Architektur

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Architektur im Roman: Der kleine Hobbit / 7

Architektur im Roman: Der kleine Hobbit / 7

Karl-Ludwig Diehl
2003-12-10 15:02:53

K.L.Diehl, Ackerstr. 4, 53179 Bonn - Seaman Ave, New York

Architektur im Roman: Der kleine Hobbit / 7

Ausgewertet ist der Roman von J.R.R.Tolkien: Der kleine Hobbit.
Muenchen, 2002.
Das Buch erschien erstmals 1937. Tolkien war Mythologieforscher,
Professor in Leeds und Oxford und gab ein mittelenglischen Woerterbuch
heraus. 1954/55 erschien sein Roman "Herr der Ringe".

Der Roman "Der kleine Hobbit" hat in der deutschen Ausgabe vom Jahre
2002 19 Kapitel und die Geschichte erstreckt sich ueber 471 Seiten.

Zur Architektur im 7.Kapitel (S.181 - 222):

Der Hobbit findet sich nach der Nacht mit intensiven Traeumen am Morgen
hoch in den Felsabstuerzen der Nebelberge wieder und muss sich bald mit
den anderen zum Abflug mit den Adlern bereit machen. Der Flug geht von
den Adlerhorsten aus ueber Landschaft:
"Der Morgen war kuehl und Nebel lagen in den Taelern und Schluchten und
wehten da und dort um die Gipfel und Kuppen der Berge (...) die Welt
weit fort (...) und die Berge hinter ihnen in der Ferne". (1) Spaeter:
"obgleich sie in gewaltiger Hoehe flogen, schwenkten sie ein und glitten
in grossen Spiralen tiefer." (2)
Sie gleiten mit den Adlern zu einem "weiten Grasland" mit Baeumen, "die
nach Eichen und Ulmen aussahen". Ein Fluss verlaeuft durch die
Landschaft. Aber: "mitten aus dem Lauf des Flusses, der sich links und
rechts vorbeiwinden musste, erhob sich ein maechtiger Fels, ja geradezu
ein Felsenberg, wie ein letzter Aussenposten des fernen Gebirges, den
ein Riese unter den Riesen Meilen hinaus in die Ebene geschleudert haben
musste." (3)

Dort werden sie von den Adlern abgesetzt. Der Felsenberg wird genau
beschrieben:
"Auf der Kuppe des Felsenberges gab es eine ebene Flaeche. Ein gut
erhaltener Pfad fuehrte mit zahlreichen Stufen hinunter zum Fluss, den
eine Furt aus maechtigen, flachen Steinen bis hinueber zum Grasland
durchquerte. Am Fuss der Stufen lag gleich bei der steinernen Furt eine
kleine Hoehle (eine sehr ordentliche Hoehle mit feinem Kiesgrund)." (4)

In der Hoehle halten der Zauberer, die Zwerge und der Hobbit eine
Beratung ab. Gandalf, der Zauberer, deutet an, dass er sich bald
verabschieden wird, und beschreibt den anderen den weiteren Weg. Wir
erfahren bei dieser Gelegenheit vom Zauberer, wer den Felsen
umgestaltete:
"es gibt jemand hier, den ich kenne und der nicht weit weg von diesem
Felsen wohnt. Dieser Jemand schlug auch die Stufen in den grossen Fels -
in den Carrock, so nennt er ihn." (5)

Die Gruppe dringt noch darauf, dass Gandalf die ganze Unternehmung
mitmacht, aber er sagt nein. Sie baden alle im Fluss, "der an der Furt
nicht sehr tief war, aber klar und steinig". (6) Danach ziehen sie durch
das "lange gruene Gras und entlang den Baumzeilen der breitarmigen
Eichen und der hohen Ulmen." Sie sind auf dem Weg zu Beorn, einem
"Pelzwechsler", der mal als "grosser, starker, schwarzer Baer" und
manchmal als "grosser, starker, schwarzhaariger Mensch mit gewaltigen
Armen und langem Bart" sein Leben verbringen muss. (7) Woher er
abstammt, weiss keiner genau. "Er lebt in einem Eichenwald und bewohnt
ein maechtiges Holzhaus." (8) Als Mensch lebt er wie ein Bauer mit
Pferden, Rindern und Honigbienen, mit denen er spricht. Der Zauberer
deutet an, dass Beorn wahrscheinlich aus dem Gebirge stammt.

Bei ihrer Wanderung "huegelauf und huegelab" rasten sie manchmal "unter
Baeumen" und betreten schliesslich eine "grosse bluehende Flaeche" mit
immer denselben Pflanzen:
"insbesondere gab es Klee, im Wind wehende Flaechen von rotem Fuchsklee
und Purpurklee und weite Strecken von kurzem, weissem und suess nach
Honig duftenden Steinklee." (9) Bienengesumm erfuellt die Luft. Die
Wiesen werden als "Bienenweiden" bezeichnet.

