Architektur

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Architektur im Roman: Der kleine Hobbit / 1

Architektur im Roman: Der kleine Hobbit / 1

Karl-Ludwig Diehl
2003-12-06 20:28:06

K.L.Diehl, Ackerstr. 4, 53179 Bonn - Seaman Ave, New York

Architektur im Roman: Der kleine Hobbit / 1

Ausgewertet ist der Roman von J.R.R.Tolkien: Der kleine Hobbit.
Muenchen, 2002.
Das Buch erschien erstmals 1937. Tolkien war Mythologieforscher,
Professor in Leeds und Oxford und gab ein mittelenglischen Woerterbuch
heraus. 1954/55 erschien sein Roman "Herr der Ringe".

Das Buch "Der kleine Hobbit" hat in der deutschen Ausgabe vom Jahre 2002
19 Kapitel und die Geschichte erstreckt sich ueber 471 Seiten.

Zur Architektur im 1.Kapitel (S.7 - 50):

Der Hobbit lebt bei Tolkien in einer Hoehle:
"Es war eine Hobbithoehle, und das bedeutet Behaglichkeit". (1)
Die kreisrunde Tuer, "wie ein Bullauge", ist gruen angestrichen und
fuehrt in die Hoehle im Berg.
Hinter der Tuer liegt eine "roehrenfoermig(e) lange Halle", die auch als
Tunnel beschrieben wird. Fliesen und Teppiche auf dem Boden, Stuehle und
Haken fuer Huete und Maentel an der Wand charakterisieren diese
Eingangshalle etwas genauer. (2)

Der Tunnel fuehrt gewunden in den Berg hinein und runde Tueren lassen
Raeume seitlich davon erahnen. Eine Treppe ist nicht vorhanden. (3)
Die Raeumlichkeiten der Wohnung werden aufgezaehlt: Schlafraeume,
Badezimmer, Keller, Speisekammern, Kleiderschraenke, Kuechen, Esszimmer.
Alles ist zu ebener Erde an demselben Korridor gelegen. (4) Links vom
Gang sollen wir uns die besseren Zimmer vorstellen und nur diese haben
Fenster nach draussen. Es sind "tief gesetzte runde Fenster". Der Blick
geht ueber den Garten und die Wiesen. (5)

Bilbo Beutlin, den Hobbit, muss man sich "ungefaehr halb so gross wie
wir" vorstellen (6) und er liebt es, "nach dem Fruehstueck vor seiner
Tuer zu rauchen". (7) Er setzt sich dazu gerne "auf die Bank vor der
Tuer". (8)

Als er ploetzlich Besuch von Zwergen erhaelt, bittet er sie zu Tisch,
verschwindet im Keller, um Essen und Getraenke zur Bewirtung zu holen.
(9) Die Gaeste sitzen "rund um den Tisch". (10)
Als es klingelt, rennt der Hobbit den Gang entlang, um zu oeffnen. (11)
Weitere Zwerge treffen ein. Die Vorratskammern (12) muessen vom Hobbit
aufgesucht werden, da immer mehr Zwerge kommen, dazu noch der Zauberer
Gandalf. Das schmutzige Geschirr stapelt sich bald und muss durch die
Kuechentuer fortgeschafft werden, um Platz am Tisch zu schaffen. Dem
Hobbit wird dabei geholfen und rasch ist wieder alles wohnlicher. Damit
alle unterkommen, die eintreffen, stellen die Zwerge "ein paar kleine
Tische ins Empfangszimmer". (13) Dieses Zimmer lernen wir etwas genauer
kennen:

Der Hobbit "hockte auf einem Stuhl am Kamin", der Zauberer "sass obenan,
die dreizehn Zwerge sassen ihm zur Seite". (14) Spaeter, waehrend die
Zwerge nach der Bewirtung das Geschirr spuelen, tun sie das, "waehrend
der Hobbit sich in der Mitte der Kueche um sich selbst drehte" (15), um
die Zwerge etwas zu beaufsichtigen. Wenig spaeter erfahren wir, dass es
am Kamin im Empfangszimmer ein Kamingitter gibt (16) und sich eine "Uhr
auf dem Kaminsims" befindet. (17)

