Wir möchten ein Passivhaus bauen. Da es Schwierigkeiten mit einem
Grundstück gibt, hat mich ein Geschäftsträger einer
Bauträgergesellschaft auf die Möglichkeit, einen Altbau etwa aus den
50er, 60er Jahren zu kaufen und in Richtung Passivhaus
generalzuüberholen, aufmerksam gemacht. Da selbst kein Architekt, habe
ich einige Fragen an die Fachleute.
1. Lebensdauer
Natürlich ist dies eine Frage, die sich nur sehr ungefähr
beantworten läßt, wenn man das Objekt nicht gesehen hat - ich
übrigens auch nicht; bis jetzt noch nichts besichtigt. Von welcher
ungefähren Lebensdauer der Mauern kann man bei solch einem Haus
ausgehen? Was begrenzt eigentlich die Lebensdauer? In meinem
Laienverstand stelle ich mir z.B. Ziegel und Mörtel - anorganisches
Material - als chemisch ziemlich inert vor??
Hängt das von den verwendeten Materialien - z.B. Ziegel
oder Kalksandstein - ab? Relativ kurz nach Kriegsende wurde
vielleicht etwas schlampig gebaut, nur um die Leute unterzubringen?!
2. Kritische Punkte
Auf welche Stellen sollte man bei einer Besichtigung besonders
achten?
3. Fachmännische Begutachtung
Was müßte man für die Begleitung bei der Besichtigung
durch einen Fachmann etwa auf den Tisch des Hauses legen?
Es versteht sich von selbst, daß auch Kommentare, die über meine
Fragen
hinausgehen, willkommen sind.
A. Mehl
--
Albrecht Mehl |Absendekonto wird nicht gelesen; eBriefe an:
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Architektur
Beurteilung Bausubstanz Altbau
Beurteilung Bausubstanz Altbau
Albrecht Mehl schrieb:
> Wir möchten ein Passivhaus bauen. Da es Schwierigkeiten mit einem
> Grundstück gibt, hat mich ein Geschäftsträger einer
> Bauträgergesellschaft auf die Möglichkeit, einen Altbau etwa aus
den
> 50er, 60er Jahren zu kaufen und in Richtung Passivhaus
> generalzuüberholen, aufmerksam gemacht.
Da würde ich mal bei der Grundstückssuche nicht so schnell aufgeben.
Wenn ihr unbedingt ein Passivhaus wollt ist ein Neubau der richtige Weg.
Deine Vermutungen bezüglich des generalüberholten Altbaus gehen schon
in
die richtige Richtung. Eine solche Maßnahme wird auf jeden Fall
erheblich teurer als ein Neubau, denn der Altbau muss zunächst mal
"entkernt" werden um dann die nötigen technischen Einrichtungen
umständlich, weil in falscher Reihenfolge, wieder einzubauen. Das alte
Mauerwerk hält zwar, hat aber nicht die wärmedämmenden
Eigenschaften wie
moderne Ziegel, und dieses Manko müsste mit entsprechendem WDVS wieder
ausgeglichen werden.
Was die Begutachtung durch einen Fachmann kostet? Keine Ahnung, da
dürfte es größere Preisunterschiede geben - also einfach mit
drei oder
mehr Büros sprechen. Beim Bafa und der Architektenkammer gibt es die
Kontaktdaten der zugelassenen Energieberater. Dann erfolgt eine
Bestandsaufnahme und auf der Basis wird ein Konzept ausgearbeitet.
Möglicherweise erweist sich dabei der Passivhausstandard nicht als die
wirtschaftlichste Maßnahme. Wie gesagt -> Neubau empfehlenswert.
Marianne
Beurteilung Bausubstanz Altbau
Hallo Albrecht,
grundsätzlich hat Marianne sicherlich recht. Mit einem Neubau kommst du
wahrscheinlich günstiger weg.
Für die Begutachtung des Altbaus empfehle ich dir, einen
Sachverständigen
für Schäden an Gebäuden hinzuzuziehen, der sich das Objekt
anschaut und
dir sagt, worauf du achten musst. Du findest einen der von der IHK
öffentlich bestellten und vereidigten Kollegen in deiner Nähe hier:
http://svv.ihk.de/svvmain.asp
Du kannst über deine Postleitzahl filtern, die Sachgebietsnummer ist 6300.
Abgerechnet wird in der Regel nach Aufwand, wobei die Netto-Stundensätze
so zwischen 80 und 120 EU liegen.
Gruss
Hubert
Beurteilung Bausubstanz Altbau
"Albrecht Mehl" schrieb im
Newsbeitrag
news:5mourgFe5uj9U1@mid.individual.net...
> Altbau etwa aus den 50er, 60er Jahren zu kaufen und in Richtung Passivhaus
> generalzuüberholen
Vergiss es, das ist signifikant teurer als ein Neubau.