Sie gelangen nun "zu einem Guertel von hohen und sehr alten Eichen",
danach "zu einer stattlichen Dornhecke", die sehr dicht und unpassierbar
ist. Die Zwerge muessen zurueckbleiben und der Zauberer naehrt sich mit
dem kleinen Hobbit langsam dem Hof des Beorn:
"Sie kamen bald zu einem hohen, breiten Holzgatter, hinter dem sie
Gaerten und eine Gruppe niedriger Holzhaeuser sehen konnten. Einige
waren mit Stroh gedeckt und aus roh behauenen Baumstaemmen errichtet:
Scheunen, Staelle, Schuppen und ein langes, niedriges Holzhaus." (10)
Bei dem Gebaeude hinter der Hecke
"standen unglaublich viele Bienenkoerbe in Reihen, deren oberer Teil
glockenfoermig aus Stroh gefertigt war." (11)
Zum Haus fuehrt ein breiter Pfad, rundherum liegt Rasen. Pferde kommen
heran, betrachten sie neugierig und melden sie danach dem Hausherrn.

"Bald erreichen sie einen Innenhof, der an drei Seiten von dem Holzhaus
und seinen beiden langen Fluegeln umschlossen war." (12)

Der Hausherr zerlegt im Innenhof gerade mit der Axt einen Baumstamm. Er
wirkt zunaechst unfreundlich. Der Zauberer erzaehlt ihm, um was es geht
und wieso sie in seine Gegend verschlagen wurden. Das macht ihn
umgaenglicher und sie werden ins Haus eingeladen:
"durch ein dunkles Tor (...) gelangten sie in eine weite Halle, in deren
Mitte sich ein offener Herd befand." Hier brennt "ein Holzfeuer und der
Rauch stieg zum russgeschwaerzten Gebaelk (...) durch eine Oeffnung im
(...) ins Freie." "Sie gingen durch die duestere Halle (...) und kamen
durch eine kleinere Tuer in eine Art Vorbau, der auf Pfosten aus
einzelnen Baumstaemmen ruhte. Der Vorbau lag nach Sueden. Drinnen war es
warm." (13)
Nach draussen faellt der Blick auf Wiesen mit Blumen bis zu den Stufen
am Vorbau, wo sie sich "auf Holzbaenke" setzen und reden. Gandalf
verweist auf die anderen, die draussen warten und darf sie herbeirufen.
Sie kommen nach und nach in kleinen Gruppen herbei. Der Zauberer
schildert dem Beorn den Verlauf der Reise, die Gefahren und ihre
Rettung, bis alle eingetroffen sind. Dann ist die Geschichte zu Ende und
es gibt Abendessen. (14)

Sie gehen in die Halle, wo Ponys und Hunde Fackeln zur Beleuchtung
entzuenden, den Tisch decken, das Essen auftragen. Danach koennen sie
sich zu Tisch setzen. Bienenwachskerzen auf dem Tisch geben mit ihrem
Kerzenschein ein schoenes Bild ab. Und Beorn erzaehlt nun seinerseits
aus seinem Erzaehlgut zu den Gegenden ringsum und beschreibt den
"schrecklichen Nachtwald", durch den die Zwerge mit dem Hobbit bald
alleine gehen muessen, wenn der Zauberer sie verlassen hat. Es wird
Nacht:

"Die Feuer in der Mitte der Halle wurden mit frischen Holzkloetzen neu
aufgebaut, die Fackeln wurden geloescht und noch immer sassen sie im
Licht der tausenden Flammen. Die Saeulen der Halle standen hoch
aufgerichtet hinter ihnen, ihr oberer Teil in Dunkelheit gehuellt wie
die Baeume des Waldes." (15)

Als Beorn die Halle verlaesst, sind alle schon muede und sie richten
sich fuer die Nacht in der Halle ein. Niemand darf die Halle verlassen,
"ehe die Sonne kommt", da es zu gefaehrlich waere. Wie der Hobbit
naechtigt, erfahren wir:
"Bilbo stellte fest, dass seitwaerts auf einem Aufsatz zwischen Pfeilern
und Aussenwand Lager bereitet wurden. Fuer ihn gab es eine kleine
Strohmatratze und wollene Decken." (16)

