Architektur

www.architektur-forum.info

CCTV-Tower

Helga Schulz
2008-04-14 22:51:10

Hab nun den Zettel mit dem Namen des deutschen beteiligten
Architekten am CCTV-Tower in China (das schräge Gebäude)
gerade wiedergefunden.
Büro ist Rem Koolhaas, mit Ole Scheeren. Zu sehen unter
www.oma.nl
Das stand in den Artikeln über Peking (es waren diverse) in der
ZEIT Nr. 30 vom 19. Juli 2007.


CCTV-Tower

Karl-Ludwig Diehl
2008-04-15 06:44:48

On 14 Apr., 22:51, Helga Schulz wrote:
> Hab nun den Zettel mit dem Namen des deutschen beteiligten
> Architekten am CCTV-Tower in China (das schr


CCTV-Tower

dirk berhausen
2008-04-15 18:43:58

Hallo Newsgroup,

auch ich erkenne keinen Zusammenhang zu einem alten Thread,
würde aber an dieser Stelle gerne auf einen recht aktuellen Artikel aus
der Zeit hinweisen, siehe hier:

http://www.zeit.de/2008/14/China-Architektur

Vielleicht kann man ja dies zum Anlaß nehmen eine grundsätzliche
Diskussion zur angerissenen Thematik "Bauboykott oder Prostitution" in
Gang setzen.

Sollten sich Architekten "prostituieren", wie im Falle des CCTV das Büro
OMA es tut, und seine (in diesem Fall herausragende) entwurfliche
Leistung für ein falsches Marketing einer umstrittenen Ideologie
mißbrauchen zu lassen?

Gerade Diktaturen haben Schübe und Entwicklungen in der
Architekturgeschichte stark beeinflußt.

Und besteht eventuell, wie im Artikel angesprochen, sogar die
Möglichkeit mit einer Art "transparenter" Architektur das System (China)
zu unterlaufen?

Oder sind die Architekten nur noch Dienstleister (wie Herr Speer
erklärt) und opportune Gehilfen der Investoren und Staaatsmänner?

Dirk




Helga Schulz schrieb:
> Hab nun den Zettel mit dem Namen des deutschen beteiligten
> Architekten am CCTV-Tower in China (das schräge Gebäude)
> gerade wiedergefunden.
> Büro ist Rem Koolhaas, mit Ole Scheeren. Zu sehen unter
> www.oma.nl
> Das stand in den Artikeln über Peking (es waren diverse) in der
> ZEIT Nr. 30 vom 19. Juli 2007.


CCTV-Tower

Karl-Ludwig Diehl
2008-04-15 11:29:19

Hallo Dirk,

On 15 Apr., 18:43, dirk berhausen wrote:
> Hallo Newsgroup,
> auch ich erkenne keinen Zusammenhang zu einem
> alten Thread, w


CCTV-Tower

dirk berhausen
2008-04-16 11:07:57

Hallo Karl-Ludwig,

Karl-Ludwig Diehl schrieb:

> Wer ist China? Das sind sehr unterschiedliche
> soziale Gruppierungen, die dort agieren. Sie
> verfügen auch nicht über dieselbe ideologischen
> Haltungen. Gegen wen richtet sich ein solcher
> Boykott? Die kommunistische Partei, die frei-
> beruflichen Wirtschaftseliten? Gegen die vielen
> anderen Interessengruppen?


Im Sinne eines Boykotts wäre für mich "China" mit "Partei"
gleichzusetzen. Klar macht es keinen Sinn Entwicklungsprojekte für
Bauern abseits der Mega-Cities zu boykottieren.
>
> Ich las in dem Zeit-Artikel zu den Architekten,
> die für China planen:
> "Worauf gründen die moralischen Bedenken?
> Nüchtern betrachtet, sind Architekten nichts
> anderes als Geschäftsleute. Sie verkaufen
> keine Waffen und keine Betäubungsmittel,
> sie handeln mit Entwürfen, wie andere mit
> Autos oder Schmuck handeln. Und von diesen
> Auto- oder Schmuckhändlern wird schließlich
> nicht erwartet, dass sie ihre Geschäfte mit
> China oder anderen Autokratien kritisch
> reflektieren. Warum also sollte man es von
> Architekten erwarten?"

