Isolierverglasung.

Fast 3000 Euro Preisunterschied. Es gibt in Frankreich halt nur die
drei Möglichkeiten zwischen PVC, Chêne und Tropenholz, und
PVC wollte ich keinenfalls...

Gruß

Tobias


Lehmputz imprägnieren?

Jan Selmer
2005-10-10 17:26:00

tobias.knittel schrieb:

> ich hatte jetzt keinen Sumpfkalt sondern "chaux blanc", also einen
> französischen Weißkalk als Sackware. Der riecht auch etwas, aber
> nicht stark, ob nach Schwefel, hab ich jetzt nicht in Erinnerung.

Nun ja, nach Bekunden von Boehm Junior ist Sumpfkalk im Bottich
das Allerbeste. Und bzgl. Lagerung vermutlich auch das
haltbarste.

> Erfahrungsgemäß verschwindet der Lehm-Geruch wieder, trocknet
> er ab, jedenfalls war es so bei den Versuchen an der Fassade -
> und es wird wohl beim Innenputz ähnlich sein.

Jo.

> Nun hatte ich eh noch ein paar Proben auf Holz angesetzt, also
> Kalk-Lehmschlämme als Lasuranstrich.

Habe bisher nie Lehm und Kalk vermischt, sondern stets reinen
Lehmputz genommen, dann darauf Kalk-Kaseinfarbe bzw. -schlämme.

> Kasein hatte auch mal Tom empfohlen, aber der Lehm erwies sich
> auch ohne Kasein als Fassadenanstrich (außen) recht gut
> abriebfest (zumal ich keine starke Bewitterung habe), also
> reine Lehmschlämme ohne Zuschläge.

Traditionell wird m.W. in Mitteleuropa auf Lehm im Außenbereich
i.d.R. Kalkputz aufgetragen.

> So ein Putz oder Anstrich ist dann halt, abgesehen von der Arbeit,
> zudem kann man selbst experimentieren.

Ja, aber nur falls es anders als vorgesehen wäre, eben nur nicht
als Außenthermometer.

> Die Fenster werden nun wohl teilweise Tanne/ Fichte (Maßanfertigungen),
> die Türen doch Tropenholz. Sind zwar nicht der Hammer, aber Chêne hätte
> pro Türe ca. 600 Euro gekostet, Tropenholz von Lapeyre eben
> ca. 130 Euro ... bei relativ gleichwertig schlechter Isolierverglasung.

> Fast 3000 Euro Preisunterschied. Es gibt in Frankreich halt nur die
> drei Möglichkeiten zwischen PVC, Chêne und Tropenholz, und
> PVC wollte ich keinenfalls...

Sorry, aber das ist mal wieder nix als Gelaber. Wenn man es
tatsächlich will, dann geht es auch anders. Und wenn schon
Tropenholz - Alternativen zu Holz aus Raubbau von Lapeyre gibt es
immer - auch in Frankreich:
http://www.greenpeace.fr/foretsanciennes/bois.php3

Ich habe mir seinerzeit auch ganz problemlos Angebote für
Lärchenfenster vom x-beliebigen französischen Schreiner machen
lassen.

Jan.

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