Da schliesslich im Empfangszimmer mit Musikinstrumenten musiziert wird,
muss Platz genug dafuer da sein. Ausserdem wird praezisiert:
"Das Dunkel drang durch die kleinen Fenster, die in die Flanke des
Berges eingelassen waren." (18), sodass wir uns mehrere
Fensteroeffnungen im Empfangsraum vorstellen duerfen. Wegen der
Dunkelheit bietet der Hobbit seinen Gaesten an, eine Lampe zu holen.
(19)

Erwaehnt wird an dieser Stelle im Text, dass es Bierfaesser im Keller
gibt. (20)

Der Hobbit, der den Gesaengen der Zwerge zuhoert, faellt ploetzlich vor
Schreck auf das Kamingitter, so schaurig ist ihm zumute. Er ist so
aufgeregt, dass ihn die Zwerge zu dem Sofa "hinueber ins Wohnzimmer"
bringen, damit er sich erholt. (21) Als es dem Hobbit besser geht,
kriecht "er aufgeregt zur Tuer des Empfangszimmers" (22), hoert den
spannenden Gespraechen zu und tritt dann ins Empfangszimmer:
"Da drehte Mister Beutlin den Tuerknopf und trat ein." (23)

Der Zauberer Gandalf bittet den Hobbit nun doch um eine Lampe und man
beugt sich bei Licht ueber eine Karte aus Pergament. Darauf abgebildet
ist ein Gebiet, das aufgesucht werden soll. Es wird im Text erwaehnt,
dass der Hobbit auch ueber eine Karte verfuegt, die aber die Umgebung
seiner Hoehle zeigt:
"In seiner Halle hing eine grosse Karte von der Umgebung, in die mit
roter Tinte all seine Lieblingswege eingezeichnet waren." (24)

Nach langen Gespraechen im Empfangszimmer richtet der Hobbit in seiner
Hoehlenwohnung "seine Gastzimmer" und macht "Betten auf Stuehlen und
Sofas", bis er jeden verstaut hat. (25) Danach legt er sich "in sein
eigenes Bett" (26), nicht bevor er alle fragt, was sie am naechsten Tag
zum Fruehstueck haben wollen.

Aus den Gesaengen der Zwerge und den Gespraechen zwischen den handelnden
Personen ergeben sich Schilderungen anderer Raeume. Man will "ueber die
kalten Nebelberge zu den tiefen Verliesen und uralten Hoehlen" gehen.
(27) Dort "im Unterirdischen" schlafen "die dunklen Geheimnisse" "in den
grossen Hoehlen unter den kahlen Huegeln". (28) In diesem
geheimnisvollen Hoehlenreich sind Schaetze angehaeuft, aber ein Drache
hat sich des Reiches der Zwerge bemaechtigt, das in einem Berg ueber
einem Tal liegt, wo Menschen wohnten. (29)
Zwerge und Menschen mussten fliehen, als der Drache sich ueber sie
hermachte.

Der Hobbit denkt "an die Juwelen der Zwerge, die in dunklen Gewoelben
schimmerten" und gewoehnt" sich langsam an die Idee des Zauberers und
der Zwerge, dieses Reich wieder zu erobern und den Drachen zu verteiben.

Bei Betrachtung der Karte aus Pergament wird die Landschaft geschildert,
die aufgesucht werden soll:
"Es ist der Plan des Berges". (30)
Es gibt "den Berg und die Laender in seiner Umgebung", einen "Nachtwald"
und "die verwitterte Heide, wo die grossen Drachen hausen". (31)
Irgendwo auf der Karte "ist der geheime Eingang" eingezeichnet, der
"einen verborgenen Zugang zu den unteren Gewoelben" des ehemaligen
Zwergenreiches darstellt. (32) Dieser Eingang ist klein: "Fuenf Fuss
hoch die Tuer, und drei passen nebeneinander." (33) Das ist zu eng fuer
den grossen Drachen, der das Gebiet erobert hat und in der grossen
Hoehle die gehorteten Schaetze bewacht. Der geheime Zugang hat "eine
verschlossene Tuer, die so angefertigt wurde, dass sie genau wie der
Berg aussieht." (34) Fuer diese Geheimtuer gibt es einen silbernen
Schluessel, den der Zauberer der versammelten Runde vorzeigt. (35) Durch
diese Tuer wollen die Zwerge in das Reich zurueckkehren, benoetigen aber
die Hilfe des Hobbit dazu.

