K.L.Diehl, Ackerstrasse 4, 53179 Bonn
Hallo,
Anfang der 90er Jahre wurden die New Yorker befragt, wie ihnen ihre
Stadt gefiele: "Fast 75% der Befragten aus den Wohngebieten der Weissen
hofften, in fuenf Jahren anderswo zu leben." (1)
Dabei war das Projekt der "Wonder Cinty" von 1932 garnicht gebaut
worden, das fuer das Jahr 1982 vorsah, Wolkenkratzer bis zur Hoehe von
250 Stockwerken zu errichten, East-River und Hudson-River zuzuschuetten,
um Raum fuer 50 Millionen Einwohner zu schaffen. (2)
Grund fuer die deprimierende Stimmung besonders unter der weissen
Bevoelkerung der Stadt war der Grad der Verwahrlosung vieler
Stadtgebiete und eine erschreckend hohe Kriminalitaet, die vielen Angst
machte. Das erforderte Massnahmen. Es wurde hart durchgegriffen. New
York sollte "sauberer, sicherer, grossartiger" denn je werden. Und
Buergermeister Rudolph Giuliani hatte Erfolg mit dieser Politik. Die
Lage entspannte sich und die naechste Umfrage liess erkennen, dass die
Botschaft angekommen war. Die Kriminalitaet war zurueckgegangen, und
Ordnungskraeften gelang es, Bettler, Kleindealer und Strassenhaendler zu
vertreiben. Um Drogenabhaengige und Obdachlose kuemmerte man sich
wieder verstaerkt und schuf Hilfsprogramme zur Abmilderung ihrer
Lebenssituation, um sie von der Strasse zu kriegen. Doch werden solche
Massnahmen nur Kosmetik am Stadtbild sein koennen, denn
"40% der New Yorker Kinder wachsen in Armutsverhaeltnissen auf." (3)
Ihnen zu entrinnen, duerfte schwer sein.
Mag also das Image der Stadt aufgebessert sein, an der Tatsache, dass
sehr viele Stadtbewohner in alptraumartigen Wohnverhaeltnissen ihre
Lebenszeit zubringen, hat sich wohl nichts geaendert. In einer solchen
Stadt ausgeglichene Wohn- und Lebensverhaeltnisse schaffen zu wollen,
ist unmoeglich. Es widerspraeche der Wirtschaftsform des Liberalismus.
Es verwundert mich deshalb die Aussage von Henry James:
"wer einmal in New York gelebt hat, fuer den ist kein anderer Ort gut
genug." (4)
Da ist wohl Henry Millers Aeusserung naheliegender, die er zu New York
formulierte:
"sooft ich ... dorthin zurueckkehrte, (hat mich) sein blosser Anblick
mit Furcht, Ekel und Verzweiflung erfuellt..." (5)
Anmerkungen:
(1) Werner Skrentny: New York. Koeln, 2000. S.15
(2) erwaehnt bei: Werner Skrentny... S.10
(3) Werner Skrentny... S.183
(4) zitiert in: Werner Skrentny... S.7
(5) zitiert in: Gabriele von Arnim, Bruni Mayor, u.a: New York. Koeln,
1979. S.89
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New York, tausendkistenfoermig / 3
2003-07-28 19:32:15