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Frage zur "Bauherrschaft heute"

Frage zur "Bauherrschaft heute"

"tobias"
2004-02-02 16:15:35

Hallo,

ich muss doch mal was loswerden, und nachfragen, ob
nur ich betroffen bin, oder das eine allgemeine Tendenz ist:

Beginn Januar habe ich einen Bauantrag für ein
Gerwerbe begonnen. Diese haben dann, gegen mein
Anraten, anfangen schwarz zu bauen.

Dann wurden sie angezeigt von den Nachbarn,
und eine Strafe festgelegt. Der Bauherr meinte
dann am Telefon, ich sei Schuld, dass sie nun eine
Strafe bekommen hätten, da ja der Bauantrag noch
nicht fertig sein (sei ja nur ein Plänchen). O.k., er
war dann fertig (der Antrag), aber aufgrund dieser
Schuldzuweisung hab ich das Prokjekt in den Müll
und abgesagt.

Bei einem anderen, Aufbau einer Gaube auf ein
Wohnhaus, wurde ich vor die Baurechtsbehörde zitiert,
da diese Gaube so aus ästhetischen Gründen nicht
genehmigungsfähig sei.

Nun ruft mich der Bauherr an, dass ich Schuld sein,
er hätte schon alles rausgerissen, dass die Gaube so nicht
genehmigt wird. Auf meinen Einwand, dass man mit
dem Bau gewöhnlich erst nach Genehmigung loslegt,
kam ein unfreundliches Genuschel.

Ich weiß auch nicht, was los ist. Aber seit wann
bilden sich die Leute ein, dass man noch für ihre
Schwarzbauten verantwortlich ist? Das gab es noch nie.

Geht das euch auch so, oder ist da nur eine Häufung
bei mir?

Gruß

Tobias


Frage zur "Bauherrschaft heute"

"Hubert Bigerl"
2004-02-02 18:07:38

Hallo Tobias,

> Beginn Januar habe ich einen Bauantrag für ein
> Gerwerbe begonnen. Diese haben dann, gegen mein
> Anraten, anfangen schwarz zu bauen.

Als du das erfahren hast, ist sicher gleich ein Vierzeiler an den BH
rausgegangen.

> Dann wurden sie angezeigt von den Nachbarn,

:-)>

> und eine Strafe festgelegt. Der Bauherr meinte
> dann am Telefon, ich sei Schuld, dass sie nun eine
> Strafe bekommen hätten, da ja der Bauantrag noch
> nicht fertig sein (sei ja nur ein Plänchen). O.k., er
> war dann fertig (der Antrag), aber aufgrund dieser
> Schuldzuweisung hab ich das Prokjekt in den Müll
> und abgesagt.

Das hätte ich auch gemacht. Wenn so früh schon einer kommt und sagt:
"Ich bin auf die Nase gefallen und du bist schuld, dass es wehtut!",
kann man sich nur distanzieren, sonst kommt´s immer schlimmer. Ich nehme
an, dass ihr keinen konkreten Übergabetermin für deine Leistung
vereinbart habt. Hat er die Planung wenigstens bezahlt?

> Bei einem anderen, Aufbau einer Gaube auf ein
> Wohnhaus, wurde ich vor die Baurechtsbehörde zitiert,
> da diese Gaube so aus ästhetischen Gründen nicht
> genehmigungsfähig sei.

Ich dachte die seien nur fürs Rechtliche zuständig? War das
Denkmalschutz drauf, oder waren es nur die Bäcker, Metzger und Wirte vom
Gemeinderat? Mit dem BRA hast du dich ja sicher vor Antragstellung über
die juristische Genehmigungsfähigkeit abgestimmt.

> Nun ruft mich der Bauherr an, dass ich Schuld sein,
> er hätte schon alles rausgerissen, dass die Gaube so nicht
> genehmigt wird. Auf meinen Einwand, dass man mit
> dem Bau gewöhnlich erst nach Genehmigung loslegt,
> kam ein unfreundliches Genuschel.

