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Re: Baukostenberechnung

Re: Baukostenberechnung

"Wolfram Oehms"
2003-07-22 23:51:22

Hallo

> dem BKI, multipliziert mit einem regionalen (Bundesland, Stadt) und
> einem konjunkturellen Faktor.

Wieso nehmt Ihr alle die BKI-Tabellen? Kein Wunder, warum die Bauherren
abspringen, wenn sie derart überhöhte Kostenschätzungen auf den Tisch
kriegen.

Viele Grüße
Wolfram Oehms


Re: Baukostenberechnung

"Tobias"
2003-07-23 00:05:39

Hi,


> Mich würde mal interessieren, wie ein Architekt die Baukosten
> ermittelt.

eine sinnvolle Kostenermittlung ist nur auf Grundlage
von bereits eingeholten Preisen möglich, und zwar
regionalen Preisen.

Dazu werden die Mengen ermittelt und mit den
Preisen eines alten Angebotes aus dem Mittelfeld
der Bieter multipliziert.

Die Methode ist sehr genau. So genau, daß ich selbst
verblüfft bin :-)

Wichtig ist, daß nur pro Gewerk nur ein LV zugrunde gelegt
wird, wegen der unterschiedlichen Mischkalkulationen.

Preisdatenbanken sind in der Regel Mist.

Allerdings erfordert eine Kostenberechnung eben
ein gewisses Archiv an alten Angeboten ... da das
viel Arbeit ist, rückt die auch keiner gerne raus :-)


Gruß

Tobias


Re: Baukostenberechnung

Wolfgang Thiessen
2003-07-23 14:29:11

Adrian Herrmann wrote:


> das Problem daran ist, daß hier nach Gebäudefunktionen gruppiert wird, die
> Trennung in Einzelpositionen ist von Nöten. Dann sind ein großer Teil der
> Leistungen durchaus auch vom Blumenladen im Bürobau zu finden und das was im
> Blumenladen nicht war findet man sicher in anderen Projekten.


Zustimmung, weshalb man beispielsweise auch parallel mit Tabelle und
eigenen Vergleichszahlen bestimmter Bauteile arbeiten kann und so ein
Wertespektrum erhält, welches dann bei den schwerwiegenden Teilen noch
am Markt abgefragt werden sollte, um so den "Realitätstest" zu machen.

> Diese Tabellen
> sind nur Anhaltewerte, grobe Schätzungen. Um ein Urteil über die
> Wirtschaftlichkeit einer Investition zu treffen m.E. ungeeignet. Ich kenne
> sehr wohl Fälle in denen ein Bau nicht erstellt worden wäre, weil die
> Schätzkosten eines Architekten weit über das Ziel hinausgeschossen sind.


Hmm, lags an der ungenauen Schätzung oder hatten die Entwerfer zu hohe
Qualitätsstandards angenommen?


> Wir machen nichts anderes als Kosten. Nach diesen Tabellen wird
> Plausibilität geprüft. Bei Abweichungen werden die Gründe für diese gesucht.
> Macht man das sehr detailliert, stellt man fest, daß diese Zahlen nur für
> ganz bestimmte Raster gelten. Die Streuung ist einfach zu groß.

Wolfgang


Re: Baukostenberechnung

"Adrian Herrmann"
2003-07-23 15:06:12

Hallo,


> > Diese Tabellen
> > sind nur Anhaltewerte, grobe Schätzungen. Um ein Urteil über die
> > Wirtschaftlichkeit einer Investition zu treffen m.E. ungeeignet. Ich
kenne
> > sehr wohl Fälle in denen ein Bau nicht erstellt worden wäre, weil die
> > Schätzkosten eines Architekten weit über das Ziel hinausgeschossen sind.
>
>
> Hmm, lags an der ungenauen Schätzung oder hatten die Entwerfer zu hohe
> Qualitätsstandards angenommen?

im damaligen Fall hatte ein Bauherr auf Grundlage eines groben Entwurfs
sowie einer sehr einfachen Vorgabe für die Ausstattung ein Wohn- und
Geschäftshaus angefragt.

Der Architekt hatte mit solchen Kennzahlen gearbeitet. Parallel dazu hat man
sich auf dieser Grundlage ein GU-Angebot eingeholt. Beide Zahlen lagen so um
die 4.5 Mio DM. Ich kannte den Bauherren persönlich und er hatte auf einer
privaten Veranstaltung gefragt inwieweit wir das bearbeiten können. Wir
hatten uns darauf geeinigt, daß wir im Falle einer erfolgversprechenden
Kostengestaltung die Realisierung übernehmen könnten.

Wir kalkulieren solche Sachen grundsätzlich selbst wie ein GU-Angebot. Die
erste sehr viel detailliertere Rechnung als die Berechnung auf Kennzahlen
lag bei 3,5 Mio, mit der Empfehlung 0,25 Mio für die Präzissierung der
Planung zu budgetieren.

Auf der Grundlage wurde das Projekt realisiert und auch erfolgreich
abgeschlossen. Letztenendliche lag das was realisiert wurde etwa 850 TDM
unter dem was anderer Orts prognsotiziert wurde. Bei solchen Dingen müssen
alle Zahlen ausgesprochen transparent und nachvollziehbar sein. Zumal es
immer wieder Änderungswünsche gibt die zu Preissteigerungen geführt hätten
und bei allzu lascher Disziplin ein anderes Resultat gehabt hätten.

Obwohl die Sache für den Bauherren sehr rentabel war machen wir solche Dinge
heute nicht mehr. Wir haben keine Planungsabsichten und nehmen solche
Aufträge nicht mehr an. Die Dienstleistung der Kostenermittlung und
Kontrolle wird von privaten Bauherren gerne als kostenfrei in anderen
Leistungen enthalten angesehen. Davon lebt man nicht besonders gut, vor
allem wenn man nichts anderes macht.

Gruß
Adrian Herrmann