"Karl-Ludwig Diehl" schrieb vorher:
>klaus horstmann@web.de wrote:
Bevor das nun allzusehr ins Gezappel abgleitet, mal ein paar
Anmerkungen von mir. Wenn man nach "de Stijl" gugelt, findet man
schnell eine ganze Menge (einige Links unten).
Man muß die Orte auseinanderhalten.
Stilabfolgen sind in D anders als in F, UK oder USA.
Danke für die Bilder von den New Yorker Art-Deco-Bauten.
Nein, sowas habe ich in Europa noch nirgends gesehen.
Ich meine, daß in D viel stärker die ornamentlose Geometrie
bestimmend war, wie sie von De Stijl über das Bauhaus kam.
Art Deco hat einen ausgesprochenen Luxusaspekt, wie er auch im
Jugendstil schon gegeben war. Es wollte luxuriös sein. Die
Bauhäusler[0] und Konstruktivisten (die Russen gehören wenigstens
erwähnt) hatten mE eher einen puristischen, ja, revolutionären
Impetus - sie wollten "alte Zöpfe abschneiden" [1]. Sie machten
Ernst mit der Polemik gegen das Ornament, wie sie schon zu
Jugendstilzeiten aufgekommen war (Aufsatz "Ornament und
Verbrechen", Autor vergessen), und es erscheint mir ein
Hauptpunkt der kontinentaleuropäischen Moderne, daß sie praktisch
keine Ornamentik zuläßt.
Der Jugendstil[2] hatte anscheinend 2 Komponenten, einerseits die
eher geometrische Form, wie sie von Mackintosh
über die Wiener Werkstätten bis zu Peter Behrens reicht,
andererseits das extrem florale, teilweise schon geschwürige und
schwülstige, wofür ich einfach mal Gaudi als Beispiel hernehme
http://www.gaudiclub.com/ingles/i vida/batllo.asp -mehr
findet
man sicher über http://jugendstil.startpagina.nl/ - oder auch
Tiffany und diverse Bauten in Belgien und Paris.
Der Weg zum Art Deco kommt mE von besagtem geometrischen
Jugendstil her und führt ihn fort, durchaus zu einer weicheren,
"streamlinigen" Linie, wenn ich an Bauten der 30er Jahre denke.
Es gibt mW in D auch Eckfenster in den 30er Jahren, WIMRE stehen
im Westend ein paar solcher Villen herum, hab aber keine Bilder.
Weit öfter gab es aber die Querbänder als Fassadengliederung
(z.B. Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz). Auch in D hatte die
Architektur um 1936 den Hang zu Eleganz, wofür ich als Beispiel
den Flughafen Tempelhof in Berlin kenne.
Leider habe ich kein Bild vom "Millionenbau" in Tiengen, der Ende
der 1920er gebaut wurde und eine ganz eigenartig behäbige
Architektur samt Ornamentpanel über der Tür aufweist. Den könnte
man aber evt. durchaus in den Sack "Art Deco in der Provinz"
stecken.
De Stijl, Bauhaus und Konstruktivismus sind mE ein radikaler
Bruch zum floralen Jugendstil, also was Neues. Den Term "Moderne"
oder "klassische Moderne" pappe ich nur diesen auf, weshalb ich
ob des Begriffs "Art Deco" nicht ganz unfroh bin, weil sich damit
der Strang "Luxuriöses, Ornamentales, Behäbiges" vom
Radikalpuristisch-Revolutionären abheben läßt.
http://www.mackintoshdesign.com/charrenmac.html
(Kunstschule Glasgow, 1897?)
http://www.landesausstellung1905.de/index.php?id95
(Peter Behrens, Kunsthalle Oldenburg 1905)
http://www.artsmia.org/modernism/rintro.html
(Wiener Werkstätte, Möbel und Wohnaccessoires. Es heißt dort,
sie
wurden 1903 gegründet und änderten 1915 ihren Stil zu eher
floralem Design, was nicht mehr so gut ankam).
http://maclinstudio.com/wrigstaingla.html
(geometrisch-jugendstilige Fensterentwürfe von Frank Lloyd
Wright, Datum unbekannt)
http://www.morganstricklandantiques.com/articles/articles1.html
(Popularisierung der luxuriösen Jugendstilformen in England)
De Stijl wurde 1917 gegründet:
http://prestel-kuenstlerlexikon.de/search.php?type
Re: Wer baut solche Häuser?
2006-07-07 11:02:29