Also, bei mir geht schon längere Zeit an jeden neuen BH zu Beginn ein
Blättchen raus, wie man sich im Bauablauf normalerweise zu verhalten
hat. Da ist von Planung über Baugenehmigung und Baubeginn bis hin zur
Abnahme alles kurz zusammengefasst. Keiner soll sagen, das hätte er
nicht gewusst.

Da steht zB, dass der Bau erst nach Erhalt des roten Punktes und Vergabe
von mindestens 60% der Gewerke begonnen wird. Oder dass der BH nicht
eigenmächtig ungeprüfte Handwerkerrechnungen bezahlt (Quell vielfältiger
Freude...), dass er bei Abnahmen anwesend sein muss und noch viele
andere praktische Dinge.

Sowas macht einmal Arbeit, aber man hat es lange und es (er)klärt vieles
im Vorfeld. Viele Missverständnisse zwischen den am Bau beteiligten sind
nichts als ein Kommunikationsproblem.

> Ich weiß auch nicht, was los ist. Aber seit wann
> bilden sich die Leute ein, dass man noch für ihre
> Schwarzbauten verantwortlich ist? Das gab es noch nie.

Ja, am Bau ist die Luft dünn und wenn der BH finanziell mit dem ..ääh...
Rücken an der Wand steht, ist sie auch gleich draussen :-)

Wenn ich mir so die Prozessakten ansehe, die in letzter Zeit auf meinem
Schreibtisch landen, geht es in recht vielen Fällen nur um die Kohle der
letzten Rate wegen irgendwelcher Banalitäten. Da kannst du schon den
Eindruck kriegen, die nehmen sich von vorn herein einen Planer, weil sie
einen Sündenbock brauchen, der ihnen hinterher ein Stück ihres Baus
bezahlt. Die Anwälte stellen sich im Normalfall auf den Standpunkt, dass
ihr Mandant nur Kaufmann sei, vom Bauen deshalb sowieso nichts verstünde
und sich darum einen teuren Planer leiste, der jetzt gefälligst für
alles haften solle, was der BH jemals falsch machen konnte. Das wird von
den Gerichten oft unterstützt, indem sie auf die umfassende
Beratungspflicht des Architekten abheben und wissen, dass er der einzige
mit Versichrung ist. Diese Tendenz ist durchaus zunehmend und hat wohl
jetzt auch dich erwischt.

Trag´s mit Fassung, du bist nicht alleine, glaub ich.
Und versuch dich da im Vorfeld etwas abzusichern. Die
Haftpflichtversicherer sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Die
wären unsere Berufsgruppe gerne los, wenn´s sein muss einzeln.

Grüsse (und halt die Ohren steif)
Hubert


Frage zur "Bauherrschaft heute"

"tobias"
2004-02-02 18:28:36

Hi Hubert,

> Als du das erfahren hast, ist sicher gleich ein Vierzeiler an den BH
> rausgegangen.

Nein,

> Hat er die Planung wenigstens bezahlt?

ist billiger ich berechne nichts- und
streite nicht :-)


> Ich dachte die seien nur fürs Rechtliche zuständig? War das
> Denkmalschutz drauf, oder waren es nur die Bäcker, Metzger und Wirte vom
> Gemeinderat? Mit dem BRA hast du dich ja sicher vor Antragstellung über
> die juristische Genehmigungsfähigkeit abgestimmt.

Die Gaube kam drei Tage vor Weihnachten, mußte
unbedingt noch fertig werden bis Weihnachten. Abzuklären
blieb da leider keine Zeit, sonst mache ich das immer.

Aber die hatte eigentlich der Zimmermann so geplant, mein
Part war ein Balkon für einen Schlaosser. Der meinte
halt zum Bauherrn "die Gaube malen wir dann gleich auch noch
mit rein". Was solls ...

