Hallo,
Tom Berger schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> Ich finde den Inhalt der Bücher stark reaktionär und
rassistisch, und
> dasselbe gilt für die Architektur, die in den Büchern
beschrieben wird
Das waere jetzt aber an konkreten Textstellen deutlich zu machen.
K.L.Diehl
--
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Architektur
Re: Architektur in Herr der Ringe
Re: Architektur in Herr der Ringe
"tobias" schrieb:
>Wenn Du befürchtest eine Gemeinschaft könne nur existieren,
>wenn die meisten Mitglieder leben wie die Schafe, induzierst
>Du die These, es muß immer jemand das ein, der der Herde
>sagt, wos langgeht.
Nein, da überstrapazierst Du meinen Vergleich. Unser Bildungssystem
und unsere kulturtragenden Medien leisten nicht das, was Du gefordert
hast: Menschen dazu zu erziehen, dass sie Subjekt ihres Handelns sind.
Vielmehr sind sie Konsument in jeder Hinsicht, also Objekt. Ich habe
die Befürchtung geäussert, dass das Methode hat.
Anders als bei einer Schafherde ist es bei den Menschen nicht nötig,
dass ein Hirte oder ein Leithammel sagt, wos lang geht - das kann auf
ganz anderen Ebenen passieren
>und dami neuen Form von Gemeinschaft münden wird,
>deren Ansatz auf Betonung des Einzelnen (König unter
>Königen) liegt.
Dazu gibt es nicht den geringsten Anhaltspunkt. Das wäre genau meine
schon geäußerte Wunschvorstellung.
Dazu bedarf es nämlich einer Kultur, in der eben die schon
geschilderte Lust auf Wissen und Wissenserwerb ganz hohe Priorität
hat, denn nur, ich wiederhole mich, nur wer seine Umwelt versteht und
begreift, wer die Grundlagen der Dinge und der Verhältnisse begreift
und ihre Zusammenhäge, der kann wirklich Subjekt seines Handelns sein,
oder, wie Du es sagst, König seiner Welt, und ein König unter
Königen.
>Es gab in der Evolution des Menschen immer solche
>"Knackpunkte". Die rasante Entwicklung im Moment
>unterstützt meine Vermutung, daß wir (die Menschen)
>wieder an solch einem "Knackpunkt" angelangen
>könnten - oder auch nicht :-))
IMO eher zum Negativen hin, jedenfalls in unserer "westlichen"
Zivilisation. Der Durchschnittsdeutsche jedenfalls weiss heute sicher
weniger über die Dinge, die sein Leben ausmachen, als der
Durchschnittsdeutsche vor 100 Jahren.
Gruß
Tom Berger
--
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Re: Architektur in Herr der Ringe
Hallo,
tobias schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> Daher frage ich mich, ob die geschaffene Architektur nicht
> inzwischen zu "rational" und "nüchtern" ist, also
ein Bedürfnis der
> Menschen, insbesondere ein psychisches, vernachlässigt. Sonst
> könnte ich mir auch den enormen finanziellen Erfolg eines
> solchen Filmes nicht erklären.
Das ist genau der Punkt. Man kann das sehr gut bei Hundertwasser sehen,
oder der Architektur der Urlaubsdomizile. Die Menschen wollen das sehen
und brauchen diesen Erlebnisrahmen, der mit ihrem Vermoegen, zu
phantasieren, korrspondiert. Sie erleben Romane, Filmwelten und als
Kontrast die karge Wirklichkeit, die von Architekten so
"vernunftbetont"
aufgebaut wird.
Es fehlt die traumhaft schoene Architektur.
> Ich würde sogar vermuten, daß symbolhafte Architektur heute
> zu sehr fehlt, oder besser Symbole in der Architektur.
So ist es. Aber sie laesst sich ja verwirklichen, wenn sich Architekten
zu einem solchen Unternehmen zusammenschliessen. Eine solche Architektur
will durchgesetzt werden. Nutzer gibt es dann genug.
K.L.Diehl
--
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Re: Architektur in Herr der Ringe
Hallo,
Tom Berger schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> >Ich würde sogar vermuten, daß symbolhafte Architektur heute
> >zu sehr fehlt, oder besser Symbole in der Architektur.
> Dem kann ich absolut nicht zustimmen.
... später ist die
> Postmoderne ja ziemlich kläglich daran gescheitert, wieder eine
> symbolbeladene Architektur zu schaffen. Der Fehler war, dass man das
> unwissend und schablonenhaft agiert hat, und statt einer Kommunikation
> über Symbole ist nur eine Kakophonie heraus gekommen.
Das stimmt wohl nicht, denn es gab einen grossartigen Drive hin zur
Veraenderung der Architektur. Dass sich darunter Abklatsch von
grossartigerer postmoderner Baukunst befindet, ergibt sich aus jeder
Zeitstroemung.