Weil Architektur (der Lehre nach) mehr leisten könnte, als das zur Schau
tragen kapitalistischer Werte, wie Autos und Schmuck. Wobei sich doch
gerade bei dem Medientower weltweit eine andere Symbol- und Außenwirkung
zeigen wird, als bei dem flotten Schlitten des dortigen Programmchefs.
Zukünftig wird das CCTV-Gebäude jeden Abend zur Prime Time im
News-Hintergrund die Offenheit und Ehrlichkeit Chinesischer Medien
symbolisieren.
Zudem hat Architektur ja auch meistens längere Lebensdauern als o. g.
Konsumgüter, manches Bauwerk wird gar zum Denkmal.


> Das andere ist folgender Aspekt: diejenigen,
> die derzeit China in den westlichen Industrie-
> staaten anprangern, nutzen die Olympia und
> ihren Fackellauf. Das bringt viel Medieninter-
> esse. Ein Architektenboykott regt hier niemanden
> auf.

Der Boykott würde sich auf einige wenige Star-Architekten beziehen, die
solche Aufträge nicht nötig haben und bereits medial Präsent sind.
Liebeskind wurde ja hier z. B. genannt.

>
> Wem gehört denn der Tower? Der kommunistischen
> Partei oder frei beruflichen Wirtschaftsunter-
> nehmer? Sehr viel des Investitionskaiptals in
> solche dynamischen Entwicklungszentren kommt aus
> Taiwan, Korea, Japan, USA, usw.

Wer im Volk weiß, wem der Tower gehört? Steht hier nicht der
symboilische Besitz im Vordergrund. Bei den Beteiligten Investoren wird
man kaum die Anteile öffentlich legen können.

> Der Imperialismus hat in China viele Spuren
> hinterlassen. Eine Folge davon ist das heutige
> China.

Und jeder kann sich von der größtenteils seelenlosen
"Stempelarchitetktur" überzeugen....

>
>> Und besteht eventuell, wie im Artikel
>> angesprochen, sogar die
>> Möglichkeit mit einer Art "transparenter"
>> Architektur das System (China)
>> zu unterlaufen?
>
> Das Thema klingt interessant. Wie soll Archi-
> tektur Transparenz schaffen, um Diktatur
> bloßzustellen und einen dynamischen Demo-
> kratisierungsprozeß einzuleiten?
>
den Bauherren neue Raumprogramme und offene Strukturen ans Herz legen,
Möglichkeiten der Beteiligung von Bürgern schaffen (was auch im Westen
nicht immer klappt). Planende Architekten könnten in Gesprächen auf die
Wichtigkeit der Wahrnehmung von Investorenbauten beim Volk hinweisen und
an eine verträgliche gesamtheitliche Wirkung und Planung appellieren.
Investoren fehlt oft der Sinn für den "Mehrwert" des Gebauten.


>> Oder sind die Architekten nur noch
>> Dienstleister (wie Herr Speer
>> erklärt) und opportune Gehilfen der
>> Investoren und Staaatsmänner?
>
> Das Problem wird eher sein, daß man Jahr-
> zehnte gepredigt hat, Kommunismus tauge
> nichts und kommunistische Partei richten
> ein Land zugrunde, weil in ihrer Wirtschaft
> sich die Wirtschaftskräfte nicht entfalten
> können. Nun ist ausgerechnet China das
> dynamischste Land, was die Entwicklung
> betrifft. Wir könnten es im kritischen
> Westen mit einer politischen Neidkultur zu
> tun haben.

Problem in China ist, dass sich die genannte Dynamik nur in den
Megacities abspielt. 20km hinter der Stadtgrenze wird man die
Wirtschaftskraft vergeblich suchen.
>
> Hier in D die Auswirkungen des eiskalten
> Neoliberalismus, der unsere Sozialsysteme
> ruiniert, dort Wirtschaftswachstum.