Am naechsten Tag sind der Zauberer und Beorn verschwunden. Gandalf kehrt
jedoch gegen Abend zurueck und erklaert, er habe nach Baerenfaehrten
Ausschau gehalten und viele Spuren gefunden. Einer einzelnen Spur war er
bis in die Berge gefolgt. Nach seiner Erzaehlung schickt der Zauberer
alle schlafen. Am zweiten Tag auf dem Hof werden sie von Beorn geweckt,
der sehr vergnuegt wirkt. Sie fruehstuecken zusammen und erfahren, wo er
gewesen ist. Er war zu der Waldlichtung gegangen, wo die Reisegruppe das
schreckliche Erlebnis mit den Wargen und Orks hatte und erwaehnt, dass
die Wargen und Orks immer noch nach ihnen suchen. Beorn war dort, weil
er pruefen wollte, ob die Geschichte stimmt, die der Zauberer erzaehlt
hatte. Da sie wahr gewesen ist, hatte der Beorn die Zwerge, den Hobbit
und den Zauberer in sein Herz geschlossen und war vergnuegt
zurueckgegangen. Als sie nach dem gemeinsamen Fruehstueck vor das Haus
treten, sehen sie, dass Beorn einen Orkkopf auf das Gatter gesteckt hat
und ein Wargenfell an einen Baumstamm genagelt ist. (17) Er will den
Zwergen und dem Hobbit bei ihrem Unternehmen helfen und stattet die
Reisegruppe mit Ponys und einem Pferd fuer den Zauberer aus, der noch
bis zum Waldrand des "Nachtwaldes" mitkommen will. Auch Lebensmittel
werden von Beorn uebergeben und er schildert ihnen den weiteren Verlauf
der Abenteuerreise:

"euer Pfad durch den Nachtwald ist dunkel, gefaehrlich und schwierig
(...) Wasser ist dort nicht leicht zu finden, und Nahrungsmittel schon
garnicht. (...) Die Wildnis ist finster und sonderbar und unberechenbar
(...) Einen Fluss gibt es dort, der schwarz und rasch fliessend euren
Weg kreuzt. Trinkt ja nicht von ihm und badet nicht darin, denn ich habe
gehoert, dass er verzaubert ist und Schlafmuedigkeit und Vergessen
bringt (...) Den Pfad aber duerft ihr niemals verlassen, aus keinem noch
so wichtigen Grund." (18)

Die Reisegruppe bedankt sich bei Beorn und sie verabschieden sich mit
dem Zwergenwort von ihm:
"zu Euren Diensten, O Herr der grossen hoelzernen Hallen". (19)

Sie haben zwischen zwei Wegen zu waehlen. Der "Alte Nachtwaldweg" soll
nicht genommen werden, sagt Beorn, weil "der Waldweg selbst, wie er
gehoert hatte, zugewachsen war und am oestlichen Ende gar nicht mehr
benutzt wurde und in unwegsame Suempfe fuehrte." (20) Auch birgt das
Gebiet zu viele Gefahren durch Orks und Wargen. Er raet ihnen nach
Norden in die Naehe ihres Reiches zu reiten, weil die Orks und Wargen
das am wenigsten erwarten und dort in den "Nachtwald" eindringen.

Sie lassen deshalb das Gebirge zur Linken und reiten, "wo der Grund
grasig und eben" ist, schneller, naechtigen auf dem Weg und sehen
unterwegs "nichts anderes als Gras und Blumen und Voegel und einzelne
Baeume und gelegentlich kleine Rudel Hirsche". Am vierten Tag treffen
sie "auf eine schwarze und finstere Wand". "Das Land stieg allmaehlich
an". Nachmittags endlich erreichen sie den Rand des Nachtwaldes und
rasteten unter dem gewaltig ueberhaengenden Laubwerk der aeusseren
Baeume." (21) Der Zauberer erklaert:
"Ja, hier ist der Nachtwald, der groesste aller Waelder in der
noerdlichen Welt." (22)

Die Zwerge mit dem Hobbit muessen nun alleine zurecht kommen. Sie
erkundigen sich noch nach anderen Wegen bei dem Zauberer. Der sagt:

"Ehe ihr den Nachtwald im Norden umgehen koenntet, wuerdet ihr mitten in
die Haenge der Grauen Berge geraten, und die sind einfach vollgestopft
mit Orks, Hobkobolden und Ungeheuern uebelster Art. Und ehe ihr den Wald
im Sueden umgehen koenntet, wuerdet ihr in das Land des
Geisterbeschwoerers kommen." (23) All das waere noch gefaehrlicher als
der Weg durch den "Nachtwald", wo sie sich strikt daran halten muessen,
den Pfad nicht zu verlassen. Sie tauchen in den Wald ein, als der
Zauberer weggeritten ist.

Wir haben also Landschaftsarchitektur des behauenen Felsberges, der
Landschaft um den Bauernhof des Beorn, die Architektur des Gehoeftes und
die Landschaft bis zum "Nachtwald" vor uns, wenn wir dieses Kapitel
durchlesen. Die reichlichen Angaben zu Einzelheiten erlauben uns ein
recht gutes Bild, das unsere Phantasie durch den Text erzeugt. Wir ahnen
schon, dass es im "Nachtwald" schrecklich zugehen wird.
Karl-Ludwig Diehl

Anmerkungen: (auf Nachfrage)
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