Hallo,
ein Kunde von mir überlegt, ob er mehrere Häuser und eine Sporthalle
in
Stroh baut.
Dies ist mit Ständerbau in Deutschland statisch kein Problem.
Wohl aber eher der Brandschutz, da Klasse B3 sowie "Untermieter".
Stroh ist in Reinform Zellulose also unverdaubar, nur wo bekommt man
solches?
Auch die Insekten und die Feuchtigkeit vom Feld sind bedeutend, so daß
man wahrscheinlich mit Wärme nachbehandeln und erneut pressen muß.
Gibt es bei Euch Erfahrungen mit Strohbauten?
google spuckt schon ein paar Sachen aus. Z.B.
www.baubiologie.at
und www.strawbalehouse.de
Eine andere Frage beschäftigt mich noch im Bereich Baugenehmigung.
Man benötigt (BV in Brandenburg) eine Zustimmung im Einzelfall der
oberen Baubehörde.
Wie sind da die Vorgehensweisen?
Wie beurteilt man den Brandschutz?
Welches Institut kann sagen x kg Borsalz / Molke pro x kg Stroh = B2?
Danke für alle Antworten
Sebastian Schulze
Architektur
Stroh als Baumaterial
Stroh als Baumaterial
Sebastian Schulze schrieb:
> Stroh ist in Reinform Zellulose also unverdaubar, nur wo bekommt man
> solches?
Hallo,
nein, für Nichtwiederkauer ist Zellulose weitgehend unverdaulich,
Wiederkäuer können Zellulose mit Hilfe ihrer Pansenbakterien zu 50
bis
60 % verwerten. Stroh besteht übrigens nur zu etwa 40 % aus Zellulose.
Siehe hier:
http://www.behrens-moorhof.de/rinder.html
Bye
Stroh als Baumaterial
Hi,
> ein Kunde von mir überlegt, ob er mehrere Häuser und eine
Sporthalle in
> Stroh baut.
falls noch nicht bekannt, möchte ich darauf hinweisen, dass die
Bundesregierung kürzlich ein Förderprogramm für
Dämmmaterialien aus
nachwachsenden Rohstoffen gestartet hat. "Die Die Förderrichtlinie
Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen spricht Sanierer von
Altbausubstanz ebenso an wie Bauherren oder Bauträger von Neubauten.
Gefördert wird abhängig von der Zusammensetzung des
Dämmmaterials in
zwei Kategorien, wobei ein maximaler Zuschuss von 40 Euro pro
Kubikmeter gewährt werden kann."
(so gelesen auf Seite:
http://www.baulinks.de/webplugin/2003/0807.php4)
Und dann noch vielleicht interessant: "Dämmstoff aus nachwachsendem
Rohstoff auf dem Weg zum bezahlbaren Standard?" -
http://www.baulinks.de/webplugin/2003/0798.php4
Stroh als Baumaterial
ms-arch schrieb:
...
>
> (so gelesen auf Seite:
> http://www.baulinks.de/webplugin/2003/0807.php4)
>
ist für uns auf jeden Fall interessant
>
> Und dann noch vielleicht interessant: "Dämmstoff aus
nachwachsendem
> Rohstoff auf dem Weg zum bezahlbaren Standard?" -
> http://www.baulinks.de/webplugin/2003/0798.php4
danke für die beiden links
Sebastian
Stroh als Baumaterial
Uwe Hercksen schrieb:
...
>
> nein, für Nichtwiederkauer ist Zellulose weitgehend unverdaulich,
also z.B. Nager
> Wiederkäuer können Zellulose mit Hilfe ihrer Pansenbakterien zu
50 bis
> 60 % verwerten. Stroh besteht übrigens nur zu etwa 40 % aus
Zellulose.
> Siehe hier:
> http://www.behrens-moorhof.de/rinder.html
>
also die Ballen vor Kühen schützen ;-)
Sebastian
Stroh als Baumaterial
Hi Sebastian,
Stroh ist eigentlich recht haltbar - und wurde früher oft als
Dämmstoff eingesetzt, allerdings meist ohne durchschlagenden
Erfolg, wohl wegen des recht hohen lamda R - Wertes.
In der Regel staplte man z.B. Strohballen auf der obersten
Geschoßdecke, machte Strohwickel um die Dachlatten oder
verfüllte damit (meist mit Lehm gemischt) Wände, auch zweischalige
Bruchsteinwände.
Der Dämmeffekt ist (was ich so gesehen habe) aber nicht berauschend.
Wegen der Feuchtigkeit hat heute fast jeder Mähdrescher ein
Feuchtemeßgerät, das automatisch Alarm schlägt,
überschreitet
das Erntegut den gewünschten Feuchteanteil. Wichtig bei der
Nachternte (da die Geräte so teuer sind, laufen sie zur Ernte
"rund um die Uhr"), da nachts nur bis zu einer gewissen Taumenge
geerntet werden kann. Eine moderne Erntemaschine gleicht von innen
gesehen mehr einem Kampfjet - bis hin zu Regenradar und aktuellen
Erntegutpreisen via Internet auf dem Monitor einblendbar, mit
Gewinnkalkulation/ ha der laufenden Ernte ... :-)
Auch ist die Ballenpresse einstellbar (Strohpressung etc.), so daß
es eigentlich kein Problem mehr ist, wirklich trockenes Stroh in der
gewünschten Preßdichte zu bekommen. Allerdings sind die
modernen Feldfrüchte so optimiert, daß der Halm möglichst kurz
ist - und wenige Energie beim Wachstum verschlingt. Scharf
ist der Bauer ja auf die Körner. Daher gibt es heute in Mitteleuropa
kein gutes Stroh mehr. Einige alten Getreidesorten (mit entsprechend
guten, d.h. langen und stabilen, Halmen gibt es noch aus Osteuropa,
bzw. gab es - hat sich auch einiges in Richtung Hochleistungssorten
geändert.
Die Frage ist daher, ob Du überhaupt noch qualitativ laglebiges
Strob bekommst, ohne nicht selbst spezielle alte Sorten als
Baustoff anbauen zu lassen. Die können dann aber wirklich trocken
geerntet und gleich zur gewünschten Ballendichte gepreßt werden.
Gruß
Tobias
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