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Andichtung an aufgehende Bauteile WU-Beton

Andichtung an aufgehende Bauteile WU-Beton

Rolf Sonofthies
2008-02-09 15:29:48

Aus einer begrünten Tiefgaragendecke ragen hohe Lüftungsöffnungen in WU-
und Sichtbetonausführung über 2m heraus. Die WU-Qualität begint am Fuß
der Oberlichtzylinder. Die eigentliche Tiefgaragendecke wird schwarz
abgedichtet, die Abdichtung mind. 1,0 m über die UK WU hochgezogen. Die
WU-Bauteile haben Wandstärken > 0,25 m. Über einer Drainlage kommt auf
die TG-Decke ein kräftiger Bodenaufbau (> 1,0 m) und eine
Intensivbegrünung. Die Planung sieht eine umlaufende Klemmleiste auf OK
Gelände vor, also mind. 1 m über UK WU-Konstruktion.

Der AN Abdichtung meldet Bedenken wegen nicht ausreichender Hochführung
der Abdichtung an, welcher formal berechtigt ist ("wasserführende"
Schicht ist ja OK Gelände), aber trotzdem überzogen erscheint. Der
Hinweis auf die allseitig freie Bewitterung des Beton-Bauteils darüber
kann den AN nicht beruhigen. Auch nicht die Tatsachen, dass diese
Lüftungsöffnungen erhöht mit allseitigem Gefälle liegen und die TG
nicht nur keine Anforderungen an das Raumklima hat, sondern das
anszudichtende Bauteil sogar von der Rückseite durch Regen nass sein
kann. Vor diesem Hintergrund und wegen des zu erwartenden
Rasenmäherverkehrs an den Zylindern ist nicht einsehbar, weshalb eine
hochgezogene Abdichtung eine qualitative Verbesserung sein soll.

Einschätzungen?

--
Rolf Sonofthies


Andichtung an aufgehende Bauteile WU-Beton

Rolf Sonofthies
2008-02-09 16:24:40

Axel Künzinger schrieb:

>> Einschätzungen?
>
> Der AN hat Recht Bedenken gegen eine nicht DIN gerechte Ausführung
> anzumelden.

Die formale Berechtigung der Bedenken hatte ich ja bereits bestätigt.

> Wieso sollte er für eine solche Ausführung, die im
> Schadensfall ihm angelastet werden wird, die Gewährleistung übernehmen?
> Stelle ihn doch von der Gewährleistung frei, dann wird er den "Hochzug"
> auch wie gewünscht ausführen.

Ja, genau das ist meine Absicht. Mich interessiert aber eben deswegen,
wie andere die Dauerhaftigkeit der "alternativen" Konstruktion einschätzen.


--
Rolf Sonofthies


Andichtung an aufgehende Bauteile WU-Beton

Marianne Bloss
2008-02-09 16:47:27

Rolf Sonofthies schrieb:

> Mich interessiert aber eben deswegen,
> wie andere die Dauerhaftigkeit der "alternativen" Konstruktion einschätzen.

Unter den beschriebenen Umständen hätte ich wohl auch keine Bedenken.
Das Risiko, dass die angeklemmte Dichtung hinterwandert werden könnte,
kann man minimieren, und zwar entweder durch einen Rücksprung in der
Stb-Wand, oder (was unser Fassadenbauer vor Jahren gemacht hat) durch
ein Kompriband, das expandierend andichtet. Mechanische Beanspruchung
durch den Rasenmäher lässt sich ja durch entsprechende Planung vermeiden ;-)

Marianne


Andichtung an aufgehende Bauteile WU-Beton

Rolf Sonofthies
2008-02-09 16:54:27

Axel Künzinger schrieb:

> Wenn ich mich recht erinnere, dient der Hochzug im Wesentlichen dem
> Schutz vor Hinterläufigkeit der Abdichtung bei schmelzendem Schnee.

richtig

> Dass
> ist bei deiner Lösung nicht mehr gewährleistet und somit hast du auch
> ein höheres Risiko, dass deine Abdichtung Hinterläufig wird. Ob sie es
> tatsächlich wird, weiß ich nicht.

