Xpost dsa;debs
Marianne Bloss tüpste:
Ich schieb mal zu den Architekten und Planern, mal sehen, was die dazu
schreiben:
> Ein Businessplan beinhaltet die Liquiditätsplanung über drei
Jahre und
> mir scheint das auch richtig, die Weichen für diesen Zeitraum zu
> stellen. Auf diese Weise kann man Investitionen und Privatentnahmen
> kalkulieren, ohne in Zugzwang zu geraten.
>
> Aktuell gibt es aber eine Umfrage unter Architekturbüros, die ein
> Ökonom durchgeführt hat und wonach deren Auftragsbestand nur
zwischen
> 4,6 und 9,6 Monaten gesichert ist. Die Umfrage ist zwar
zahlenmäßig
> nicht repräsentativ, aber mich irritiert hier der Kommentar, dass
> letztere beruhigt in die Zukunft schauen könnten, weil sie auf
> absehbare Zeit ausgelastet wären.
>
> Meiner Meinung nach ist das zu wenig und führt zu schlaflosen
Nächten,
> oder wie seht ihr das?
Gruß
Horst
Architektur
Re: Liquiditätsplanung
Re: Liquiditätsplanung
Horst Kalevar schrieb:
> Marianne Bloss tüpste:
>> Ein Businessplan beinhaltet die Liquiditätsplanung über drei
Jahre und
>> mir scheint das auch richtig, die Weichen für diesen Zeitraum zu
>> stellen. Auf diese Weise kann man Investitionen und Privatentnahmen
>> kalkulieren, ohne in Zugzwang zu geraten.
>>
>> Aktuell gibt es aber eine Umfrage unter Architekturbüros, die ein
>> Ökonom durchgeführt hat und wonach deren Auftragsbestand nur
zwischen
>> 4,6 und 9,6 Monaten gesichert ist. Die Umfrage ist zwar
zahlenmäßig
>> nicht repräsentativ, aber mich irritiert hier der Kommentar, dass
>> letztere beruhigt in die Zukunft schauen könnten, weil sie auf
>> absehbare Zeit ausgelastet wären.
>>
>> Meiner Meinung nach ist das zu wenig und führt zu schlaflosen
Nächten,
>> oder wie seht ihr das?
Kommt auf den durchschnittlichen Auftragsbestand der vergangenen 5 - 10
Jahre ebenso an, wie auf die Bürogröße und das
Tätigkeitsfeld.
Für Einzelkämpfer an der EFH- oder Eigentumswohnungsumbaufront ist
das
ganz ordentlich, für große Büroturmbauer, Projektsteuerungs-
oder
Bauleitungsbüros im mittleren Objektbereich aufwärts hingegen
könnte da
bei schlechter Eigenkapitaldecke schon der Gang zum Insolvenzrichter
anstehen.
Selbständige sind außerdem nun mal keine Beamten und sollten deshalb
ein etwas stabileres Nervenkostüm mitbringen.
--
MfG,
Rolf Sonofthies
Re: Liquiditätsplanung
Rolf Sonofthies schrieb:
> Selbständige sind außerdem nun mal keine Beamten und sollten
deshalb
> ein etwas stabileres Nervenkostüm mitbringen.
Und nicht jeden verdienten Euro sofort verbrauchen, eine solide Reserve
ist ungemein beruhigend.
Meine Projekte laufen durchschnittlich ca 2 Monate und sind auch erst
max. 5 Monate zuvor planbar, da oft politisch beeinflusst.
Nerven? Habe ich keine mehr...
Re: Liquiditätsplanung
Will Berghoff schrieb:
> Rolf Sonofthies schrieb:
>
>> Selbständige sind außerdem nun mal keine Beamten und
sollten deshalb
>> ein etwas stabileres Nervenkostüm mitbringen.
>
> Und nicht jeden verdienten Euro sofort verbrauchen, eine solide Reserve
> ist ungemein beruhigend.
>
> Meine Projekte laufen durchschnittlich ca 2 Monate und sind auch erst
> max. 5 Monate zuvor planbar, da oft politisch beeinflusst.
>
> Nerven? Habe ich keine mehr...
Demnach ist die Vorausplanung über 4-5 Monate durchaus realistisch und
dann für einen Businessplan auch ausreichend. Die 3-Jahres-Übersicht
ist
dann wohl nur für langfristige Projekte erforderlich.
Gruß
Marianne
Re: Liquiditätsplanung
Marianne Bloss schrieb:
> Demnach ist die Vorausplanung über 4-5 Monate durchaus realistisch
und
> dann für einen Businessplan auch ausreichend.