Um zu dem Gebiet des Bergmassivs mit den Schaetzen der Zwerge zu kommen,
muss man "nach Osten bis zum langen See ziehen" (36), "von dort
aufwaerts dem Eiligen Wasser folgen (...) bis zu den Ruinen von Dal".
(37) Dal ist eine alte Stadt "im Tal am Fusse des Berges" und war von
Menschen bewohnt. (38) Sie hat ein Haupttor, aus dem auch der Fluss
herauskommt. Denselben Weg nimmt auch der Drache, wenn er die Hoehle im
Berg verlaesst. (39)

Der Hobbit laesst sich die Geschichte mit diesem geheimnisvollen Berg
von einem der Zwerge erzaehlen:
"Sehr lange ist es her, dass (...) unsere Familie aus dem fernen Norden
vertrieben wurde. Sie kam mit all ihren Reichtuemern und ihren
Werkzeugen zu diesem Berge (...)" (40)
Wir erfahren mehr:
"Dann gruben meine Vorfahren und trieben Stollen vor und machten hohe
Gewoelbe und grosse Werkstaetten" (41), wobei sie Gold und Edelsteine
gefunden haben sollen. Der Reichtum wurde ueberall im Lande bekannt.
Davon profitierten auch die Menschen, die sich "das Eilige Wasser hinauf
bis dorthin ausbreiteten, wo das Tal vom Berge ueberschattet war". (42)

Die Stadt der Menschen entpuppt sich in der Erzaehlung als "die
froehliche Stadt Dal". (43) Handel und Wandel setzte ein. Zwerge und
Menschen lebten gluecklich zusammen. Die Zwerge haeuften weitere
Reichtuemer an, die sich aus dem Handel ergaben:
"So wurden die Gewoelbe meines Grossvaters mit Ruestungen und
Edelsteinen gefuellt, mit Schnitzereien und Bechern." (44)

Leider lockte der Reichtum den Drachen an. Sein Name ist Smaug und er
machte sich ueber den Berg her, spie Feuer und bald war der Berg aller
Baeume beraubt, die voellig verbrannten. Die Kaempfe zwischen Drachen,
Menschen und Zwergen tobten, aber der Drache war gewaltiger und
bemaechtigte sich des Zwergenreiches im Berg:
Er "kroch durch das Haupttor und stoeberte in allen Hallen und Gaengen,
in Stollen und Gaesschen, in Kellern, Wohnungen und Durchgaengen umher."
(45) Genauso zerstoerte er die Stadt der Menschen, raubte sich
Jungfrauen, die er mit Genuss vertilgte. Die Reichtuemer, die der Drache
fand, stapelte er in einer grossen Hoehle "und schlaeft darauf wie in
einem Bett". (46)

Erwaehnt werden im Text des ersten Kapitels dieses Romans die "Bergwerke
von Moria", wo der Grossvater des erzaehlenden Zwerges nach der
Zerstoerung des Zwergenreiches arbeiten musste, und wo er auch umkam,
weil er von einem Ork ermordet wurde. Desweiteren ist das "Verliess des
Geisterbeschwoerers" im Text erwaehnt, wo der Vater des selben Zwerges,
der die Geschichte dem Hobbit erzaehlt, gefangengehalten wurde. Alles
wird schaurig geschildert "und alle Zwerge bekamen eine Gaensehaut"
(47), die beim Hobbit in seiner Hoehle versammelt sind. Nach der
Geschichte gehen alle schlafen.

Wer solche Raeume des Romans verfilmen soll, hat zwar Anhaltspunkte,
jedoch sind fuer die Ausgestaltung der Architektur viel zu wenige
Hinweise gegeben. Der Leser muss sich die Architektur in seiner
Phantasie selbst ausmalen. Fuer einen Film muss sie jedoch festgelegt
werden. Und dann kommt es darauf an, auf was man sich festgelegt hat.

Karl-Ludwig Diehl

Anmerkungen: (auf Nachfrage)
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