> Also, bei mir geht schon längere Zeit an jeden neuen BH zu Beginn ein
> Blättchen raus, wie man sich im Bauablauf normalerweise zu verhalten
> hat. Da ist von Planung über Baugenehmigung und Baubeginn bis hin zur
> Abnahme alles kurz zusammengefasst. Keiner soll sagen, das hätte er
> nicht gewusst.

Nun ja, ich mach in der Regel ein Beratungsgespräch.
Aber sicher ist ein schriftliches "Formblatt" besser.

> Wenn ich mir so die Prozessakten ansehe, die in letzter Zeit auf meinem
> Schreibtisch landen, geht es in recht vielen Fällen nur um die Kohle der
> letzten Rate wegen irgendwelcher Banalitäten. Da kannst du schon den
> Eindruck kriegen, die nehmen sich von vorn herein einen Planer, weil sie
> einen Sündenbock brauchen, der ihnen hinterher ein Stück ihres Baus
> bezahlt. Die Anwälte stellen sich im Normalfall auf den Standpunkt, dass
> ihr Mandant nur Kaufmann sei, vom Bauen deshalb sowieso nichts verstünde
> und sich darum einen teuren Planer leiste, der jetzt gefälligst für
> alles haften solle, was der BH jemals falsch machen konnte. Das wird von
> den Gerichten oft unterstützt, indem sie auf die umfassende
> Beratungspflicht des Architekten abheben und wissen, dass er der einzige
> mit Versichrung ist. Diese Tendenz ist durchaus zunehmend und hat wohl
> jetzt auch dich erwischt.

Das Thema trifft mich noch nicht so, da die meisten selber bauen.

> Trag´s mit Fassung, du bist nicht alleine, glaub ich.
> Und versuch dich da im Vorfeld etwas abzusichern. Die
> Haftpflichtversicherer sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Die
> wären unsere Berufsgruppe gerne los, wenn´s sein muss einzeln.

O.k., diese Tendenz gibt es ja seit ca. 3 Jahren.

Aber wie gesagt, nichts wie wech. Ich such mir was in
der Industrie. Nebenher kann man ja immer noch was
machen, denkt man, es müßte sein. Denke aber im Moment,
es muß nicht sein :-)

Gruß

Tobias


Frage zur "Bauherrschaft heute"

Sven Schelhorn
2004-02-02 16:56:16

tobias schrieb:
>
> Hallo,

Hola,

Regel Nr. 1: Der Architekt ist schuld.
Regel Nr. 2: Regel Nr. 1 ist zu beachten.

;-)))

> Geht das euch auch so, oder ist da nur eine Häufung
> bei mir?

Mein Freund L. aus S. (liest Du mit?) hat mir Heute von so einen Fall
erzählt.

Bauherr läßt auf der Baustelle Wände verschieben, weil angeblich diese
Angaben nicht im Plan eingetragen sind.
Am Ende passen Küche und Schlafzimmer nicht rein. *hihi*

Rate mal wer schuld war! ...siehe Regel Nr. 1 und 2 ;-)

Wir haben ein Projekt, daß sogar für einen Architekturpreis nominiert
ist, mit geplant, mit allen nötigen Höhen im Bereich Dachterrasse
(Attika und OK Abdichtung etc.), sowie die Detailplanung einer Treppe.
War richtig tolle Sache. Bis auf die Tatsache, daß die Bauleitung nicht
der Planer machte...

Attika wurde nach Angaben Bauleitung (gehörte zu Bauherr) niedriger
ausgeführt. Nun ist OK Abdichtung am höchsten Punkt = OK Attika. Rate
mal wer schuld ist ;-)

Die Treppe wurd gebaut, obwohl wir nie eine Genehmigungsplanung
(Roteintragungen) gesehen haben. Tja, horizontale Verstrebungen wurden
nicht genehmigt, aber das wußte nur der Bauleiter, nicht der Werkplaner.