Nein. Sie ist realistisch, weil belastbarer. Aber ein Businessplan muss
langfristig ausgelegt sein. Er umfasst auch die Zeiträume, für die
noch
keine Aufträge vorliegen und ist somit als Zielvorgabe zu verstehen.
> Die 3-Jahres-Übersicht ist
> dann wohl nur für langfristige Projekte erforderlich.
Eine Selbständigkeit ist ein langfristiges Projekt.
Re: Liquiditätsplanung
Robert Pflüger schrieb:
> wenn man einen Businessplan nur mit tatsächlichen Aufträgen
"füllen"
> durfte, dann könnte z.B. ein Friseurgeschäft niemals einen
solchen Plan
> korrekt aufstellen.
Ein Friseurgeschäft setzt z.B. auf Laufkundschaft, und dafür gibt es
konkrete Zahlen von der Marktforschung.
Im Bauwesen kommt es aber häufig vor, dass anvisierte Projekte dann doch
nicht ausgeführt, oder plötzlich auf Eis gelegt werden. Da muss man
schon ganz schön flexibel sein. Die berühmte Frage "Wo
möchten Sie in
fünf Jahren stehen" ist nur eine einseitige Willenserklärung,
die die
Einflüsse von außen nicht berücksichtigen kann, naja Papier ist
geduldig, aber woran misst sich dann die Tragfähigkeit eines
Businessplanes?
Gruß
Marianne
Re: Liquiditätsplanung
Marianne Bloss wrote:
> ... aber woran misst sich dann die Tragfähigkeit eines
> Businessplanes?
Ob er tragfähig ist, erkennst du daran, das dir Bank oder wer auch
immer einen entsprechenden Kontokorrentrahmen und ggf einen Kredit in
ausreichender Höhe genehmigt.
Es empfiehlt sich, diesen von einem Steuerberater oder ggf
IHK/Architektenkammer etc in Form eines positiven Statements absegnen
zu lassen.
Ansonsten, kannst du deine Glaskugel anwerfen oder Kaffeesatz lesen. Es
kommt nur darauf an, dass du deine Umsatzziele plausibel begründen
kannst. Das Wesentliche beim Businessplan ist, dass du dir selber
gegenüber zwar ehrlich bist, aber deine Lügen bezüglich
Umsatz/Gewinn
dem Kreditgeber glaubhaft verkaufst!
Daher solltest du, wenn du zur Bank rennst, eine dicken Ordner mit
schönen Zeichnungen (ggf aus der Studienzeit) mitnehmen und behaupten,
dass du in Verhandlungen mit Bauherren darüber bist.
Besser wäre es allerdings, wenn du ganz konkrete Aufträge vorweisen
könntest, z.B. in Form von schriftlichen Kundenaufträgen etc.
Merke: Banken geben dir nur bei Sonnenschein einen Regenschirm und wenn
es nur den Anschein nach Regen hat, nehmen sie ihn dir wieder weg!
Und du solltest, falls du bis jetzt noch keine Aufträge in Aussicht
hast, den Kapitalbedarf so berechnen, dass selbst wenn du in diesem
Zeitraum von drei Jahren keinen Umsatz generieren würdest (z.B Unfall,
Krankheit, schlechte Konjunktur), du nicht in finanzielle
Schwierigkeiten geräten würdest und deine Raten an Krankenkasse,
Bank,
sonstige Lebenshaltungskosten etc bezahlen kannst. Wähle die
Rückzahlraten so gering wie möglich und lasse dich nicht auf hohe
Tilgungsleistungen ein. Wenn das Geschäft mal kurzzeitig einbrechen
sollte, dann fällt es nicht so schwer. Ach ja, lasse dir die Option
offen, dass du jederzeit tilgen kannst.
Viel Glück und einen guten Start!
X-Post über de.etc.beruf.selbstaendig und de.sci.architektur, Fup2
de.sci.architektur
--
Grüße
Harald
Re: Liquiditätsplanung
Am Wed, 13 Feb 2008 16:14:17 +0100 schrieb Harald Maedl:
> Marianne Bloss wrote:
>
>> ... aber woran misst sich dann die Tragfähigkeit eines
>> Businessplanes?
>
> Ob er tragfähig ist, erkennst du daran, das dir Bank oder wer auch
> immer einen entsprechenden Kontokorrentrahmen und ggf einen Kredit in
> ausreichender Höhe genehmigt.
Daran erkennst du, ob die Bank ihn so ansieht. Mit dem realen Leben muss das
nichts zu tun haben.
Ob er tragfähig ist merkst du nur indem du versuchst ihn umzusetzen.
Lutz
--
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