Da die Abdichtung in aufgewalztem Polymerbitumen ausgeführt ist durch
das Abdichtungsmaterial an sich schon keine Hinterläufigkeit gegeben.
Weiterhin liegen die Zylinder jeweils auf einem Hügel und sind zur
Sicherheit auch noch von einem Schotterring umgeben um zusätzlich Wasser
ableiten zu können. Außerdem kann wegen mangelnder Wärmezuführung
(nichts ist beheizt) und Verschattung durch hohe Nachbargebäude der
klassische Schmelzeffekt auf einer Terrasse entlang der Fassade nicht
auftreten

> Warum verjüngst du denn nicht einfach die Lüftungsschächte um 3cm bis
> 5cm bis 15 cm über GOK und führst unter dem Vorsprung die Abdichtung
> hoch. Dann noch eine Verblechung drüber, der DIN ist genüge getan und du
> hast eine gerade Ansichtsfläche.

Die Verblechung eines geneigten Zylinders stellt ziemlich hohe
Anforderungen an den Blechner und die entsprechende Aussparung eine noch
höhere an den Betonbauer. Und wenn der Rasenmäher dagegen donnert ist
spätestens beim dritten Mal eh alles hin.

> Warum sind die Lüftungsschächte eigentlich aus WU-Beton?

Damit sie auch ohne schwarze Abdichtung und Kappleiste dicht sind ;-)
und Expositionsklasse XC4 / XF1 nach DIN 1045-2 sind sie sowieso.

--
Rolf Sonofthies


Andichtung an aufgehende Bauteile WU-Beton

Rolf Sonofthies
2008-02-09 16:56:28

Marianne Bloss schrieb:

> Unter den beschriebenen Umständen hätte ich wohl auch keine Bedenken.
> Das Risiko, dass die angeklemmte Dichtung hinterwandert werden könnte,
> kann man minimieren, und zwar entweder durch einen Rücksprung in der
> Stb-Wand,

ich vergaß zu erwähnen, dass die Wand schon länger ausgeschalt ist ;-)

> oder (was unser Fassadenbauer vor Jahren gemacht hat) durch
> ein Kompriband, das expandierend andichtet. Mechanische Beanspruchung
> durch den Rasenmäher lässt sich ja durch entsprechende Planung vermeiden ;-)

Wie? Durch eine Langgraswiese? Will der Bauherr nicht, er sei nicht "Öko"!

--
Rolf Sonofthies


Andichtung an aufgehende Bauteile WU-Beton

"MaWin"
2008-02-09 17:07:31

"Rolf Sonofthies" schrieb im Newsbeitrag
news:fokibj$eag$1@registered.motzarella.org...
>
> Da die Abdichtung in aufgewalztem Polymerbitumen ausgeführt ist durch das
> Abdichtungsmaterial an sich schon keine Hinterläufigkeit gegeben.
> Weiterhin liegen die Zylinder jeweils auf einem Hügel und sind zur Sicherheit
> auch noch von einem Schotterring umgeben um zusätzlich Wasser ableiten zu
> können. Außerdem kann wegen mangelnder Wärmezuführung (nichts ist beheizt) und
> Verschattung durch hohe Nachbargebäude der klassische Schmelzeffekt auf einer
> Terrasse entlang der Fassade nicht auftreten

Klassisch verdrehte Logik in Richtung Unsicherheit statt Sicherheit.

Wuerde man sagen: "Bei aufgewalztem Polymerbitumen kann man nicht davon
ausgehen, dass das Wasser schon dahinter ablaufen wird" koennte ich zustimmen,
aber zu glauben, dass es ausgeschlossen ist, ist naiv. Ich kenne mindestens
ein Bauwerk, bei dem signifikante Wassermengen dahinterlaufen weil sich
der Bitumen zusammen mit einer duennen Zementschicht abloeste. Das reicht als
Gegenbeweis. Und die Theorie, dass dann ja etwas nicht regelgerecht gebaut
worden waere, ist auch nur eine Theorie, denn natuerlich sollte auch
dieses Bauwerk nach allen Regeln der Kunst gebaut worden sein.

