Hallo NG,
auch wenn es nach dem Namen der NG hier um die wissenschaftliche (vulgo:
praxisferne) Auseinandersetzung mit Architektur geht hoffe ich doch, daß
ich
wegen meiner praxisnahen Frage nicht gleich gesteinigt werde (auch wenn ich
Jehova sage).
Wir haben nach Analyse des Gebrauchtimmobilienmarktes in und um Bremen
gerade entschieden wahrscheinlich demnächst zu bauen. Altbauten sind hier
im
Bremer Umland zur Zeit zwar extrem günstig, aber meist (wenn richtig
billig)
auch in unschönem Erhaltungszustand - oder aber der VK kennt die aktuelle
Marktentwicklung nicht bzw. ignoriert diese und versucht, mit dem Verkauf
der Immobilie mehr rauszuholen als er bezahlt hat. Legitimes Interesse, aber
im strukturschwachen Bremer Raum nicht umzusetzen - hier ist zur Zeit ein
echter Käufermarkt, einige Objekte kreisen seit mindestens zwei Jahren in
diversen Immobilienplattformen mit stetig fallenden Preisen. Aber das
Richtige, das sowohl unseren Wünschen (viel Platz, geringe laufende
Kosten,
absolut ruhige Lage) als auch unseren finanziellen Möglichkeiten
entspricht,
das finden wir nicht.
Also heißt das Thema des Jahres für uns Neubau. Ich informiere mich
als
absoluter Laie in alle Richtungen - Fertighaus, Massivhaus, Selberbauen
(Isorast und Co.) mit unterschiedlichen Anteilen an Planungssicherheit,
Variabilität (Architektenleistung), Auftragnehmerdiversifizierung,
Eigenleistung und Vorfinanzierung.
Ich habe im Thread "Meinungen zu Fertighäusern" vom 07.01. schon
so Einiges
gelesen, was mir weiterhilft. Einige Fragen sind aber geblieben, die ich
gerne stellen würde:
1. Fälligkeit von Raten:
Jede Leistung die ich bekommen will muss ich bezahlen, das ist klar. Aber
einige Kosten trage ich gerne, wenn ich dafür mehr Sicherheit bekomme.
Einige Baufirmen in der Nähe bieten zum Beispiel an, daß man 95% der
Baukosten bei Abnahme zahlt, andere bieten gar 100% - also während der
Bauphase keine sichtbaren Kosten für mich und die Gewähr, daß
ich erst nach
erfolgter Abnahme (also ohne größere Mängel und quasi
bezugsfertig) den
ersten Euro auf den Tisch lege. Wenn die Firma sauber arbeitet dann
finanziert sie quasi vor und läßt sich die Zinsen, die ich in der
Bauphase
woanders an die Bank zahlen würde in ihrer Preiskalkulation durchreichen.
Ist das nur geschicktes Taktieren oder weist sowas auf eher solide Baufirmen
hin?
2. Eigenleistung:
Ich kann und will mit Freunden natürlich einige Leistungen selber
erbringen
(Elektriker haben wir, Dachdecker haben wir, tapezieren können wir gerade
auch so, und alles wo nur Muskeln aber kein Fachwissen gefragt sind würden
wir wohl auch zumindest assistieren wollen). Aber: was macht davon Sinn?
Wenn man z.B. die mir zur Zeit sehr attraktiv erscheinenden
"Selbst-Teilbau"
Angebote z.B. Isorast anschaut, dann bekomme ich das Gefühl daß ich
(mal
ganz grob vereinfacht) mit nem Leihbagger eine Grube aushebe, mit Kumpel und
dem zugehörigen "Vorarbeiter" vom Baupartner das ganze Haus
quasi selber
"bastele" (ja, Treppen, Deckenteile, Beton usw. müssen geliefert
und
eingebaut/verfüllt werden) und anschließend den Innenausbau + Dach
teils
extern vergebe (das was wir nicht können), teils selber mache (das wo die
Kompetenz für da ist). Scheint um Klassen günstiger zu kommen als
wenn ich
mir ein Massivhaus bauen lasse, selbst wenn ich bestimmte Gewerke
ausklammern lasse. Abgesehen von den Risiken durch eigene Fehler was zu
verbocken (die durch eingekaufte fachkundige Planung und Bauüberwachung
minimiert werden sollen) - wo ist der Haken?
Ich danke Euch, daß Ihr bis hierhin durchgehalten habt und freue mich
über
jede Antwort. Für die Anti-Isorast-Fraktion: ich hab auch Popcorn und
Chips
da.
Steffen
Architektur
Massiv/Fertig/Selbstbau-Haus
Massiv/Fertig/Selbstbau-Haus
St. Ruete r wrote:
.