K.L.Diehl
--
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Re: Architektur in Herr der Ringe
Hallo,
tobias schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> Nun ja, das sehe ich etwas anders. Es ist eher ein Zeichen dafür,
> daß es die Wissenschaft nicht schafft, die "seelische"
Komponente
> ihrer Erkenntnisse zu vermitteln, d.h. das sinnliche Erleben einer
> Einbindung des Menschen in den Kosmos auf ihrer Grundlage.
Eigentlich will die Wissenschaft analysieren und das Auseinandernehmen,
was die Phantasie erzeugt.
Erlbenisse, die Du suchst, leistete vielleicht Levi-Strauss mit seinem
"Wilden Denken"/Strukturalismus, der eine Zusammenschau betrieb.
> Sie hat seltsamerweise mehr Potential imo, als jede
"Erkenntnisrichtung
> zuvor, aber weniger "Priester" (im Sinne eines Vermittlers) die
dazu
>fähig
> sind.
Mit seelischem Material ganz direkt zu arbeiten und Bilder/Architekturen
zu erzeugen, legt ein gewaltiges Erlebnispotential frei. Ich staune
immer, was sich in meinen Architekturzeichnungen aeussert, die ganz dem
seelischen Erleben nachfolgen.
K.L.Diehl
--
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Re: Architektur in Herr der Ringe
Hallo,
W.Herrmann schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> > Dann bekommen wir das Feudalsystem in allen möglichen Varianten
als
> > das wirklich gute System vorgeführt,
> Ne. Die Hobbits sind freie Bauern auf freiem Grund. Nix Feudalsystem.
Die Hobbits erinnerten mich an Mitglieder von Buergerinitiativen, die
sich aus freiwilligen Entschluss fuer eine interessante Sache einsetzen,
bei vager Hoffnung auf Erfolg des Unternehmens. Die Treffen, egal wo,
wirken informell organisiert und der Erlebnisrahmen den die Aktivisten
durchlaufen muessen, zeigt das Dunkel und Hell ueblicher
Durchsetzungsgruppen, z.B. von Buergerinitiativen. Himmel und Hoelle
sind immer dicht beisammen.
K.L.Diehl
--
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Re: Architektur in Herr der Ringe
Hi Tom,
> Nein, da überstrapazierst Du meinen Vergleich. Unser Bildungssystem
> und unsere kulturtragenden Medien leisten nicht das, was Du gefordert
> hast: Menschen dazu zu erziehen, dass sie Subjekt ihres Handelns sind.
> Vielmehr sind sie Konsument in jeder Hinsicht, also Objekt. Ich habe
> die Befürchtung geäussert, dass das Methode hat.
o.k. :-)
> Anders als bei einer Schafherde ist es bei den Menschen nicht nötig,
> dass ein Hirte oder ein Leithammel sagt, wos lang geht - das kann auf
> ganz anderen Ebenen passieren
z.B. Fernseher :-)
> Dazu gibt es nicht den geringsten Anhaltspunkt. Das wäre genau meine
> schon geäußerte Wunschvorstellung.
>
> Dazu bedarf es nämlich einer Kultur, in der eben die schon
> geschilderte Lust auf Wissen und Wissenserwerb ganz hohe Priorität
> hat, denn nur, ich wiederhole mich, nur wer seine Umwelt versteht und
> begreift, wer die Grundlagen der Dinge und der Verhältnisse begreift
> und ihre Zusammenhäge, der kann wirklich Subjekt seines Handelns
sein,
> oder, wie Du es sagst, König seiner Welt, und ein König unter
Königen.
> IMO eher zum Negativen hin, jedenfalls in unserer "westlichen"
> Zivilisation. Der Durchschnittsdeutsche jedenfalls weiss heute sicher
> weniger über die Dinge, die sein Leben ausmachen, als der
> Durchschnittsdeutsche vor 100 Jahren.
die stimmt vor dem Hintergrund, daß vor hundert Jahren Deutschland
zu großen Teilen landwirtschaftlich geprägt war - und die Menschen
wußten, woher das Futter kommt - und wie das Futter herangezogen
wird.
Das Lebensumfeld war daher für die meisten relativ übersichtlich :-)
Die Kompexität des Vorgangs "Futter" (als Beispiel) hat seither
zugenommen.
Oder beziehst du das auf "Wissen"? Da müßte ich dann
widersprechen :-)
Gruß
Tobias
Re: Architektur in Herr der Ringe
Hallo,
Tom Berger schrieb in der newsgroup de.sci.architektur:
> >Die Orks sind keine "Rasse".
> Es ist absolut unerheblich, welche Details Du über die Erschaffung
der
> Orks anführst - entscheidend ist alleine, dass sie in der Geschichte
> alle Merkmale eines Volks erfüllen, das durch äusserliche
(rassische)
> Merkmale von anderen Völkern unterschieden wird.
Selbstverständlich
> sind die Orks auch im Verständnis des Buchs eine Rasse.
Das ist Quatsch. In dieser Mythenwelt spielen nur Kraefte eine Rolle. Es
geht nicht um Rasse.
Gruesse
K.L.Diehl
--
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