Im Gegensatz zu unseren über Jahrzenhte gewachsenen Wirtschaftsystemen
fehlt China völlig ein soziales Absicherungssystem (welches beim
Wachstum mithalten kann).
Sprich, die "Turbo-Spirale" steht auf wackeligen Füßen und kann
jederzeit kollabieren.....



Hier
> organisierter Irak-Krieg mit katastrophalen
> Folgen für das westliche Bankensystem,
> dort Produktivitätssteigerungen, Ent-
> wicklung, Innovationskraft. Alles sehr eigen-
> artig.

Ich bin der Meinung das gesamte System in China steht nicht auf einer
festen Basis. Bereits jetzt fehlt den kleineren Kommunen das Geld um die
größenwahnisinnigen Projekte fertigzustellen.

>
> Ein Boykott in einem solchen Kontext wirkt
> merkwürdig, der von Architekten organisiert
> wird. Ist er ehrlich? Schafft er bei uns
> neue Sozialstaatlichkeit und bessere Lebens-
> absicherungen?
>
Warum sollte der Boykott uns besser stellen.
Er würde weltweit den Blick auf das korrupte, menschenverachtende
Staatssystem fokussieren.
Letzendlich muss die Revolte jedoch aus dem eigenen Volk kommen.
Die Wahrnehmung in der öffentlichkeit könnte diesen Prozess aber doch
immerhin fördern.

> Vielleicht sollte man statt eines Boykotts
> von Architekten eine Löschung der brennenden
> unterirdischen Braunkohlefelder in China
> organisieren.
>
> Dort wird so viel Kohlendioxid freigesetzt
> wie das ein ganzes Industrieland wie die USA
> in derselben Zeit schafft.
> Diese brennenden Braunkohlenflöze
> haben eine Ausdehnung wie das Saarland oder
> noch größer. Sobald sie mit Sauerstoff in Be-
> rührung kommen, fangen sie an zu brennen.
> Dort glühen ganze Landschaft inwendig und
> verrußen die Landschaft und eine nahegelegene
> Großstadt. Bisher gelang die Eindämmung der
> Brände nicht. Atemwegserkrankungen sind nur
> die eine Seite der negativen Auswirkungen.


Davon wußte ich bisher nichts. Wie gesagt Transparenz ist nicht die
Stärke Chinas.
>
> Daß Tibet in eine Unabhängigkeit zu entlassen
> ist, steht außer Frage. Leider waren die Ver-
> hältnisse vor der Besetzung Tibets durch die
> Rotchinesen merkwürdigst. Der Dalai Lama
> selbst wuchs abgeschottet auf, in völliger Un-
> freiheit. Etwa 1/3 der Bevölkerung lebte in
> Klöstern. Das Sagen hatte eine kleine Kaste
> der Oberschicht. Es war grauslig.
> Man müßte wissen, was aus Tibet gemacht werden
> soll, wenn es in eine Unabhängigkeit entlassen
> wird. Dazu Wissen anzuhäufen, wird allemal
> nützlicher sein als ein Architektenboykott.

Dem kann ich nur zustimmen.
Dirk


CCTV-Tower

Karl-Ludwig Diehl
2008-04-16 08:04:39

On 16 Apr., 11:07, dirk berhausen wrote:
> Hallo Karl-Ludwig,
> Karl-Ludwig Diehl schrieb:
> > Wer ist China? Das sind sehr unterschiedliche
> > soziale Gruppierungen, die dort agieren. Sie
> > verf


CCTV-Tower

"Jan S@lm@r"
2008-04-16 17:20:00

Karl-Ludwig Diehl schrieb:

> Irgendwann wird man Tibet freigeben.

Das glaube ich nicht. Eher etwas mehr Freiheit gewähren.
Siehe auch:
http://www.taz.de/1/politik/asien/artikel/1/die-verteufelung-chinas/?src=MC&cHash=04519cc626


CCTV-Tower

Karl-Ludwig Diehl
2008-04-16 08:33:42

On 16 Apr., 17:20, "Jan S@lm@r" wrote:
> Karl-Ludwig Diehl