>
> 2. Eigenleistung:
.... Abgesehen von den Risiken durch eigene Fehler was zu
> verbocken (die durch eingekaufte fachkundige Planung und
Bauüberwachung
> minimiert werden sollen) - wo ist der Haken?
>
Der Haken ist, dass du evtl. Monate oder sogar Jahre baust, und
hinterher weder Freunde, noch ne Familie hast.
MfG
Matthias
Massiv/Fertig/Selbstbau-Haus
"Matthias Frank" schrieb im Newsbeitrag
news:519mghF1iv2ieU1@mid.individual.net...
> St. Ruete r wrote:
> .
>>
>> 2. Eigenleistung:
> .... Abgesehen von den Risiken durch eigene Fehler was zu
>> verbocken (die durch eingekaufte fachkundige Planung und
Bauüberwachung
>> minimiert werden sollen) - wo ist der Haken?
>>
> Der Haken ist, dass du evtl. Monate oder sogar Jahre baust, und
> hinterher weder Freunde, noch ne Familie hast.
:-) Das kann passieren (in den Hochglanzbroschüren sämtlicher
Anbieter
passiert sowas natürlich NIE)... danke, kurz und prägnant.
Steffen
Massiv/Fertig/Selbstbau-Haus
> 1. Fälligkeit von Raten:
> Jede Leistung die ich bekommen will muss ich bezahlen, das ist klar. Aber
> einige Kosten trage ich gerne, wenn ich dafür mehr Sicherheit
bekomme.
> Einige Baufirmen in der Nähe bieten zum Beispiel an, daß man
95% der
> Baukosten bei Abnahme zahlt, andere bieten gar 100% - also während
der
> Bauphase keine sichtbaren Kosten für mich und die Gewähr,
daß ich erst
> nach erfolgter Abnahme (also ohne größere Mängel und quasi
bezugsfertig)
> den ersten Euro auf den Tisch lege. Wenn die Firma sauber arbeitet dann
> finanziert sie quasi vor und läßt sich die Zinsen, die ich in
der Bauphase
> woanders an die Bank zahlen würde in ihrer Preiskalkulation
durchreichen.
> Ist das nur geschicktes Taktieren oder weist sowas auf eher solide
> Baufirmen hin?
Ich kenne das Angebot nicht. Tatsache ist, daß die Finanzierungskosten
bezahlt werden müssen und Teil der Preisbildung sind. Die andere Seite ist
daß das kein Unternehmen ohne Sicherheit macht und irgendjemand
bürgen muß.
Ansonsten kenne ich keine Unternehmen die vorher kein Geld sehen wollen
sondern die Formulierung ist daß bei Abnahme 100% fällig sind, was
nicht
damit gleichzusetzen ist, daß vorher nichts zu zahlen ist. Meist regelt
das
ein Finanzierungsplan. Also genau informieren.
Danben machen Banken beim Vorhaben mitunter Schwierigkeiten. Dabei will man
sichergehen daß das Vorhaben nicht scheitert wenn der Kreditnehmer als
Erbauer ausfällt.
Ein weiterer Punkt ist der, daß man von der Sache einiges verstehen
sollte
oder man baut etwas, was letztlich kaum den Wert der verbrauchten
Materialien entspricht. Wie Du geschrieben hast herrscht dort Käufermarkt
und die bewerten natürlich auch die Qualität wie ein Gebäude
erstellt wurde.
Und zuguterletzt kommen bei so einem Vorhaben gut ein paar tausend
Arbeitsstunden zusammen. Die Zeit muß man haben und auch wissen,
daß man
über die Arbeitskräfte der Familie oder im Freundeskreis in diesem
Umfang
nicht verfügen kann. Das bewegt sich i.A. über die Hilfe an ein paar
Wochenenden nicht mehr.
Der große Vorteil, Frauenleute aufgepaßt, man nimmt gut und gerne
10 Kilo
ab.
Aber trotz allem, gut durchdacht und nicht zu bblauäugig angegangen
funktioniert sowas natürlich auch.
Gruß
Adrian
>
>
> 2. Eigenleistung:
> Ich kann und will mit Freunden natürlich einige Leistungen selber
> erbringen (Elektriker haben wir, Dachdecker haben wir, tapezieren
können
> wir gerade auch so, und alles wo nur Muskeln aber kein Fachwissen gefragt
> sind würden wir wohl auch zumindest assistieren wollen). Aber: was
macht
> davon Sinn? Wenn man z.B. die mir zur Zeit sehr attraktiv erscheinenden
> "Selbst-Teilbau" Angebote z.B. Isorast anschaut, dann bekomme
ich das
> Gefühl daß ich (mal ganz grob vereinfacht) mit nem Leihbagger
eine Grube
> aushebe, mit Kumpel und dem zugehörigen "Vorarbeiter" vom
Baupartner das
> ganze Haus quasi selber "bastele" (ja, Treppen, Deckenteile,
Beton usw.