Auch deien anderen aufgefuehrten Rahmenbedingeungen klingen eher wie "man
sollte nicht davon ausgehen, dass der Schnee hier schnell abschmilzt".

> Die Verblechung eines geneigten Zylinders stellt ziemlich hohe Anforderungen
> an den Blechner und die entsprechende Aussparung eine noch höhere an den
> Betonbauer.

Och, ich hab so was neulich selbst gemacht, ok, nicht in Rasenmaeherhoehe.
--
Manfred Winterhoff


Andichtung an aufgehende Bauteile WU-Beton

Marianne Bloss
2008-02-09 17:20:12

Rolf Sonofthies schrieb:

>> oder (was unser Fassadenbauer vor Jahren gemacht hat) durch
>> ein Kompriband, das expandierend andichtet. Mechanische Beanspruchung
>> durch den Rasenmäher lässt sich ja durch entsprechende Planung vermeiden ;-)
>
> Wie? Durch eine Langgraswiese? Will der Bauherr nicht, er sei nicht "Öko"!

Da gibt es mehrere Möglichkeiten, den Rasen eben nicht bis an die
Schächte heranzuführen. Du schreibst ja schon von einer Kiestraufe, die
den Sicherheitsabstand gewährleistet, oder eben durch geeignete
Bepflanzung, die nicht geschnitten werden muss. Bei extensiven
Begrünungen gibt es attraktive und farbige Pflanzen, die sich ebenfalls
eignen würden.

Marianne


Andichtung an aufgehende Bauteile WU-Beton

Rolf Sonofthies
2008-02-09 18:38:41

MaWin schrieb:

>> Da die Abdichtung in aufgewalztem Polymerbitumen ausgeführt ist durch das
>> Abdichtungsmaterial an sich schon keine Hinterläufigkeit gegeben.
>> Weiterhin liegen die Zylinder jeweils auf einem Hügel und sind zur Sicherheit
>> auch noch von einem Schotterring umgeben um zusätzlich Wasser ableiten zu
>> können. Außerdem kann wegen mangelnder Wärmezuführung (nichts ist beheizt) und
>> Verschattung durch hohe Nachbargebäude der klassische Schmelzeffekt auf einer
>> Terrasse entlang der Fassade nicht auftreten

> ... Ich kenne mindestens
> ein Bauwerk, bei dem signifikante Wassermengen dahinterlaufen weil sich
> der Bitumen zusammen mit einer duennen Zementschicht abloeste. Das reicht als
> Gegenbeweis.

Das lässt mich an der Konstruktion jetzt auch zweifeln. Das Aufwalzen
hat also für ausreichende Haftung gesorgt, aber die Sinterhaut (heißt
die so?) des Betons hat sich gelöst. Im Zusammenhang mit Abdichtungen
hatte ich das noch nicht gehört.

> Und die Theorie, dass dann ja etwas nicht regelgerecht gebaut
> worden waere, ist auch nur eine Theorie,

???

> denn natuerlich sollte auch
> dieses Bauwerk nach allen Regeln der Kunst gebaut worden sein.

Bleiben wir doch bei den "anerkannten Regeln der Technik", ;-)

> Auch deien anderen aufgefuehrten Rahmenbedingeungen klingen eher wie "man
> sollte nicht davon ausgehen, dass der Schnee hier schnell abschmilzt".

Ja, er wird sogar besonders lange liegen bleiben.

>> Die Verblechung eines geneigten Zylinders stellt ziemlich hohe Anforderungen
>> an den Blechner und die entsprechende Aussparung eine noch höhere an den
>> Betonbauer.
>
> Och, ich hab so was neulich selbst gemacht, ok, nicht in Rasenmaeherhoehe.

Was jetzt, die Verblechung (Hut ab) oder die Nut im geneigten
Betonzylinder (Oha!)?


--
Rolf Sonofthies