Ein Passivhaus braucht zwingend 1. eine Lueftungsanlage,
braucht 2. eine waermebrueckenfreie Aussenwaermeisolierung,
und braucht 3. entweder Waerme aus der Erde oder
einen grossen Waermespeicher.
Schon 1. ist in alten Haeusern normalerweise nicht nachruestbar,
bei 2. muesste man z.B. den Balkon akhacken.
Alte Haeuser sind einfach schlechter als neue Haeuser weil sie
hoehere laufende Kosten, vor allem Heizkosten, verursachen,
und daher weniger wert. Ein 50 Jaahre altes Massivhaus ist
nur noch 50% des Neubaupreises wert (je nach Sanierungszustand),
ein Holzstaenderhaus in diesem Alter gar nichts mehr.
--
Manfred Winterhoff
Beurteilung Bausubstanz Altbau
MaWin schrieb:
> Alte Haeuser sind einfach schlechter als neue Haeuser weil sie
> hoehere laufende Kosten, vor allem Heizkosten, verursachen,
> und daher weniger wert. Ein 50 Jaahre altes Massivhaus ist
> nur noch 50% des Neubaupreises wert (je nach Sanierungszustand),
> ein Holzstaenderhaus in diesem Alter gar nichts mehr.
Nein. Der Wert einer Immobilie bemisst sich in erster Linie nach der
Lage, und in einem Käufermarkt herrschen andere Bedingungen als in einem
Verkäufermarkt. Im übrigen waren die 60er die Wirtschaftswunderjahre
und
da wurde zum Teil schon sehr qualitätsbewusst gebaut. Gebäude dieser
Kategorie erweisen sich als sehr anpassungsfähig und sind für heutige
Ansprüche durchaus tauglich.
Beurteilung Bausubstanz Altbau
"Marianne Bloss" schrieb im
Newsbeitrag
news:470d0f84$0$25473$9b622d9e@news.freenet.de...
> Nein. Der Wert einer Immobilie bemisst sich in erster Linie nach der
> Lage, und in einem Käufermarkt herrschen andere Bedingungen als in
einem
> Verkäufermarkt. Im übrigen waren die 60er die
Wirtschaftswunderjahre und
> da wurde zum Teil schon sehr qualitätsbewusst gebaut. Gebäude
dieser
> Kategorie erweisen sich als sehr anpassungsfähig und sind für
heutige
> Ansprüche durchaus tauglich.
Der Kaeufermarkt fuer gebrauchte Immobilien ist lange vorbei,
nicht erst, seit dem jeder weiss, dass die Bevolkerungszahl in
Deutschland schwindet.
Lokale Schwankungen (Stuttgart vs. Tangermuende) sind vorhanden,
aber der Trend geht zum Absacken des Preises von Altimmobilien.
Die Preise sind seit Jahren am sinken - zu Recht, weil es auch
geschilderten Gruenden eben auch weniger wert ist - und kommen
langsam bei realistischen Wert an.
Einen Kaeufermarkt gibt es nur noch fuer Grundstuecke (nicht die
darauf stehenden Immobilien, die werden meist abgerissen) in zentraler
Lage, aber auch das wird sich (Warenverkaufshandel statt in der Stadt
per Internet) wohl mit der Zeit geben.
--
Manfred Winterhoff
Beurteilung Bausubstanz Altbau
MaWin schrieb:
>> Nein. Der Wert einer Immobilie bemisst sich in erster Linie nach der
>> Lage, und in einem Käufermarkt herrschen andere Bedingungen als
in einem
>> Verkäufermarkt. Im übrigen waren die 60er die
Wirtschaftswunderjahre und
>> da wurde zum Teil schon sehr qualitätsbewusst gebaut.
Gebäude dieser
>> Kategorie erweisen sich als sehr anpassungsfähig und sind
für heutige
>> Ansprüche durchaus tauglich.
>
> Der Kaeufermarkt fuer gebrauchte Immobilien ist lange vorbei,
> nicht erst, seit dem jeder weiss, dass die Bevolkerungszahl in
> Deutschland schwindet.
Diese Aussage wird auch nicht wahrer, je öfter du sie wiederholst. Wie
bereits hier geschrieben, verlief die Wertentwicklung von Immobilien in
den letzten Jahren moderat bis positiv, von Dunkeldeutschland einmal
abgesehen. Dokumentiert ist das im DEIX:
http://www.ifs-staedtebauinstitut.de/publikationen/deix.htm
Beurteilung Bausubstanz Altbau
MaWin schrieb:
> Ein 50 Jaahre altes Massivhaus ist nur noch 50% des
> Neubaupreises wert
Das ist ja schauderhaft. Mein Haus ist 280 Jahre alt. Ich glaub
ich muß es abreißen lassen...
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