> müssen geliefert und eingebaut/verfüllt werden) und
anschließend den
> Innenausbau + Dach teils extern vergebe (das was wir nicht können),
teils
> selber mache (das wo die Kompetenz für da ist). Scheint um Klassen
> günstiger zu kommen als wenn ich mir ein Massivhaus bauen lasse,
selbst
> wenn ich bestimmte Gewerke ausklammern lasse. Abgesehen von den Risiken
> durch eigene Fehler was zu verbocken (die durch eingekaufte fachkundige
> Planung und Bauüberwachung minimiert werden sollen) - wo ist der
Haken?
>
>
> Ich danke Euch, daß Ihr bis hierhin durchgehalten habt und freue
mich über
> jede Antwort. Für die Anti-Isorast-Fraktion: ich hab auch Popcorn und
> Chips da.
>
> Steffen
>
Massiv/Fertig/Selbstbau-Haus
Adrian Herrmann wrote:
> Der große Vorteil, Frauenleute aufgepaßt, man nimmt gut und
gerne 10 Kilo
> ab.
...die man hinterher, durch den JoJo-Effekt, gleich wieder draufhat ;-)
Ein früherer Kollege hat in seinem Haus als Eigenleistung u.a. die
Türzargen selbst ausgeschäumt. Jedoch, völlig ungeübt in
dieser
Tätigkeit, zeitigten sich kurz darauf riesige Bäuche....und so durfte
er
sie wieder fachmännisch erneuern lassen...
Marianne
Massiv/Fertig/Selbstbau-Haus
On Fri, 19 Jan 2007 15:12:56 +0100, Marianne Bloss wrote:
> Adrian Herrmann wrote:
>
> > Der große Vorteil, Frauenleute aufgepaßt, man nimmt gut
und gerne 10 Kilo
> > ab.
>
> ...die man hinterher, durch den JoJo-Effekt, gleich wieder draufhat ;-)
>
> Ein früherer Kollege hat in seinem Haus als Eigenleistung u.a. die
> Türzargen selbst ausgeschäumt. Jedoch, völlig ungeübt
in dieser
> Tätigkeit, zeitigten sich kurz darauf riesige Bäuche....und so
durfte er
> sie wieder fachmännisch erneuern lassen...
Hat er das Zeugs inhaliert? Hat er mehrere Kaesten Bier ueber der
Einbauanleitung getueftelt? Oder verstehe ich hier mit 10 Kilo,
JoJo-Effekt und riesen Baeuchen womoeglich etwas falsch?
SCNR
Martin
Massiv/Fertig/Selbstbau-Haus
> Scheint um Klassen g
Massiv/Fertig/Selbstbau-Haus
Hallo Adrian,
> Ich kenne das Angebot nicht. Tatsache ist, daß die
Finanzierungskosten
> bezahlt werden müssen und Teil der Preisbildung sind. Die andere
Seite ist
> daß das kein Unternehmen ohne Sicherheit macht und irgendjemand
bürgen
> muß. Ansonsten kenne ich keine Unternehmen die vorher kein Geld
sehen
> wollen sondern die Formulierung ist daß bei Abnahme 100% fällig
sind, was
> nicht damit gleichzusetzen ist, daß vorher nichts zu zahlen ist.
Meist
> regelt das ein Finanzierungsplan. Also genau informieren.
Der Finanzierungsplan sieht bei o.g. Angebot 3 Raten vor: 5% bei Bauantrag,
92% nach erfolgter Abnahme, 3% nach Beseitigung aller Restmängel.
> Danben machen Banken beim Vorhaben mitunter Schwierigkeiten. Dabei will
> man sichergehen daß das Vorhaben nicht scheitert wenn der
Kreditnehmer als
> Erbauer ausfällt.
Das macht Sinn, das hatte ich nicht bedacht...
> Und zuguterletzt kommen bei so einem Vorhaben gut ein paar tausend
> Arbeitsstunden zusammen. Die Zeit muß man haben und auch wissen,
daß man
> über die Arbeitskräfte der Familie oder im Freundeskreis in
diesem Umfang
> nicht verfügen kann. Das bewegt sich i.A. über die Hilfe an ein
paar
> Wochenenden nicht mehr.
:-) Klasse... da wünsch ich mir doch die 70er zurück, da haben 4
Kollegen
von mir nacheinander gebaut und sich gegenseitig entsprechend geholfen...
> Aber trotz allem, gut durchdacht und nicht zu bblauäugig angegangen
> funktioniert sowas natürlich auch.
Dann werde ich noch ein bißchen durchdenken...
Steffen
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