Maß zwischen den Stufen wurde größer als in unserem Detail hergestellt
und auch der Handlauf erhielt nicht den nötigen Versatz, wie er geplant
war. Enges Treppenloch...
Rate mal wer Schuld war bzw. sein sollte. Richtig Nr. 1 ;-)

Ein Autohaus, wurde geplant und gebaut. Irgendwann reißen die Fliesen,
obwohl das schlüsselfertig gebaut wurde und die Bauleitung wiederum in
anderen Händen war. Rate mal wer Schuld war. Richtig. Der Werkplaner
gemäß Nr. 1 ;-)))

Ach, wo soll ich da aufhören *g*

Du sieht also...

Und warum? Weil alle immer Billig, Billig wollen, aber auf einen Blöden
der haftet will keiner verzichten.

Ein Grund mehr sich und seine Leistung nicht zu verschenken, trotz
Flaute oder gerade deswegen!

--
Ciao, SVEN
--
<FAQ: de.sci.architektur>
<http://dsa.bau-wesen.de>;


Frage zur &quot;Bauherrschaft heute&quot;

Klaus Horstmann
2004-02-04 16:18:43

Moin Hubert,

On Mon, 2 Feb 2004 18:07:38 +0100, "Hubert Bigerl"
wrote:

>Diese Tendenz ist durchaus zunehmend ...

Das ist sie wohl durchaus - und die Richter folgen dem wohl immer
öfter und immer lieber. War da nicht neulich ein Artikle im DAB zu dem
Thema?

Gruß
Klaus


Frage zur &quot;Bauherrschaft heute&quot;

Andreas Groebe
2004-02-05 00:11:53

in Beitrag bvlpim$amv$07$1@news.t-online.com schrieb tobias unter
tobias.g.l@wed.de am 02.02.04 17:15 Uhr:

> Hallo,
>
> ich muss doch mal was loswerden, und nachfragen, ob
> nur ich betroffen bin, oder das eine allgemeine Tendenz ist:
>
> Beginn Januar habe ich einen Bauantrag für ein
> Gerwerbe begonnen. Diese haben dann, gegen mein
> Anraten, anfangen schwarz zu bauen.
>
> Dann wurden sie angezeigt von den Nachbarn,
> und eine Strafe festgelegt. Der Bauherr meinte
> dann am Telefon, ich sei Schuld, dass sie nun eine
> Strafe bekommen hätten, da ja der Bauantrag noch
> nicht fertig sein (sei ja nur ein Plänchen). O.k., er
> war dann fertig (der Antrag), aber aufgrund dieser
> Schuldzuweisung hab ich das Prokjekt in den Müll
> und abgesagt.
>
> Bei einem anderen, Aufbau einer Gaube auf ein
> Wohnhaus, wurde ich vor die Baurechtsbehörde zitiert,
> da diese Gaube so aus ästhetischen Gründen nicht
> genehmigungsfähig sei.
>
> Nun ruft mich der Bauherr an, dass ich Schuld sein,
> er hätte schon alles rausgerissen, dass die Gaube so nicht
> genehmigt wird. Auf meinen Einwand, dass man mit
> dem Bau gewöhnlich erst nach Genehmigung loslegt,
> kam ein unfreundliches Genuschel.
>
> Ich weiß auch nicht, was los ist. Aber seit wann
> bilden sich die Leute ein, dass man noch für ihre
> Schwarzbauten verantwortlich ist? Das gab es noch nie.
>
> Geht das euch auch so, oder ist da nur eine Häufung
> bei mir?
>
> Gruß
>
> Tobias
>
>

Auch hier bei mir in Hessen,

der Bauherr hat entgegen meiner Planung eine Stützwand an der Terrasse mit
erheblicher Böschung angelegt. Das rief das Bauamt auf den Plan. Strafe und
Pläne ändern. Der Bauherr fragte mich nur ob ich denn eine Versicherung
hätte? - die Frage ist schon rotzfrech!

Also das ist der letzte Fall bei mir, aber es häufen sich solche Sachen in
letzter Zeit massiv, was ich auch von anderen Kollegen höre.

Gruß

Andreas